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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder



Es ist Karnevals-Samstag und der erlebnisorientierte Bürger im tiefsten Westen der Republik hat die Wahl zwischen Stunksitzungen, Umzügen, Kostümpartys und ähnlich gruseligem Mumpitz, bei dem diejenigen, die noch über einen Rest von ästhetischem Empfinden verfügen, schnell suizidale, zumindest aber automutilationäre Tendenzen entwickeln.a 20190303 1786290469 An jeder Ecke - und auf nahezu jedem Kanal in TV und Funk - wird der gute Geschmack und der Verstand aufs übelste beleidigt und man kann sich dem so gut wie gar nicht entziehen. Eigentlich verlasse ich an diesen Tagen zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch in der Freizeit nie das Haus. Schon allein deshalb nicht, weil es neben den eben erwähnten wenig verlockenden Freizeitangeboten fast nichts anderes gibt, wofür es sich lohnt, beim Verlassen der eigenen und sicheren vier Wände sein Leben derart aufs Spiel zu setzen. In diesem Jahr ist das anders, denn da hielt mich an diesem Tag nichts zu Hause. Axel Prahl und sein Inselorchester hatten ihr Kommen angekündigt. Das Ensemble um den sympathischen Schauspieler aus Norddeutschland konnte man am 2. März mit dem aktuellen Live-Programm zum Album "Mehr" im Ruhrfestspielhaus live erleben. Also bitte?! Da ist man tapfer und mutig, weil die Neugier und die Lust auf erstklassige Unterhaltung einfach größer ist als die Angst vor direktem Hautkontakt mit dem möglicherweise höchst infektiösen Unheil. Und der Mutige wird doch immer belohnt, oder?

Manch einer verbindet mit Axel Prahl lediglich seine Rolle im Münsteraner "Tatort", die er schon seit vielen Jahren erfolgreich und preisgekrönt spielt. Nicht viele wissen vielleicht, dass Prahl schon als Jugendlicher Musikwettbewerbe gewann und sein Geld auch als Straßenmusiker in Spanien verdiente. Sogar fünf Semester Musik studierte er in Kiel. Der Mann kann also tatsächlich "Mehr" ... Im vergangenen Jahr hatte Axel Prahl mit "Mehr" sein inzwischen zweites Solo-Album veröffentlicht. Gemeinsam mit dem Inselorchester hat er Kompositionen und Texte aus eigener Feder vertont, die allesamt unterhaltsam und nahrhaft sind und die man den Menschen im Lande wirklich nur ans Herz legen kann. An seiner Seite weiß Prahl ein Genie in Sachen Arrangements. Bei beiden Platten zeichnet nämlich Danny Dziuk für eben diese anspruchsvolle Aufgabe verantwortlich und hier setzt Dziuk die Lieder mit einer Band bestehend aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug, komplettiert durch Streicher (Cello, Bratsche und Geige), Akkordeon und Saxofon äußerst appetitlich in Szene. Wo bekommst Du heute sowas noch live auf einer Bühne und in einem einzigen Programm geboten? Kannste lange nach suchen ... Natürlich müssen die Lieder funktionieren, damit die Arbeit des Arrangeurs auch Früchte tragen kann und da zeigt Prahl sein geschicktes Händchen. Lieder von der See, von Liebe und sogar den Finanzen hat er geschrieben und reicht sie seinem Publikum nun in diesem gemeinsam mit Dziuk erschaffenen und gehobenen Sound, der schon auf Platte/CD für Frohsinn sorgt. Von dieser Qualität wollten sich auch in Recklinghausen ganz viele Menschen selbst live überzeugen und so konnte Prahl mit seinen Musikanten vor fast ausverkauftem Haus spielen.

