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Ein Konzertbericht  mit Fotos  von Hartmut Helms
+ zusätzliches Foto von Heiko Fiedler (Überschrift)




Wenn der "Zirkustiger" seine Gitarre in Halberstadt auspackt, wird daraus fast ein Heimspiel. In den Mauern dieser Stadt, in der seine "großen Brüder lange Schatten warfen" und ihm die ersten Griffe auf der Gitarre beibrachten, hat er noch heute viele Freunde. So ist es kein Wunder, dass im Gewölbe des Bibliothekskellers beinahe ein Klassentreffen stattfindet, als PAUL BARTSCH auf dessen Podium steigt. Ich bin hier wohl der Einzige, der - wenn überhaupt - eine völlig andere Beziehung zu ihm hat.a 20190408 1349963901 Für mich lohnt es sich, dem Lied-Interpreten und Buchautor zu lauschen, dessen Leben auf ähnlich gemachten Erfahrungen und die Liebe zur Musik der Beat-Ära ruht, wie das meine. Wenn er Episoden aus jener Zeit liest und sie mit seinem Blickwinkel auf das Zeitgeschehen bis in unsere Tage vermengt, sie singend kommentiert, dann fühle ich mich ein wenig zu seinen "großen Brüdern" hingezogen. Also werde auch ich vom Künstler, Literaturwissenschaftler und Professor begrüßt und finde einen Platz im Raum.

Die ersten Momente fühlen sich tatsächlich an, als hätte es all die vielen Jahre nicht gegeben. Seiner Gitarre entlockt er die ersten gezupften Töne und er singt passend vom "Mensch mir gegenüber (was dich freut und stört, wir reden drüber)". Auch wenn PAUL allein vor uns agiert, es fühlt sich wie ein Zwiegespräch mit jedem im Raum an und jeder weiß auch, wie die "Ballade vom Drachen im Wald" zu interpretieren ist. Es ist diese gemeinsame Geschichte in einem anderen Land, aus dem wir kamen, in dem wir ein Leben und viele Freunde hatten.

Freunde wie jene, von denen er nun, mit dem Buch in der Hand, von den Geschehnissen einer ganzen Woche in jenem Land zu erzählen beginnt. Es geht um so wichtige Fragen wie, ob man damals lieber Stones- oder Beatles-Fan sein wollte und dass weder "Ob-La-Di, Ob-La-Da" noch "Jumping Jack Flash" an die Spitze der Charts gelangten. Mir schießt es durch den Kopf, dass ich ein Weder-Noch-Fan war, sondern mich eher zur Musik der Who und Small Faces hingezogen fühlte und dennoch die Musik der Rolling Stones und Beatles faszinierend fand (und finde). Den Tod von Brian Jones im Juli 1969 habe ich übrigens bei der NVA in den Rieselfeldern Mahlow bei Berlin beweint und um diese Bemerkung zu verstehen, muss man allerdings das Büchlein gelesen haben, aus dem PAUL einige Passagen bemüht.

Zwischendurch unterbricht er sich wieder selbst mit einem seiner Lieder. "Was bleibt" schrieb er wohl mit Gedanken an ein Klassentreffen im Hinterkopf, ein leises Lied voller Reflexionen und Erinnerungen ans eigene Leben. Darin Momente wie jener, als das Gerücht von einem Konzert der Hollies in Berlin die Runde machte. Ein Aspekt, der im Buch nicht gerade unwichtig ist und er erzählt von der BRAVO aus der BRD, von der Straßenbahn und was das alles mit grünen Gurken im Februar zu tun hatte. Das Nachlesen zaubert auch in solchen Momenten dem ex-DDR-Bürger ein schräges Lächeln ins Gesicht und PAUL vor uns lächelt mit. Weil es um unsere Jugendjahre ging und die heutige Jugend irgendwie anders zu sein scheint, präsentiert er uns mit "Ich komm' da nicht mehr mit" augenzwinkernd seine Sicht auf das "Problem", unterstützt von kräftigen Akkorden seiner Gitarre.

Dieser Abend im Kellergewölbe der Stadtbibliothek lebt von der Abwechslung, vom gesprochenen und gesungenen Wort. Er lebt von bekannten Songs wie der "Trierer Ballade", dem Dylan-Cover, das PAUL mit eigenen deutschen Worten versehen hat, und neuen Liedern wie "Momente", das eine Brücke zum nächsten gelesenen Absatz schlägt.b 20190408 1873301002 Wer das Buch "Große Brüder werfen lange Schatten" noch nicht kennt, wird zumindest neugierig gemacht, weil der Schauplatz zwar real, die Story jedoch fiktiv und dennoch sehr realistisch in der Zeit verankert ist. Das alles zusammen macht diesen Abend zu einem Erlebnis und fast zu einer Zeitreise ins eigene ICH, augenzwinkernd und ohne erhobenen Zeigefinger.

Die musikalische Lesung endet nach fast zwei Stunden mit dem neuen Lied. "Uff'n Sandberg Schlitten fahren" hat das Zeug zu einem heimlichen Knaller. Ich muss schmunzeln, als ich den Refrain höre und wahrscheinlich nicke ich auch gerade unmerklich. Der Song gefällt mir und ich kann mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause fahren. Zwölf schier unendlich lange Wochen ohne jegliche musikalische Live-Erlebnisse liegen nun endlich hinter mir. Es scheint, ich habe die Durststrecke nun auch gesundheitlich überstanden. Zwar bin ich noch immer nicht mittendrin, aber wieder ein wenig dabei. Der Rockrentner verspürt ein gutes Gefühl oder um Udo Jürgen zu bemühen: Mit demnächst 70 Jahren ist noch lange nicht Schluss!




Termine:
• 24.04.2019 - Hannover - Medienhaus
• 07.05.2019 - Zeitz - Stadtbibliothek
• 08.05.2019 - Lutherstadt Wittenberg - Stadtbibliothek
• 15.05.2019 - Beetzendorf - Bibliothek
• 29.05.2019 - Halle - Theatrale

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf Pauls Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Paul Bartsch: www.martinabarta.com






Fotostrecke:






   
   
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