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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder



Genau zur angekündigten Zeit um 20:30 Uhr verstummte die Musik vom Band, die gerade noch ziemlich unaufdringlich für Hintergrundbeschallung zu vielen Gesprächen im Publikumsraum sorgte und ein erster Applaus brandete auf. Grund war Jan Laacks, Layla Zoes genialer Gitarrist, der gerade die Bühne betrat, um sein Instrument noch einmal kurz auf die Einsatzfähigkeit zu überprüfen. Nur wenige Sekunden später gab es weiteren Applaus,a 20181104 1290044670 dieses Mal wesentlich lauter: Layla Zoe kam auf die Bühne. Im langen Kleid und barfuß nahm sie das Mikrofon aus seinem Ständer und Platz auf dem mittig auf der Bühne platzierten Stuhl. Eine kurze Begrüßung auf Deutsch ("Schönen Abend"), ein erstes Lächeln in Richtung der Leute, die wegen ihr gekommen waren und schon begann das Konzert.

Die aus Kanada stammende Sängerin, Gewinnerin des European Blues Award 2016, mit der wallenden roten Haarmähne befindet sich derzeit auf "Gemini-Tour". "Gemini" heißt ihr im Oktober frisch in Umlauf gebrachtes Doppel-Album, das sie uns nahezu in Gänze am Samstagabend im Dortmunder Musiktheater "Piano" live präsentierte. "She didn't believe" war das erste von knapp 20 Liedern aus diesem Album, womit sie den ersten Konzertteil mit den ruhig arrangierten Nummern einleitete. Layla Zoe bestritt die erste Halbzeit nur zusammen mit Jan Laacks, der sie auf verschiedenen Gitarren begleitete. Dabei zeigte sich die Künstlerin von ihrer sanften und soften Seite, während sie für den zweiten Teil die konzertante Vorstellung ihrer "motherfucking hard side" vorgesehen hatte. Aber bis dahin dauerte es noch acht Lieder und eine 20-minütige Pause lang.

Jan Laacks ist bereits seit ein paar Jahren der kreative Part an der Seite Layla Zoes. Von ihm stammen u.a. alle Kompositionen auf dem 2016er Album "Breaking Free" und auch auf der neuen Scheibe stammen die zu Liedern aneinander gereihten Noten aus seinem Kopf. Zudem ist er einer der Gitarristen, die bei einem Konzert alle Blicke auf sich ziehen können. Er griff während seiner Schicht zu verschiedenen Gitarren, verstand es sowohl der Akustischen als auch der Elektrischen die faszinierendsten Töne zu entlocken, und wer im Saal ganz vorn an der Rampe stand, konnte seine Griffe und Spielweisen ganz nah bewundern. Ein genaues Hinschauen offenbarte seine filigrane Spieltechnik, mit der er für die Sängerin neben ihm ein dicht gewebtes Tuch spannte, in das sie sich einfach nur fallen lassen musste. Und dies tat Layla Zoe auch und schien ihrem Kollegen dabei blind zu vertrauen. Überwiegend mit geschlossenen Augen sang sie ihre mal langsam,b 20181104 1145797627 mal flotter arrangierten Songs, und obwohl Jan Laacks' Vortrag eine Klasse für sich war und den Rezensenten einige Male abgelenkt hatte, bleibt ihr da wenig Raum, sich zu verstecken. Es war Layla Zoe ganz pur, die man in diesem ersten Teil des Konzerts genießen konnte und verstecken musste sie sich überhaupt nicht.

Zwischen den Liedern erzählte sie kleine Geschichten. Dies tat sie auf Englisch, aber so verständlich, dass jeder ihr folgen konnte. Sie erzählte z.B. die Geschichte, die ihrem Song "The Deeper They Bury Me" zu Grunde liegt. Darin geht es um einen 71-jährigen Mann, der nach 42 Jahren im Gefängnis endlich freigelassen wurde, und der die wiedergewonnene Freiheit leider nur noch drei Tage genießen konnte, ehe er starb. Als Einleitung zu ihrem Lied "Mumbai" erzählte sie von ihrer derzeit laufenden Tournee, die sie in diesem Jahr an die unterschiedlichsten Orte der Welt geführt hat, u.a. eben auch ins indische Mumbai (bis 1996 offiziell Bombay). Sie ließ ihr Publikum später auch wissen, dass sie persönlich ganz unterschiedliche Arten von Musik höre und das auch gern mal in ihre Lieder einfließen lässt. Dieser Aussage ließ sie das Stück "I can't imagine my life without you" folgen, das sie musikalisch in den Bereich Folk-Rock gleiten ließ. Auch davon, dass sie nach neun Jahren bei ein und demselben Plattenlabel den Schritt in die Selbstständigkeit unternommen hat, ließ sie ihr Publikum wissen. Das hier nun live vorgestellte Album sei komplett in Eigenregie entstanden und auch ohne großes Label veröffentlicht worden.

Kurz vor der Pause bekam das Dortmunder Auditorium dann bereits den Rest der Band vorgestellt, der im zweiten Teil des Programms die bis dahin ungenutzten Instrumente übernehmen sollte. Die Nummer "Let Go", das den Abschluss des ersten Konzertteils bildete, wurde uns mit kompletter Besetzung zu Gehör gebracht. Diese bestand nunmehr aus Layla am Mikro, Jan Laacks, der für den Titel ans Keyboard wechselte, Christoph Hübner am Bass und Claus Schulte am Schlagzeug.c 20181104 1348852422 Die anschließend folgende Pause von 20 Minuten hätte es für meinen Geschmack wirklich nicht gebraucht. Die Künstlerin wollte damit wohl eine deutliche Trennlinie zwischen dem ersten und akustisch arrangierten Teil und dem nun folgenden, unter Strom gesetzten Teil ziehen. Aber die freie Zeit sollte auch für eine Zigarette, ein Bier und den Erwerb von "Ziehdies" genutzt werden, so die Tipps der kanadischen Sängerin für die Gestaltung der Wartezeit zum zweiten Teil. Und dieser Empfehlung kamen einige Leute auch nach - der Fanartikelstand war gut besucht.

