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Ein Bericht mit Fotos von Marion Dudel



a 20181204 1404829013Nein, ich muss keinem mehr sagen, dass ich zu den älteren Semestern gehöre. Aber ich weiß inzwischen, wir "Älteren" sind teilweise verrückter als die jüngere Generation. Wir lebten damals nicht nur am/mit Handy, denn es gab ja noch keins ... und auch heute, wo wir ja doch alle ein Handy besitzen, auch heute rennen wir unverblümt unseren Träumen hinterher ... Jugendträume, die da gerade hier in Sachsen auch LIFT heißen.

Am 1. Dezember 2018 hieß es im Dresdner Hygienemuseum: "45 Jahre LIFT - wo alles begann". Ich hatte den Termin gelesen, der Dienstplan musste stimmen, und diesmal stimmte er. Ich hatte mir ja eh schon eine Karte auf Verdacht gekauft, aber wenn es dann nicht geht, hab ich das Nachsehen. Diesmal passte es, also auf ins Hygienemuseum! Auch wenn ich zum "Wo alles begann"-Termin 1973 noch nicht dabei war, es war wieder ein typischer Novembertag heute: feucht, trüb, kühl ...

Ich hatte "Heimvorteil" und konnte deshalb zum Hygienemuseum laufen. Ich kam dort etwas früher an und dachte sofort: verdammt wenig Leute da. Mein Herz, das inzwischen für die Musiker schlägt, checkt immer vorher: "sind genug Leute da? Wie ist die Stimmung?" Sorry, ich lief schon immer etwas "neben der Spur". Bekannte Gesichter? Bis auf wenige leider Fehlanzeige. Ich freute mich, als ich Achim und Tamara am Fanstand sah. Verdammt, wie lange habe ich die nicht gesehen? Nach und nach füllte sich die Empfangshalle des Deutschen Hygienemuseums in Dresden. Es hätte mir unwahrscheinlich leid getan, wenn LIFT ausgerechnet bei DIESEM TERMIN baden gegangen wäre. So war es aber nicht. Die Halle füllte sich.

b 20181204 1403251765Und dann erschienen sie auf der Bühne: LIFT. Heute besetzt mit Werther Lohse, André Jolig, Peter Michailow, Peter Rasym und René Decker. Letzterer fehlte, dafür stand in Dresden Andreas "Bruno" Leuschner an den Tasten. Ich merkte sofort, dass die Beleuchtung nicht der "Bringer" war, aber ich ließ mich im Nachhinein belehren: Das war gewollt! Denn DAMALS war alles anders ... Wir gingen also 45 Jahre zurück, auch mit der Beleuchtung. "Und es schuf der Mensch die Erde" war der erste Titel, der erklang, ein Lied von der ersten LIFT-LP, die 1977 erschien. Ja, allerdings ist der Mensch über 40 Jahre nach dem Song immer noch das einzige Lebewesen, das seinen Lebensraum wissentlich zerstört. Das waren meine Gedanken dabei. LIFT, das waren für mich oft "Werke" bei denen man zuhören MUSS. Vielleicht liegt das auch an den einmaligen Textern.

Viele waren gespannt auf das Besondere. Das Event wurde beworben mit "LIFT feat Stimmwerk 13 (Ensemble des Dresdner Kreuzchors)". Krankheitsbedingt fiel dieses Highlight aus. Und glaubt mir: ich war wie viele andere gespannt, was da geboten würde! Aber es sollte nicht sein! Den Song "Sei zufrieden" sang Werther - und ich bin es. Manchmal denke ich, wie gut es mir doch geht. Sicher habe ich oft die Hölle im Job, aber ich bin gesund. Oder ich weiß noch nichts von den Krankheiten in mir - oder will es nicht wissen.

