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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder



Christina Lux ist die Frau, die mich am Freitagabend an die Ortsgrenze zu Duisburg im Mülheimer Stadtteil Speldorf führte. Unser Freund und Kollege Volly Tanner hatte Frau Lux im vergangenen Monat im Interview (siehe HIER) und mich dadurch dezent darauf aufmerksam gemacht, dass sie unter der Überschrift "Leise Bilder" ein neues Album veröffentlicht hat.a 20180428 2080383449 Damit war sie in den letzten Wochen auf Tour und machte auch in der SOL Kulturbar zu Mülheim Station. Ich hatte die Musikerin schon lange auf dem Zettel, bis dahin jedoch noch nie live erlebt. Und die Lokalität, in der sie auftrat, bescherte mir eine weitere Premiere. Die SOL Kulturbar war mir nämlich noch gänzlich unbekannt. Sie liegt mitten im Grünen, zwischen Raffelbergpark, Golfclub und Rennbahn und ist ein echtes Paradies für Konzertgänger, die es gern familiär haben. Hier sitzt man direkt vor der Bühne und kann den Musikern quasi direkt auf die Finger schauen. Je nach Interesse der Leute am auftretenden Künstler oder Band, kann es auch schon mal richtig "kuschelig" werden und man sitzt dem Nachbarn quasi auf dem Schoß. Betreiber der Bar ist Hakan Mengil, der mit seinem Team für das leibliche Wohl seiner Gäste und für die wunderbare Atmosphäre in dem Laden sorgt. Für einen Freundschaftspreis kann man am Buffet teilnehmen und sich von diversen Leckereien teils unbekannter Art und Herkunft überraschen lassen. Und auf der Bühne werden Künstler präsentiert, die einen mit ihrer Musik und ihren Texten ebenso gut ernähren, wie es der Wirt mit seinem Buffet tut. Es geht dabei nicht um den Bekanntheitsgrad oder die bisherigen Erfolge der dort auftretenden Musiker und Bands, sondern um die Handwerkskunst und ihre Geschichten, die sie zu erzählen haben. Weit weg von den radio- und massentauglichen Nümmerchen aus industrieller Fertigung erfreuen den Konzertgast hier eher die Musiker, die ihren Hörern in Machart und Inhalt noch etwas zu bieten haben. Und Christina Lux gehört zu diesen Interpreten, die etwas anbieten und die ihr Publikum einladen, mit gespitzten Ohren und Sinnen das zu erlauschen, was sie sich für eine Hörerschaft erdacht hat. Eine Hörerschaft, die noch das Besondere sucht.

Pünktlich um 21:00 Uhr betraten sie und ihr Bühnenpartner Oliver George (Schlagzeug, Gitarre, Background-Gesang) die Bühne der SOL Kulturbar. "Are you ready Sir George?", fragte sie ihn und beide begannen zu spielen. "Stell Dir vor" aus ihrem 2015 erschienenen Album "Embrace" war das erste Lied, das uns Frau Lux auf ihre ganz wunderbare Art und Weise präsentierte und schon hingen wir ihr nicht nur an den Lippen, sondern waren direkt in ihre Welt eingetaucht.b 20180428 1095936498 Im Anschluss an das erste Stück fing sie direkt an, sich mit dem Publikum zu unterhalten. Sie machte nicht einfach nur eine Ansage zum nächsten Stück, sondern sprach die Leute im Saal direkt an. Mit den Worten, "Kennt Ihr das auch ...", fingen einige ihrer Sätze an dem Abend an, und "Ja" ... wir kennen das auch, was sie da für Beobachtungen gemacht und uns erzählt hat. Und die teils schon lederne Haut, die wir alle Leben nennen, streichelte sie mal sanft, wenn es um Erinnerungen aus frühen Jahren ging (Kittelschürzen, Familienfeiern), sie kitzelte sie, wenn sie mit ihrem Alter und den damit verbundenen körperlichen Einschränkungen kokettierte, und sie gab ihr auch einen strengeren Klaps, wenn es um Politclowns mit schrecklichen Frisuren oder Menschen in der Politik ging, die heute das laut sagen, was man sich vor kurzem noch nicht einmal im Traum zu sagen getraut hätte. Es geht bei Christina und ihren Geschichten eben um das Leben, und da ist ihres genauso von Freud und Leid durchzogen, wie es das von uns allen ist. Und sie bringt es gut gelaunt und sympathisch rüber, niemals den erhobenen Zeigefinger in die Luft haltend, wenn sie die Leute darum bittet, sich nichts von Bauernfängern erzählen zu lassen und auch nicht missionarisch, wenn sie ihre Sicht auf die Dinge erläutert und die Leute damit zum Nachdenken anregen möchte.

