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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder mit Unterstützung von Nicola Reder



Multitalent Götz Alsmann war mit seiner Band bereits in Paris und am Broadway in New York. Im vergangenen Jahr waren die Herren in der "ewigen Stadt", in Rom, und wie bei ihren Reisen zuvor haben sie auch dort eine neue Platte aufgenommen. Passiert ist dies im römischen Studio "Forum Music Village" von Ennio Morricone.a 20180219 1077111666 Unter der Sacro Cuore Immacolato di Maria, um genau zu sein. Das Album heißt dann auch "... in Rom" und im vergangenen Herbst sprachen wir mit Götz hier bei Deutsche Mugge ausführlich über die Scheibe. Seit vergangenen Herbst ist der gebürtige Münsteraner mit eben diesem Album live auf den Bühnen des Landes unterwegs und bringt den Leuten damit ein Stück Italien bis direkt vor ihre Haustür. Viele der Konzerte sind restlos ausverkauft, so auch das am 18. Februar 2018 in der Stadthalle Mühlheim an der Ruhr ...

Direkt ans Westufer des Flusses, der meiner Heimatregion den Namen gibt, zog es uns dann auch an diesem Sonntag. Zu einer eher ungewöhnlich frühen Zeit, nämlich bereits für 19:00 Uhr, war der Auftritt von Götz Alsmann und seiner Band angekündigt. Um halb sieben betraten meine Begleitung und ich den bereits gut besuchten, 1926 im neoklassizistischen Stil errichteten Veranstaltungsort, der zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Mülheims gehört. Für mich wieder einmal eine Premiere: Hier war ich bis dahin noch nicht. Als ich die für mich hinterlegten Karten an der Abendkasse abholte, wurden mir zwei Sonder-Tickets überreicht, auf denen zu lesen war, dass unsere Plätze "an der Orgel" zu finden sein würden. Na, ob es Herrn Alsmann gefallen würde, wenn ich ohne vorher an einer Bandprobe teilgenommen zu haben, mit der hauseigenen Orgel in sein Programm eingreifen würde? Aber das war (zum Glück für alle Beteiligten) gar nicht vorgesehen. Für die Vertreter der Presse gab es nämlich besondere Plätze, und zwar direkt vor der Orgel des Hauses. Und selbst wenn ... ich hätte gar nicht mitspielen können, denn das 1957 von dem Orgelbauer Paul Ott erbaute Instrument ist seit einem Wasserschaden Ende der 1980er Jahre nicht mehr spielbar.b 20180219 1638363436 Wir setzten uns auf die uns zugedachten Plätze in Bühnennähe und hatten von dort eine tolle Sicht. Wunderbar! Wer auch immer diese Idee hatte: Herzlichen Dank! Was dann doch sehr verwunderte: Ausverkauftes Haus, ein großer Künstler aus der Region und ich war der einzige Vertreter der Presse, der an diesem Abend anwesend war. Wo ist das mediale Interesse, wenn es mal nicht um Schlager von der Stange oder Premieren irgendwelcher unnötigen Musicals geht? Die Welt ist echt komisch geworden ...