Werther Lohse spricht von seiner Lieblingsstadt DRESDEN. Ich lächle in mich hinein, sagt er das vielleicht auch in Halle, Gera ... Ich habe so was schon erlebt bei anderen Musikern. Es tut mir aber nicht weh, denn ich habe begriffen was es heißt, sich "vermarkten" zu müssen. So etwas gab es - glaub ich - zu meiner Jugendzeit nicht. Da gingen wir zu Muggen weil uns die Band gefiel. "Jeden Abend" und "Du falsche Schöne" erinnern mich gerade genau daran.c 20181204 1612270061 "Liebeslied", ein Titel der dritten LIFT-LP wurde irgendwann einmal als schönstes Liebeslied bezeichnet, erzählte Werther Lohse. Und als die sanfte Musik erklingt, glaub ich das gern. Danach wird es etwas wilder mit "Wir fahrn übers Meer".

Werther Lohse erinnert an Till Patzer, der leider 2017 von uns gegangen ist. Und für ihn zum Gedenken spielen die Musiker "Meeresfahrt". Andreas "Bruno" Leuschner und André Jolig finden sich an den Tasten und werden eins. Und ich? Verdammt, ich bin wieder jung ... so herrlich jung. Ich schließe die Augen und lausche. Man kann nicht nur zurückdenken. Man soll es, aber man kann nicht in der Vergangenheit leben. Das will ich auch nicht. Gut, dass nun ein ganz neuer Titel erklingt. Er heißt "Der Admiral" und ist von André Jolig geschrieben. Werther kündigte ihn als Uraufführung an. Das Einspiel in typischer LIFT-Manier, der Text nachdenklich. Nur wer nimmt sich heute in dieser schnellen, fast ausschließlich virtuellen Welt bei einem Musiktitel noch die Zeit zum Nachdenken? So wie ich es gehört habe, muss man dieses Stück erst zwei oder drei Mal hören und nachdenken. Einen neuen Titel kann man in einem Live-Programm nicht sofort "verarbeiten". Ich sehe mich schon ein wenig als aussterbende Species, weil ich dann mehr wissen will. Das Publikum war eins mit mir, klatschte und tobte, Dazu sage ich später noch etwas, zum Abschluss.

Im Anschluss an "Nach Süden" ging es in die Pause. Als der Titel gespielt wurde, sah ich in die Runde. Verflixt, ich spürte, dass es vielen wie mir ging. Irgendwann "damals" wollten wir alle so gern nach Süden. Nun zu meinem, "dazu sage ich später etwas". Wisst ihr, als ich hier aufschlug, kam ich mir vor, wie zu einem Klassentreffen nach Jahrzehnten. Die meisten Besucher waren schon der "Rocker-Zeit" entwachsen, so wie ich, und trotzdem, trotzdem verbindet uns etwas, treibt uns an. Erlebte Augenblicke, gelebte Jugend und dabei Musik, Musik, die vermutlich nur noch wir verstehen. LIFT, die Musik, das sind "fast Werke", die man nie im Rundfunk hören wird. Es tut weh, dass diese Musik keine Beachtung findet.d 20181204 1611970810 Nach der Pause ging es über "Gelbe Wiesen" zu "Meine Schulden", der Witz wie immer auf das vielleicht nicht gut gefüllte Bankkonto, aber um finanzielle Schulden geht es in diesem Titel ja nicht. "Ich schulde dir noch viele gute Worte, die blieben unbenutzt im Lauf der Zeit" - Reden miteinander, heute wichtiger als je zuvor.

Werther spricht von Musikern, die inzwischen "LIFT-Titel" covern. "Leb deinen Traum" erschien auch bei Jan Joseph Liefers. Mit diesem Musiker hat die Band schon diverse Konzerte veranstaltet. Aber zu allererst wurde der Titel "damals" bei Chris Wallasch vorgestellt. Das Publikum wusste Bescheid und lachte. Stephan Trepte und seine "runde Brille" kam auch wieder ins Gespräch. Er musste sie damals für die Aufzeichnung tatsächlich absetzen! Bekam ein großes weißes Kreuz auf den Boden, damit er seinen Platz auch brillenlos fand. Nee, es war nicht alles schlecht "damals", aber manches schon sehr kleinlich!

