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Ein Konzertbericht mit Fotos von Dajana Gehn
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Pressematerial in der Textillustration)



a 20190218 1866785139Am 17. Februar 2019 fand die 10. Arndt Bause Gala im ausverkauften Freizeitforum Marzahn statt. Der Moderator Siggi Trzoß eröffnete sie zusammen mit dem Kinderchor aus der Musikschule Marzahn-Hellersdorf. Er verkündete mit einem zwinkernden Augen, dass Arndt Bause jetzt bei der Jugend angekommen sei. Siggi bedankte sich auch beim Publikum, denn ohne dieses könnte die Gala nicht jedes Jahr so erfolgreich stattfinden.

Conny aus Köpenick war früher auch in der Musikschule Marzahn-Hellersdorf. Sie suchte sich zwei Song von Arndt Bause heraus. Da man bei den Vorbereitungen zur Show annahm, dass es kalt und winterlich sei, suchte man sich auch dementsprechend die Lieder und Kleidung aus. Conny entschied sich für "Ach wie ist der Winter schön" (im Original von Wolfgang Lippert gesungen) sowie "Vom Nordpol zum Südpol" (Frank Schöbel). Anschließend las Siggi eine Passage aus dem Buch "Große Freiheit Ost. Auf der B96 durch ein wildes Stück Deutschland." von Marc Kayser vor. Dort wurde u.a. über die 5. Arndt Bause Gala geschrieben. Siggi Trzoß bestätigt, dass wir alle, die wir hier im Saal sind, eine gemeinsame Geschichte haben, die uns miteinander verbindet.

Im Jahr 1964 trat Gipsy in der Tip-Parade mit dem Lied "He, Joe" auf. Siggi bezeichnete das als Geburtsstunde des Schlagerkomponisten Arndt Bause. 15 Jahre später fand eine Umfrage statt: "Kennen Sie Arndt Bause?" Es wurde eine TV Aufzeichnung von 1979 abgespielt. Nur wenige kannten ihn vom Namen her. Es ging spannend weiter. In der Zeit von 1972 bis Ende der 80er Jahre sang die nächste Interpretin 80 Kompositionen von Arndt Bause. Es handelte sich natürlich um Monika Herz, die mit einem Hit-Medley die Bühne betrat. Danach nahm sie auf der roten Couch neben Siggi Platz. Den ersten Song, den Arndt für sie schrieb war "Mama, ich komme wieder" (1975). Die Zeilen verfasste der berühmte Texter Dieter Schneider. Es folgten noch viele Songs, die sie vom Gespann Bause/Schneider sang. 1982 wurde sie schwanger und die Autoren wollten ihr ein Kinderlied schreiben. Arndt kam wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes David zu Monika nach Hause. Er brachte gleich ein Demo mit. Nur drei Wochen nach der Entbindung stand Monika Herz beim "Kessel Buntes" auf der Bühne und sang das "Wiegenlied". Ende der 80er Jahre wurde es dann ruhig um Monika Herz. Sie genoss diese Auszeit. Sie erzählte, dass sie von der Einschulung bis zum Ende des Abiturs ihres Sohnes liebende Mutter war und keinen Moment bereute, nicht mehr auf der Bühne zu stehen. Nach der 13. Klasse meinte David zu seiner Mutter, dass es nun wieder Zeit wird für sie Musik zu machen und wenn sie wieder auf die Bühne gehe, dass er mit komme - und das machen sie seit über 17 Jahren. David kam auf die Bühne und sang gemeinsam mit seiner Mutter ihren Hit "Kleiner Vogel".

b 20190218 1180169333Anschließend tanzten die Energy Dancer zum Lied von Ruth Bardin "Parken verboten". Siggi Trzoß ging zu einem abgeteilten Zuschauerbereich und stellte die einzelnen Personen vor. Allen voran Inka, die er natürlich im Saal niemanden vorstellen musste. Neben ihr saßen Inge Dittmann (jot w.d., Kofferradio), das Ehepaar Janik, Ingrid Winkler sowie die Schlagerexpertin von der Super ILLU Katharina Schnurr. Nur einen Mann stellte er Inka nicht vor. Siggi wechselte kurz das Thema und erzählte, dass Arndt Bause unter anderem 24 Filmmusiken schrieb. Es wurde eine Szene aus "Die fliegende Windmühle" gezeigt. Danach kam er wieder auf den Mann zu sprechen. Siggi wollte von Inka wissen, ob sie ihn kenne. Sie bejahte, kam aber nicht gleich auf dessen Namen. Und dann rief sie: "Ralf Kegel von der FRÖSI." Sie haben sich seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen. Ralf Kegel war für die Rubrik "Prominente und Talente" zuständig. Als im Hintergrund die ganzen Zeitungsausschnitte kamen, war ich total begeistert, denn auch ich bin immer noch im Besitz dieser Ausgaben. Inka erzählte ganz begeistert von ihrer FRÖSI-Zeit und wie sie damals unbedingt Nudeln kochen wollte als Ralf Kegel wegen einer Homestory zu ihr kam.

