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Ein Konzertbericht von Torsten Meyer mit Fotos von Sandy Reichel



 

"Also, mit dem Blues ist es so: wenn sich jemand Sorgen über irgendetwas macht, dann hat er den Blues - auch wenn er ihn nicht singen kann. Wenn deine Frau dich verlässt, hast du den Blues, auch wenn du nicht in der Lage bist, ihn zu singen. Wenn du ihn aber singen kannst, bekommst du ihn auf diese Weise aus deinem Kopf heraus. Und darum geht es beim Blues."
Pinetop Perkins (1913 - 2011)


 


Vorgeplänkel
Wieder einmal beneide ich die Menschen, die einen Feiertag wie Christi Himmelfahrt, der in manchen Regionen auch Herrentag bzw. Vatertag genannt wird, sinnigerweise zum Ausschlafen nutzen. Gut, das könnte ich theoretisch auch, doch ich habe Besseres vor. Mein Weg führt mich nämlich ins tiefste Sachsen.a 20170530 1747362617 Begleitet werde ich von meiner Kollegin Sandy, die an diesem christlichen Feiertag zu der ganz und gar unchristlichen Zeit um 8:00 Uhr mit mir 250 Autobahnkilometer weit nach Altzella düst, wo wie jedes Jahr an diesem besonderen Tag um 11:00 Uhr die ersten Töne des Internationalen Blues- und Rockfestivals erklingen.

Als Deutsche Mugge 2013 erstmals über dieses auf dem Klostergelände Altzella stattfindende Festival berichtete, konnte keiner ahnen, dass sich daraus eine Tradition entwickeln sollte und wir uns seitdem Jahr für Jahr als rasende Reporter am Himmelfahrtstag aus der sächsischen Provinz melden. Aber Cheforganisator Erik Weichhold macht uns die Entscheidung auch nicht allzu schwer, denn man kann förmlich zuschauen, welche positive Entwicklung das Festival nimmt. Die Besucherzahlen steigen permanent, die Beliebtheit der Veranstaltung spricht sich natürlich auch unter den Musikern herum und führt dazu, dass die Liste der auftretenden Bands immer prominentere Namen trägt. An diesem 25. Mai 2017 geht das Internationale Blues- und Rockfestival bereits in seine 15. Auflage - herzlichen Glückwunsch dazu!

Das Wetter ist nicht ganz unwichtig für das Gelingen des Festivals, denn wie üblich finden die einzelnen Gigs abwechselnd in der großen Scheune und auf der Wiesenbühne statt. Diesmal scheinen wir einen gut gelaunten Wettergott erwischt zu haben. Die Temperaturen sind optimal, sogar die Sonne lässt sich für längere Zeit dazu herab, mit ihren warmen Strahlen die Haut der Musikhungrigen zu kitzeln. Gute Voraussetzungen also, um loszulegen mit dreizehn (!) Stunden Livemusik. Das bedeutet allerdings in der Nachbetrachtung auch viel Text, denn ich bin der Ansicht, jede der hier aufspielenden Bands hat zumindest ein paar Worte zu ihrem Auftritt verdient.

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Der frühe Vormittag - die Messlatte wird bereits sehr hoch gelegt
Vor der offiziellen Eröffnung gibt es schon mal einen Act zum Warmwerden, DANIEL & THE GLASSES nennen sich die fünf jungen Leute aus Chemnitz, die sich hauptsächlich dem Rock'n'Roll im Stile eines Chuck Berry oder Little Richard verschrieben, aber auch die sonstige Rockmusik der 60er und 70er Jahre verinnerlicht haben. Es ist solide Cover-Kost, wobei für mich die CCR-Nummer "Born on the bayou" heraussticht. Auf jeden Fall kann man es als gelungenen Auftakt bezeichnen.

