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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki (+ Pressematerial)



aIntroduktion
Kurz nachdem das zweitägige Artrock Festival IV im vergangenen Jahr zu Ende gegangen war, verbreitete Veranstalter Uwe Treitinger die Nachricht, dass er beginnt das Festival V zu planen, und dass es 2017 an 3 Tagen stattfinden soll. Ich dachte so bei mir: "Nun übernimm dich mal nicht, Uwe!". Doch jetzt, nachdem das Festival sehr erfolgreich verlaufen ist, kann ich nur sagen: "Hut ab, mein Lieber!". Fans des gepflegten Artrock durften bei diesem Festival jede Menge Top-Acts aus dem In- und Ausland erleben. Schon der Freitagabend begann mit einem Highlight. Die STERN-COMBO MEISSEN führte gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Leipzig und dem Wilandes-Chor zum zweiten Mal ihre rock-sinfonische Bearbeitung von Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" auf. Über eben dieses Konzert hat Deutsche-Mugge-Freundin Franzi Münch einen euphorischen Bericht geschrieben, den ich mit ihrer Zustimmung hier auszugsweise einfüge:

b 20170414 1950253668Freitag, 31. März 2017
"Den Start in den Festivalfreitag durfte dieses Jahr die großartige Band STERN-COMBO MEISSEN, das Leipziger Symphonieorchester unter Dirigent Stephan König und der Wilandes Chor Willsdruff mit "Bildern einer Ausstellung" einläuten. Dieses Werk ist ein Zyklus von Kompositionen des russischen Komponisten Modest Mussorgski aus dem Jahr 1874, der die Gemälde und Zeichnungen seines im Jahr zuvor verstorbenen Freundes Viktor Hartmann beschreibt.

Im Saal des Neuberinhauses in Reichenbach kam dieses außergewöhnliche Konzert erst so recht zur Geltung. Um 18:00 Uhr betreten die Jungs von STERN-COMBO MEISSEN unter tosendem Applaus die Bühne. Der außergewöhnliche Sänger und Songwriter MANUEL SCHMID wird oft als Ausnahmetalent seiner Generation betitelt. Und das stimmt, denn mit seiner klaren und unverwechselbaren Stimme braucht MANUEL nur Minuten, um sein Publikum in den Bann zu ziehen. Egal ob Ehepaare, Verliebte oder Singles, während seiner Show scheinen sie nur noch Augen für ihn zu haben. Lässig in Jeans und schwarzer Lederjacke gekleidet, betreten MANUEL und der Rest der Band die Bühne, und sofort schlagen Mädchenherzen schneller. MANUEL wirkt überraschend locker, was mich sehr verwundert, denn dieses Konzert wird mit dem Sinfonieorchester erst zum zweiten Mal aufgeführt. Ja, richtig gelesen! Für die Profis der STERN-COMBO ist dieser Auftritt mit Orchester und Chor ein einziger Triumphzug. Für mich ist es das schönste Konzert des Wochenendes. Die Band legte damit die Messlatte für dieses Wochenende bereits zu Beginn sehr hoch an."

Recht hat die Franzi. Die Aufführung hinterließ auch bei mir einen bleibenden Eindruck, zumal ich bei der ersten Aufführung im Jahr 2015 nicht dabei sein konnte. Die Verschmelzung von Klassik, Rock und Jazz ließ das Werk in einem neuen Licht erscheinen. Orchester und Band agierten auf Augenhöhe. Die Bearbeitung war so ausgelegt, dass beide Klangkörper ausreichend Raum hatten, auch einzeln zu brillieren. Die Mussorgski-Adaption "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" fügte sich nahtlos in den Liederzyklus ein. Dirigent STEPHAN KÖNIG hatte durch seine Bearbeitung Gelegenheit, seinen Faible für den Jazz bei seinen Improvisationen am Piano unter Beweis zu stellen. Das Schlagzeugsolo von FRANK SCHIRMER auf dem "Marktplatz" beinhaltete dann auch sein witziges Agieren als Marktschreier. STERN-COMBO-Urgestein MARTIN SCHREIER führte mit einem gesprochenen Text (aus der Feder von MANUEL SCHMID) durch dunkle "Katakomben", in denen der Tod allgegenwärtig lauert, bis sich schlussendlich "Das große Tor von Kiew" öffnete, um uns ein grandioses Finale mit Band, Chor und Orchester erleben zu lassen.c 20170414 1392408951 Der Wilandes Chor Wilsdruff wird übrigens von niemand geringerem geleitet, als HELMAR FEDEROWSKI, der als anerkannter Tontechniker und Produzent am Entstehen diverser Schallplatten-Produktionen des sogenannten Ostrocks mitgewirkt hat. In der Umbaupause gab der Chor im Foyer des Neuberinhauses eine gelungene Kostprobe seines sonstigen Könnens. Der Mix aus Gospel und umarrangierten Rockklassikern mit Tanzeinlagen kam beim Publikum an und ließ die Umbaupause wie im Fluge vergehen.

