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Ein Bericht von Franzi Münch mit Fotos von Lutz Kulas
und Patrick Löser + Pressematerial (Textillustration)




Was wäre wohl so ein Leben ohne Musik? Wäre es denn dann überhaupt noch so recht lebenswert? Man sagt, Musik stärkt, verbindet, zerstört, erweitert, kränkt, macht Mut, macht traurig oder auch glücklich. Weitaus mehr noch könnte man aufzählen, so vielfältig sind die von ihr ausgehenden Wirkungen. Ich beispielsweise mag anspruchsvolle Lieder, die mich fordern, bei jedem Hören immer wieder überraschen und Aufmerksamkeit bedürfen. Man kann sie schön daheim auf CD oder Schallplatte genießen. Aber was ist schöner, als ein Konzert seiner Lieblingsband zu besuchen? Richtig: Ein Konzert mit gleich zwei Kultbands auf einer Bühne und an einem Abend. Und genau dies war Anlass, mich an einem Sonntag im September auf den Weg nach Bärnsdorf zu machen!

a 20170920 1255799424"Im September bÄbt die Erde", steht auf den Plakaten der 600-Seelen-Gemeinde, die damit zu einem dreitägigen Festival, wie es in dieser Größenordnung kaum zu erwarten war, einlud. Das angekündigt Line-Up klang vielversprechend. Freitag JBO live, Samstag Jasmin "Jazzmin" Weber und Sonntag u.a. ROCKHAUS und STERN-COMBO MEISSEN. Ja richtig gelesen! ROCKHAUS ist zurück auf der Bühne. Als diese Nachricht die Runde machte, hielt man es erst für eine Ente! Nach dem tragischen Tod des ROCKHAUS-Keyboarders Carsten "beathoven" Mohren im Januar d.J. war es um die Gruppe um Frontmann Mike Kilian ruhig geworden. Die Band hatte gerade ihre "Therapie"-Tour beendet, als "beathoven" im Alter von nur 54 Jahren an den Folgen seiner schweren Erkrankung starb. Es war klar, dass sich die verbliebenen Mitglieder der Band eine Auszeit nehmen würden, denn der Verlust ihres Kollegen saß - das kann man nachvollziehen - tief. Wenn man seine Kollegen über ihn reden hört, ist immer von einem "überaus netten" Menschen die Rede. Aber auch musikalisch war er ein Großer! Er komponierte, produzierte, sang und spielte Keyboard. Er war Mitglied vor seiner Zeit bei ROCKHAUS in verschiedenen Bands aktiv, etwa bei der Taxi-Combo, der Gaukler Rock Band und bei WIR. "beathoven" komponierte zudem Filmmusik und Songs für "seine" Band ROCKHAUS, die PUHDYS und KARAT. Er war ein absolutes musikalisches Ausnahmetalent. Und trotzdem Mensch! Liebevoller Vater von 2Kindern, guter Freund für andere, einfach nur eine "sympathische Type". Für das einzige Konzert in diesem Jahr haben sich seine Bandkollegen mit Daniel Hassbecker eine Vertretung für ihn dazu geholt. Und eine gute Nachricht gibt es auch noch: Es gibt Termine für 2018. Passend zur demnächst erscheinenden DVD geht die Band nämlich auf Tour.