Für gestandene Musiker ist ein Konzert um 12:00 Uhr mittags eine echte Herausforderung. Aber hier in Altzella muss halt Jahr für Jahr irgendwer diese Kröte schlucken. Diesmal traf es FLORIAN LOHOFF und seine Band aus Berlin. Diesen jungen Mann verfolge ich bereits seit seinem Auftritt 2014 als Support für einen gewissen HENRIK FREISCHLADER.c 20170530 1804827011 War ich damals bereits echt angezündet von den Jungs, so verfestigte sich meine Meinung nach ihrem Auftritt beim letztjährigen Blues Open Air in Niederlehme umso mehr (Bericht siehe HIER). Da war etwas am Reifen, was straight nach oben schießt. Ein weiteres Jahr später ist nun also in Altzella die Gelegenheit da, den Reifeprozess erneut zu begutachten. Das Ergebnis ist eindeutig: der Name FLORIAN LOHOFF wird in der Blueswelt eher früher als später eine eigenständige Duftmarke setzen. Seine Definition von modernem Bluesrock bringt frischen Wind in die Szene, zumal für mich diese spür- und vor allem hörbare Weiterentwicklung seines Spiels in so kurzer Zeit schon fast beängstigend wirkt. Das zeugt von viel Fleiß und harter Arbeit, was sich dann selbstredend in beeindruckender Art und Weise auf der Bühne wiederfindet. Nicht umsonst legen LOHOFFs 2016er Support-Auftritte für Ryan McGarvey und Ikone Walter Trout Zeugnis für seine Klasse ab, denn die Genannten lassen garantiert kein Fallobst in ihre Vorprogramme und holen ihn dann sogar noch während ihrer eigenen Sets mit auf die Bühne. Als Beispiel seines heutigen Auftritts in Altzella sei nur "Beautiful" vom aktuellen Album "Tangled up in blue" genannt. Darin ist alles enthalten, was die FLORIAN LOHOFF BAND mittlerweile auszeichnet. Wobei hier die Betonung auf "Band" liegt, denn seine beiden Mitstreiter Arne Horstmann (Bass) und Marius Gebhardt (Drums), der mir schon während seiner Zeit bei den FOOTSTEPS positiv auffiel, geben FLORIAN LOHOFF erst die Freiheit und Sicherheit für seine ausufernden, knackigen und nuancenreichen Sololäufe und prägen den Groove der Band ganz entscheidend. Alles in allem überzeugt mich dieser Auftritt ohne jede Einschränkung und lässt mich hoffen, dass die FLORIAN LOHOFF BAND auch international schon bald abräumen wird.

So ein Bluesfestival lebt natürlich von der Abwechslung. Und so gibt es, wenn man es denn möchte, den nahtlosen Übergang zu einem Kontrastprogramm, wie es krasser nicht ausfallen könnte. Auf der Wiesenbühne spielen jetzt nämlich zwei Musiker auf, die sich dem tiefschwarzen Delta-Blues der 20er Jahre verschrieben haben. Und das in seiner reinsten, ehrlichsten Form. Peter Crow C. und Mr. Jelly Roll alias BLACK PATTI begrüßen mit dem auf Dobro und Mandoline gespielten "Morning train" das von Beginn an mitfeiernde Publikum. Die Mandoline ist mittlerweile im Blues leider in absolute Vergessenheit geraten, weshalb es umso erstaunlicher ist, dass ein junger Kerl wie Mr. Jelly Roll (alias Ferdinand Kraemer) eine solche Perfektion auf dem Instrument entwickelt hat.e 20170530 1699639160 Man muss diese Art Blues natürlich mögen, denn es ist schon sehr speziell, was die beiden da wieder zum Leben erwecken, aber jeder im sachkundigen Publikum weiß, hier hören wir die Wurzeln der Bluesmusik. Und das auf eine perfekte, einzigartige Weise, weshalb BLACK PATTI dieses Festival ungemein bereichern.

