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Ein Konzertbericht mit Fotos von Ingo Friedrich


a 20180702 1251670576Am 1. Mai 1983 sah ich auf dem Berliner Alexanderplatz eine Band, die ich zwar danach nie aus den Augen verloren hatte, deren Auftritte aber sehr selten geworden sind. Damals entstand auch das Foto links, das mich neben dem BERLUC-LKW zeigt. Und so vergingen für mich genau 35 Jahre und 2 Monate, bis ich BERLUC am 30. Juni des Jahres 2018 endlich noch einmal live erleben konnte. Als wäre die Zeit stehen geblieben, kam sofort wieder das 80er Jahre-Feeling auf.

Traurig machte mich und auch den Veranstalter, mit dem ich mich nach dem Konzert noch unterhalten konnte, die Tatsache, dass trotz Werbung direkt vor Ort und auch in den sozialen Medien kaum jemand von diesem Konzert Notiz nahm. Wenn man die etwa 80% Einheimischen aus Waldesruh und die erschienenen Mitglieder des Gastgebervereins "FSV Blau-Weiss Mahlsdorf/Waldesruh" nicht mitzählt, waren vielleicht 20 Leute wirklich wegen dem Konzert gekommen. Leider war an diesem Tag an so vielen Orten in der Region einiges los, so dass sich die "üblichen Verdächtigen" an diesem Abend woanders aufteilten. Egal, so war es wenigstens ein sogenanntes "Privatkonzert", bei dem man ganz ungezwungen mit den Musikern ins Gespräch kommen und auch ohne Probleme filmen und knipsen konnte.

Auf den Seiten des Fußballvereins war ursprünglich 19:00 Uhr als Beginn angesetzt, aber bei BERLUC stand 20:30 Uhr auf der Homepage, so dass ich auf Nachfrage bei beiden dann die Auskunft bekam, dass es jetzt doch erst 20:30 Uhr beginnen sollte. So plante ich also gegen 20:00 Uhr dort zu sein und traf die Musiker noch auf dem Platz verteilt und in Gesprächen vertieft an. Auch bis 20:29 Uhr war das so. Plötzlich setzte das Intro ein und sofort formierten sich die fünf Musiker auf Höhe des Mischpults, um dann gemeinsam Richtung Bühne zu gehen. Das Konzert begann also genau wie angekündigt, Punkt 20:30 Uhr.

b 20180702 1277260809Als Einstieg diente natürlich das kurz nach dem ersten Weltraumflug eines Deutschen, "unseres" Helden Sigmund Jähn, entstandene Werk "Hallo Erde, hier ist Alpha". Der Song landete damals auf Platz 7 unter den besten DDR-Songs des Jahres 1978. Es folgte ein etwas neuerer Titel aus der zweiten Phase von BERLUC, die sich nach kurzer Auflösung 1990 im Jahre 1993 neu formierten. "Achterbahn" erschien erstmals 2010 auf der CD "Rocker von der Küste Vol. 2". Bevor mit "Zeig dein Gesicht" wieder ein Titel aus der erfolgreichsten Phase von BERLUC, erschienen 1985 auf der Single "Tausend Hände", richtig losging, stellte sich die Band erst mal selbst vor: Dietmar Ränker am Schlagzeug, seit Gründung der Band in den 60er Jahren dabei. Am Keyboard Uwe Märzke, am Bass Uwe Carsten, an der Gitarre Bert Hoffmann und Sänger - seit dem BERLUC-Comeback 1993 - ist Ronnie Pilgrim.

Endlich kam der Song, der mich damals als 16-jähriger zu dieser Band brachte. Im Radio liefen damals die Lieder des aktuellen Albums "Hunderttausend Urgewalten" hoch und runter in allen Wertungssendungen. Das machte mich neugierig und so drehte sich dann auch bald selbige LP auf meinem Plattenteller "in Rotation", wie man heute sagen würde. Auf Grund dieser Platte ging ich also am 1. Mai 1983 zum ersten Mal zu einem BERLUC-Konzert und wie der Zufall es will, stand auf der Setliste ihres aktuellen Konzertes unmittelbar danach ihr aktueller Song, der mich nach über 35 Jahren wieder zu ihnen trieb. "Tor zur Welt", eine Hymne könnte man es nennen, die zum 800. Geburtstag ihrer Heimatstadt Rostock in diesem Jahr entstand (Interview und Clip zum Song am Ende der Seite).

