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Ein Bericht mit Konzertfotos von Christian Reder + weiterem Foto von Ulrike Mönnig (Foto oben)



Manch ein Akustikkonzert, bei dem ein Duo mit Gesang und Gitarre auftritt, kann man in wenigen Worten abhandeln: Der eine spielt, der andere singt, nett dargeboten, Publikum gut unterhalten, Punkt. Doch was am Samstagabend in der Kattwinkelschen Fabrik zu Wermelskirchen zu erleben war, war eine Urgewalt,a 20190120 1616704732 für deren Beschreibung geeignete Worte erst noch zu erfinden sind, ehe man das Erlebte wiedergeben kann. Dort gastierte das aus Thüringen angereiste Ensemble FRIEND N FELLOW, und das hat eine ganz besondere und einzigartige Qualität.

Hinter dem Namen stecken die Sängerin Constanze Freund und der Gitarrist Thomas Günther alias Thomas Fellow. Konstanze Freunds musikalische Wurzeln liegen in Weimar der 80er Jahre. Dort studierte sie Gesang und war Mitglied der Gruppe Mr. ADAPOE (Portrait siehe HIER). Auch wenn diese Band leider keine Plattenveröffentlichung hatte, ist sie einigen noch gut in Erinnerung geblieben. Auch im Kollegenkreis, denn bei Mr. ADAPOE wirkten u.a. so große Namen wie Bernd Kleinow, Alexander und Stanley Blume, André Jolig und Waldi Weiz als Gäste mit. Knapp fünf Jahre war Constanze Sängerin der Band und sammelte dort ihre ersten Sporen. Für ihre Abschluss-Aufführung suchte sie dann Anfang der 90er einen Musiker, der sie instrumental zu ihrem Gesang begleiten sollte. Den fand sie in Thomas Fellow. Er war schon längst mit seinem Studium, das er ebenfalls in Weimar absolvierte, fertig, und dieses Zusammentreffen der beiden Musiker war schicksalhaft. Er unterstützte sie bei eben erwähnter Aufführung, und seitdem sind sie als Duo unzertrennlich. Fellow ist ein Fachmann in Sachen Gitarre. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe, leitet die Ausbildung Gitarre/Worldmusic an der Hochschule für Musik in Dresden und ist Autor des "Fellow Guitar Book" (Schott Music), das als Standardwerk für Gitarre als Begleitinstrument gilt und schon in wenigen Monaten nach seiner Veröffentlichung in dritter Auflage erschien. Seit 1992 haben FRIEND N FELLOW ganze 11 Studio- und Live-Alben produziert und am zwölften Werk wird gerade gearbeitet. Konzertreisen führte das Duo an viele Orte unseres Planeten. Sie spielten bereits im New Yorker World Trade Center, im Millenium Park in Beijing (China), im Pariser "Elyssees Montmartre", im Londoner "The 100 Club", auf den Luzerner "Lucerne Festival" und "Blue Balls Festival", beim "Festival de la Porta Ferrada" in Barcelona und an vielen vielen anderen Punkten auf dem Globus. Hauptsächlich aber in ihrer deutschen Heimat, und ihr erster Auftritt in Wermelskirchen fand vor genau 20 Jahren statt, worauf am Samstagabend auch besonders hingewiesen wurde.