Der Nachmittag - Blues aus Ungarn
Das Blues & Rock Festival in Altzella wirbt nicht ohne Grund mit seiner Familienfreundlichkeit. So gibt es auch heute wieder neben Hüpfburg, Basteln und Schminken zweimal am Nachmittag auf der Kinderbühne ein Programm für den Nachwuchs, präsentiert von CHRISTOPH HEIMANN. Man sieht mir hoffentlich nach, dass ich darauf jetzt aber nicht weiter eingehe, denn ich drängle mich bereits wieder in der Scheune unter das gespannte Auditorium, um das eigentliche Fragezeichen dieses ersten Festivaltages zu erleben: die MATYAS PRIBOJSZKI BAND aus Ungarn. Blues aus Ungarn? Ja warum denn nicht?! Wir richten gewohnheitsmäßig unsere Ohren ausschließlich gen Westen, weil wir einfach nicht wahr haben wollen, dass in anderen Himmelsrichtungen auch gute Musik gemacht wird. Dabei ist ja nun gerade Ungarn als Musiknation bekannt. Und so dauert es auch nur ein paar Minuten, bis das aufgeschlossene Publikum die vier heißblütigen Südosteuropäer liebgewonnen hat. Diverse Zutaten werden hier zu einem süchtig machenden Cocktail aus Boogie, Shuffle, Soul und Blues angerührt. Ich kenne bis auf die Zugabe "Ain't nobody business" keinen einzigen Song, kann mich aber diesem irren Drive, der da von der Bühne runterschwappt, auch nicht entziehen. MATYAS PRIBOJSZKI, der Bandleader, treibt mit seinem vollendeten Spiel auf der Bluesharp seine Mitstreiter an und lässt auch sehr oft Ferenc Szász an der Gitarre viel Freiraum für sachgerechte Soli auf dessen Fender. Die Meute lauscht aufmerksam, was vor allem in dem Moment deutlich wird, als MATYAS PRIBOJSZKI sich an den Bühnenrand stellt, die Band ihren Sound bis auf ein Minimum herunterfährt und der Chef auf seiner Mundharmonika ohne verstärkendes Mikrofon zu einem Solo ansetzt,f 20170530 1618841792 was aufgrund der absoluten, respektvollen Ruhe bis in die hintersten Reihen der mit mehreren hundert Besuchern sehr gut gefüllten Scheune zu hören ist und natürlich im Anschluss frenetisch bejubelt wird. Mich holen hauptsächlich die vielen Boogie-orientierten Songs ab, die Nacken und Füße mitswingen lassen.

Ein besonderes Trio nur für Altzella - Erik macht's möglich
Nach so viel geballter Bluespower wird wieder einen Gang runter geschaltet. Draußen vor der Wiesenbühne stauen sich bei inzwischen herrlichem Wetter die Bluesverrückten, um einem besonderen Unikat die Ehre zu erweisen: SASHA PLONER. Es ist allein schon ein Erlebnis, sich mit ihm zu unterhalten, denn er ist alles andere als kontaktscheu, vor allem aber ein Wiener Original, ausgestattet mit unendlich viel Wiener Charme und Schnauze. Als Musiker kommt PLONER nicht weniger eindrucksvoll daher. Sein Bühnenoutfit verrät seine musikalische Orientierung, die uns in die Welt des Delta Blues in den 20er und 30er Jahren entführt. Er gedenkt mittels der für diese Stilistik typischen Begleitung durch die Akustikgitarre solchen Größen wie Howlin' Wolf und Big Bill Broonzy. Vor allem aber greift der superbe "Canned Heat Blues" von Tommy Johnson nach mir, der später tatsächlich als Namensgeber für CANNED HEAT diente. Das sind die kleinen Randnotizen, die die Beschäftigung mit dieser tollen Musik so reizvoll machen.

Nach dreißig Minuten räumt Herr PLONER den Platz für eine Legende: ALEXANDER BLUME. Der ungekrönte Boogie Woogie-König der DDR spielte sich schon mit gerade mal 20 Jahren als Pianist der Diestelmann-Band in die Ohren und Herzen der Fans und ist bis heute nicht minder erfolgreich mit seinen vielen Projekten, die von Jazz über Blues bis hin zu Funk, Boogie Woogie und Spiritual-Ausflügen reichen.d 20170530 1268947956 Seit Jahren begleitet ihn sein Sohn Maximilian am Schlagzeug, so auch hier in Altzella. Ich liebe diesen organischen, rhytmischen Sound, den die beiden erzeugen und gebe mich gerne den Eigenkompositionen "The stranger" und dem treibenden "Old Boogie Woogie" hin, genieße die angejazzte Blum'sche Version von "Riders in the storm" und nehme anschließend mit Freuden zur Kenntnis, dass Filius Maximilian seine Interpretation der "Bluesgeschichte" von Diestelmann immer mehr vervollkommnet und dem Song glaubhaft seinen eigenen Stempel aufdrückt. Mit dem 1929 durch Bessie Smith bekannt gewordenen "Nobody knows you, when you're down and out" ist dann der Solopart der Familie Blume leider auch schon beendet. Zu diesem Song darf die junge und talentierte Vanessa Marx die Vocals singen und löst diese Aufgabe hervorragend.

