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Ein Konzertbericht mit Fotos von Petra Meißner



a 20190416 1453550133Eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. Google hüllt sich in Schweigen, wenn man nach der "Kleinkunstbühne Kallaputschni" in Meißen sucht. Warum dieser hübsche Ort noch nicht im WWW kursiert, sollte man gestern Abend auf recht kurzweilige Art und Weise erfahren. "Wir singen", war das Motto des Abends. Lieder und auch Volkslieder mag Familie Meißner, und so machten wir uns auf nach Meißen. Uns erwartete ein spannendes Projekt und eine tolle Location.

Die drei Künstler Peter Braukmann, Tilo Schiemenz und Bernd Pakosch hatten sich zusammengetan und präsentierten Volkslieder aus den drei Kategorien "traditionelles Volkslied", "subversives Volkslied" und "zeitgenössisches Lied". Volksliedern haftet oft ein verstaubter Touch an, aber die drei Musiker haben kräftig entstaubt. Es war ihr Anliegen, das deutsche Volkslied nicht gewissen Gruppen zu überlassen, und die Breite und Vielfälltigkeit zu zeigen. Wie sagte Tilo Schiemenz dazu? "Wenn man es auf eine bestimmte Richtung beschränkt, wird es schnell benutzbar."

Punkt 20:00 Uhr ging das Bühnenlicht an und die Musiker enterten recht zackig die kleine Bühne. Mit lustigen Schüttelreimen begrüßte der Gastgeber Tilo Schiemenz das Publikum. Als Opener für die Herzen des Publikums fungierte der verdiente Barde es Volkes, Peter Braukmann aus Meißen. Zeit seines Lebens ist ihm das Volkslied eine Herzensangelegenheit. Erst in Norddeutschland mit SCHNAPPSACK und später in Sachsen tat er viel, um diese Kunstform in der heutigen Zeit hörbar zu machen. "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt" hatte er zu Beginn ausgewählt. Seine Tochter unterstützte ihn bei der Variante "Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder". Das Publikum musste gar nicht erst aufgefordert werden, mitzusingen. Es klappte sofort, natürlich außer bei mir, denn ich bin leider unmusikalisch. Mittun ist bei mir nicht, deshalb schreibe ich lieber auf, was mir so zu den Konzerten begegnet.

Peters Paradestück ist für mich immer wieder "Es wollt ein Schneider wandern". Die lustige Art des Vortrags macht ihm so leicht keiner nach. Bei den drei Barden stand dann "Es wollt ein Bauer Langholz fahr'n" auf dem Programm. Dazu muss er früh aufstehen. Hier zeigte sich wieder mal, wie geografisch wandelbar Volkslieder sind.b 20190416 1358969116 Uns ist die Variante von Zupfgeigenhansel in ewiger Erinnerung geblieben. Zu Ostzeiten lief diese Platte bei uns hoch und runter. Unbemerkt von den Eltern hatte unsere damals vierjährige Tochter das Lied aufgeschnappt. Sie sang dann lupenrein von des Pfaffen Arschgesicht im Kindergarten. Das warf kein gutes Licht auf unsere Erziehungsversuche.

Wunderschön anzuhören, war das Lied von Eichendorf, "In einem kühlen Grunde", gesungen von Tilo Schiemenz. Diesen Künstler als Universalgenie zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Er ist tätig als Bühnenbildner an der Semperoper, als Kostümbildner, Regisseur und Autor. Hier in Meißen wechselte er die Fronten, er betrat die Bühne als Sänger und seine tolle Stimme ist mir in Erinnerung geblieben. Der Dritte im Bunde war der studierte Sänger und Gitarrist Bernd "pákos" Pakosch, die perfekte Ergänzung zu den zwei erstgenannten Künstlern. Die drei Barden ergänzen sich, besonders weil sie jeder eine ganz interessante Facette der Interpretation der Lieder hinzufügten. Besonders gefiel mir Bernds Lied über den Mond und natürlich "Die Gedanken sind frei".

Aus dem Themengebiet traditionelles Volkslied trug Bernd Pakosch "Es, es, es und es" bei. Spannend wurde es, als die Kategorie des subversiven Volksliedes abgehandelt wurde. So richtig bitterböse Volklieder haben da die Zeiten überdauert. "Hansel dein Gretelein, ist ein faules Schlamperlein" gab es zu hören. Als den Barden der Text entfallen war, half das Publikum. Aber der Höhepunkt des Abends waren Peter Braukmann und Tilo Schiemenz mit "Krüppel ham so was Rührendes" von Qualtinger und Heller. Dieser Ausflug ins Wiener Lied kam super an. Augenzwinkernd gaben sie diesen politisch inkorrekten Song zum Besten. In der Rubrik zeitgenössisches Volkslied wurden einige Perlen gehoben. Bernd Pakosch begeisterte mit einem Gundermann. "Immer wieder wächst das Gras" und Waders "Heute hier, morgen dort" war da zu hören. Tilo Schiemenz hatte sich "Ich möchte eine kleine Wirtschaft führen" von Wenzel ausgesucht. Auch Gerhard Schöne kam zu Ehren, Tilo brachte "Hinterhof" mit.

So richtig rund wurde das Konzert, indem noch zwei weitere Musiker zur Unterstützung dabei waren. Zum Ensemble des Abends gehörten Konrad Möhwald am Harmonium, der auch als Komponist tätig ist und Matthias Weisbach an der Violine. Gesang und Instrumente gab es unverstärkt, was ich ganz besonders mag. Jeder der Drei durfte noch ein besonders Lied präsentieren.c 20190416 1766834625 Bei Thilo Schiemenz war es was jiddisches. Bernd hatte sich was sächsisches ausgesucht. "Der Philosoph" von Helene Vogt war zu hören. Peter Braukmann brachte etwas norddeutsches aus seiner früheren Heimat mit. "Ach was wird denn meine Mutter sagen" war sein persönlicher Beitrag. So verging der Abend wie im Fluge.

Warum die Location noch nicht im Web zu finden ist, klärte sich auch auf. Der Gastgeber Tilo Schliemenz ist noch dabei, diesen ehemaligen Fleischerladen auf der Dresdener Straße in Meißen auszubauen, um ihn als Kleinkunstbühne für Puppenspiel und andere Sachen zu nutzen. Seine Musikerkollegen Matthias Weisbach und Konrad Möhwald unterstützen ihn nicht nur musikalisch, sondern auch handwerklich. Die wunderschönen alten Fleischereifliesen wurden erhalten, eine Bar wurde eingebaut und der Kachelofen war echt in Betrieb. Wir wünschen ihm Glück mit dem Projekt. In Meißen und anderswo ist es sicher eine schwierige Frage, ob sich Kleinkunst rechnet. Also für die Besucher auf jeden Fall. Wir kommen gern wieder.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Peter Braukmann: www.peterbraukmann.de
• Off. Facebook-Seite von Bernd Pakosch: HIER entlang










 

 


   
   
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