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Ein Konzertbericht von Franziska Münch mit Fotos von Ralf Ebenhöh



Es gibt einige Musiker der Ostrockszene in unserem Land bei denen man hofft, dass es mit Kreativität und guten Einfällen noch lange nicht vorbei ist. Die Liste ist nicht sehr lang. Neben Manuel Schmid, Andreas Hähle und Marek Arnold zählt auch Dirk Zöllner für mich zu diesen Vertretern, die sich in Sachen Inhalt und musikalische Umsetzung nicht zu verstecken brauchen.a 20170718 1911582833 "Scholle", wie er auch genannt wird, hat meiner Meinung nach die deutschsprachige Soulmusik maßgeblich und nachhaltig mit geprägt. Er gehört zweifelsohne zu den Pionieren dieser Richtung in unserem Land. Sein Name steht für Spielfreude, Professionalität, 100% Natürlichkeit und pure Lebensfreude.

... und dann kam der Abend, auf dem ich mich so sehr gefreut hatte, endlich. Der Abend des Konzerts, wegen dem ich nächtelang nur wenig und unruhig schlafen konnte und mit dem ich anderen wochenlang nervend in den Ohren lag. Dass er wirklich kommen würde, hatte ich bis zur letzten Sekunde nicht geglaubt. Aufgeregt wie ein Kind am Abend vor Weihnachten war ich, und stolz darauf, dass es letztlich doch hingehauen hat, war ich außerdem. Voller Glückseligkeit blicke ich nun auf einen Samstagabend zurück, und ich möchte Euch auf diese Reise mitnehmen ...

Dirk Zöllner und André Gensicke kannte ich selbst bis zu diesen Abend nicht persönlich. Dementsprechend nervös war ich. So geht es mir jedes Mal kurz vor einem Zusammentreffen mit Menschen, deren Musik ich favorisiere. Nervös nicht etwa wegen dem ganzen Fanquatsch, sondern sie die Nervosität wird von etwas Anderem ausgelöst. Es ist eine Symbiose aus Ehrfurcht, tiefer Dankbarkeit, Vorfreude und der Sorge, etwas falsch zu machen. Wenn wir Künstler bei uns in der "Commode", wo ich als Bedienung angestellt bin und wo ich bemüht bin,b 20170718 1816009877 den Gästen ein paar schöne Momente zu bescheren, begrüßen, möchte ich, dass am Ende des Abends nicht nur das Publikum im "Freudentaumel" nach Hause geht, sondern ebenso der Künstler. Sie sollen nach Ihrem Auftritt sagen können: "Wow, es war toll hier - wir kommen gerne wieder", und sich mit Freude und gutem Gefühl an diese Stunden zurück erinnern. Doch wie sich zeigte, war meine Angst unbegründet.

Bereits bei der Ankuft "nahm" mir Dirk meine Nervosität. Mit seiner herzlichen und nicht abgehobenen Art, sowie einem netten Begrüßungsspruch, brach er sofort das Eis und er sorgte dafür, dass man ihn direkt "lieb" haben musste. Es gibt da so einen Typ Mensch, dem es nur durch seine Art gelingt, beim Gegenüber das Herz zu öffnen und auf eine unerklärliche Art und Weise diesen Menschen vorbehaltlos gern zu haben, ihm blind zu vertrauen und das Gefühl zu spüren, ihn vor allem Bösen in der Welt schützen zu wollen. Leute, die einfach immer sympathisch und nett rüberkommen, und bei denen man sich freut wenn sie verdienten Erfolg einfahren. Und so ein Typ Mensch ist Dirk. Und nicht nur er, sein Bühnenpartner André ebenso.