Was nun passiert, gab es so noch nicht und wird wohl auch einzigartig bleiben: ALEXANDER BLUME, Sohn Maximilian und SASCHA PLONER gedenken in einer halbstündigen Session einem großen Bluesmusiker, der sich hauptsächlich dem Chicago Blues verschrieben hatte und aus dessen Feder einige bis heute immer wieder gespielte Bluesnummern stammen: ELMORE JAMES. "Dust my broom" beispielsweise gehört zum Repertoire einer jeden ernst zu nehmenden Bluesband. "The sky is cryin'" ist da schon etwas spezieller, während "Shake your moneymaker" mir hauptsächlich durch THE BLACK CROWES bekannt war. Mein Highlight dieses Sets ist allerdings "Mean mistreating mama". Ein Blues, wie er sein soll. Die Idee zum Zusammenspiel dieser drei Meister ihres Faches hatte Erik Weichhold, der Organisator des Festivals, dem wir schon das Diestelmann-Special der Herren BLUME und KLEINOW im Jahr 2014 genau hier in Altzella zu verdanken haben. Danke dafür, Erik! Du darfst gerne weiter so um die Ecke denken!

Immer noch Nachmittags ...
... immer noch Top-Wetterlage, immer noch strömen gut gelaunte Besucherscharen auf das Gelände und immer noch gibt es eine verlässliche Konstante, die bereits zum dreizehnten Mal in Altzella zum Vorspielen antritt: KEES SCHIPPER, der unverwüstliche Ausnahmegitarrist aus den Niederlanden. Seit fünfzig Jahren rockt er die Bühnen mit seinem unverwechselbaren,g 20170530 1749472368 facettenreichen Gitarrenspiel, seiner rauen Bluesstimme, seinem Mix aus Eigenkompositionen und erstklassig interpretierten Klassikern aus dem Blues- und Rockmetier. Mit seiner Band SCHIPPER & BEMANNING tourt er Jahr für Jahr unentwegt durch Deutschland, Belgien und Holland. Wenn man ihn voller Dynamik seine leidenschaftlichen Soli spielen sieht, fällt es schwer zu glauben, dass er eigentlich mal Lehrer für Popmusik war. Hier und heute in Altzella wird mal wieder deutlich, dass er beim Stammpublikum so etwas wie der heimliche Star unter all den auftretenden Größen ist. Mehr braucht man gar nicht dazu sagen.

Der Abend - Musik von zart bis hart
Man muss auf dem Blues & Rock Festival Altzella ständig die Gefühle wechseln, will man alle anstehenden Auftritte mitnehmen. So folgt auf den rockenden Holländer KEES SCHIPPER wieder ein akustisch deutlich reduzierter, aber dennoch ebenso heißer und feuriger Act: das CAPITAL BLUES DUO. Dahinter verbergen sich der Berliner Bluesmusiker ST und Käpt'n BERND KLEINOW, zu dem man keine Worte mehr verlieren muss. Die beiden stehen in der vorliegenden Kombination für allerfeinsten Roots Blues. So energiegeladen wie ST und KLEINOW dürfte wohl kein zweites Bluesduo auf der Welt agieren. ST nimmt den Zuschauer mit seiner Präsenz sofort gefangen, singt voller Inbrunst von Liebe und dem Wunsch nach Frieden auf dieser Welt und spielt sich auf seiner roten Gibson die Finger wund. BERND KLEINOW darf sich mit seinen vielen Mundis so frei austoben wie sonst bei kaum einem seiner vielen Bandprojekte, was er auch weidlich ausnutzt. Geboten wird akustischer Blues in allen seinen Schattierungen, von tiefschwarz und traurig bis zu losgelassen und voller Action. Die beiden Akteure explodieren immer wieder von einem Moment auf den anderen und kassieren dafür berechtige Ovationen des Publikums. Leider kann ich den Act nicht bis zum Ende ihres Sets verfolgen, denn ich muss in die Scheune.

"Eh Alter, der Typ holt den Ton direkt aus dem Ei"!
Hier drängeln sich schon voller Ungeduld Bluesfans aller Altersgruppen, denn in Kürze steht der Auftritt des Mannes bevor, über den ein gewisser Jörg "Speiche" Schütze 2011 einmal geäußert hatte: "Eh Alter, der Typ holt den Ton direkt aus dem Ei"! Was vielleicht auf den ersten Blick respektlos erscheinen mag, ist in Wahrheit Speiches hohe Wertschätzung für HENRIK FREISCHLADER, den musikalischen Workaholic.h 20170530 1571647510 Längst hat der sich in Europas Blues-Elite gespielt, setzt mit seinem Gitarrenspiel Maßstäbe, produziert in regelmäßigen Abständen wechselweise Studio- und Livealben, tritt als Komponist und Produzent für andere Künstler in Erscheinung und tourt pausenlos durch die Clubs in ganz Europa. Mit seiner aktuellen CD "Blues for Gary" kehrt FREISCHLADER zurück zu seinen Wurzeln, die GARY MOORE heißen. Und selbstredend schließt sich an das Erscheinen der CD auch gleich die passende Tour an, die ihren Ausklang auf deutschen Bühnen mit diesem Auftritt beim Blues & Rock Festival in Altzella findet.

