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Ein Bericht mit Fotos von Hans-Peter Lauschke

 

Der Leipziger Folk-Musiker "Schraubenyeti" aka Martin Lischke ist ein künstlerischer Tausendsassa, der sehr umtriebig gleich auf mehreren Hochzeiten tanzt: Neben seinen Solo-, Duo- oder Bandkonzerten gibt er bisweilen den launigen Gastgeber und Moderator, etwa bei diversen größeren Events bzw. Contests.a 20180123 1982070651 Irgendwann kam ihm dabei in den Sinn, er könnte doch nicht nur für andere tätig sein, sondern (nach Rücksprache mit Kollegen und Gleichgesinnten) ein eigenes Format kreieren, um bekannten und noch unbekannten Künstlern vergleichsweise uneigennützig eine Bühne zu bieten. Diese Überlegungen führten zur "Kopfwerkstatt", einer "Musik-Talkshow", welche nun auch schon zum dreizehnten Male stattfand und bereits erfolgreich unter anderem nach Dresden exportiert wurde. Der Verfasser dieser Zeilen hatte schon lange im Sinn, eine Veranstaltung dieser Reihe zu besuchen, lernt man hierbei doch allenthalben interessante und begabte "Vertreter der heiteren Muse" kennen, deren Darbietungen einen kurzweiligen Abend versprechen. Aber es mussten schon ca. anderthalb Jahre vergehen, bis es endlich einmal klappte, dabei zu sein. Das Ganze findet statt in der sogenannten "Kulturlounge", etwas abgelegen in einem Leipziger Hinterhof, in dessen Nähe einst die "Rumpelkammer" u.a. lokalen Liedermachern und (Free-)Jazzern eine Bühne bot. Was zuerst beim Betreten auffällt ist, wie klein der Raum doch beschaffen ist. Die Einrichtung kann man eher bunt denn monothematisch bezeichnen, vor Ort finden beispielsweise auch Theaterleute ein vorübergehendes Zuhause. Nichts scheint hier wirklich fest gezurrt, eher taugt die Location als Laboratorium zur künstlerischen Erprobung, zur fantasievollen Umsetzung verschiedenster Konzepte. Im Sommer lässt sich eine Freifläche im angrenzenden Hof open air bespielen.

Martin Lischke hatte am 19. Januar zwei Acts geladen, das Publikum zu unterhalten. Leider war der Gastgeber erkältet, so dass er darauf verzichten musste, selbst musikalisch aktiv zu werden und eigene Songs zum Besten zu geben. Der Erste, der nach so einer Art Comedy-Intro des Gastgebers inklusive Gewinnspiel auf die improvisierte Bühne stieg, war der junge Leipziger Liedermacher Georg Domke. "Was sind die Wege doch zuweilen kurz", möchte man spontan einwerfen, da Georg in hiesigen Breiten fürwahr kein Unbekannter ist, sondern seit Längerem als Gitarrist fest zum Line Up der Yeti-Band gehört. Spartanisch lediglich von seiner Gitarre begleitet, gab "Massels" eigene, gefühlvolle Songs zum Besten, die ab und an ein wenig an Clueso oder Coldplay gemahnen. Entstanden sind diese im Laufe der letzten Jahre, gesungen wird auf Deutsch, häufig genug werden Abschiede zelebriert. Das lyrische Ich ist noch auf der Suche nach seinem Platz im Leben, was auch auf die Frauen zutreffen mag, die seine Wege kreuzen. Zuweilen wäre ein etwas größerer Welt-Bezug zum Hier und Jetzt zumindest eine bedenkenswerte Option, aber glaubwürdig wirkt das Ganze allemal und das ist schließlich auch schon mal was.

b 20180123 1324331595Jetzt war es aber höchste Zeit für den ersten Talk. Mit heiserer Stimme entlockte Martin seinem Gast diverse biografische Details und aktuelle Befindlichkeiten. So arbeitet Georg freischaffend und "ohne Zertifikat", plant eine neue CD mit Titeln der letzten Jahre, hat er selbst eine eigene Homepage zusammengeschraubt, welche im Zuge des Startvorgangs nach und nach alle seine Songs auflistet. "Massels" räumte ein, seine Schwierigkeiten mit Studenten der Musikwissenschaften zu haben, da fehle oft der Praxisbezug und das musikalische Können, dann schon lieber ehrliche Straßenmusik mit direktem Kontakt zum Publikum. Haben nicht die "Kellys" auch so angefangen?

Bei den nächsten Auftretenden hatte Gastgeber Martin ganz auf musikalisches Kontrastprogramm gesetzt und mit dem Trio HELMET DUTY eine Leipziger Bluesgrass-Band angeheuert, welche er bei Internet-Recherchen für sich und sein verwöhntes Publikum ausfindig gemacht hatte. Ganz unbescheiden titulieren sich die drei Herren als Ausnahme-Musiker, immerhin existiert die Formation, die als Duo startete, bereits seit 2015 und hat nach eigenem Bekunden schon mehr als hundert Muggen auf dem Buckel. Die Jungs beherrschen die typischen Bluegrass-Posen bereits recht gut, lassen durchaus mit ihrem Satzgesang aufhorchen; wer die ironisch angehauchten Texte verstehen will, muss gut zuhören und englisch können.

c 20180123 1161026350Danach war wieder Laber-Zeit, es wurde getalkt, dass die Geistesblitze nur so sprühten und auch das eine oder andere Bierchen aufgeploppt werden konnte. "Helmet Duty"-Kontrabassist Tommi Pieper durfte sich von kurz vor Weihnachten bis gerade eben jetzt als Bestandteil der Yeti-Band fühlen, doch ist auch dies schon wieder Geschichte. Hier herrscht ein Kommen und Gehen, welches naive, zart besaitete Gemüter sprachlos machen bzw. verwirren kann!

Für den 9. Februar plant Martin die KopfWerkStadt Leipzig #14, wo sich alles um Literatur, geklaute Handys und Zottelfolk drehen soll.

Nachtrag zum Deutsche-Mugge-Interview mit Martin Lischke vom 27.11.2017:
Am 9. Dezember vergangenen Jahres war Martin für den Deutschen Rock- und Pop-Preis in Siegen gleich zweimal nominiert, einmal als Singer-/Songwriter und zusätzlich in der Kategorie "Beste Folk-Rock-Band". Tusch: Martin Lischke gewann den Preis als Singer/Songwriter des Jahres 2017 und belegte mit seiner Band SCHRAUBENYETI & DAS MAMMUT den 2. Platz!! - Zur finanziellen Unterstützung der für den Herbst dieses Jahres angekündigten neuen CD hatte Martin eine Crowdfunding-Aktion gestartet, deren Ergebnis das angestrebte Ziel schließlich übertraf. Dazu auch von Deutsche Mugge herzlichen Glückwunsch!



Termine:
• 25.01.2018 - KopfWerkStadt #12 - Görlitz - Art Goreliz
• 09.02.2018 - KopfWerkStadt #14 - Leipzig - Kulturlounge

Alle Angaben ohne Gewähr!



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Martin Lischke/Schraubenyeti: www.schraubenyeti.de
• Off. Homepage von Georg Domke: www.georgdomke.de
• Off. Homepage von Helmet Duty: www.helmetduty.de




 
 
 
 
 
 
 
 





   
   
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