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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki


Am Vorabend des traditionellen "Dorfrock Schmadebeck", der in diesem Jahr seine 23. Ausgabe erleben sollte, luden die Kreisbibliothek Kröpelin und die Land-Projekt-Gemeinschaft (LPG) zu einer musikalischen Lesung mit dem ehemaligen RENFT-Musiker CHRISTIAN KUNERT ein, der in Fankreisen als KUNO bekannt ist.
 
Die KLAUS RENFT COMBO, die sich später nur noch RENFT nannte, wurde in den 70er Jahren zur Legende. Ihre exzessiven Auftritte in den kleinen Dorfkneipen und Kulturhäusern der ehemaligen DDR sprachen sich unter den Freunden der Rockmusik schnell herum. Fans in Jeans und Parka pilgerten in Scharen zu den Konzerten der Band, wollten feiern und gute Rockmusik mit deutschen Texten hören.a 20180708 1906828857 Da diese oft systemkritisch ausfielen, wurden die Auftritte von RENFT 1975 schließlich verboten. KUNO wollte jedoch weiter Musik machen. In dem Liedermacher GERULF PANNACH, der auch schon für RENFT Texte verfasst hatte, fand er einen Partner, mit dem er weiterhin seine meist kritischen Botschaften an den Mann und an die Frau bringen konnte. Die DDR-Bonzen empfanden diese Songs als "staatsfeindliche Hetze", die beiden wurden verhaftet und 1977 in den Westen abgeschoben. Dort produzierten sie als Duo PANNACH & KUNERT mehrere Alben. Das alles ist Geschichte, die weitgehend bekannt sein dürfte.

Im Jahr 2016 präsentierte KUNO beim Dorfrock Schmadebeck einige seiner Songs und spielte dort sogar ein Stück mit der aktuellen RENFT-Besetzung. In diesem Jahr ist er in den Norden gekommen, um in der "Mühle Kröpelin" aus seinem bereits 2017 erschienenen Buch "Ringelbeats" zu lesen. Die sogenannte "Musikalische Lesung" wurde dann auch musikalisch eröffnet von zwei ortsansässigen Musikern, die sich als PROJEKT 60:40 präsentierten. Musiker, die im Osten Deutschlands aufgewachsen sind, wissen, was dieses Zahlenverhältnis bedeutet. Allen anderen erläuterte REINHARD DANKERT, Sänger und Gitarrist des Duos, dass es sich dabei um das streng reglementierte Verhältnis von Musik aus der DDR bzw. den sozialistischen Bruderländern zu Musik aus dem westlichen Ausland handelte, welches Musiker in der DDR einzuhalten hatten. DANKERT und sein Duo-Partner BERND MILDNER, der die Keyboards bediente und ebenfalls sang, hielten sich bei ihrem Auftritt nicht an die 60:40 Vorgabe. Sie warteten zu 100% mit Ostrock auf. Neben "Bataillon d'Amour" von SILLY interpretierten sie zwei Stücke von RENFT auf ihre ganz eigene Weise, wobei die KUNERT-Komposition "Kinder, ich bin nicht der Sandmann" dann direkt zur Lesung von CHRISTIAN "KUNO" KUNERT überleitete.

Selbiger verfolgte den Auftritt des PROJEKTs 60:40 im Vorraum, nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus gesundheitlichen Gründen, wie er nach einer kurzen Begrüßung der Gäste erläuterte. Die gemeinsame Zeit bei RENFT habe nicht nur seiner Leber arg zugesetzt, nein, er hätte auch sein Gehör verloren, so dass er nur an den sichtbaren Beifallsbekundungen der Gäste erkennen könne,b 20180708 1850439832 dass die beiden Musiker ihre Sache gut gemacht hätten. Allerdings sei er dank moderner Medizintechnik in der Lage, überhaupt zu hören. Dafür sorgen sogenannte CI-Implantate. Er finde die Abkürzung CI zwar etwas ungewöhnlich, weil sie für ihn stets für Coitus Interruptus stand, doch sei es wie es sei.