Das zweite Set eröffnete die inzwischen mit anderen Klamotten gekleidete, aber immer noch ohne Schuhe auf die Bühne zurückgekehrte Layla Zoe mit ihrer Band mit ordentlich Wums. War es im ersten Teil oftmals der Fall, dass es im Saal mucksmäuschenstill war und man der Künstlerin und ihrem Gitarristen bei deren ruhigen, entschleunigten und teils auch zerbrechlich wirkenden Vortrag aufmerksam zuhörte, gab es schon mit den ersten Tönen des Stücks "Weakness" in Sachen Lautstärke und Druck voll eins auf die Zwölf. Ein enormer Bums kam von der Bühne und die Band ließ es ordentlich krachen. Jeder Beat traf, jeder Basston drang tief in den Körper und jeder gesungene Ton versetzte einen in große Begeisterung. Ein weiterer Unterschied zum ersten Teil des Abends war der, dass Layla Zoe ihren Stuhl verlassen hatte und fortan im Stehen vollen Körpereinsatz zeigte. Die Haare flogen und wenn sich Layla Zoe ihrem Bewegungsdrang hingab, sah es oft so aus, als stünde ihr Kopf in Flammen, so heftig ließ sie ihre Haarpracht beim Bangen fliegen. Dabei trat sie ordentlich aufs Gaspedal und ließ ihre Stimme aufheulen. Mal setzte sie feine Punkte, dann röhrte sie aber ordentlich in den Saal, dass es einem die kleinen Härchen auf Armen und im Nacken aufstellte. Im Saal selbst war die andächtige Ruhe beim Lauschen einer ausgelassenen Partystimmung gewichen. Das vom Alter her bunt durchmischte Publikum hatte das Angebot der "Roten" angenommen, sich zu ihrer Musik einfach gehen zu lassen und ging entsprechend ausgelassen mit.d 20181104 1197484455 Ältere Herren jenseits der 60 tanzten zu den Takten, die der junge Schulte in seine Felle und Becken hämmerte, und die der Rest des Ensembles mit einer attraktiven Eigenleistung reichhaltig veredelte. Viel zu erzählen hatte die Frau nun nicht mehr. Das Hauptaugenmerk lag jetzt voll auf der Musik. Zwar gab es auch im zweiten Teil noch erklärende Zwischentexte, es gab aber auch Titel, die nahtlos ineinander übergingen und so der Fluss für die Leute im Saal nicht unterbrochen wurde. Überall war Bewegung im Raum - auf und vor der Bühne - und der Feuerkopf da vorn hatte das Piano schlicht und ergreifend in Brand gesetzt.

Gute Laune auf und vor der Bühne und ein fulminanter Auftritt machten aus dem Musiktheater eine Megaparty, die massivst Spaß machte und trotz seiner großzügigen Spielzeit von knapp zwei Stunden viel zu schnell vorüber geht. Es ist unglaublich, was für eine Bühnenpräsenz Layla Zoe hat und wie sie es schafft, jeden einzelnen Konzertbesucher umgehend abzuholen und in ihren Bann zu ziehen. Konnte man in dem einen Teil des Programms die fast schon als verletzlich zu beschreibende Seite der Künstlerin hautnah und intensiv erleben, zeigte sie im anderen Teil die laute, ungezügelte und unbändige Layla Zoe, die es mir als Fotografen auch nicht leicht machte, sie sauber auf ein Foto zu bekommen. Egal in welchem Aggregatzustand man die Künstlerin erlebte, sie infizierte die Zuschauer mit ihrem Musikvirus. Hier kam jedenfalls keiner unangesteckt raus, wenn er es nicht vorher schon längst war. Musikalisch bewegte sich der Vortrag zwischen Blues, Folk und Rock, der von den Protagonisten frisch, knackig und äußerst schmackhaft angerichtet wurde. Kein Wunder, dass die Künstlerin - wie schon erwähnt - nicht nur das ältere Publikum anspricht, sondern auch jüngere Musikinteressierte anlockt.e 20181104 1865687023 Die Sängerin erinnerte stimmlich immer wieder mal verschärft an die große Janis Joplin. Aber das waren für meinen Geschmack nur Anflüge. Sie hat selbst eine große Wiedererkennbarkeit in ihrer Stimme - in ihrer Art des Auftretens sowieso. Von daher muss man keine Vergleiche zu anderen Sängerinnen ziehen, denn das würde Layla Zoe nicht gerecht.

Am 16. November gibt es in Deutschland noch ein letztes Konzert. Das findet in Neuss statt. Dann ist der Fisch gegessen und die Tour beendet. Wer die Möglichkeit hat, dahin zu gehen, sollte sie nutzen. Ansonsten einfach die Augen aufhalten, wenn sie mit der nächsten Langrille wieder auf Tour geht und hier in Deutschland Station macht.


Setlist:
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Termine:
• 16.11.2018 - Neuss - Partytur

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf Layla Zoes Homepage



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von Layla Zoe: www.layla.ca
• off. Homepage vom Musiktheater Piano in Dortmund: HIER klicken





   
   
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