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Ein Konzertbericht von Matthias Ziegert mit Fotos von Sebastian und Matthias Ziegert



Normalerweise ist das Café Größenwahn eine "Musik-Talk-TV-Show", die schon seit dem Jahre 2011 von Dirk Zöllner und seiner musikalischen Familie im "Kesselhaus Berlin", festgehalten in Bild und Ton, produziert wird. Daher kommt auch der nicht ganz ernst gemeinte Name der Produktion "Zuhause bei DIE ZÖLLNER". Am 30. Juni 2018 machten die Musiker und ihr Frontmann Dirk Zöllner mal eine Ausnahme und verlegten die Show in das 600-Seelen-Dorf Bärnsdorf, welches zwischen Dresden und Moritzburg liegt.a 20180707 1160370430 Dort findet seit dem vergangenen Sommer ein kleines, feines Festival mit dem Namen "Bärnsdorf bäbt", auf dem gemütlichen, vorzüglich sanierten Dreiseitenhof des Landgutes Mosch statt. Sebastian Mosch möchte die Kultur auf das Land bringen, wofür er auch keine Kosten und Mühen scheut. Im vergangenen Jahr spielten hier schon unter anderem ROCKHAUS und Dirk Michaelis, welcher Zöllner auf diesen "magischen" Ort aufmerksam machte.

Für den Auftritt in Bärnsdorf hatte sich "Scholle", so der Spitzname von Dirk Zöllner, mit Anne Haigis und Julia Neigel zwei stimmgewaltige Damen mit auf die Bühne geholt. Aber auch bei der Band wurde personell nicht gegeizt, sondern das "volle Besteck" aufgefahren. Als ZÖLLNER standen an diesem Abend Lars Kutschke (Gitarre), Oliver Klemp (Bass Gitarre), André Gensicke (Keyboards), Marcus Gorstein (Percussion) und Stephan Salewski (Drums) auf der Bühne. Als musikalische Verstärkung sorgten an diesem Abend zu meiner großen Freude noch die "Zöllner Horns" mit Gerald Meier (Posaune), David Skip Reinhard (Trompete) und Frank Fritsch (Saxophon) für ordentlichen Druck auf der Bühne.

Pünktlich um 20.00 Uhr begrüßte Bodo Gießner, seines Zeichens Moderator bei MDR 1 - Radio Sachsen, die inzwischen zahlreich erschienenen Besucher und gab ein paar Infos zum Ablauf des Abends. Nach kurzer Begrüßung der "Café-Besucher" sorgte Dirk Zöllner mit der Bemerkung, dass er heute "erregt" sei, besonders bei den weiblichen Besuchern für einen Lacher. Musikalischer Opener des Abends war "Heute biste dran" vom 2008 erschienen Album "Sieben Sünden", eines meiner Lieblingsalben des Künstlers.

Mit "Alles oder Nichts" vom Album "Ich darf Alles" setzte man gleich noch eins drauf und wer Zöllner und Band kennt, weiß, dass sie immer "Alles" geben. Dies bedurfte also keiner besonderen Erwähnung. Besonders die "Horns" kamen bei diesem Titel richtig fett rüber.b 20180707 1067224488 Mit der Dance-Nummer "Einmal nur mit Dir" für die sich Komponist André Gensicke, kurz "Gensi" genannt, mal von Zöllner einen "einfachen und freundlichen Text" gewünscht hatte, ging es fröhlich weiter. Beim Titel "Wenn der Himmel mir am Arsch hängt", einem Trinklied und der einzigen Polka an diesem Abend, ging die Post im Hof dann richtig ab. Das Publikum sang und klatschte mit, während Dirk Zöllner auf der Bühne ein Tänzchen vollführte.

Mit den Worten, "es ist schön mit Leuten Musik zu machen, die man auch leiden kann" leitete Zöllner zum letzten Titel des ersten Konzertblocks über und nutze den Instrumentalteil am Schluss zur Vorstellung des ersten weiblichen Gastes: Anne Haigis. Beide teilten sich vor fast 30 Jahren bei einem Auftritt beim letzten Geburtstag von Willy Brandt eine Garderobe, und kennen sich seitdem. Die gebürtige Schwäbin, die vor dreißig Jahren ins Rheinland umgezogen ist und sich selbst als "Kölsches Mädchen" bezeichnet, startete ihren Konzertteil mit einem ihrer bekanntesten Songs, "Kind der Sterne", und zog damit gleich die Besucher in ihren Bann. Mit "Emily im Park" vom 1989 erschienen Album "Indigo" legte Haigis nach. Der Song handelt von einer dunkelhäutigen Frau, die zu Zeiten der Apartheid in Südafrika nach Stuttgart kam, und dort Rosen verkaufte. Ihr größtes Glück war es, ungestraft wegen ihrer Hautfarbe auf einer weißen Bank im Schlosspark zu sitzen. Für ihren Vortrag wurden Künstlerin und Band mit viel Applaus bedacht. Neben eigenen Titeln hatte Anne Haigis auch ihren persönlichen Lieblingssong "Waltzing Mathilda" von Tom Waits mit im Gepäck, dessen Vortrag ihr und dem Publikum sichtlich Freude bereitete. Bei diesem Titel konnte sich die stimmgewaltige Vollblutmusikerin richtig austoben. Als vierten und letzten Song präsentierte Haigis dann noch den Folk-Rock-Song "Live is wonderful", aus ihrem aktuellen Programm, mit dem sie auch auf Tour ist. Leider klappte es bei dem "etwas schüchternen Publikum" nicht so richtig mit dem Mitsingen. Das hatte sich die Künstlerin sicher anders vorgestellt, tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Wahrscheinlich fehlte den Konzertbesuchern nur der kleine Whisky, den Haigis dem anwesenden MDR-Team während ihres Interviews als Erfolgsrezept für die Stimme vor ihren Auftritten verriet. Nach viel Applaus, sowie Dank an die Band, verließ Anne Haigis herzlich verabschiedet die Bühne

