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Ein   Konzertbericht  von   Jens Kurze
Fotos: Bodo Kubatzki + Pressematerial






Noch zu jung für die Rockerrente


Seit etwas über einem Jahr ist es für mich aus verschiedenen Gründen zunehmend schwieriger geworden, Konzerte zu besuchen. Daher sind vielleicht meine Erwartungshaltungen besonders hoch. Zudem nehmen aktive Musiker das Erlebte auch oft anders wahr - so wie Fotografen zum Beispiel in einer Ausstellung anders draufschauen als der "normale" Besucher.a 20180512 1961503046 Nun also hieß es: Jó estét kívánok - schönen guten Abend! Ja, ich war bei einer der Bands, die in jungen Jahren für mich zu den ganz Großen zählte, und deren Live-LP mit der Hülle aus Aluminium so laut es ging bei mir zuhause lief. Viele Platten kamen im Laufe der Zeit hinzu. OMEGA aus Ungarn war zu Gast in Cottbus. Nach der Phase der Klassik-Umsetzung ihrer Songs war ich gespannt, ob die Band live noch rockt.

Der Sitzplatz - leider inzwischen unverzichtbar für einen wirbelsäulengeschädigten Endfünfziger - kostete mal eben 60,00 EUR ... nicht gerade wenig, aber egal. Ich hatte Bock auf das Wiedererkennen! Auf dem Plakat stand namenlos lediglich SUPPORT. Was für eine Unhöflichkeit! Kein Geringerer als der Australier Gwyn Ashten und seine zwei Begleiter gaben sich die Ehre. Da springt das Gitarristenherz doch fast aus dem Körper vor Freude. Gitarre, Bass. Schlagzeug - mehr nicht. Also ganz nah an die Bühne ran und dem Mann auf die flinken Finger geschaut. Der hat nämlich eine sehr spezielle Spieltechnik: er benutzt zum Anreißen der Saiten kein Plektrum (Plättchen), sondern hat einen Daumenring zum Verstärken des Anschlags und spielt im Picking-Style. Und trotzdem rockt und bluest das ganze vom Feinsten. Bei einem Song wechselte er zu einer Dobro, die im Gegensatz zur "normalen" Gitarrenstimmung "open" war, also auch ohne Fingersatz einen Akkord erzeugt. Unplugged gespielt, nur mit einer Stomp Box die Bassdrum imitiert ... fertich!! Großartig - leider alles viel zu laut, ich habe mehrere Positionen in der Halle ausprobiert. Ärgerlich. Und wenn dann bei der Moderation bzw. den Zwischentexten das Delay vom Gesang noch auf der Moderationsstimme liegt, dann hat entweder der Mann am Mixer gepennt, oder der Umschalter auf der Bühne nicht funktioniert. Anyway, es wurde leider sehr schnell langweilig. Also suchte ich im Foyer einen Sitzplatz, um Bandscheiben und Ohren zu entspannen, ehe der Radetzky-Marsch erklingen würde.

Mit der üblichen Verspätung - blöde Eigenart!! - begann das Konzert einer der Bands, für deren LPs ich seinerzeit viel Geld ins ungarische Kulturzentrum gegenüber dem Fernsehturm in Berlin getragen habe. Die erste Viertelstunde fand ich ... gar nicht gut: übelst laut, matschiger und seltsam stumpfer Sound, eigenartige Titelreihenfolge. Der Sound wurde aber langsam klarer, endlich waren die Keyboards nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Und Meckies Stimme ist immer noch unverkennbar! Unglaublich, mit welcher Energie er das Programm durchzog. Das Zusammenspiel von den in ständiger Bewegung agierenden Saitenzauberern Tamás Szekeres an der Gitarre und Katy Zee (die ja eigentlich Kata Szöllösy heißt) am Bass war klasse. Von den Gründungsmitgliedern sind ja noch Lászlo Benkö an den (links stehenden) Keyboards und Ferenc Debreceni an den Drums dabei.b 20180512 2030371487 Unterstützt von einem weiteren Keyboarder, einer Lady, und einem Herren als gut gelauntem Background-Chor und stimmlicher Unterstützung flog die Band durch ein halbes musikalisches Jahrhundert. Manchmal musste ich etwas überlegen, ehe ich auf den Titel kam - so voll ist der Fundus. Bei einem Song fiel mir ein, dass ich den sogar in deutsche Sprache im Archiv habe: "Die längst erwartete Geliebte". Natürlich gab es "Addig Élj!" vom '75er Album "Nem Tudom A Neved", "Éjféli Koncert (Late Night Show)" von "Omega 7 - Idorabló" aus dem Jahr 1977, und mit "Metamorfózis II" aus "Csillagok Útján" klang das Konzert aus - fast. Aber da fehlt doch noch was, oder?

Logisch - der Schlitten fuhr mit Dimitri und "Lena" vor, die Brandenburger Wölfe im Saal heulten mit, Lacy hatte eine russische Militärmütze auf (und hatte einen seltsamen, für meine Ohren unpassenden Keyboardsound ausgewählt). Und dann kam der Song, auf den wohl alle gewartet hatten, und es ist völlig wurscht, ob wir alles korrekt ausgesprochen haben, aber mehrere hundert Stimmen intonierten "Igen, jött egy gyöngyhajú lány - Álmodtam, vagy igaz talán ..." - das perlenhaarige Mädchen, DER Welthit für Omega, oft gecovert oder von anderen Interpreten als Anregung vewendet. Schluss? Nö, natürlich kam Katy mit jenem unverkennbaren Bassmotiv auf die Bühne, und alle anderen zündeten die legendäre "Petroleumlampe" an. Das war's dann wirklich. Alle Achtung - hat Spaß gemacht. Natürlich hätte ich den einen oder anderen Song zum Beispiel aus dem "Gammapolis"-Album gehört, aber wer solch einen Songkatalog hat, der darf auch mal etwas anderes zusammenstellen - sei's drum. Mit quälenden Bandscheiben und pfeifenden Ohren machte ich mich auf den Weg zum Auto - und sang unterwegs immer noch "Petróleum lámpa - Milyen szép - a lángja - ahaha ..." bum bum bum, bu-bu-bu-bumm. Köszönöm Omega - Dankeschön!




 

 

 

 


   
   
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