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Ein Konzertbericht von Franziska Münch mit Fotos von Ralf Ebenhöh



Sehr angenehm überrascht war ich am Donnerstag vom Konzert in Altenburg. Die Location war eine ganz Besondere. Zur Eröffnung des Altenburger Musikfestivals 2017 luden die jungen Künstler Manuel Schmid und Anna-Marlene Bicking in den Agnesgarten des Residenzschlosses Altenburg ein. Dies sollte mein erstes Regenkonzert werden.b 20170811 1441831158 Der Himmel öffnete seine Schleusen, und es goss in Strömen. Es war deshalb ein großes Glück und Vergnügen, unter dem Bühnendach sitzend und mit trockenen Füßen dem Geschehen zuzusehen. Bei einem Glas Wein konnte man eine zweigeteilte und musikalisch perfekte Show genießen. Manuel erobert mal wieder die Herzen seiner Fans mit ehrlicher Musik und ehrlichen Worten. Es sollte ein Abend voller Balladen und schönster Musik werden, das funkelnde Sterne in das Zelt zauberte wenn man mit Kinderaugen und offenem Herzen in das Konzert des Künstlers ging. Für die Fans war es genau das: DAS Konzert, das die Jahrzehnte wegwischt, das zum Klassentreffen erkoren scheint und bei dem man sich zur Musik aus Jugendzeit wieder trifft. Es war aber vor allen Dingen ein Abend, der nicht nur eingefleischten Ostrock-Fans die Tränen in die Augen getrieben hat, sondern auch denen, die vorher mit dieser Musik nicht viel zu tun hatten.

An diesem Donnerstagabend befanden sich im Publikum neben Fans auch zahlreiche Freunde und Nachbarn des Ausnahmetalents, denn für Manuel war es ein "Heimspiel". Auf der Setlist standen viele Songs und Werke von großen Künstlern wie Holger Biege, Veronika Fischer, Manfred Krug usw. Aber eben auch seine eigenen Songs und Songs der Künstlerin Anna-Marlene. Und da erschien er schon und setzte sich an das "elektrische Klavier". Dazu gesellten sich die Sängerin Anna-Marlene Bicking aus Berlin, der großartige Saxophonist und Keyboarder Marek Arnold aus Waldenburg, der Altenburger Drummer Ecki Dressler, ebenso wie sein Bruder, der Bassist Markus Dressler sowie als Gastmusiker der Saxophonist Knut Drechsler. Und genau in diesem Augenblick begann ein Abend, den wohl keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird.

c 20170811 1567537824Manuel eröffnete den Abend mit "Also was soll aus mir werden", dem 1982 veröffentlichten STERN MEISSEN-Song. Als die ersten Töne erklangen, Anna-Marlene anfing zu singen und dann auch Manuel ins Duett einstieg, war es um die Herzen (nicht nur) der anwesenden Damen geschehen. Manuel brauchte dafür nur mit seiner zauberhaft klaren Stimme anzusetzen und mit seinem ansteckenden Lächeln das erste Mal vom Notenblatt aufblicken und ins Publikum zu schauen, und schon war's passiert. Jeder Anwesende wusste schon bei den ersten Tönen des Konzerts: Hier erwartet uns ein Abend voller Spaß und mit Musikern, die aus Freude an dieser Musik aufspielen. Es folgte direkt "Zu groß der Hut", im Original von Veronika Fischer, und anschließend gab Anna-Marlene den Song "Aus Berlin" aus Ihrer 2015 veröffentlichten EP "Glückskind" zum Besten.

Anne-Marlene Bickings Vater ist vielen Leuten gut bekannt, denn er spielte in den 70ern bei der Gruppe FUSION, danach zusammen mit Angelika Mann in der Gruppe OBELISK und als Nachfolger von Thomas Kurzhals bei STERN MEISSEN. Die Tochter tritt in die Fußstapfen des Vaters und ist ebenfalls Musikerin geworden. Dieses Jahr brachte sie ihr Debüt-Album "Tagtraum" auf den Markt, das zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg und diversen Gastmusikern aufgenommen wurde und das dazu einlädt, das eigene Leben einmal zu reflektieren. In Altenburg stand sie nun gemeinsam mit Manuel Schmid auf der Bühne, mit dem sie nicht nur zusammen beim gleichen Label A&O Records ist, sondern mit dem sie bereits 2016 den eben erwähnten Opener "Also was soll aus mir werden" gemeinsam als Single veröffentlichte.
 