Doch etwas Geduld mussten die ROCKHAUS-Fans an diesem Abend schon mitbringen. Sonntag gegen 17:30 Uhr ging es erstmal mit meiner Lieblingsband, der STERN-COMBO MEISSEN, los. Endlich war es wieder soweit, und ich konnte nach einer gefühlten Ewigkeit wieder Sterne gucken. Man kann wohl behaupten, dass dem 33-jährigen Frontmann der Band, Manuel Schmid, Star-Allüren augenscheinlich ebenso fremd sind wie Berührungsängste, was die sich am Bühnenrand drängenden Fans besonders freute. Gerade einmal einen Song lang hat die Band gebraucht, um aus dem Konzert eine Party zu machen. Die treue Anhängerschaft schätzt die Band nicht nur für ihr stilvolles Auftreten und ihre opulente Musik.b 20170920 1503025254 Bei "der Combo" MENSCHELT es auch ... Die Harmonien in den Liedern der Kultband überfordern niemanden, die Melodien tröpfeln ins Ohr um dort langsam durch den Körper zu fließen und eine wohlige Wärme zu versprühen. Die Künstler wissen mit ihren Songs die Fans zu berühren, zum Träumen zu bringen oder auch ausgelassene Stimmung zu erzeugen. All dies tat sie auch an diesem September-Tag. Besonders gute Stimmung kam natürlich bei den Klassikern wie "Wir sind die Sonne", "Der weite Weg" und "Stundenschlag" auf, wo das Publikum zum Mitsingen animiert wurde. "Wir sind die Sonne" ist immerhin ein Klassiker aus der Feder von Thomas Kurzhals, den bereits IC in den 80ern gesungen hat. Ich muss beim Hören dieses Songs immer daran denken, dass stets einer gehen muss, damit ein anderer zeigen kann, was in ihm steckt. Aber klar ist, dass Falkenberg - also der, der gegangen ist - schon seit Jahren erfolgreich eigene Wege geht.

Manuel Schmid rockte in gewohnter Manier den Mikroständer und sang mit einer Kraft und Klarheit in der Stimme, die einen (auch wenn ich mich da immer wieder in jedem Bericht wiederhole) jedes Mal aufs Neue den Atem anhalten lässt. Frank Schirmer am Schlagzeug war wiedermal phänomenal und man hörte und sah wieder ganz deutlich, dass dieser Mann genauso wie "Arsch auf Eimer" in diese Rhythmusgruppe gehört, wie auch der gutaussehende Sterne-Basser Axel Schäfer, der wie immer top gelaunt, spielfreudig und eine Augenweide für die weiblichen Fans war. Manuel schreit, keucht, fleht und säuselt bei Live-Konzerten immer auf den Punkt. Er spielt mit seiner Band nicht einfach die Stücke nur herunter, sondern zelebriert sie ausgedehnt, lässt sie leben und streut ein paar Geschichten mit ein. Das Publikum liebt ihn dafür und singt die Refrains der von ihm vorgetragenen Hits ausgiebig mit. Nach 90 Spielminuten wurden "die Sterne" vom begeisterten Publikum in Bärnsdorf unter tosendem Applaus verabschiedet.

Und immer noch war für die ROCKHAUS-Fans Warten angesagt. Der STERN-COMBO MEISSEN folgte die Gruppe STILBRUCH mit einem Aufritt. Für alle die, die diese Band nicht kennen: STILBRUCH sind der 33-jährige Sebastian Maul am Cello und Gesang, der 22-jährige Philippe Amadé Polyak an der Geige und der 35-jährige Gunnar Nilsson am Schlagzeug.c 20170920 1262776855 Alle haben eine klassische Musikausbildung und versuchen nun ganz ohne Verstärker und elektrische Instrumente einen neuen Sound zu erschaffen. Sie haben jedenfalls eine Mischung aus selbst komponierten deutschen und englischen Songs. Im Anschluss war es dann aber soweit ...

Die Show der Gruppe ROCKHAUS begann, und dies war weit mehr als ein normales Rockkonzert. Von Minute Eins an verwandelte sich die Fläche vor der Bühne in ein Menschenmeer, das jedes Wort der Texte mitsang und die Temperatur im Zelt um einiges ansteigen ließ. Frontmann Mike Kilian schaffte es, dass der Funke von der ersten Minute an auf das Publikum übersprang. Bei vielen Klassikern der Band wurde ausgiebig mitgesungen und geklatscht. Im Verlauf des gut 105 Minuten dauernden Sets präsentierten die Jungs von ROCKHAUS viele ihrer Hits, die von den Konzertgästen frenetisch gefeiert wurden.