Nun kündigte Siggi Trzoß dem nächsten Gast an. Sie ist 1968 das erste Mal in der DDR aufgetreten mit dem Lied "Lichter im Hafen". Unter tosendem Applaus betrat Nina Lizell die Bühne und sang "Himmel und Erde". Ihre treuen Fans kamen immer und immer wieder zu ihr und überreichten ihr Blumen. Nina war ganz gerührt. Nach einem kleinen Gespräch mit Siggi auf der Couch, sang sie noch zwei weitere Lieder: "Hallo" und "Der Mann mit dem Panamahut" - während des Songs setzte sich drei Männern einen signierten Strohhut auf. Zwischendurch war sie immer wieder so gerührt, dass sie sich für die Treue bei ihren Fans bedankte und merkte an, dass sie immer wieder gerne nach Deutschland komme.

Die Zeit verging so schnell, dass wir es noch gar nicht fassen konnten, dass es schon eine Pause gab. Das bedeutete, dass wir die Hälfte der Gala bereits hinter uns hatten. Geduldig signierten die Künstler im Eingangsbereich CDs oder gaben Autogramme. Nach circa 30 Minuten ging es weiter mit einer Tanzeinlage von den Energy Dancer zu einem Lied von Britt Kersten.

Das Publikum war völlig begeistert von der dargebotenen Show und erwartete jetzt, dass es genauso fröhlich und lustig weiterging. Nur in einem kleinen Nebensatz kam die Nachricht, die alle glauben ließ wir hätten uns verhört. "Da die meisten Künstler nicht mehr greifbar sind, ist das die letzte Arndt Bause Gala." Rumms. Ungläubige Blicke von allen Seiten.c 20190218 1323326290 Aber statt einer Antwort moderierte Siggi weiter und sagte, dass 1971 Frank Schöbel "Gold in deinen Augen" sang, und 2008 wurde dieses Lied von Inka gecovert. Inka betrat die Bühne und sang den Song. Ich glaube, ich war nicht die Einzige im Saal, die erst einmal die Aussage, dass es sich um die letzte Gala handelte, verdauen musste und etwas irritiert auf die Bühne schaute.

Anschließend setzte sich Inka zu Siggi auf die rote Couch. Er freute sich, dass sie nun die nächste Stunde an seiner Seite sein würde. Inka bedankte sich bei ihm für 10 wunderbare Shows, die er organisierte. Sie kamen darauf zu sprechen, dass Arndt Bause wohl in manchen Situationen sehr wortkarg war. Sie zeigten einen Show-Ausschnitt von 1981. Lutz Jahoda war der Moderator. Er "verwechselte" Arndt mit einem Gast, den er dann als Wirt hinter seinen Tresen stellte. Als dann die Verwechslung "aufflog", fragt Lutz Arndt Bause, welche seine drei größten Hits gewesen seien. Und er antwortete: "Meine drei Töchter." Inka, die sich selbst als Plaudertasche bezeichnete, erzählte, dass sie bei der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule das "Wiegenlied" sang. Sie erklärte auch, als sie gefragt wurde, wie ihr Vater so war: "Solche Melodien kann man nicht komponieren, wenn man nicht auch ein weiches Herz hat." Das Publikum applaudierte. Siggi lobte Inka für ihr sehr authentisches Konzert im Admiralspalast am 23.11.2018. Inka bestätigte, dass sie vom Wesen her wie ihr Vater sei, aber vom Aussehen nach ihrer Mutter komme.

Siggi Trzoß und Inka kamen auf Helga Hahnemann zu sprechen. Henne kannte Inka schon als kleines Kind. Sie hatten ein sehr gutes und inniges Verhältnis zueinander. Inka war total fasziniert von Helga und meinte, dass Henne eben Henne war. "Die Henne ging auch zu Erich Honecker, klopfte ihm auf die Schulter und sagte Èy, Blödi." Das nahm ihr keiner übel. Sie war einfach so. Inka erzählte frei von der Leber über das Leben mit ihrem Vater. Als sie in Leipzig lebten, war er immer auf den Weg nach Berlin. Und als sie dann in Berlin lebten, hatte er sein Studio hinten im Garten und verbarrikadierte sich dort. Die Mutter war der Kapitän des "Bause-Schiffes". Und auf die Frage, ob ihr Papa jemals ein Kneipengänger war, antwortete Inka ganz gelassen: "Das hätte meine Mutter gar nicht erlaubt." Das Publikum lachte.

Mit dem Thema Kneipe wurde der Übergang zu einer Gruppe namens Winni II gemacht. Arndt komponierte wenig für Bands, weil diese ja meistens selber schrieben und Instrumente spielten. Lieder von Bands entstanden sozusagen in Proberäumen. Aber für die Gruppe Winni II komponierte er u.a. "Ich geh kaputt". Da die Band sich mehr oder weniger auflöste, begrüßte Siggi Stefan Langner.d 20190218 1766091503 Er tritt bis heute noch auf. Nach einem kurzen Plausch mit Siggi auf der Couch, setzte sich Stefan ans Keyboard, erzählte ein wenig und spielte drei Lieder "Im schwarzen Kater", "Ich geh kaputt" sowie "Sing mei Sachse, sing" (im Original von Jürgen Hart). Es war faszinierend ihm beim Spielen zu zuschauen. Er spielte irgendwie mehrere Instrumente gleichzeitig. Zum ersten Mal sah ich live wie jemand eine Hawaii-Gitarre spielte und fast wie nebenbei eine richtige Gitarre. Danach kamen die Energy Dancer erneut auf die Bühne. Sie trugen jedes Mal ein anderes Kostüm. Aber immer sehr farbenfroh. Sie tanzten zum Lied von Ina-Maria Federowski "Gegensätze ziehen sich an".

