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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki

 

Wie Freunde wissen, gilt meine Musikleidenschaft vorrangig dem Progressive Rock. Das führt dazu, dass ich von den Aktivitäten deutschsprachiger Künstler oftmals nicht viel mitbekomme. Als ich gefragt wurde, ob ich für Deutsche Mugge über ein Konzert der Band HAUSBOOT berichten würde, wusste ich lediglich, dass TINO EISBRENNER dem Projekt seine Stimme gibt. Dass Tino seine ersten Erfolge in den 80er Jahren als Sänger der Band JESSICA mit dem Song "Ich beobachte dich" erzielen konnte, ist hinlänglich bekannt. HEINER LÜRIG, sein musikalischer Partner bei diesem Projekt, der bei HAUSBOOT für sämtliche Kompositionen verantwortlich zeichnet, war mir bis dato unbekannt.a 20171003 1388967838 Diese Wissenslücke ist inzwischen gefüllt. Heiner spielte viele Jahre Gitarre in der Band von HEINZ RUDOLF KUNZE, machte sich jedoch vor allem als Komponist und Produzent einen Namen. Kunzes Megahit "Dein ist mein ganzes Herz" stammt aus seiner Feder. EISBRENNER und LÜRIG kennen sich schon seit 1999. Im Jahr 2008 beschlossen sie, gemeinsame Ideen in dem Projekt HAUSBOOT musikalisch umzusetzen. Ihr erstes Album "Strom ab" erschien im November 2009. Ich hatte davon jedoch nichts mitbekommen.

Seit dem Frühjahr dieses Jahres kann man das zweite HAUSBOOT-Album "Fluss der Zeit" erwerben (Rezension HIER). Auch das ging an mir vorbei, bis gestern (29. September 2017), denn da legte die HAUSBOOT-Besatzung in Rostocks Kleinkunstbühne Ursprung an, um einem interessierten Publikum ihre Songs zu Gehör zu bringen. Neben TINO EISBRENNER und HEINER LÜRIG waren Bassist OLI SIEGMANN und der chilenische Keyboarder ALEJANDRO SOTO LACOSTE ebenfalls mit an Bord.

Ganz lyrisch begann das Programm mit den ersten beiden Songs des Debut-Albums. Während "Wegen dir" balladesk und besinnlich daherkam, hatte "Eisernes Reich" mit seinem Country-Rhythmus schon etwas mehr Tiefgang, auch textlich. "Dieses Lied will dir Kraft geben" ist die Botschaft des Songs. Auch der dritte Song "Du gehst vorbei" stammte vom ersten Album. Spätestens an dieser Stelle wurde mir klar, dass auf dem HAUSBOOT zwei Typen durch musikalische Gewässer schippern, die nicht besser zusammenpassen könnten. LÜRIG sorgt für eingängige Melodien und EISBRENNER für poetische Texte. Die vollständige Besatzung verleiht dem Ganzen mit diversen Instrumenten ein abwechslungsreiches Klanggerüst.

Bevor es einen Song des neuen Albums zu hören gab, stellte TINO EIBRENNER fest, dass er schon seit fünf Jahren nicht mehr in Rostock gewesen sei. Das letzte Mal wäre zu seinem 50. Geburtstag gewesen. Da passte der beschwingte Pop-Song "So war die Welt (jung und schön)" über die Vergänglichkeit der Zeit recht gut. Das "huhuhu" beim Refrain animierte das Publikum zum Mitsingen und Tinos Mundharmonikaspiel sorgte für Country-Flair.b 20171003 1996116726 Im 6/8-Takt ging es im Schunkel-Rhythmus weiter. Das recht kurze "Lied von der Rebellion" überzeugte mich vor allem mit seinem sehr tiefgründigen Text über das Aufbegehren und das Nein-Sagen können. HEINER LÜRIG spielte dabei Mandoline, was dem Stück einen Hauch von Folk-Song verlieh. Anschließend wechselte er ans Piano und Alejandro nahm sich das Akkordeon. In dieser Konstellation interpretierten sie die bluesige Ballade "Kein Ort wie hier".

Ein paar Songs weiter berichtete Tino von einem langjährigen Freund, der inzwischen in Rostock an der Uni lehrt. Dieser hatte sich in den 90er Jahren entschieden, bei der Bundeswehr zu dienen, und musste als Soldat in den Kosovo-Krieg. Als besagter Freund aus diesem Kriegseinsatz zurückkehrte, kam er aufgrund der dortigen traumatischen Erlebnisse mit seinem Leben nicht mehr klar. Aus dieser Geschichte entstand der Text zu dem eindringlichen Anti-Kriegs-Song "Heimgekehrt".

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, betone ich noch mal, dass mich die musikalische Vielfalt der Songs, das handwerkliche Können der vier Musiker, aber vor allem die Tiefe von Tinos Texten fasziniert haben. Herausragend fand ich u.a. "Sgt. Pepper meint", ein Text der mit der Beatles-Mythologie spielt sowie den Titelsong des aktuellen Albums "Fluss der Zeit". Auch die Ballade "Zeit die Dir bleibt" vom ersten Album beeindruckte mich tief. Das ist Lyrik, weit entfernt von den Belanglosigkeiten, die man sonst in Pop-Songs geboten bekommt.

c 20171003 1507707476Nach "Wenn der Abspann läuft" gönnten sich die Mannen vom HAUSBOOT eine Pause (um CDs zu verkaufen). Auch der zweite Teil des Konzerts gestaltete sich so facettenreich, wie der erste. Die musikalische Vielfalt zwischen Pop, Country, Folk und Chanson setzte sich fort, mal humorvoll beschwingt und augenzwinkernd, mal nachdenklich. Dabei verging die Zeit wie im Fluge und schon kündigte Tino den letzten Song an. Doch ohne Zugaben kamen die vier Musiker natürlich nicht von der Bühne.

Sicher gab es viele Leute im Publikum, die auf den JESSICA-Klassiker "Ich beobachte dich" gehofft hatten, doch stellte Tino klar, dass sich die Musiker darüber einig wären, in dem Programm nur Songs aus der Feder von Lürig/Eisbrenner zu spielen. Allerdings gäbe es einen Song, der auf den beiden HAUSBOOT-Alben nicht zu finden sei, jedoch auch von dem Duo stamme. Gemeint war Eisbrenners Hit "Barfuß in Kakteen". Dieser leitete den letzten Block des Abends ein. Zum folgenden "Lied vom Frieden" tat Tino kund, dass er sich als Künstler in der Verantwortung sähe, zu politischen Themen Stellung zu beziehen, auch wenn viele Leute meinen, Unterhaltungskünstler sollten lediglich unterhalten. Dieser Song bezog Stellung und erntete viel Beifall. Die eingängige Melodie des Refrains wurde zum rhythmischen Klatschen des Publikums nochmals a capella gesungen. Mit der Ballade "Wenn da nicht" verabschiedete sich die HAUSBOOT-Mannschaft schließlich und hinterließ ein begeistertes Publikum in Rostocks immer wieder gemütlichem Ursprung.




Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Hausboot: www.hausbootmusik.de
• Off. Homepage von Tino Eisbrenner: www.eisbrenner.de
• Homepage vom Ursprung in Rostock: www.ursprung-rostock.de





 
 
 
 
 
 
 




   
   
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