Pünktlich um 19:00 Uhr und ohne Vorprogramm betraten zuerst Rudi Marhold (Schlagzeug), Markus Paßlick (Perkussion), Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete, Glockenspiel) und Ingo Senst (Kontrabass) die Bühne. Als letzter Protagonist folgte der Namensgeber und Star des Abends, Götz Alsmann, seinen Musikanten und nahm am großen schwarzen Flügel Platz. Wie auch auf seinem Album "... in Rom" startete Signore Alsmann sein Programm mit dem Klassiker "Quando Quando Quando". Diesem 1962 erschienenen Bossa-Nova folgte eine kurze Begrüßung des Mülheimer Publikums durch den ehemaligen "Zimmer frei"-Moderator und es ging mit "Ciao, Ciao, Ciao" sofort mit dem nächsten "eingedeutschten" Klassiker aus Bella Italia weiter. Das Programm bestand nicht nur aus Liedern des bereits mehrfach erwähnten Albums, sondern auch aus gesprochenen Passagen, in denen Alsmann als charmanter und humorvoller Entertainer in Erscheinung trat. Er ließ das Publikum in seinen Zwischentexten u.a. wissen, wo das Album aufgenommen wurde, nach welchen Kriterien die Lieder dafür ausgewählt wurden (dabei fütterte er das Gerücht, die Mafia hätte maßgeblichen Anteil daran, welche Werke auf der CD neu vertont wurden) und was man während der Zeit in Italien alles so erlebt und beobachtet hat. Auch einen kleinen Exkurs in Sachen Instrumentenkunde hatte der Mann mit der markanten Haartolle für sein Auditorium parat: Wir wissen nun genau, wie viele Saiten sich auf einer Mandoline befinden und wie sie aufgezogen bzw. angeordnet sind. Egal worüber Götz Alsmann gerade plauderte oder mit welcher Geschichte er seine Lieder einleitete, es war stets mit einer großen Portion Humor versehen. Was die Wortgewandtheit beim Beschreiben von Situationen oder menschlichen Zügen betrifft, hatte Alsmanns Vortrag teilweise schon was von denen des großen Roger Willemsen. Ein eher fordernder, zum Mitdenken anregender Humor, der nicht auf billige Lacher zielt.c 20180219 1619904210 Manchmal setzt er sogar ein gewisses Maß an Hintergrund- oder Allgemeinwissen voraus, ist an anderer Stelle aber auch von maßlosen Übertreibungen durchzogen. Allein dies macht es schwer, ein Götz Alsmann-Konzert so zu beschreiben, dass man alle wichtigen Punkte auch erwischt. Er redet schnell, schlägt dabei Haken und setzt eine Pointe oft direkt an die nächste. Bei den Liedern verbietet es sich sowieso von selbst, da Favoriten auszuwählen. Dafür sind sie alle einfach viel zu gut und von der Band hervorragend arrangiert vorgetragen.

Will man aber doch einzelne Songs oder Momente aus dem Programm hervorheben, so kann man sich an seinen "roten Faden" halten, an dem man sich gut entlang hangeln kann. Dieser ist bei "... in Rom" wohl das San Remo Musik-Festival. Hier läuft alles irgendwie zusammen, denn dort hatten viele der vorgetragenen Titel vor vielen Jahren ihre Premiere, u.a. auch das Stück "Volare", das die Band in einer eigenen Version mit spritzigen Xylophon- und Klavier-Soli präsentierte. Neben dem live-gespielten und mit deutschem Text versehenen Stück gab es durch Götz Alsmann auch die Geschichte dazu. "Nel blu dipinto di blu" (übersetzt "In Blau gemaltes Blau"), wie es im Original heißt, wurde zum ersten Mal auf dem San Remo-Festival im Jahre 1958 von Modugno und Johnny Dorelli präsentiert. Es wurde dort letztlich zum Siegertitel gewählt. Im März desselben Jahres nahm Modugno mit dem Lied am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil, wo es nur den dritten Platz belegte. Dies, so wusste Alsmann zu berichten, habe die Italiener schwer getroffen und wäre der Grund gewesen, weshalb das Land der Grand Prix-Veranstaltung über lange Jahre ferngeblieben sei. "Ich wünschte, Deutschland täte dies auch", fügte er großen Applaus erntend hinten an. Einen Ausflug in die klassische Musik unternahm das Ensemble mit "Der Troubadour" ("Il Trovatore") von Giuseppe Verdi.d 20180219 2095039198 Einigen klassisch nicht so bewanderten Mitmenschen sicher nur in Zusammenhang mit dem Anpreisen einer Tomatensoße im Werbeblock des privaten TV-Programms geläufig, ist dies eine der bekanntesten Kompositionen der italienischen Klassik und - wie "Volare" im populärmusikalischen Bereich - wohl eins der stellvertretenden Werke dieses Genres. Tragende Instrumente beim "Troubadour" in der Alsmann-Fassung sind das Xylophon und der Flügel, auf denen sich die Herren Sicking und Alsmann jeweils Hammer-Soli aus den Handgelenken schüttelten.