KUNO erzählte, dass er jetzt, wo er keine Musik mehr machen würde, seine Brötchen u.a. als Autor verdiene. Es hätte zwar lange gedauert, einen Verlag zu finden, der bereit gewesen sei, seine geistigen Ergüsse überhaupt zu veröffentlichen, doch schließlich habe er im Eulenspiegel Verlag einen Partner gefunden. Nun ginge es vor allem darum, das Buch unter die Leute zu bringen. Der Verlag kam auf die Idee, seinen Roman mit musikalischen Lesungen zu bewerben. So sei er auch an diesem Abend glücklich, dass er vorlesen "muss". Damit die Veranstaltung auch als musikalische Lesung bezeichnet werden kann, gab er zunächst die "Ballade vom Mann mit dem Feindbild" zum Besten. Mehr gesprochen als gesungen hörten wir KUNOs Assoziationen zum Thema Feindbilder. Für den Beifall bedankte er sich mit den Worten: "Mehr war nicht zu erwarten!".

Bevor KUNO auf den Inhalt seines Buches einging, ließ er sich über die maximale Dicke von Büchern aus und erklärte, wie lang so eine Lesung dauern sollte, um bei den Lesern ausreichendes Kaufinteresse zu wecken. Dass ein Buch nicht dicker als 35 mm sein dürfe, und was das mit seinem täglichen Toilettengang zu tun hat, sorgte nicht nur bei mir für Erheiterung. Seine Erklärung dafür, dass eine Buchlesung nicht länger als 45 Minuten dauern dürfe, entsprach seiner simplen Logik. Auf jeden Fall würde er die Zeitvorgabe an diesem Abend strikt einhalten. Seine musikalischen Beiträge würden die Zeit des Vorlesens sogar noch etwas verkürzen. Schließlich sollen die Leute das Buch kaufen und es dann selbst lesen.

KUNO, der sich als Autor dem "Nachwuchs ohne Haarwuchs" zugehörig fühle, habe versucht, eine Geschichte zu erzählen, die sich so zugetragen haben könne, oder auch nicht. Im Vorwort des Buches heißt es: "Der Roman erzählt von einer Zeit, an die sich einige gern erinnern, andere mit Grausen, von der aber noch nicht abschließend geklärt ist, ob es sie wirklich gegeben hat.". Auszüge aus dem Buch gab er nun zum Besten.

c 20180708 1350937853Die Geschichte des Romans "Ringelbeats" handelt von dem abgehalfterten Clown Cubo Kubisch, der inzwischen ein ruhiges Leben als Ruheständler führt, bis ihm ein Unbekannter plötzlich seine Biografie stiehlt. Nun muss Kubisch Rückschau auf sein Leben halten und sich auch mit unschönen Dingen aus seiner Vergangenheit beschäftigen. Er blickt zurück auf seine Schulzeit, als sein Freund Beri den besten Aufsatz über das Thema "Das Reichen der Hände - Symbol der Einheit" geschrieben hat und diesen vor versammelter Schülerschaft und dem Lehrerkollegium vorlesen durfte, bewusst um einige Zeilen verändert, die sein Lehrer so nicht gelesen haben konnte, und die dem Direktor überhaupt nicht gefallen sollten. Wir hören von der Band, die Cubo und Beri gegründet haben, und vieles mehr. Es geht immer wieder um Auflehnung gegen die Obrigkeit. Cubo kann sogar mit einem Gefängnisaufenthalt aufwarten.

Bei dem, was KUNO in Kröpelin vorlas, hörte ich immer wieder Bezüge zu seiner Zeit bei RENFT heraus. Er ergänzte um Episoden aus eben dieser realen Zeit. Alles mit trockenem Humor gewürzt. Es machte Spaß, ihm zuzuhören, und er weckte bei mir Interesse an seinem Buch.

Das Lied "Muss" bildete musikalisch den Abschluss von KUNOs Lesung. Die letzte Zeile des Liedes lautet: "Du musst dich entscheiden, entscheiden ..." Und ich entschied mich, "Ringelbeats" zu kaufen, mit persönlicher Widmung des Autors und einem KUNO-Kugelschreiber als Gimmick. Nun muss ich das Buch nur noch lesen. Bin gespannt auf die ganze Geschichte.


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Christian Kunert: www.kuno-kunert.de
• Homepage des Eulenspiegel-Verlages: www.eulenspiegel.com





 
 
 
 
 
 

   
   
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