Und dass das Duo hier im Rheinisch-Bergischen-Kreis kein Unbekanntes ist, machte der ausverkaufte Saal in der Kattwinkelschen Fabrik unmissverständlich klar. Einige der erschienenen Konzertgäste kannten sich möglicherweise noch von vor 20 Jahren, aber auf jeden Fall kannten sie das hier für den Abend angekündigte Duo. Pünktlich um 20:00 Uhr wurden die Türen des Saals geschlossen, das Licht ging aus und auf der noch dunklen Bühne bewegten sich unter einem ersten Applaus zwei Schatten in Richtung Bühnenmitte. Als die ersten Takte von "Personal Jesus" erklangen, gab es kein Entkommen mehr. FRIEND N FELLOW machten gleich Gefangene. Die Leute im Saal - inklusive mir - waren komplett auf die beiden Protagonisten und ihren Vortrag fokussiert. Dass hier eine ganz eigene Version des Depeche Mode-Klassikers aufgeführt wurde, war nur eine von mehreren angenehmen Beobachtungen. Vielmehr als das wirkten Constanzes Gesang und Thomas' Spiel auf der Akustischen wie ein Magnet auf Auge und Ohr. Auf der einen Seite stand die Frau mit der Hammerstimme, ließ ein fremdes Lied leben,b 20190120 1899425332 das sie sich völlig zu eigen machte und auf der anderen Seite saß ein Gitarrist auf einem Hocker, der seinem Instrument eine komplette Band zu entlocken vermochte. Da klappte die Kinnlade ein erstes Mal nach unten und wollte auch im Verlauf der folgenden 120 Minuten gar nicht wieder hoch kommen.

FRIEND N FELLOW präsentieren in einem durch eine Pause unterbrochenen Programm eine angenehme Mischung aus eigenen und fremden Kompositionen. Dabei muss man aber sagen, dass bei den beiden die Songs anderer Künstler lediglich als Vorlage für eigene Ideen dienen. Keine der großen Vorlagen hatte noch etwas von seinem ursprünglichen Leuchten. Vielmehr haben Constanze und Thomas die Glühbirnen aus den Fassungen geschraubt und ihr eigenes Leuchtmittel eingesetzt. Und dies sorgt für ein ganz anderes, manchmal wärmeres und manchmal auch kräftiges Licht, wenn z.B. aus Johnny Cashs "Ring Of Fire" plötzlich ein wesentlich rasanterer Ritt als im Original und aus "Purple Haze" von Jimi Hendrix ein Gänsehautspender wird. Auch das als Zugabe ans Publikum verschenkte, und im Original von U2 kaum zu übertreffende "With Or Without You" erfährt bei FRIEND N FELLOW eine unter die Haut gehende Metamorphose, die die Schönheit dieser über 30 Jahre alten Komposition erst so richtig aufzudecken vermag. Mit genau der gleichen Hingabe und Intensität spielten Constanze und Thomas aber auch ihre eigenen Lieder, wie z.B. "Child Of Spring" oder "Taxi", die sich wie füreinander bestimmt passgenau an die von anderen Künstlern und Bands ausgeliehenen Stücke anlehnen. Sie tragen alle eine deutlich erkennbare Handschrift, die die Kreativität und die Vielzahl guter Einfälle des Thüringer Duos wiederspiegelt. Aus dem für Ende dieses Jahres geplanten Album "Characters", über dessen Inhalt und Idee Constanze in einer Zwischenmoderation das Publikum aufklärte, gab es mit "Sister" und "Train Of Tears" gleich zwei Lieder als Vorgeschmack. Hier beeindruckte besonders das zuerst genannte Lied, in dem sich Elemente von Country in der Musik und von Gospel im Gesang wiederfanden, und das von dieser einen besonderen Schwester handelt, die man in den Momenten an seiner Seite braucht, in denen es einem nicht so gut geht. Man muss es schon gehört haben, wie dieses Thema letztlich von den beiden Musikern umgesetzt wurde, um zu erfassen, was für ein wunderbares Stück ihnen damit gelungen ist.