Im Saal ging es anschließend mit zwei Bands aus Deutschland weiter. Zunächst betraten BLIND EGO die Bühne. Hinter dieser Band verbirgt sich das Soloprojekt des RPWL-Gitarristen KALLE WALLNER, der damit seine Liebe zur härteren Spielart des Artrock auslebt. Für sein Projekt hat sich KALLE eine illustre Schar an Musikern aus der Prog-Szene mit auf die Bühne geholt. Am Bass stand SEBASTIAN HARNACK von der Band SYLVAN, das Schlagzeug bediente MICHAEL SCHWAGER, die zweite Gitarre spielte JULIAN KELLNER von der Augsburger Band DANTE, und als Frontmann agierte ganz souverän SCOTT BALABAN von AMON RA. Letzterer überzeugte mit seiner fantastischen Stimme ebenso wie mit seiner sympathischen Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. In erster Linie begeisterte KALLE WALLNER mit harten Riffs und filigranen Soli auf der Gitarre, ließ aber auch Platz für die zweite Gitarre, hinter der sich JULIAN KELLNER nicht zu verstecken brauchte. Nach dem Werk der STERN-COMBO, welches man lieber im Sitzen genoss, boten BLIND EGO das rockige Gegenstück, welches ich lieber direkt vor der Bühne verfolgte, um die rockigen Schwingungen direkt aufnehmen zu können.

Für Bassist HARNACK gab es anschließend noch keine Pause, denn er musste mit SYLVAN aus Hamburg nochmals auf die Bühne. Es fällt mir jedes Mal schwer, mich zu dieser Band zu äußern. Ich mag zwar die Musik der Band, kann mich jedoch nicht für die Stimme von Sänger MARCO GLÜHMANN und seine Art zu singen begeistern. Am strahlenden Gesichtsausdruck meiner Frau und an den Reaktionen des Publikums ließ sich jedoch ablesen, dass auch SYLVAN einen beeindruckenden Gig spielten. Mich faszinierte am meisten der offensichtlich noch sehr junge Gitarrist JONATHAN BECK. Seine Soli hatten einfach Klasse, und davon gab es einige zu hören.

d 20170414 1556702433Leider zeichnete sich schon früh am ersten Abend ab, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. So begann das Konzert der walisischen Band KARNATAKA erst spät nach Mitternacht. Veranstalter Treitinger wies bei der Ankündigung der Band darauf hin, dass hier Musiker aus England, der Türkei und Italien gemeinsam musizieren, und dass dies ein Zeichen dafür sei, dass Menschen verschiedenster Nationen friedlich miteinander leben und arbeiten können, und er überhaupt nicht versteht, dass das nicht überall klappt. Dafür gab es viel zustimmenden Beifall.

KARNATAKA überzeugten mich mit ihrem Mix aus melodiebetontem Neo-Prog mit viel Bombast und keltischer Folklore in dieser Nacht mehr, als vor drei Wochen, als ich die Band zum ersten Mal in Holland erleben durfte. Natürlich trug Sängerin HAYLEY GRIFFITHS mit ihrer Stimme und ihrer unglaublichen Bühnenpräsenz zum positiven Gesamteindruck der Band bei. Doch auch die anderen Musiker, allen voran Schlagzeuger JIMMY PALLAGRASSI, spielten auf höchstem Niveau. Die Band intonierte vorrangig Songs ihres aktuellen Albums "Secrets Of Angels", welches in der aktuellen Besetzung eingespielt wurde, bot jedoch auch älteres Material. KARNATAKA waren ein würdiger Headliner des ersten Festivaltages.