c 20180707 1307018478Vor der Pause gab es dann noch ein Liebeslied, mit einem wunderschönen Text von Werner Karma. Der Titel "Zwei Sonnen" vom aktuellen Zöllner-Album "Dirk & das Glück - Zöllner trifft Karma" beendete den ersten Teil des Events. Beim zweiten Teil des Konzertabends, der nach einer halbstündigen Pause begann, lud Gensi gewissermaßen zum "Schwof" vor der Bühne ein. Mit "Rosarote Segel", "Lass mich rein" und "Allein" folgte ein Block mit gut tanzbaren Titeln, so dass es auch einige Konzertbesucher von ihren Stühlen riss. Immer ein Höhepunkt bei Zöllner-Konzerten ist der Titel "Aus Liebe zu dir", vor allem wenn die "Zöllner-Horns" mit auf der Bühne sind. So war es auch an diesem Abend. Uwe Fischer, ehemals Gruppe SIX, übernahm bei dieser Nummer Zöllners Akustikgitarre. Herr Meier ist das älteste Bandmitglied und Arrangeur aller Aktivtäten der Bläser. Er wird bei dem Song stets nach kurzer Einweisung des Publikums von Dirk Zöllner nach vorn gerufen, um ein Solo auf seiner Posaune zu schmettern. Dieses Mal kam auch noch Zöllners Hut mit zum Einsatz. An diesem Abend traf es auch noch "Herrn Fischer", der bereitwillig bei seinem Solo auf der Akustikgitarre ordentlich in die Saiten griff.

Nach dieser Herrennummer stürmte mit Julia Neigel der zweite weibliche Gast regelrecht auf die Bühne. In ihrem hautengen Lederoutfit rockte und tanzte sie los und riss die Besucher gleich mit. Julia Neigel ist dafür bekannt, dass sie Ihre Songs auf der Bühne lebt, wovon man sich an diesem Abend überzeugen konnte. Ihren Viererblock begann die Rockröhre mit "Sehnsucht" vom 1994 erschienen Album "Herzlich Willkommen", welches sich Wochenlang in den Top 10 der Album-Charts hielt. Das kann man heute ruhig erwähnen, weil man dafür früher richtig viele Platten und CDs verkaufen musste, um dies hinzubekommen. Heute kommt da ja bekanntlich nahezu jeder rein, der ein paar Downloads zu verzeichnen hat. Als zweiten Song hatte die Künstlerin "Froh, dass es dich gibt" von der 2011 erschienen CD "Neigelneu" ausgewählt. Höhepunkt dieses Auftritts war natürlich Julias Megahit aus dem Jahre 1988, "Schatten an der Wand", bei dem alle auf der Bühne nochmal richtig loslegten und gemeinsam mit dem Publikum, das dazu ausgiebig tanzte, klatschte und mitsang, Bärnsdorf zum "bäben" brachten. Aber das sollte es noch nicht gewesen sein.

d 20180707 1802337694Mit "Lalala" vom 2012 erschienen Album "Uferlos", einem Spottlied auf das Programm der Privat-TV-Sender, legten DIE ZÖLLNER mit ihrem Frontmann noch was nach. Nach dem "Versprechen", das sich Scholle und Gensi gaben, sich nach nun dreißig gemeinsamen Jahren auf der Bühne nicht mehr zu trennen, folgte symbolisch der Titel "In Ewigkeit" mit großem Finale. Dieses nutzte Dirk Zöllner, um allen, die am Gelingen dieses wundervollen Abends beteiligt waren, vielmals zu danken. Die erste Zugabe an vergangenen Samstag war ein Wunsch aus dem Publikum. Der Klassiker des Künstlers aus dem Jahr 1987 "'n Käfer auf'm Blatt", dessen Text heute noch so aktuell ist wie vor über 30 Jahren. Als zweite und letzte Zugabe gab es dann noch "Viel zu weit", einen Song von der ersten Scheibe der Zöllner. Dafür erschienen alle Beteiligten Künstler noch einmal auf der Bühne, wobei Axel Lorenz (der Pate von Meerane) die beiden weiblichen Gäste des Abends persönlich auf die Bühne begleitete. Alle gemeinsam brachten nun noch einmal mit ihren Stimmen Bärnsdorf zum "bäben".

Vielen Dank an Dirk Zöllner und Band sowie an Axel Lorenz für die Möglichkeit, dass wir über diese geile Mugge mit grandiosen Künstlern, bei der aber auch wirklich alles stimmte, berichten dürften.




Termine:
• 21.07.2018 - Carlsthal - Kräuterhof (Duo Infernale)
• 22.07.2018 - Samtens - Gut Frankenthal (Duo Infernale)
• 25.07.2018 - Eggesin - Kulturwerkstatt (Duo Infernale)
• 28.07.2018 - Pudagla/Usedom - Schloß Pudagla (Duo Infernale)
• 30.07.2018 - Ahrenshoop - Hotel Fischerwiege (Duo Infernale)
• 02.08.2018 - Stralsund - Kulturkirche St. Jakobi (Duo Infernale)
• 03.08.2018 - Dändorf - KULTurscheune (Duo Infernale)

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der ZÖLLNER-Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Die Zöllner: www.dirk-zoellner.de
• Homepage des Veranstalters Bärnsdorf bäbt: www.baernsdorf-baebt.de




 
 
 
 
 
 

   
   
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