Nach "Aus Berlin" präsentierte sie ihren Song "Zeit", der von ihrem aktuellen Album stammt, und bei dessen Live-Präsentation Marek Arnold, bekannt aus Bands wie Toxic Smile, SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR, Flaming Row, United Progressive Fraternity, Stern-Combo Meißen usw., durch ein umwerfendes Saxophonsolo einbrachte.a 20170811 2055034672 Sein bereits drittes Soloalbum brachte in diesem Jahr der bescheidene Altenburger Künstler Manuel Schmid auf den Markt. "Deine Liebe und mein Lied (Live)" ist ein Hommage-Album an das Plattenlabel AMIGA, das in diesem Jahr 70 Jahre alte wird, und soll zeigen, welch wunderbare Künstler und tiefgreifende Musik darauf erschienen ist. Anna Marlene bewarb Manuels neues Album auf der Bühne und zeigte damit sehr deutlich, welche tiefe und neidlose Freundschaft diese beiden Künstler verbindet. Manuel bewies direkt mit dem nächsten Song "Worte sind wie Bilder" von seinem zweiten Album "Seelenparadies", dass sein Solo-Opus mehr als nur Beiwerk zu seiner Arbeit mit Bands wie der Stern-Combo Meißen ist. In seinen eigenen Songs geht es ruhiger zu - melancholischer. Dies kann man seinen bisher veröffentlichten Alben "Leben", "Seelenparadies" und eben der aktuellen Scheibe "Deine Liebe und mein Lied" ablesen, mit denen er sich auch als Solist bereits einen Namen gemacht hat.

"1 ... 2 ... 3 ... 4 ...", leise zählte Manuel den nächsten Song an. "Paradies", ebenfalls ein eigener Song, ist von seiner zweiten Platte und wurde musikalisch von Ecki Dressler an den Drums und Marek Arnold am Sopransaxophon begleitet. Ecki Dressler legte sich an diesem Abend wieder unendlich ins Zeug. Mit vollem Körpereinsatz und einer unfassbaren spielerischen Bandbreite ließ er seine Felle und Becken durch seine mitgebrachten Rods und Filzschlegel rauschen, trommeln, plätschern, säuseln und bediente damit die Geräuschkulisse mit einer Präzision, die ihresgleichen sucht. Nun betrat Anna-Marlene mit dem Veronika Fischer-Song "Niemals mehr" erneut die Bühne und wurde dabei im Refrain gesanglich von Manuel unterstützt.

d 20170811 1581022554Die Protagonisten auf der Bühne kamen alle sehr sympathisch rüber. Manuel, Anna-Marlene und die anderen Musiker sind sehr nett und aufgeschlossen. So bedankten sie sich während des Konzertes nicht nur beim Publikum, sondern auch beim Veranstalter. Dazu kommt die bemerkenswerte Musikalität des Ensembles. Die Musiker haben - und das lässt sich von den Kompositionen wie auch von der Art des Vortrags ablesen - alle eine fundierte musikalische Ausbildung genossen und scheinbar nie etwas anderes gewollt, als Musik zu machen. Das Ergebnis sind andersartige Sounds und obendrauf bitterschöne Poesie. Anna-Marlene gehört ebenfalls zu der "Gattung" Künstler, die Texte schreiben können, die aus den Tiefen des Herzens kommen. Und sie ist ein Mensch, der aus vollem Herzen lachen kann. Das tun die Menschen heute viel zu selten. Einige nur mit viel zu viel Scham und andere niemals. Dabei ist die Welt so hungrig nach Leben. Sie aber tut es - im Leben wie auch in ihrer Musik. Und diese Musik berührt.

Anna-Marlene nutzte vor dem nächsten Song die Möglichkeit und bedankte sich bei dem Schlagzeuger Ecki Dressler für dessen Gastfreundschaft bei der Probe, die im Schloss stattfand. Mit Schwedenbitter, Eierlikör und Kuchen machte Ecki die Bandprobe zu einem kulinarischen Ereignis. Die 1987 geborene Künstlerin mit den bekannten Eltern (neben ihrem Vater ist auch die Mutter, Schauspielerin Simone Storch, bekannt) wurde genau wie der 34-jährige Altenburger Manuel Schmid schon von Geburt an durch gute Musik geprägt. So ist es trotz ihres jungen Alters auch nicht ungewöhnlich, dass Veronika Fischer eine "Heldin" ihrer Kindheit ist. Ihr Vater gehörte lange Zeit zu ihrer Begleitband und Anna-Marlene kam damit schon früh in Berührung. Mit Anna-Marlenes Version des Songs "Auf der Wiese", in den 70ern von Franz Bartzsch komponiert und von Veronika Fischer gesungen, verabschieden sich die Künstler in eine 20-minütige Pause.