Die Scheune ist brechend voll, keine Ameise findet mehr Platz. Ein entspannt wirkender HENRIK FREISCHLADER betritt pünktlich um 19:30 Uhr die Bühne und findet lobende Worte für das Festival. Zunächst spielt man sich mit "The Blues" warm. Damit fing 2006 alles an, das war der Titelsong seines damaligen Debütalbums. Wahrscheinlich soll damit die Brücke zu GARY MOORE gebaut werden, denn ohne diesen würde HF heute keine Musik machen und demzufolge würde es 2006 auch kein FREISCHLADER-Debütalbum gegeben haben. Was dann in den folgenden knapp 100 Minuten folgt, ist einfach nur zum Zungeschnalzen und zum Genießen. Es war mir in der Vergangenheit vergönnt, bereits einige Konzerte des HENRIK FREISCHLADER zu erleben, doch was hier abgeht, sucht Seinesgleichen. Auf der Setlist stehen gerade mal zehn Songs, von denen eigentlich nur zwei direkte GARY MOORE-Songs sind, die restlichen stammen von Größen wie B.B. King, Peter Green, T.Bone Walker oder Elmore James, wurden aber sehr gerne von GARY MOORE live gespielt. Ich habe keine Ahnung, was FREISCHLADER an diesem Abend antreibt, doch in einer solchen Spiellaune habe ich ihn wirklich noch nie zuvor erlebt. Ob es vielleicht an Pete Rees (Bass) und Vic Martin (Hammond-Orgel), den beiden Musikern der GARY MOORE-Liveband, liegt, die während dieser Tour mit HF auf der Bühne stehen? Oder ob ihn seine im Publikum anwesende Mutter beflügelt?i 20170530 1707582208 Er spielt und spielt und spielt, zaubert Töne aus dem Hut, die nicht von dieser Welt zu kommen scheinen, zelebriert Soli von gefühlt 15 Minuten Länge - es ist der blanke Wahnsinn! Henrik will gar nicht aufhören, dehnt die Titel auf unglaubliche Laufzeiten, haut uns seine Leidenschaft für den Blues um die Ohren und erzeugt nicht nur bei mir einen über den ganzen Körper laufenden Schauer nach dem anderen. Bis auf zwei Hopfensaft-geschädigte Schreihälse rechts von mir lauschen alle 800 Zuschauer in der Scheune wie gebannt und sprachlos den lauten wie ganz leisen Ergüssen des HENRIK FREISCHLADER, spenden immer wieder spontanen Szenenapplaus und begreifen wahrscheinlich erst später, welch großartige Momente sie hier miterleben. Dazu zählt für mich auch das Mitwirken von FLORIAN LOHOFF, den HF für zwei Songs auf die Bühne ruft. Die Krönung des Ganzen gibt es als Zugabe, nämlich die Roy Buchanan-Nummer "The Messiah will come again", die einzige Nummer des Abends vom "Blues for Gary"-Album. Für mich liefert HF mit dieser Tour sein Meisterstück ab und beweist eindrucksvoll, dass echter Blues und Bluesrock nicht nur in Amerika zuhause sind.