MIKE KILIAN und seine Kollegen verabreichten den Fans eine gehörige Dosis echter Rockmusik, die nicht nur bei mir wohl noch lange nachwirken wird. Es machte Spaß zuzusehen, wie der Frontmann, seine Kollegen und das Publikum im Zelt miteinander agierten. Zur guten Stimmung beigetragen hatte auch die ROCKHAUS-Musik, die bekanntlich eine besondere Magie ausstrahlt. Jeder ihrer Songs ist ein Kunstwerk für sich, und da steht man nicht einfach still. ROCKHAUS spielen mit dem Rhythmus, werfen hier und da elektrisierende Gitarrenriffs ein und erschaffen damit eine rockharte Stimmung. Rock zwischen heißblütiger Sinnlichkeit und wirrer Aggressivität. Zwischen ekstatischem Muskelzucken und Gänsehaut.

d 20170920 1438731421Die bestens aufgelegten Musiker von ROCKHAUS gaben sich extrem publikumsnah und spontan. Nicht selten gingen sie immer wieder mal in direkten Blickkontakt mit einzelnen Fans. Der sympathische Sänger Kilian hatte das Publikum fest in seiner Hand. So musste er oftmals nur die erste Zeile eines Liedes anstimmen um einen Chor erklingen zu lassen. Zum Singen musste er die Menge nicht erst auffordern. Dies tat sie auch so. MIKE KILIANs Stimme ist irgendwie unverwechselbar durchdringend. Unglaublich, in welche Regionen er damit vorstoßen kann. Dass der Mann außerdem auch eine echte "Rampensau" im positiven Sinne ist, konnte man bei diesem Auftritt live und in Farbe erleben.

Aber auch die anderen Jungs von ROCKHAUS darf man nicht übersehen. Jeder von ihnen beherrscht sein Instrument nahezu perfekt. Alle sind außerdem studierte Musiker. Wie schon erwähnt stand in Bärnsdorf der großartige Daniel Hassbecker an den Keyboards. Was dieser junge Mann an Können in die Waagschale wirft, ist mehr als beachtlich. Das Ausnahmetalent trägt zudem einen für viele Musikfreunde bekannten Nachnamen: sein Vater Uwe spielt bekanntlich die erste Gitarre bei der Gruppe SILLY. Die zweite Gitarre spielt bei SILLY jemand, der bei ROCKHAUS zum Urgestein zählt: Reinhard Petereit. Sowohl Herr Petereit als auch Michael Haberstroh am Schlagzeug und Reinhardt Repke am Bass hatten sichtlich Spaß, nach längerer Pause wieder gemeinsam die Bühne zu rocken. Dies war weder zu übersehen noch zu überhören!

Immer wieder bedankte sich die Band - ganz offensichtlich selbst von der Resonanz der Leute überwältigt - beim enthusiastischen Publikum, das dem Geschehen auf der Bühne laut und kräftig feiernd verfolgte. Die am Geräuschpegel gemessen beliebtesten Hits des Abends waren "Gefühle", "Mich zu lieben" und "Bleib Cool".e 20170920 1635148399 Man konnte fast fühlen, wie das Publikum über die Musik in Erinnerungen schwelgte. Den Abschluss des Konzerts bildete mit "I.L.D." noch ein weiteres Highlight. Ein "Gänsehautgefühl" breitete sich über meinem Körper aus, denn diese Nummer ist für mein Empfinden einer der emotionalsten Ostrocksongs überhaupt.

Die Zeit verging wie im Fluge. Das ist doch ein gutes Zeichen für ein gelungenes Konzert. Ich muss sagen, ich habe einen außergewöhnlich schönen Abend mit sehr sympathischen Musikern erlebt, die eine top Bühnenshow abgeliefert haben. Unterstrichen wurden die Auftritte der Bands von einer tollen Lightshow, die so einen unvergesslichen Gesamteindruck vermittelte. Auch das Publikum machte großartig mit. Am Ende des Tages waren alle - Musiker wie Konzertbesucher - sehr zufrieden.




Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Rockhaus: www.rockhaus.net
• Off. Homepage der Stern-Combo Meißen: www.stern-combo-meissen.com




Fotostrecke:
 
 


Stern-Combo Meißen (Bilder von Lutz Kulas)
 
 
 
 


Rockhaus (Bilder von Patrick Löser)

 
 
 
 
 
 
 
 





   
   
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