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Pünktlich um 20:00 Uhr betraten zuerst die Musiker des neunköpfigen Inselorchesters, Rainer Korf (Geige), Christiane Buchenau (Bratsche, Begleitgesang), Sylvia Eulitz (Cello, Begleitgesang), Tom Baumgarte (Kontrabass, E-Bass, Begleitgesang), Thomas Keller (Saxophone, Akkordeon, Klarinette), Jörg Mischke (Keyboard, Begleitgesang), Nicolai Ziel (Schlagzeug), Johannes Feige (Gitarre, Begleitgesang) und Danny Dziuk (Keyboard, Gesang, musikalischer Leiter), die Bühne - ihnen folgte nach dem "Entree" der Mann mit dem "Blick aufs Mehr", Axel Prahl.c 20190303 1985825378 Um das Meer geht es u.a. auch auf dem neuen Album und gleich zu Beginn der Show wird nach dem Intro mit einem Shanty schon die Heuer versoffen, die man ja gerade erst verdient hat. Diese Nummer hat Axel Prahl dem eben schon so hoch gelobten Danny Dziuk gewidmet, der gleich im Anschluss mit dem Stück "Wenn zwei zueinander passen" seinen ganz persönlichen Moment an diesem Abend hat. Der Song wird von ihm gesungen, wovon man in Recklinghausen aber zuerst gar nichts mitbekommen hat. Sein Mikro war offenbar defekt oder gar nicht eingeschaltet, jedenfalls kam seine Stimme beim Publikum nicht an. Dies merkte auch Axel Prahl und holte sich die Bestätigung direkt beim Publikum ab als er fragte, ob sein Bühnenpartner überhaupt zu hören gewesen sei. Als dies verneint wurde, entschied Prahl kurzerhand, dass man das Lied dann eben sofort noch einmal spielen würde. Das nun stattfindende und muntere Hin- und Herschieben der Technik, damit Danny auch ein funktionierendes Mikro bekam, wurde vom Hauptakteur des Abends humorvoll kommentiert und sorgte beim Publikum für eine Menge Heiterkeit. Live ist eben live und in solchen Momenten merkt man dann auch, wie souverän und entspannt der Künstler auf der Bühne denn wirklich ist. Auch in dieser Disziplin machte Axel Prahl eine gute Figur und bekam dabei auch gleich die Gelegenheit, uns seinen Bühnen-Roadie Christian näher vorzustellen, der eifrig damit beschäftigt war, Mikrofonständer neu zu platzieren und Mikros zu tauschen ...

In den nun folgenden zwei Stunden (abzüglich einer zwanzig-minütigen Pause) präsentierte man uns das Liedgut zweier Solo-Alben, bunt gemischt und äußerst ansprechend dargeboten. Dabei hatte uns der Künstler eine ganze Menge zu erzählen, denn die Themen in seinen Liedern sind ebenso bunt ausgewählt, wie die Art, wie sie dem Publikum musikalisch gereicht werden. Es wurde Seemannsgarn gesponnen ("Der Kapitän", "Da brennt ein Boot"), Moritäten luftig leicht erzählt ("Herr Neugier und Madame Moral"), das Beamtentum gewürdigt ("Für ein Amt"), Tango getanzt ("Besinn Dich auf Dich"), die unschönen ("Zu laut gelacht") und schönen Seiten der Liebe ("Das ist meine Frau") beleuchtet und auch gesellschaftskritische Themen ("BlaBlaBla") ebenso angepackt wie Kritik an den Medien ("Herr erbarme Dich") laut ausgedrückt. Am Ende des ersten Sets wurde sogar die Finanzkrise mit einem polka'esken Stück ("Polonaise International") zur minutenlangen weltmusikalischen Reise ausgeweitet, in der sich großzügig eine ganze Menge Platz für die Vorstellung des Orchesters fand. Jede und jeder Einzelne aus dem Inselorchester hatte einen Moment für ein kleines Solo auf seinem Instrument und Axel fand auch für jedes Mitglied ein paar nette und beschreibende Worte. Aber auch sich selbst durfte der Mann mit Hut feiern und tat das mit dem an sich selbst adressierten Stück "Heute fang ich an". Ganz egal, wie und worüber uns liedhaft erzählt wurde, man konnte den Blick (und das Ohr) vom Geschehen auf der Bühne nicht abwenden. Die Musiker lieferten mit ihrem Vortrag eine mitreißende Show, die durch den Mann mit der Reibeisenstimme und den ausgesprochen guten Entertainer-Qualitäten zu einem echten Erlebnis veredelt wurde. Sogar seine schauspielerischen Fähigkeiten wusste Prahl in das Programm mit einzubauen, so starb er voller Theatralik vor unser aller Augen beim Vortrag des Stücks "Da brennt das Boot". Es gab also die volle Bandbreite seiner Talente ...d 20190303 2024768606 Als Prahl und seine musikalischen Unterstützer am Ende des Liedes "Liebe hat mir den Tisch gedeckt" den Tatort verlassen wollten, entlud sich die Begeisterung des Publikums ob des eben erlebten Spektakels in lautem Applaus und Standing Ovations. Auch Zugabe-Rufe hallten durch den Saal, denn immerhin hatte uns der Künstler vorab ja selbst den Tipp gegeben, wie man an einen Nachschlag kommen könne. Und so ließen sich die Akteure auch gar nicht lange um eine Verlängerung des Abends bitten.