Musikalisch bekamen wir eine bunte Mischung aus ihrem Portfolio geboten. Neue und ältere Stücke wechselten sich ab, leise und laute Töne webten Christina und Oliver zu einem bunten Stoff zusammen, der uns in etwas über zwei Stunden sanft und gleichzeitig doch mitreißend einhüllte. Während Christina Lux mit ihrer Stimme und verschiedenen Gitarren ihren Teil zum Gelingen des Abends beitrug, wechselte Herr George zwischen Schlagzeug und Gitarre hin und her. Und beide erzeugten einen angenehm dichten Sound mit vielen kleinen Besonderheiten im Arrangement. Insbesondere das Gitarrenspiel beider Künstler hielt so einige außergewöhnliche Momente für das Auditorium bereit. Ebenso wie Oliver George zwischen dem Barhocker, auf dem er seine Gitarren spielte, und dem Schlagzeug-Schemel wechselte, wurde auch zwischen Deutsch und Englisch hin und her gewechselt. Christina Lux bringt ihre Inhalte nämlich nicht nur in einer Sprache an Mann und Frau, sondern bedient sich auch mal der international gut verständlichen englischen Sprache. Aber egal, ob in ihrer Muttersprache oder in der der Angelsachsen, Christina Lux begeisterte mit einer außerordentlich schönen Stimme, mit der sie spielte und die sie gekonnt einzusetzen wusste. Sie hat zwar die Gitarre in der Hand, aber ihr Hauptinstrument ist unüberhörbar die Stimme. Über das Ohr direkt ins Herz ... Und wer mit geschlossenen Augen dem Lied "Meer" lauschte, aus dem ich in der Überschrift dieses Beitrages zitiert habe, merkte förmlich, wie dies unbeschreiblich Besondere des Stücks und die eben hoch gelobte Stimme langsam unter die eigene Haut fuhr und sich warm ausbreitete.c 20180428 1490132863 Das komplette Gegenteil lösten die flotteren Nummern, wie das schon in Richtung Gospel gehende "Love Is My Religion" aus, das einen wie ein Tsunami überrollte und bei dem weder Arme noch Beine still halten wollten. Das ist ein Sturm in der Seele auslösender Mix aus Rock'n'Roll, Funk, Blues und Balladen, den uns das Duo da servierte und von dem man noch tagelang zehren kann. Schade nur, dass man dieses Live-Erlebnis nicht so oft wiederholen kann, auch wenn Christina meinte, die folgenden Konzerte im Süden Deutschlands seien ja quasi "um die Ecke". Leider sind sie das dann doch nicht ...