Ich lache auch und weiß doch, dass die Jahre vergangen sind. So kommt mir der Titel "Einmal fällt der erste Reif" sehr entgegen. Merk' ich doch grad: Hier gab es ein Drum- und Bass-Solo von Peter Michailow und Peter Rasym. Das Publikum rockte mit! "Nach Haus". Werther spielte dabei Mundi und ich wusste: "Nee, nach Haus will ich noch nicht!" Wie auch, denn es folgte der Titel, der mir Gänsehaut macht: "Mein Herz soll ein Wasser sein". Ich bin den Tränen nah. Ich hätte mir gewünscht, dass ihn heute hier noch EINMAL Stephan Trepte singt. Warum? Ich habe ihn als Sänger erlebt. Live, in der Bergwirtschaft Dresden, und genau dort begann meine Liebe zu LIFT. Vielleicht gehört das nicht hierher, aber es ist mir egal. Ich war damals herrlich jung und begeistert von der Musik.

Andreas "Bruno" Leuschner wurde von Werther Lohse als "Gast" angekündigt. Er spielte nicht nur Keyboard, er sang an diesem Abend - wie schon so oft an anderer Stelle - "Wind trägt alle Worte fort". Dabei nahm Werther Lohse den Platz ein, den er viele Jahre bei LIFT inne hatte: er setzte sich ans Schlagzeug. Das Publikum ist begeistert. Und ich? Ich lächle. Manchmal ist halt Post und Musik gar nicht so fern voneinander. Warum? Ich war viele Jahre Brunos Briefzustellerin und habe mich nie getraut, ihn anzusprechen, ihm zu sagen, dass mir genau die Musik gefällt. Wie ihr sicher alle wisst: Andreas "Bruno" Leuschner spielte Keyboard bei ELECTRA. Der anderen "Heimatband", die ich ebenfalls liebte. "Damals wars", wie es der MDR jetzt in einer Sendung sagt.

"Am Abend mancher Tage". Dieser Titel macht mich traurig, denn ich weiß noch wie er entstand. Ein Unfall, der für die Band alles veränderte. Die Besucher wissen genau, was sie tun müssen. Sie füllen die Textzeilen, die Werther offen lässt. Es war eine "Tagesreise" mit LIFT, sie bekamen Geschenke und mussten anstoßen.e 20181204 1574122957 Das Publikum tobte. LIFT versuchte mit "Abendstunde stille Stunde" Ruhe einkehren zu lassen, um diese dann bei "Wasser und Wein" wieder verschwinden zu lassen. Jeder wusste, wann und wo er einzusetzen hatte. Ein Chor ohnegleichen: "Einer schenkt Wasser einer schenkt Wein | tagtäglich sich ein". Dresden ist eine musikalische Stadt!

Die Band hatte noch einen Titel für uns, einen ganz sanften, begleitet nur mit Keyboard. Werther kündigte ihn als Homage an DRESDEN an. Ein deutscher Text auf "Mad World", im Original von der Gruppe TEARS FOR FEARS. Diesen Titel hat schon Dirk Michaelis für eine CD mit einem deutschen Text versehen, und nun LIFT in der ganz besonderen, bandeigenen Form: "Immer wenn ich mich verloren fühle, ringsum Kühle, denke ich an meine Kinderspiele, endlos viele". Danke Werther Lohse! Wenn einer so einen Song für "meine Stadt" singt, können wir doch nicht so schlecht sein, wie uns die Medien machen. Das Publikum war aus dem Häuschen.

Jeder Konzertabend geht einmal zu Ende. Dieser hätte noch weiter gehen können. Schade nur, dass ich nicht erleben konnte, was die Band mit "Stimmwerk 13" gezeigt hätte. Erinnerungen wurden wach und ich weiß, das nächste "Klassentreffen" kommt irgendwann! Danke LIFT, und Danke an "Gast" Andreas "Bruno" Leuschner.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von LIFT: www.lift-rockballaden.de






 
 
 
 
 
 

   
   
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