Die Nacht rückt näher - es knallt noch einmal heftig
Eigentlich sollte man nach diesem Erlebnis, aufhören und nach Hause gehen. Eine Steigerung ist an diesem Abend nicht möglich. Und doch sieht das Line Up des Tages noch eine letzte Band vor, nachdem zwischenzeitlich auf der Wiesenbühne BLACK PATTI mit ihrem zweiten Set dafür sorgen, dass niemand bei der inzwischen einsetzenden Abkühlung ins Frieren kommt. Um 22:15 Uhr treten dann schlussendlich drei junge Männer aus dem Ruhrgebiet den Versuch an, den Geist des HENRIK FREISCHLADER aus der Scheune zu blasen und dem immer noch sehr zahlreichen Publikum ihren Sound schmackhaft zu machen. Und das gelingt MARIUS TILLY und seinen beiden Mitstreitern auf Anhieb. Es kracht heftig im altehrwürdigen Gebälk der Scheune, denn zu nächtlicher Stunde prallen knallige, erdige Gitarrenriffs, vermischt mit einem Wahnsinns-Groove, den Bass und Drums erzeugen, in die Ohren der Musikfans. Die Presse nennt das "postmodernen Bluesrock", für mich ist es aber eher Retro-Rock mit jeder Menge 70er-Jahre-Einschlag und gelegentlichen Ausflügen in den Psychedelic-Bereich. Auch Alternative-Anleihen sind heraus zu hören. Egal, lassen wir mal die typisch deutsche Eigenart beiseite, alles in irgendwelche Schubladen einsortieren zu wollen und konzentrieren uns auf das Geschehen auf der Bühne. Dort geht nämlich extrem die Post ab. Sowohl Gitarrist und Sänger Marius Tilly als auch Bassmann Benjamin Oppermann vermessen ständig die Bühne und machen es somit den Fotografen schwer, sie mal ordentlich aufs Bild zu bekommen. Und nicht zuletzt verleiht auch Drummer Max Wastl mit seiner Dynamik und seiner wehenden Rockermähne dem Geschehen mächtig viel optischen Speed, mit dem die ständig nach vorn marschierenden Beats passend unterstrichen werden. Nach diesem Auftritt wird auch klar, warum die Band 2014 beim "Global Battle of the Bands" zum besten deutschen Newcomer gewählt wurde.j 20170530 1272926804 In den Jungs steckt enorm viel Potential, ihre Musik klingt bodenständig und ehrlich und stellt eine willkommene Abwechslung zu dem sonstigen Schrott dar, mit dem unsere Ohren täglich durch die Mehrzahl der Medien beleidigt werden. Songs wie "Sliding", "Revel outer space", "Danger", "Elevator girl" oder "Skins electric" machen richtig Spaß und füllen die Abteilung Rock im Festivalnamen mit reichlich Leben.

Feierabend!!!
Puh, war das ein Tag. Die anfangs erwähnten dreizehn Stunden Livemusik liegen hinter uns. Es war mal wieder ein erstklassiges Event, was Erik Weichhold und seine fleißigen ehrenamtlichen Helfer, von denen an diesem ersten Festivaltag 75 (!) im Einsatz waren, präsentiert haben. Dafür kann man ihnen nicht genug danken! Das Altzella-Festival arbeitet weiter an seinem Ruf, nicht nur das gemütlichste und familienfreundlichste seiner Art in Deutschland zu sein, sondern vielleicht auch eines Tages das beliebteste und beste. Für einen schmalen Taler kriegt der werte Bluesinteressent hier allerfeinste musikalische Unterhaltung in einer Umgebung geboten, die wohl einzigartig sein dürfte. Hier steht nicht der Kommerz im Vordergrund, hier wird nicht auf Teufel komm raus Wettsaufen betrieben - nein, hier lebt man die gemeinsame Liebe zur Musik aus, trifft sich unter Freunden und fühlt sich als Teil einer großen Familie. Möge es auch am 10. und 11. Mai 2018 zur 16. Auflage wieder so werden.




Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage der Florian Lohoff Band: www.florianlohoffband.de
• Off. Homepage von Black Patti: www.black-patti.de
• Off. Homepage von Matyas Pribojszki: www.pribojszki.hu
• Off. Homepage von Sasha Ploner: www.sasha-ploner-blues.at
• Off. Homepage von Alexander Blume: www.alexanderblume.de
• Off. Homepage von Marius Tilly: www.mariustilly.com
• Off. Homepage von Bernd Kleinow: www.berndkleinow.de
• Off. Homepage von Kees Schipper: www.keesschipper.com
• Off. Homepage von Henrik Freischlader: www.henrikfreischlader.de
• Off. Homepage der Ben Forrester Band: www.benforrester.com
• Homepage des Veranstalters: www.bluesundrock-altzella.de




Fotostrecke:

 
 

Festival-Impressionen
 
 
 


Daniel & The Glasses
 
 
 


Florian Lohoff Band
 
 
 


Black Patti (nachmittags)
 
 
 


Matyas Pribojszki Band
 
 
 


Sasha Ploner + Alexander Blume
 
 
 


Kees Schipper & Bemanning
 
 
 


Capital Blues Duo
 
 
 


Henrik Freischlader
 
 
 


Black Patti (abends)
 
 
 
 
 
 
 




   
   
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