Für ein Konzert extra aus Berlin, Dresden oder Wernigerode nach Gera zu fahren, ist sicherlich ungewöhnlich aber manchmal eben doch sehr lohnenswert. Dirk Zöllner und André Gensicke im Duo Infernale, zu Gast in der "Commode am Steg". Ein Abend, der mit einem "hach, wie schön" eröffnet werden konnte. Der Bierhof, indem das Konzert stattfand, hat seinen ganz eigenen Flair - eine lauschige Atmosphäre, überall flackernde Kerzen, man fühlt sich fast ein bisschen in einer ganz eigenen Welt. Das Duo sorgt mit seinen Songs immer wieder für Gänsehautstimmung. Es war ein Konzert, das sie ganz allein spielten. Zu zweit, am Piano, an der Gitarre, mit Gesang ... Beide haben zusammen zeitlose Klassiker geschaffen, die nur so vor Wortgewandtheit, Liebelei und Weltschmerz trotzen! Und am Samstag präsentierten Dirk und André in der intimen Atmosphäre des gemütlichen Bierhofes eine Auswahl der schönsten Hits aus Scholles Laufbahn. Ein großartiger Abend mit herzerwärmender Musik.

c 20170718 1176897494Bei ihren Songs geht's oft um Liebe, um Gefühl - um "Alltägliches und andere Leiden". Mit ihren emotionalen Texten schaffen sie es, eine enorme Authentizität zu verbreiten. Und dass sie mit ihrer spontanen und lockeren Art ungemein gut ankommen, ist den meisten Leuten schnell klar. Sympathisch und charmant erzählen die Konzerte Geschichten, die das Leben schreibt. Dirk verzaubert ab dem ersten Ton das Publikum mit seiner charismatischen Stimme und dieser außergewöhnlichen Klangfarbe. Die beiden Musiker haben auch hier in Gera wieder bewiesen, dass Agilität und Freude an der Musik und dem Zusammenspiel kein Widerspruch sein muss und es damit geschafft, restlos alle Zuhörer zu begeistern, nachhaltig zu beeindrucken und in ihren Bann zu ziehen. Auf eben ihrer hinreißenden Art und Weise. Auf der Bühne ist der Zusammenhalt der beiden großartigen Musiker deutlich spürbar. Mit Leichtigkeit wickelten sie bereits ab dem ersten Song ihr Publikum um den Finger.

Das Prädikat phänomenal verdient auch die Handwerkskunst von Dirk und André. Die Liebe zur Musik ist es, was die beiden verbindet. Sie schaffen es mit ihrer kaum beschreibbaren Fannähe, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat, ihrem Publikum die ganze Palette zwischen Euphorie und stillen Momenten abzuverlangen. Als sympathische und lockere Typen präsentieren sie sich am Samstagabend, gaben Autogramme, ließen Fotos von und mit sich machen und zeigten sich trotz aller Erfolge sehr ungekünstelt erfreut über die Fan-Liebe, die ihnen zuteil wurde. Wer bereits schon Konzerte von Dirk Zöllner besuchte, weiß wovon ich schreibe. Bei ihm bekommt man nicht nur "ein Konzert", sondern zusätzlich den Menschen Dirk Zöllner dahinter. Als würde man sich abends mit ihm auf ein Bier in seinem Wohnzimmer treffen, quatschen, säuseln und das ganze ummanteln mit musikalischer Begleitung. Es hat immer etwas sehr Herziges und Herzliches, wenn man sich mit Dirk Zöllner und André Gensicke unterhält. Die beiden wissen ganz genau, wie sie ihr Publikum zum Strahlen bringen können.

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Sie versprechen auf Ihren Konzerten beste Unterhaltung und eine Songauswahl, die keine Wünsche offen lässt. Und somit vergingen die zwei Stunden natürlich wie im Fluge und es ist rückblickend ein äußerst emotionales Konzert gewesen. Schön zu sehen, wie sehr sich die Künstler, trotz dieser langen Zeit im Musikbusiness, immernoch über die Rückmeldungen des Publikums freuen. Dirk ist eben ein Musiker in Moll. Dass er sich den Erfolg verdient hat und sich zwischen den Platzhirschen längst problemlos etabliert hat, ist auch einer großen Portion an harter Arbeit und einer enormen Energie zu verdanken. Ein ausgesprochen charismatischer Kerl, dieser Dirk Zöllner. Und das ist es was die Menschen anzieht: Melancholie, in Maßen und im Kollektiv genossen, lässt Tristesse leichter ertragen. Gerade in unserer jetzigen Zeit gibt es viel zu richten, in dieser immer verrückter und schlimmer zu werden scheinenden Welt. Dirk singt wundervolle Lieder. Mit seinen gefühlvollen Songs begeistert er ganze Generationen von musikliebhabenden Menschen. Texte mit einer Offenheit und einer Emotion, wie man sie nur selten zu Hören bekommt. Er schafft in seinen Liedern den schwierigen Spagat zwischen deutschen Texten und einem gewissen Anspruch, ohne jemals in die Schlagerwelt abzudriften. Und er singt sie vorallem schön deutlich, man kann seinen Texten zuhören. Und das ist gut, denn man findet sich in seinen Texten wieder.