Begrüßt wurde das Publikum nach der Pause mit dem Song "Arrogant" von Anna-Marlenes aktuellem Album. Manuel "outete" sich dabei als Verehrer ihrer Musik und Marek Arnold konnte auch bei diesem Stück wieder mit einem Saxophon-Solo glänzen.e 20170811 1294956315 Anna-Marlene schreibt Ihre Stücke selbst und bei Textzeilen wie beispielsweise "Du kriegst eh nicht gebacken anderen mal ne Freude zu machen" zeigt die attraktive zierliche blonde Frau dem Publikum, dass bei ihr nicht nur die Verpackung, sondern auch der Inhalt stimmt.

Nun sollte es am Donnerstagabend zu einer Premiere kommen. Die Band präsentierte den Karat-Song "Blauer Planet", den sie ganz neu ins Live-Programm aufgenommen hatte. Das Lied wurde durch das Saxophonspiel von Marek Arnold, dem absolut groovendem Basspiel von Markus Dressler, Manuels Pianospiel und den zwei bezaubernden Stimmen zu einem komplett neuen Song, der absolut umwerfend arrangiert präsentiert wurde. Danach folgten Stücke wie "Sommernachtsball" - ein weiteres Stück, das im Original von Veronika Fischer stammt - sowie "Am Abend mancher Tage", das großartige Lied der Gruppe LIFT aus dem Jahre 1980. Auch der Klassiker "Sonntag" des leider schon verstorbenen großartigen Künstlers Manfred Krug wurde gespielt. Dabei stellte Gastmusiker Knut Bräuer am Altsaxophon sein Können unter Beweis und beendete das Stück mit einem unglaublichen Solo. Die Stimmung im Zelt war zwischenzeitlich am Kochen.

Beim Publikum im Agnesgarten saßen die Texte so gut, als hätten sie sich jahrzehntelang auf dieses Konzert vorbereitet. Tatsächlich machten die knapp 200 Menschen im Zelt beinahe mehr Stimmung und sorgten damit für mehr Spaß, als Tausende in einem Stadion. Und immer mit dabei: Das laute Prasseln des Regens. Mittlerweile hatte es sich so richtig eingeregnet, was aber niemandem die Laune verdarb, sondern eher für noch mehr Kuschelatmosphäre und Wohlfühlmomente sorgte. Nach den eben erwähnten drei Songs gab es schließlich die Ankündigung, dass man sich auf das Ende des Abends zubewege. Dies führte im Zelt zu einem lauten Aufschreien und Protestrufen. "Wir sind die Sonne" aus der STERN MEISSEN-Ära durfte an diesem Abend aber ebenso wenig fehlen, wie das wunderschön gesungene Duett Annas mit Manuel zum Vroni-Lied "In jener Nacht".f 20170811 1007046295 Nun waren auch die letzten Emotionen aufgebrodelt und Anna-Marlene erinnerte sich zurück an das Kennenlernen des smarten Altenburger Ausnahmetalents, vier Jahre zuvor auf der Hutbergbühne, bevor sie dann, immer noch völlig "aufgeborschtelt", den 4PS "Groschen"-Song zum Besten gaben. Anschließend nutzte Manuel die Chance und stellte die Band vor. Auf besonderen Wunsch spielten die Musiker anschließend zum zweiten Mal an diesem Abend den Song "Also was soll aus mir werden".

Die Veranstalterin ließ es sich am Ende nicht nehmen, sich bei allen Künstlern persönlich zu bedanken, in dem sie Blumen überreichte. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde. Dann war dieser Abend und dieser musikalische Rausch tatsächlich zu Ende und es bleibt nur zu sagen: Vielen Dank für Eure Musik, Eure Passion und Eure Kreativität, lieber Manuel und liebe Anna! Wir freuen uns alle auf viele weitere Jahre voller Hits, Klassiker und Veränderungen!



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Anna-Marlene Bicking: www.anna-marlene.de
• Off. Homepage von Manuel Schmid: www.manuel-schmid.com




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