"Wie ein Regenbogen" erschien erstmalig 1988 auf einer gleichnamigen AMIGA-Quartett-Single und erst 1996 auf dem ersten BERLUC-CD-Sampler "Die Hits". "Bernsteinlegende". Was soll man dazu noch schreiben? Es ist einfach ein monumentales Rockgebilde, das live eigentlich noch viel voluminöser rüberkommt, als es schon auf der AMIGA-Platte von 1982 war. Gleich hinterher noch ein rockiger, trotzdem aber zum Mitsingen animierender Song, ebenfalls von der LP "Hunderttausend Urgewalten".c 20180702 1114693810 "Glaube an dich" kam bis auf Platz 5 der DDR-Jahreswertungssendungen. Zu Recht! "Segelnd mit dem Wind" ist dann wieder ein etwas untergegangener Song, der 1988 schon auf der EP "Wie ein Regenbogen" erschien.

Nach nur kurzer Ansage zwischen zwei Titeln, dass jetzt ein Lied folgt, den die meisten kennen dürften, ging es für mich etwas unvorbereitet los mit dem Song, den ich für ihren größten Erfolg halte. Die ersten Takte begannen schon, bis ich dann endlich meine Handy-Aufnahme gestartet hatte. Den "Hit des Jahres" 1983 "No Bomb" hätte ich damit fast verpasst. Nach der nur knappen Ankündigung wurde natürlich nach Liedende von Ronnie noch ausführlich auf den Titel eingegangen. "Er entstand schon 1981 und muss, aus aktuellem Anlass, leider auch heute noch gespielt werden. Und wahrscheinlich auch noch in 150 Jahren, wenn es uns dann noch gibt".

Weiter ging es mit einem etwas discomäßig angehauchtem, aber sehr rockigen Titel, der auch zu meinen persönlichen BERLUC-Favoriten zählt. "Fliegen vor der Zeit". Wieder ein richtiger Mitsing-Hit, von ihrem erfolgreichsten Album "Hunderttausend Urgewalten". Jetzt noch ein so bombastisch klingender Titel, dass es keinen mehr auf den Sitzen bzw. Bänken hielt. Als von der Bühne ein Mitklatschen gefordert wurde, machten auch alle mit. Ronnie kam von der Bühne ins Publikum und animierte einige Besucher, den Refrain selbst zu singen. Da waren zwar ein paar schiefe Töne dabei, aber der Spaß, dass "Die Erde lebt", war nicht zu übersehen.

d 20180702 1164781759Und schon nach etwa 75 Minuten wollten sich die fünf Herren tatsächlich mit dem nochmals gespielten ersten Song "Hallo Erde, hier ist Alpha" von den Besuchern verabschieden. Natürlich wurde lauthals nach Zugaben gerufen. So lange, bis die fünf Musiker sich entschlossen, natürlich ganz "freiwillig", noch eines dranzuhängen. Für diesen wirklich allerletzten Song durften auch die Feuerzeuge und ähnliche romantische Lichter entzündet werden. Auf der Bühne standen jetzt nur noch der Gitarrist, der jetzt allerdings das Keyboard übernahm - und natürlich der Sänger Ronnie, der sich für diesen leisen Abschied auf das Podest vor dem Schlagzeug setzte. Und los ging es mit einer ihrer ersten Balladen aus dem Jahre 1979: "Blaue Stunde". 1980 erreichte dieses wunderschöne Lied Platz 21 in den Jahrescharts der DDR.

Das war nun wirklich das Ende eines kleinen, aber feinen Auftritts dieser immer noch grandios spielenden Männer um Dietmar Ränker, dem einzigen noch original verbliebenen Gründungsmitglied der Band BERLUC. Aber gerade weil das eben ein so kleines, feines Konzert mit überschaubaren Zuschauermassen war, bot sich auch im Nachhinein die Möglichkeit, mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. Nicht nur das, auch Merchendise wurde natürlich angeboten, Autogramme geschrieben und Fotos mit den Künstlern gemacht. Eine meiner Erkenntnisse des Tages war, dass die vermeintlich kleinen Auftritte doch die größeren sind, weil man einfach den Kontakt zu den Musikern auf der Bühne hat und nicht den Eindruck bekommt, dass die alle abgehoben sind, weil zwischen ihnen und den Besuchern dicke Zäune, Gräben, hohe Bühnen oder ähnliches sind. Nichts davon war hier der Fall. BERLUC möchte ich sagen: Ihr wart klasse, macht so weiter und kommt mal wieder nach Berlin, denn ich hab am Samstag meine alten LPs von Euch zu Hause vergessen, die warten noch auf Autogramme.




Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von BERLUC: www.berluc.de
• Homepage des Veranstalters FSV Blau Weiss Mahlsdorfwww.fsv-blau-weiss-mahlsdorf.de
 



Fotostrecke:
 
 
 
 
 
 
 

Videoclip:








   
   
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