Ganze 16 Lieder hatte sie im Gepäck und wollte nach knapp zwei Stunden und dem Song "Reise" vom aktuellen Album "Leise Bilder" die Bühne in Richtung Feierabend verlassen. Aber das ging nicht. Die Leute vor der Bühne hätten gern noch ein Dessert gehabt, und das bekamen sie natürlich auch. Nach zwei Zugaben verabschiedete sich Christina Lux und ihr Musiker Oliver George ein weiteres Mal vom Mülheimer Publikum, und dieses Mal endgültig. Die beiden Protagonisten des Abends standen im Anschluss aber noch für Gespräche, gemeinsame Fotos und Autogramme zur Verfügung. Die Künstlerin übernahm sogar den Fanartikel-Verkauf selbst und signierte ihre CDs und Platten für die Leute. Und weil man dieses Erlebnis eben nicht jede Woche haben kann, deckte man sich fleißig mit der aktuellen CD/Schallplatte ein und nahm sich so ein Stück von dem eben von mir als Sturm auslösend bezeichneten Erlebnis als Andenken mit heim.

In all dem Einerlei und der Vorhersehbarkeit unserer Charts und Radioprogramme wäre Christina Lux ein farbenfroher Kontrast, ließe man sie dort doch nur mal zu Wort (und Ton) kommen. Aber sie gehört nicht dem Kommerz-Zirkus an, wie sie in einem ihrer Zwischentexte selbst erzählte. Das hat eben den Nachteil, nicht von einer Plattenfirma bei Sendern "eingekauft" zu werden. Sendeplatz bekommen da nur die Herrschaften, die uns von der Industrie als hörbar untergejubelt werden. Aber sie legt auch keinen Wert darauf und das glaubt man ihr sofort. Sie holt sich das direkte Feedback bei den Konzerten ab. Das sei ihr wichtig und mehr wert, als alles andere. Und die Leute geben ihr dieses positive Feedback - völlig zurecht. Gut für uns, die zu ihrem Publikum gehören und noch mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Dumm für die, die sich nur über die Medien informieren und darum nur einen kleinen Abschnitt der Musiklandschaft mitbekommen. Dabei würde die Musik der Christina Lux - übrigens auch die so manch anderer nicht am Zirkus teilnehmen wollender Musiker - allen Sendern dieses Landes gut zu Gesicht stehen und für eine Menge Abwechslung sorgen. Man kann aber niemanden zu seinem Glück zwingen. Wer die Musik dennoch entdecken möchte, muss das auf anderen Wegen tun, wie z.B. auf so einem Konzert wie dem am Freitag in Mülheim.d 20180428 1143058516 Und in so tollen Lokalen wie der SOL Kulturbar, die von Idealisten betrieben werden. An vielen Orten im Land funktioniert das Konzept leider nicht - hier scheint die Mühe und der Einsatz belohnt zu werden. Die Leute kommen. Ohne die Macher in den kleinen Szeneläden gäbe es diese Form von Kultur sicher schon längst nicht mehr, wie auch Christina in ihrer Danksagung dick unterstrich. Bleibt für uns alle zu hoffen, dass so positiv Bekloppte nicht aussterben und immer neu nachwachsen, denn sonst haben wir ein großes Problem: Wer soll uns dann mit sowas wie dem kulturell versorgen, was wir hier erleben durften? Ihr von der SOL Kulturbar seid ein Stück Land und ich ein Teil des Meeres, das immer kommen und gehen kann. Nach dem Konzert bin ich gegangen, aber ich komme wieder ... Versprochen!



Setlist:
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Termine:
• 06.05.2018 - Pforzheim - Kulturhaus Osterfeld
• 18.05.2018 - Berlin - Art Stalker
• 24.05.2018 - Köln - IFI Salon
• 07.06.2018 - Villingen-Schwenningen - Folkclub
• 08.06.2018 - Offenburg - Spitalkeller
• 09.06.2018 - München - Ku(h)bar/Schlachthof
• 29.06.2018 - Bechtolsheim - KulturGut

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf Christinas Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Christina Lux: www.christinalux.de
• Homepage der SOL Kulturbar in Mülheim: www.solkulturbar.de
• Interview mit Christina Lux (02/2018): HIER




Fotostrecke:

 
 
 




Videoclip:





 
 
 
 

   
   
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