Im "Denkmal des unbekannten Vertäfelers", wie Götz Alsmann die unter Denkmalschutz stehende Stadthalle in einer seiner Moderationen flapsig nannte, sind er und seine Musiker seit Jahren zu Hause. Ich meine vernommen zu haben, dass sein Auftritt am Sonntag bereits der 18. dieser Art an Ort und Stelle gewesen ist. Sicher ein Grund, warum die Verbindung zwischen ihm und seinem Publikum hier ein besonders Enges war. Aber diese Verbundenheit hatte auch andere Gründe. Im musikalischen Teil des Vortrags kamen alle 18 Stücke des Albums zum Einsatz, sowie ein paar "Anspielungen", wie z.B. Peter Alexanders "Plim-Plim! Plum-Plum!", und mit "Für eine Fahrt ans Mittelmehr" (im Original von Friedel Hensch und die Cyprys) ein Bonustitel in den Zugaben. Jedes der Stücke wurde von den Musikanten instrumental wunderbar in Szene gesetzt, wie ich im letzten Absatz ja schon bemerkt habe. Was man in den Studio-Versionen auf dem Album schon hören kann, wurde seitens der handelnden Personen auf der Bühne nochmals dick unterstrichen: Götz Alsmann und seine Kollegen haben nicht nur die Musik, sondern auch die Lebensfreude aus Italien gleich mitgebracht. Diese entlud sich in ihrem Vortrag, versetzte das Publikum ein ums andere Mal in Staunen und entlockte den Leuten im Saal mehr als einmal Szenenapplaus. Sogar dem Feuerwehrmann neben uns, der auf einem Stuhl sitzend seinen Dienst in angenehmer Atmosphäre schob. Auffälligster Akteur war für meinen Geschmack Altfrid M. Sicking, der mit Xylophon und Trompete immer wieder die Blicke (und Ohren) auf sich zog, und sich einige Male auch instrumental mit seinem "Chef" duellierte. Besonders spannend war es zuzuschauen, wie er die Aufschlagstäbe seines Instruments mit mehreren Schlagstöcken gleichzeitig in Schwingungen versetzte und den Songs so eine besondere Tiefe und Wärme verlieh.e 20180219 1361484550 Am anderen Ende der Bühne stand Markus Paßlick mit allerlei Bongos, Trommeln und Pauken, und sorgte neben Schlagzeug und Kontrabass für zusätzlichen Rhythmus. Stellenweise verlieh er den Jazz-Stücken des "... in Rom"-Programms lateinamerikanische und auch afrikanische Momente. Herrlich! Eher still und ohne großes Aufsehen, aber nicht weniger wichtig im Verbund, verrichteten Rudi Marhold (der "Schlagzeuger für viele Felle") und Ingo Senst ihren Dienst und lieferten das gut ausgerichtete Rhythmus-Gerüst für die Kollegen. Natürlich sind Alsmann und seine Begleiter Berufsmusiker, die mit ihrem Wirken auch ihre Brötchen verdienen. Sie sind alle durch die Bank Profis (ja, ja ... ich weiß: "scheiß Kommerz") und selbst wenn die eben erwähnte Lebens- und gezeigte Spielfreude "einstudiert" oder "gespielt" sein sollten, kaufte man es dem Quintett in jeder Minute des Konzerts als echt und aus dem Herzen kommend ab. Ihr Ziel, das Publikum gut zu unterhalten, haben sie mehr als erreicht, denn am Ende standen die Leute im Saal und bejubelten das eben Erlebte lang und ausgiebig.