Samstag, 1. April 2017
Trotz des frühlingshaften Wetters zog es mich bereits zur Mittagsstunde ins Neuberinhaus, denn immerhin stand ein Konzert meines Lieblingsbassisten JONAS REINGOLD auf dem Programm. Gemeinsam mit Gitarrist ANDY BARTOSH führte uns REINGOLD durch sein musikalisches Schaffen bei THE FLOWER KINGS, KARMAKANIC oder THE TANGENT. Songs wie "Stardust We Are" wurden durch die Arrangements nur für Bass, Gitarre und Gesang auf ihr Wesentliches reduziert. So kam die wunderschöne Melodie gerade dieses Songs so richtig zur Geltung. Beide Musiker ließen sich aber auch Raum für Improvisationen, die auch mal klassisch inspiriert und mal jazzig ausfielen. Und REINGOLDs Spiel auf dem Frettless-Bass ist immer ein Genuss. Für mich war dieses Konzert ein toller und sanfter Einstieg in den folgenden Festival-Marathon.

e 20170414 1347924105SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR, eines der vielen Projekte des Thüringers MAREK ARNOLD, stand als nächstes auf dem Programm. Auch hierzu lasse ich gern wieder Franzi zu Wort kommen.

"Die Band spielte sich sofort in die Herzen aller Anwesenden. Es scheint, als gäbe es kein Genre, das die Band nicht beherrscht. Ob Electronic, Jazz, Rock, Blues, Trip-Hop oder klassischer Schrammel-Rock, alles war irgendwie dabei. Die Band aus Sachsen hat es drauf, und ihr gelingt es problemlos, dass ihre außergewöhnliche Musik zu keiner Zeit "cheesy" klingt. Ein Schuss Elektro zu den instrumentalen Versatzstücken und eine bittersüße Prise Melancholie machen SEVEN STEPS TO THE GREEN DOORs Auftritt zu einem grandiosen Erlebnis. JANA PÖCHE bewegt sich elfenhaft, läuft von einer Ecke der Bühne zur anderen, und sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum. Dabei dirigiert sie ihre Band und das Publikum mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Neben ihrer einzigartigen gesanglichen Performance begeisterte sie vor allem mit ihrer sympathischen Art. Sänger LARS KÖHLER und SÖREN FLECHSER fuhrwerken wie Derwische auf der Bühne herum und wirken dabei so herrlich theatralisch. HEIKO REHM am Bass und STEPHAN PANKOW an der Gitarre zeigen ebenfalls, was sie drauf haben und müssen sich dabei keinesfalls verstecken. Nein ganz im Gegenteil, so geübt wie diese beiden Ausnahme-Musiker sind, können sie sich auch bei großen Saiteninstrumentenspielern einreihen. Aber auch Schlagzeuger ULF REINHARDT beherrscht sein Instrument und trommelt wie wild darauf ein. Dann der unglaublich smarte und talentierte MAREK ARNOLD an den Keyboards. Er sorgt mit seiner Fingerfertigkeit für Staunen. Als er dann zwischendurch auch noch ins Saxophon bzw. in die Flöte bläst, gibt es kein Halten mehr, und das Publikum bringt in völliger musikalischer Ekstase den Saal zum Beben. Ein Konzerterlebnis wie im Rausch. Die Band spornt das Publikum mit ihrem wahnsinnig geilen Groove zu Tanzbewegungen an. Das Publikum reißt bei einigen Songs die Hände in die Luft, als befände es sich auf einem Open-Air-Rave. Die Songs ihrer Alben "Fetish" und "The Book" kommen druckvoll aus den Boxen, doch erst beim Song "The green door - looking for the last solution" ergeben sich die Anwesenden der völligen Ekstase."