Die erste Zugabe kündigte Prahl als einen französischen Chanson an, zu dem eigentlich ein Glas Rotwein und eine Zigarette gehören würden. Kaum ausgesprochen trat Roadie Christian wieder in Erscheinung und reichte ihm exakt diese wichtigen Zutaten zum Stück "Da brennt noch Licht". Jemand, der öffentlich und dann auch noch auf einer Bühne raucht? Wo gibt's denn heute noch sowas? Na, beim Prahl! Und weil man das Publikum ja schließlich mit so einer traurigen Nummer nicht nach Hause entlassen dürfe, gab es mit dem definitiv letzten Song "Lass uns flieh'n" noch ein paar karibische Klänge mit auf den Weg.

Ja, der Mutige wurde am Samstagabend belohnt. Trotz Karneval und der vielen Gefahren, die deshalb überall auf dem Weg ins Recklinghauser Ruhrfestspielhaus lauerten, war der Veranstaltungssaal mit unkostümierten Freunden feiner Unterhaltung bis fast auf den letzten Platz gefüllt. Axel Prahl bescherte uns mit seinem Inselorchester einen Abend, über den man wohl ohne Übertreibung sagen kann, dass hier gleich mehrere hohe Feiertage auf diesen Karnevals-Samstag zusammen fielen. Man fühlte sich wirklich rundum gut unterhalten, hatte Spaß und nahm aus dem Festspielhaus etwas mit, das einem länger als die tollen Tage bleiben wird. Dieser Auftritt hat Nachhall und bleibt einem auch in den Kleidern hängen. Axel Prahl gehört zu den musizierenden Schauspielern, die Musik offenbar nicht nur aus Langeweile und einem unstillbaren Aufmerksamkeitsdrang, sondern vor allem wohl aus einer nachempfindbaren und spürbaren Lust am Musizieren machen.e 20190303 1372945243 Der Mann lässt einen dies spüren und man ist deshalb auch Teil dieser Show, weil man sich in diesen Liedern, die sich Prahl selbst aus dem Gefieder gezupft hat, wiederfinden kann und weil er sie glaubhaft transportiert. Dazu hat er ein Ensemble aus erstklassigen Musikern um sich geschart, die seine Ideen ganz wunderbar in Musik verwandeln können. Sound, Licht und Inhalt hatten gestern eins gemeinsam: Sie waren perfekt und ein echter Genuss.



Setlist:
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Termine:
• 06.03.2019 - Plauen - Festhalle
• 21.06.2019 - Neuruppin - Kulturkirche
• 23.06.2019 - Warnemünde - Kurhaus
• 23.08.2019 - Freyburg - Rotkäppchen Sektkellerei
• 05.09.2019 - Sylt - Meerkabarett
• 06.09.2019 - Sylt - Meerkabarett

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos bei Buschfunk



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Axel Prahl: www.axelprahl.de
• Homepage von Axels Plattenfirma Buschfunk: www.buschfunk.com




 
 

   
   
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