Nun schien der Augenblick gekommen zu sein, um dem Publikum mitzuteilen, warum es die letzten Arndt Bause Gala war. Siggi las einen Brief von Dieter Schneider vor. Es waren sehr bewegende Zeilen. Aufgrund der fortschreitenden Kinderlähmung sitzt er im Rollstuhl und ist konditionell nicht in der Lage diesen Weg nach Berlin auf sich zu nehmen und auch die Dauer der Show würde für ihn zu anstrengend werden. Aber er sei ja Vorort: im gesungenen Wort. Und so war er trotzdem irgendwie anwesend. Siggi Trzoß erzählte weiter, dass auch Thomas Lück seine Musikkarriere beendet und es immer weniger Künstler gibt, die noch ihre Songs von Arndt Bause singen können. Einige verstarben leider schon und andere sind aufgrund ihres Alters oder einer Erkrankung nicht mehr in der Lage. Inka und Siggi hofften auf das Verständnis vom Publikum. Das Publikum hatte verstanden und zeigte Verständnis. Für mich sprachen Inka und Siggi diese schmerzliche Wahrheit aus, die ich schon seit Langem in mir trage. Irgendwann wird es unsere Kultur nicht mehr geben. Unsere Künstler aus der DDR. Irgendwann wird man darüber nur noch in Büchern oder in Lexika oder gar Archiven was erfahren. Oder aus Berichten von Zeitzeugen. Aber auch wir werden alle älter.

Trotz dieser traurigen Nachricht ging es in der Show weiter. Siggi kündigte den nächsten Künstler an, der zwar 30 Kompositionen von Arndt Bause sang, aber seinen größten Erfolg schrieb Kurt Demmler für ihn: "Tag für Tag". Der einzigartige und begnadete Sänger Hans-Jürgen Beyer betrat die Bühne. Er schmetterte den Song noch genauso wie vor 44 Jahren. Anschließend ging er zu Inka und Siggi auf die Couch. Dort erzählte er wie die Zusammenarbeit mit Arndt Bause zustande kam, denn eigentlich schlug sein Herz immer für Beat- und Rockmusik. In der Hochschule kam ihm Arndt auf der Treppe entgegen und rief ihm zu: "Du bist doch der Beyer.e 20190218 1229351517 Ich schreibe ein Lied für dich." Der Rest ist Geschichte. Hans-Jürgen Beyer erzählte voller Achtung von Arndt und dass dieser ihm wegen seiner großen Bandbreite der Stimme große Melodienbögen auf den Leib geschrieben habe. Danach sang Hans-Jürgen noch zwei weitere Lieder: "Hab ich das alles nur geträumt?" sowie "Finale".

Anschließend begleiteten Hans-Jürgen Beyer und Inka Siggi Trzoß zum Arndt-Bause-Flügel. Weder Inka noch Hans-Jürgen wussten, was nun auf sie zukam. Beide mussten in ihrem Studium das Klavier spielen erlernen. Zuerst durfte Hans-Jürgen Beyer das Stück "Dreh dich nicht mehr um" von Peter Albert spielen. Inka gestand danach ein, dass sie das Klavierspiel nicht mehr so gut beherrscht. Aber trotzdem hatte Inka noch ein As im Ärmel. Der ahnungslose Hans-Jürgen Beyer durfte mit ihr das Lied "Hätte ich nochmal die Wahl" von Sandra Mo singen. Beide waren nicht textsicher und sangen vom Blatt ab. Das ist halt live und es kam super gut beim Publikum an. Nun kam die Zeit des Erinnerns. Siggi Trzoß ließ im Hintergrund die Einweihung des Arndt-Bause-Saales im Marzahner Freizeit Forum abspielen. Gisela Steineckert, die selbst von sich sagte, dass sie Arndt liebte, hielt damals die Rede für ihn. Das war sehr ergreifend.

Leider musste irgendwann aber auch die letzte Arndt Bause Gala enden. 10 Shows. Zum Abschluss wünschte sich Siggi Trzoß von Inka den Song "Mein Herz bleibt bei dir". Natürlich erfüllte sie ihm seinen Wunsch. Es war ein Lied, dass ihr Vater nicht geschrieben hat, aber es steht symbolisch für alles, was war: "So schön alles war und ist, wir werden uns irgendwo wieder sehen, denn uns verbindet alle eine gemeinsame Geschichte. Wir werden uns immer wieder finden." Das waren die letzten emotionalen Worte von Inka. Die letzte Show war damit vorbei. Aber die Zukunft ist noch ein unbeschriebenes Blatt Papier.









   
   
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