Und damit auch dem letzten Zuhörer im Saal klar wird, was für großartige Künstler dort auf der Bühne zu erleben sind, setzten Freund und Fellow mit ihren Solo-Ausflügen im zweiten Teil des Programms noch zwei besondere Reizpunkte. Den Anfang machte Thomas Fellow mit einer kleinen und launigen Vorstellung seiner Person inklusive Instrumentenkunde. Dabei ließ er das Publikum wissen, wie er über den Versuch des Nachspielens von Elton John-Songs bis zu der Erkenntnis, dass dieser seine Lieder ja nie irgendwelchen Frauen gewidmet hatte ("man wollte ja schließlich nicht sein Zielpublikum verfehlen"), letztlich zum Komponieren eigener Songs kam, und stellte dann seine beiden Gitarren "Amalia" und "Diego" vor, die anschließend jede für sich ihre besonderen Momente bekamen. "Amalia" bekam von ihm mit einer ruhigen Instrumental-Nummer Leben eingehaucht, die Fellow als einzige am ganzen Abend vom Notenblatt ablesen musste. Von gefühlt 100 eigenen Kompositionen gäbe es eine, die er nicht auswendig könne ... nämlich diese! "Diego" hingegen durfte sich mit einem klassisch angelegten Song, den Fellow der Medusa gewidmet hat, von seinem Herrn ins rechte Licht rücken lassen. Weniger gesprochener Worte bedurfte der Solo-Part von Constanze Freund, die sich einfach ohne instrumentale Begleitung das Stück "Grandma's Hands" aus der Seele sang. Pur, unverfälscht und atemberaubend schön. Ein wohliger Schauer, der langsam den Rücken hoch kroch, inklusive. Der Saal war komplett ruhig, nichts außer ihr Vortrag war zu hören, und am Ende des Stücks brauchte es auch einen Moment, ehe das Publikum wieder im Hier und Jetzt angekommen war und der Applaus einsetzte. Nicht, dass es nicht gefallen hätte, aber weder ER noch SIE hätten einen eigenen Programmpunkt gebraucht, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

Wie vielseitig einsetzbar die Stimme der Constanze Freund ist, hatte sie vorher und auch hinterher in all den Liedern mehr als überzeugend dargestellt. Nicht ohne Grund hatte ihr Bühnenpartner schon nach dem dritten Song in den höchsten Tönen ihr Instrument gelobt und fast schon eine Liebeserklärung in ihre Richtung versendet.c 20190120 1804438909 Wenn er Musik höre, höre er in sich nur noch ihre Stimme dazu. Schöner kann man ein Lob nicht verpacken, oder? Und dass das nicht nur so dahin gesagt war, weil es als Teil zum Programm dazu gehört, konnte man während des Konzerts auch beobachten, denn seine Blicke hingen fast immer an den Lippen seiner Bühnenpartnerin, was ihn offenbar noch zu größeren Leistungen an seinem Instrument verleitete. Und das kann auch vom Publikum sehr gut nachempfunden werden, wenn man in jedem der Stücke hört, wie Constanze mit dem dunklen Timbre in ihrer Stimme spielt und an manchen Stellen sogar Improvisationen wie z.B. Scat-Gesang (z.B. bei "Fly Like An Eagle") einbaut. Beim finalen "A Dog" fand sich am Ende sogar noch die Gelegenheit für eine weitere muntere Improvisation Constanzes, bei der sie nicht nur die Namen aller Beteiligten (Licht, Ton, Veranstalter) gesanglich zu verarbeiten wusste, sondern auch mit dem Ortsnamen "Wermelskirchen" zu spielen vermochte und ihn dabei verschiedenartig zum Klingen brachte. Dass Musik in erster Linie was mit Spaß und Können zu tun hat, zeigte die Sängerin beim Vortrag des Songs "My Baby Just Cares For Me", bei dem sie ihr schauspielerisches Talent an den Tag legte und das im Original von Nina Simone gesungene Stück komödiantisch anlegte. Fellow selbst stand der Leistung seiner Bühnenpartnerin in nichts nach - nur eben auf anderer Ebene. Zwar weiß auch er mit viel Charme und Witz in den Zwischenmoderationen das Publikum gut zu unterhalten, aber seine Talente liegen hauptsächlich im Spiel auf den sechs Saiten. Es gibt Gitarristen, denen möchte man bei einem Konzert ausschließlich auf die Finger gucken, so z.B. Uwe Hassbecker von SILLY. Thomas Fellow ist auch so ein Gitarrist, der scheinbar mehr als nur die handelsübliche Anzahl von Fingern zu besitzen scheint. Wie eingangs schon erwähnt, entlockt er einer einfachen Akustikgitarre eine unglaubliche Breite an Tönen und Sounds. Dabei dient der Korpus seiner Gitarre auch mal als Percussion-Instrument. Wer seine Vita liest entdeckt auch, dass Fellow der Initiator des "European Guitar Awards", einem der wichtigsten Wettbewerbe für junge, kreative Gitarristen, ist. Wenn Ihr mich fragt, dürfte auch kein anderer als er eine solche Auszeichnung vergeben.