Götz Alsmann hinterließ als Bandchef einen äußerst positiven und sehr sympathischen Eindruck. Natürlich ist er der Star, wegen dem die Leute in die Hallen strömen. Aber er ist eben auch nur ein Teil des Ensembles, das letztlich für diesen Sound und diese tolle Darbietung sorgt. Das weiß und zeigt er auch. Nach jedem Titel stand er von seinem Hocker auf, bedankte sich beim Publikum für den Applaus mit einer Verbeugung und gab die Ovationen mit einer Geste, in dem er mit der Hand in die Runde fuhr, an seine Musiker weiter. Auch die Bandvorstellung erfolgte erstmals bereits sehr früh im Konzert, damit die Leute wussten, mit wem sie es zu tun hatten und Alsmann vergaß auch nicht seinen langjährigen Tontechniker Helmut Philips zu erwähnen, den man während der Show auf der Bühne zwar nicht sehen konnte, dessen Arbeit für einen gelungenen Abend aber elementar ist. Übrigens: zur großartigen Leistung der Band passte auch Licht und Ton. Respekt, Herr Philips! Mülheim ist in punkto Publikumszuspruch erfreulicherweise kein Einzelfall. In Dortmund hatte Alsmann das Theater gleich mehrfach ausverkauft. Vor einigen Tagen ist ihm dies auch in Iserlohn gelungen und für Köln und Hamm gibt es auch schon keine Karten mehr. Gerade für meine Region zeigt das, dass einige Leute eben doch noch niveauvoll unterhalten werden möchten und statt blendender Glitzer-Outfits und unnötig ablenkender Bühnenshows auch mal "einfache" Pink-Schwarz-gestreifte Sakkos und arbeitende Musiker, die über zwei Stunden an ihren Plätzen bleiben, genießen können.f 20180219 1360199896 Die Buschtrommel funktioniert auch ohne die Kollegen von der "echten" Presse ... Übrigens kam das Instrument, das wohl wie kein anderes für Italien steht, nämlich die Mandoline, nur bei einem einzigen Song zum Einsatz, nämlich bei "Schau Dir den Mond an". Ansonsten schaffte es die Band spielend auch ohne dieses Instrument, die Mülheimer Stadthalle mit intensiven italienischen Gefühlen zu fluten und die Leute über zwei Stunden lang auf einem hohen Level zu unterhalten. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es noch zwei Stunden so weitergehen können. Früh genug am Abend war es ja noch ...




Termine:
• 24.02.2018 - Bad Pyrmont - Konzerthalle
• 08.03.2018 - Stendal - Theater der Altmark
• 09.03.2018 - Berlin - Admiralspalast
• 10.03.2018 - Berlin - Admiralspalast
• 22.03.2018 - Trier - Europahalle
• 23.03.2018 - Primasens - Festhalle
• 24.03.2018 - Idar Oberstein - Stadttheater
• 25.03.2018 - Saarlouis - Theater am Ring
• 06.04.2018 - Papenburg - Forum Alte Werft
• 07.04.2018 - Köln - Philharmonie AUSVERKAUFT!!!
• 13.04.2018 - Cloppenburg - Stadthalle
• 14.04.2018 - Meinerzhagen - Stadthalle
• 15.04.2018 - Hamm - Kurhaus AUSVERKAUFT!!!
• 26.04.2018 - Mönchengladbach - Kunstwerk Wickrath
• 28.04.2018 - Aurich - Stadthalle
• 29.04.2018 - Gronau - Bürgerhalle

Alle Angaben ohne Gewähr! Die Tour wird fortgesetzt
Nähere Infos und weiter Termine auf Götz' Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Götz Alsmann: www.goetz-alsmann.de
• Homepage der Stadthalle in Mülheim: www.stadthalle-muelheim.de
• Homepage von Roof Music: www.roofmusic.de






 
 
 
 
 
 
 
 
 
 






   
   
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