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Ein Bericht mit Fotos von Matthias Ziegert
+ Pressematerial der Band (Textillustration)

Am 2. September vergangenen Jahres veröffentlichte die ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG ihr siebzehntes und vermeintlich letztes Studioalbum mit dem Titel "Alles ist erlaubt" und will damit "Schluss mit Lustig" machen. Um sich noch persönlich von den zahlreichen Fans zu verabschieden,e startete die EAV im Februar nach über 40 Bühnenjahren ihre Abschiedstour mit ca. siebzig geplanten Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, von denen einige schon ausverkauft sind. Das Abschlusskonzert soll am 2. September 2019 in Wien stattfinden. Exakt ein Jahr nach VÖ der letzten und eben erwähnten Platte ...

Im Gegensatz zur "Ersten Allgemeinen Versicherung", deren Namen die Band einst verulkte, was fast zu einer Klage vor Gericht führte, hat die Band die Wogen der Zeit überstanden. Der Vorlagengeber zum Bandnamen wurde leider durch einen Aufkauf Opfer einer größeren Versicherung, welche vermeintlich der Katholischen Kirche gehört, auf die die Band nicht gut zu sprechen ist.a 20190310 1284293363 Aus der Gründungszeit der Band ist nur noch Thomas Spitzer übrig geblieben. Dieser gründete die EAV im Jahre 1977 gemeinsam mit dem ebenfalls Kunst studierenden Nino Holm als anarchistisches, linksliberales Musikrocktheater. Mit ihren sozialkritischen Liedern, die noch heute fester Teil der Bandphilosophie sind, tourten sie 1979 das erste Mal durch Deutschland und konnten dort kleine Achtungserfolge in der Clubszene feiern. Doch der große Durchbruch ließ noch auf sich warten. Erst mit dem Einstieg von Klaus Eberhartinger im Jahre 1981 und dem dritten Album "Spitalo Fatalo", bei dem er als Sänger erstmals aktiv mitwirkte, sowie den daraus ausgekoppelten Singles "Afrika" und "Alpen-Rap" stellten sich erste kommerzielle Erfolge ein. Von da an prägte Eberhartinger mit seinem Gesangsstil und flottem Mundwerk die Songs der EAV. Mit dem 1985 erschienenem Album "Geld oder Leben" und ihrem Mega-Hit "Ba Ba Banküberfall" startete die Band dann voll durch. Davon zeugen heute noch die Notierungen in den jeweiligen Hitparaden sowie jede Menge Goldene und Platinschallplatten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im vergangenen Jahr kassierten die ungekrönten Könige des Austropop den Sonderpreis des "Österreichischen Kabarettpreises" für ihr sozialkritisches satirisches Schaffen.

Doch nun zum seit Wochen restlos ausverkauften Konzert der Band im "Steintor-Varieté" in Halle, einem der ältesten Varietétheatern Deutschlands, das in seiner über 120-jährigen Geschichte sicher schon manches erlebt hat. Eine durch die Lande ziehende, allabendlich von einer Band zelebrierte, äußerst lebensfrohe musikalische Beerdigung, sicher noch nicht.b 20190310 1465770999 An diesem Abend standen neben den beiden Urgesteinen der Band Thomas Spitzer (Gesang und Gitarre) und Klaus Eberhartinger (Gesang und Moderation) noch Kurt Keinrath (Gitarre und Gesang), Franz Kreimer (Keyboards und Saxophon), Aaron Thier (Schlagzeug) sowie Alvis Reid (Bass und Gesang) auf der Bühne. Pünktlich um 20:00 Uhr erlosch das Licht im Saal und die Bühne erstrahlte in gespenstischem Licht. Es bot sich ein Blick auf eine mit Trockeneisnebel umhüllte Friedhofslandschaft, auf der zwei Sargträger erschienen. Nach einem schaurigen Schrei ertönte die Orgel. Mit einem knarrenden Geräusch öffnete sich der Sarg, dem Klaus Eberhartinger mit Hilfe der zwei Träger entstieg. Dazu startete die Band mit "Vorbei" aus dem Jahr 1990. Das Lied handelt von einem Verstorbenen, der seiner eigenen Beerdigung von oben (oder auch unten) zusehen kann. Was für ein grandioser Einstieg in diesen Abend, an dem die EAV sich gemeinsam mit ihren Fans zu Grabe tragen wollte. Doch zunächst dankte der quicklebendige Frontmann den zahlreich erschienen Negrofilisten und Grufties für ihre Anteilnahme und das Erweisen der letzten Ehre in Halle.

Innerhalb kürzester Zeit hatte der alte Charmeur das Publikum mühelos in seinen Bann gezogen und führte es gekonnt durch die EAV-Hitparade aus Liedern der vergangenen 40 Jahre. Er versprach ein Programm mit "fast" allen Hits aus der Bandgeschichte und auch einige archäologische Sensationen, die schon etwas riechen würden. Bei der Ankündigung des ersten Hits der EAV-Charts tobte der Saal. Mit dem "Ba-Ba-Banküberfall", wohl der wichtigste Meilenstein in der Geschichte der Band, schaltete das Publikum auf Partystimmung um, sang und klatschte lautstark mit. "Endlich war er da der Erfolg, führte zu Bekanntheit in den Medien und brachte vor allem Geld in die Kasse, um lange schon offene Rechnungen zu bezahlen", so Eberhartinger. In den nun folgenden knapp 165 Minuten gab es ein Wiederhören und Wiedersehen mit vielen alten bekannten Songs der Band und deren Charakteren in Persona auf der ständig im Umbau befindlichen Bühne.c 20190310 1259465933 Für die Tour hat die EAV noch mal richtig im großen Fundus gewühlt und mit viel Liebe zum Detail alte Dekorationen und Kostüme zu neuem Leben erweckt. Die etwas älteren Songs wurden rockiger gespielt und textlich auf die heutige "Weltlage" angepasst. So eine Hochgeschwindigkeitsfahrt durch über 40 Jahre Bandgeschichte hat natürlich auch ihre Tücken, denn so ein Schnellzug kann nun mal nicht auf jeder Station halten.