Bei all den Einzelleistungen des Duos möchte ich noch eins nicht vergessen zu erwähnen: Auffallend beim Auftritt von FRIEND N FELLOW war diese vertraute und ungespielte Interaktion, das blinde Vertrauen und dieses perfekte Miteinander, die sofort ins Auge stachen. Wie zwei frisch Verliebte wirkten sie und ließen die Lieder, die sie für den Abend ausgewählt hatten, lebendig werden. Auf der Bühne brauchen sie keinen Schnickschnack, kein übertrieben eingesetztes Licht oder anderweitige vom Wesentlichen ablenkende Aufbauten. Die Konzentration soll komplett auf sie und ihre Musik gerichtet sein. Damit setzen FRIEND N FELLOW die Messlatte für sich selbst auch gleich auf den obersten Punkt, denn wenig Beiwerk deckt auch schonungslos jeden Fehler auf. Aber von denen gab es auch bei intensivster Suche und genaustem Beobachten am Samstag in Wermelskirchen keine zu entdecken.

d 20190120 1053286672Nach fast zwei Stunden war Schluss mit dem regulären Programm, aber nicht mit der Lust des Publikums auf noch mehr FRIEND N FELLOW. Der Saal war in den voraus gegangenen Minuten von Constanze und Thomas mit den vielen genial arrangierten und gesungenen Liedern so richtig in Wallung gebracht worden. Die Leute standen und klatschten, sie wollten mehr. Und das bekamen sie auch, denn FRIEND N FELLOW kehrten nach ihrem Abgang nochmal auf die Bühne zurück, um ein Dessert zu servieren. Mit dem Sahnehäubchen oben drauf war das mehrgängige Klang-Menü der beiden Musikanten abgeschlossen. Sichtlich bewegt von dem Zuspruch der Leute im Saal und sicher auch ziemlich ausgepowert gab es ein letztes "Tschüss" und dann war der 2019er Auftritt von FRIEND N FELLOW in Wermelskirchen auch schon wieder Geschichte. Am Ende des Tages steht unter dem Strich ein weiteres Mal die Erkenntnis, dass es in unserem Land extrem gute Musiker mit äußerst spannenden Programmen gibt, die uns von Radio und TV vorenthalten werden. Warum ein solches Duo nicht mal im Tagesprogramm von Radio und Fernsehen zu hören und sehen ist, will sich mir nicht erschließen. Es gibt dafür keinen plausiblen Grund. Statt ständig und jede Woche Container-weise zweit- und drittklassige Klangerzeugnisse aus Übersee zu importieren, darf man auch mal auf dem eigenen Feld die Ernte einholen. FRIEND N FELLOW liefern Unterhaltung auf einem ganz hohen Niveau mit Können, Humor, Charme und großem Unterhaltungswert. Das sind für meinen Geschmack Superstars, die man nicht erst noch vom Bohlen suchen lassen muss. Sie sind schon da, und das seit fast 28 Jahren!



Setlist:
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Termine:
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Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf der bandeigenen Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von FRIEND N FELLOW: www.friendnfellow.de
• Homepage der Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen: www.kattwinkelsche-fabrik.de




 
 

   
   
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