e 20170718 1023915250Wenn Dirk eine Geschichte aus seinem Leben singt, sagt man sich oft: "Das kenne ich gut, das ging mir ähnlich ..." Irgendwas liegt in Dirks zauberhaften Stimme, dass einem für diese Stunden das Gefühl gibt, dass "alles gut wird". Obgleich sich Dirk manchmal eher melancholisch präsentiert, zeigt er sich in den Ansagen durchaus humorvoll und stellt damit früh klar, dass ernsthafte Ansagen gar nicht so sein Ding sind. Immer mit Augenzwinkern und einem hohen Anteil an Witz verzaubert der Sänger mit seinem Charme binnen kurzer Zeit alle Anwesenden. Bei ihm wirkt nichts aufgesetzt. Genauso wenig aufgesetzt wirken die Emotionen, die immer wieder aus den Songs sprechen. Man merkt in den Liedern des Duos, dass hier jemand aus dem tiefsten Inneren spricht. Schon einmal dabei gewesen, wenn Dirk beispielsweise "Ich kann dich nicht riechen" singt? Da muss selbst der härteste Mann ein paar Tränchen vergießen und weiß hinterher gar nicht mehr so ganz warum eigentlich. So ist das mit der Macht der Musik! Wie gut, dass es Menschen wie Dirk und André gibt, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, uns mit ihrer Musik das Leben in all seinen Facetten, so lustig, traurig, nervig, skurril oder auch einfach nur schön, wie es nun manchmal eben ist, erträglicher zu machen. Und darum wurde auch aus dem Samstag einer dieser Abende, an die man gerne zurückdenkt. Ein Abend, der irgendwie etwas Entrücktes, gar Surreales hatte. Eine Flucht in eine andere Welt, von der man hinterher weiß, dass man sie sehr gerne besucht hat, bevor man dann wieder glückselig nach Hause geht. Bitte mehr davon!

Einen besonderen Dank, auch im Namen des Gastwirtes Robert Grams, möchte ich hier gleich mit anbringen. Dieser gilt Nicole Kucht, die hervorragende Vor- und Nachbereitung bei der Organisation und der Betreuung von Veranstalter und Künstler leistete, beim Lichtwicht der einen super Tontechniker-Job machte, bei André Kemnitz für das entgegengebrachte Vertrauen und die professionelle Planung, bei Tobias Hillig und seiner bezaubernden Steffi die mit ihrem spontanen Auftritt an diesen Abend ebenfalls für Begeisterung sorgten,f 20170718 1839159662 natürlich ganz dollen Dank an die Stars des Abends Dirk und André, an meinen lieben Steffen Lange für seine hervorragende Arbeit hinter der Bar, an Robert Grams und Lars für die leckere Küche und natürlich nicht zu vergessen: DANKE an das super Publikum, das dabei half diesen Abend ebenfalls so unvergesslich zu machen. Es war eine Freude und absolute Ehre, Dirk und André endlich mal persönlich kennenlernen zu dürfen, auch wenn ich es wiedermal verpasst habe mir ein Autogramm geben zu lassen und ein gemeinsames Foto zu schießen. Ich bin mir sicher wir sehen uns alle ganz bald bei irgendeinem Konzert wieder.



Termine:
• 21.07.2017 - Blankenfelde-Mahlow - Blankit (Duo Infernale)
• 22.07.2017 - Lichtentanne/OT Schönfels - Burg Schönfels (Die Zöllner)
• 28.07.2017 - Carlsthal - Kräuterhof (Duo Infernale)
• 03.08.2017 - Eggesin - Kulturwerkstatt (Duo Infernale)
• 04.08.2017 - Stralsund - Kulturkirche St. Jakobi (Duo Infernale)

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der ZÖLLNER-Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Die Zöllner: www.dirk-zoellner.de
• Homepage der Commode am Steg in Gera: www.commode-am-steg.de




 
 
 
 
 

   
   
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