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Ein Konzertbericht mit Fotos von Dajana Gehn



a 20181116 1064724886"Dieses Fremdsein begleitet mich schon, seit ich denken kann. Ich fühle mich als Katze im Hundeland. Als Katze, die aber so tut als wäre sie Hund wie alle anderen, eben weil sie nicht sagt und zeigt, dass sie Katze ist."

Literatur live, der Ullstein Verlag sowie die Thalia Buchhandlung organisierten zum 15. November 2018 im Pfefferberg Theater Berlin die Buchpremiere sowie das Bandkonzert zum neu erschienenen Album von André Herzberg. Der Saal füllte sich schnell. Es war sehr angenehm, dass es um 19.30 Uhr los ging. Das Beste war, es gab keine störende Pause. Man konnte die Lesung und das anschließende Konzert ohne Unterbrechung genießen.

Nach dem Lied "Was aus uns geworden ist" begann die Lesung des gleichnamigen Romans. André hatte die Befürchtung, dass seine Einleitung missverstanden werden konnte. Ich fand sie emotional sehr berührend und treffend formuliert. "Sprich das Wort nicht aus. Vor allen Dingen sage niemals, du wärest so einer." Jeder im Saal weiß, was gemeint ist. Man schämt sich fremd, dass es eine Zeit gab, wo man so dachte und dass es an seiner Aktualität leider nichts verloren hat. Dass es immer noch Menschen gibt, die Unterschiede untereinander machen. Wir sind alle Menschen egal welcher Hautfarbe, Nationalität oder Religion.

In diesem Roman werden sechs Figuren und ihr Leben, ihre Gedanken und Wünsche sowie Sehnsüchte beschrieben. André entschied sich uns die Figur "Jakob" näher zu bringen. Es war absolut faszinierend auf welche Weise das geschah. Als Mann schrieb er aus der Sicht eines ungeborenen Kindes, welches trotzdem den Gemütszustand der Mutter genauestens wahrnahm. Wenn das Herz der Mutter schneller schlug, fühlte auch Jakob sich aufgewühlter. Nach seiner Geburt nahm er die Gefühlsregungen seiner Mutter weiterhin sehr genau wahr und merkte schnell, dass es etwas in der Geschichte seiner Familie gab, was er noch nicht verstand.

Mancher mochte beim Zuhören gedacht haben, dass er da nur so eine Geschichte niedergeschrieben hat. Aber das hat André Herzberg ganz und gar nicht. Gerade bei seiner bildgewaltigen Sprache muss man ganz genau zuhören. Da erfährt man so viel tiefgründige Gedanken und Gefühle. So viel möchte ich inhaltlich nicht verraten.b 20181116 1270691693 Dieser Roman lässt uns in das Innere der Gefühlswelt von Menschen hineinschauen, deren Familien geschichtlich viel erlebten und trotzdem nicht aufgaben. Der Schlusssatz von der Lesung, "... welchen sollen wir töten, und dann werd' ich sagen: Alle!", erschütterte. So viel Wahrheit ist darin verborgen.

Anschließend ging es sofort mit den Songs aus dem neuen Album weiter. André wirkte so locker und losgelöst mit seiner Band (Karl Neukauf, Hans Rohe, Jan Burkamp, Tom Baumgarten). Die neuen Lieder kamen bei uns sehr gut an. Sie sind so ganz anders und doch sind sie André Herzberg. Tiefgründige, berührende und nachdenkliche Texte. Man hört ganz genau hin. Die Arrangements, jedes einzelne Musikinstrument und Wort sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Zwischendurch spielte er Songs von "damals" wie er treffend formulierte. Das Publikum klatschte und als Zugabe erfolgte der Song "Langeweile". Was für ein emotionaler Abend. Wer noch kein Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk hat, dem sei "Was aus uns geworden ist" wärmsten empfohlen - egal ob Buch und/oder CD. Ein Roman, der den Leser einen Einblick gewährt in das Leben von sechs Menschen mit jüdischen Wurzeln - mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Träumen aber auch Ängste, Befürchtungen und Kampf.

"Für deine Herkunft kannst du nichts, daran kannst du nichts ändern, aber was du aus deiner Zukunft machst, das hast du in der Hand, da bestimmst du das Spiel."




Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von André Herzberg: www.andreherzberg.de
• Interview mit André Herzberg (11/2018): HIER






 

 


   
   
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