Ich würde aber als langjähriger Fan der Band, die ich 1986 das erste Mal mit der "Geld oder Leben"-Tour live erleben durfte, behaupten, dass die Mischung zwischen Unterhaltung, Satire und politischem Anspruch ausgewogen war. Auch der EAV eigene, bissige, schwarze Humor mit einer ordentlichen Portion "Wiener Schmäh" in den Moderationen, kleinen Sketschen und in den Titeln an sich, war gut dosiert (siehe Setlist). Es gab Breitseiten gegen die alten und die neuen Rechten, den Islam, Migranten, mangelnde Toleranz, die katholische Kirche und deren Papst. Donald Trump, "der Präsident, dem das Stroh aus dem Kopf wächst", hatte man auch mit einem kleinen Showteil bedacht. Als Chefarzt des "Austrorock Sanatorium" gegenüber vom Musikerkrematorium, dokterte Eberhartinger dann auch noch an seinem Kollegen Spitzer, der vom Tod auf die Bühne gerollt wurde, herum. Neben dem perfekten Sound punktete die Technikcrew aber auch mit genialen Lichteffekten. Beim Teufel-Medley verzauberten sie die Bühne in eine teuflisch schöne Hölle, bei der es einem gruseln konnte. Der "Sandlerkönig Eberhart" bekam zu seiner Laterne einen romantischen Sternenhimmel. Beim "Burli", dem Anti-Atomkraftsong nach "Tschernobyl", gab es wild schwenkende grüne Lichtkegel. Das Lied hatte der Bayrische Rundfunk damals verboten, wofür ihm die Band heute noch dankbar ist. Die beste kostenlose Werbung für einen Song an sich. Natürlich war auch das neue Album mit mehreren Titeln im Programm vertreten, wobei mein Favorit "Der Trick mit der Politik (In Brüssel steht ein Doofbräuhaus)" am besten ankam. Ach, da war ja auch noch die schon etwas riechende Ausgrabung aus der Bandgeschichte. Eine verunsichernde Version des Froschkönigs, gespielt von Spitzer als Frosch und Eberhartinger als (Bordstein)Prinzessin, die in einer wilden Szene trotz Zensur endet.

Nach cirka 135 Minuten endete der offizielle Konzertteil mit "Der Tod", der Eberhartinger wieder mit dem "Erdmöbel" abholen ließ. Mit tosendem Applaus, Schreien und Pfiffen erkämpfte sich das Publikum noch einen Zugaben-Block mit Klassikern vom "Geld oder Leben"-Album. Zum Abschiedslied eines jeden EAV-Konzerts, "Morgen", versammelten sich alle nochmal auf der Bühne.d 20190310 2072675799 Nach 165 Minuten und 29 Titeln endete die sensationelle Show. Die EAV hatte sich in Halle in der für sie typischen Art und Weise selbst zu Grabe getragen. So lustig das ganze auch war: Nach dem 2. September und dem letzten Ton der Kapelle aus der Alpenrepublik wird eine nicht zu schließende Lücke bleiben. Der Rückzug der EAV ist ein schwerer Verlust für die Musikwelt. Danke an Band und Management für Halle und überhaupt ...



Setlist:
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Termine:
• 10.03.2019 - München - Deutsches Theater
• 12.03.2019 - Innsbruck (AUT) - Olympiahalle
• 13.03.2019 - Bregenz (AUT) - Festspiel- und Kongresshaus
• 16.03.2019 - Amstetten (AUT) - Eishalle
• 17.03.2019 - Wiener Neustadt - Arena Nova
• 18.03.2019 - St. Pölten (AUT) - VAZ
• 19.03.2019 - Berlin - Admiralspalast
• 20.03.2019 - Linz (AUT) - TipsArena
• 26.03.2019 - Wien (AUT) - Wiener Stadthalle
• 30.04.2019 - Landshut - Sparkassen Arena
• 01.05.2019 - Frankfurt/M. - Jahrhunderthalle
• 04.05.2019 - Wolfsberg (AUT) - Eventhalle Wolfsberg
• 05.05.2019 - Salzburg (AUT) - Salzburgarena
• 06.05.2019 - Graz (AUT) - Stadthalle
• 07.05.2019 - Graz (AUT) - Stadthalle
• 08.05.2019 - Salzburg (AUT) - Salburgarena
• 29.05.2019 - Ulm - Maritim Hotel/Congress Centrum
• 30.05.2019 - Fulda - Universitätsplatz
• 31.05.2019 - Aachen - Eurogress

Alle Angaben ohne Gewähr! Tour wird fortgesetzt. Nähere Infos und weitere Termine auf der EAV-Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage der EAV: www.eav.at







 

 


   
   
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