Soweit die euphorischen Worte von Franzi. Bleibt meinerseits anzumerken, dass Sängerin JANA PÖCHE, die die Babypause von ANNE TRAUTMANN überbrücken soll, ein wirklicher Zugewinn für die Band ist. MAREK äußerte nach dem Konzert, dass er sich durchaus vorstellen könne, auch mit vier Sängerinnen und Sängern arbeiten zu können, wenn ANNE wieder zurück sein wird. Dem entgegen Stand die Info, die er nur wenige Stunden nach dem Konzert über die sozialen Medien verbreitete: "Wirklich schade, dass die Musiker von ssttgd mit dem heutigen Tage getrennte Wege gehen. Hat viel Spaß gemacht mit Euch!". Doch da gab es nur einen kurzen Schockmoment, denn wir hatten doch den 1. April, und MAREK war nach dem tollen Konzert offensichtlich zum Scherzen aufgelegt.

ANTON standen als nächstes auf dem Programm. Dahinter verbarg sich ein Band-Projekt von Jugendlichen mit Handicap der Lebenshilfe Bernburg gGmbH, die gemeinsam mit ihrem Leiter MARIO NIESWANDT gekonnt radiogängige Popmusik oder Rockklassiker coverten. Egal ob PINK FLOYDs "Another Brick In The Wall" oder OMEGAsf 20170414 1261130736 "Mädchen mit Perlen im Haar", man konnte den jungen Menschen den Spaß bei der Sache ansehen. Für sie war es eine Gelegenheit, sich vor einem größeren Publikum zu präsentieren, was ihnen erfolgreich gelang. Dies war ein weiterer, interessanter Farbtupfer in dem bunt gemischten Line-Up.

Die nächsten Gäste sind extra wegen dieses einen Konzertes aus Kanada nach Deutschland gereist. Die Neo-Prog-Band RED SAND kannte ich bisher noch nicht. Ihr Konzert beeindruckte mich vor allem wegen der Leistung des Sängers STEFF DORVAL mit seiner markanten Stimme, der seine Geschichten mit viel Theatralik und in diversen Verkleidungen transportierte. Aber auch Gitarrist SIMON CARON steuerte melodiebetonte Gitarrensoli zu den abwechslungsreichen Longtracks bei. RED SAND schöpften aus ihrem reichhaltigen Repertoire von sechs Studioalben. Das Konzert kam an, und ich denke, die Band hat in Reichenbach eine Menge Fans dazugewonnen.

ULI JON ROTH feat. CRYSTAL BREED - Musiker aus dem Hannoveraner Umfeld. Dadurch, dass CRYSTAL BREED als Unterstützer für den früheren SCORPIONS-Gitarristen ROTH angekündigt waren, kamen wir in den Genuss von quasi zwei Konzerten am Stück. CRYSTAL BREED warteten mit härteren Klängen auf, als es sie bisher auf dem Festival zu hören gab. Da ich die Band bisher nicht kannte, überraschte es mich, zwei für mich bekannte Gesichter auf der Bühne zu entdecken. Sänger und Gitarrist NIKLAS TURMANN und Keyboarder CORVIN BAHN standen im vergangenen Jahr beim Night Of The Prog Festival gemeinsam mit PETER PANKAs JANE auf der Bühne. Mit Bassist NICO DEPPISCH und Drummer THORSTEN HARNITZ zelebrierten sie die Songs ihrer beiden Studioalben "The Place Unknown" (2012) und "Barriers" (2016) sehr eindrucksvoll.

Nach einer kurzen Umbaupause und einem Wechsel an der Position des Schlagzeugers ging es fast nahtlos über zum Konzert von ULI JON ROTH. Der Guitar-Hero, angeblasen von einem Ventilator, machte nicht nur optisch eine gute Figur. Sein Bluesrock härterer Spielart zeigte eine weitere Facette des Artrock. Plötzlich stimmte übrigens auch das Licht, und beim Fotografieren kam endlich Freude auf.g 20170414 2018029391 Nur Licht von hinten macht einfach keinen Spaß. ULI JON ROTH griff natürlich auf alte SCORPIONS Nummern zurück, ließ es sich jedoch nicht nehmen, auch JIMMY HENDRIX zu covern. Einziger Wermutstropfen war die gigantische Lautstärke, mit der ULI JON ROTH und seine Band spielen mussten. Ohne Gehörschutz war dieser Krach kaum zu ertragen. Weshalb die Techniker die Anlage so übersteuerten, erschloss sich mir nicht.

Als Headliner des zweiten Abends erwarteten alle mit viel Spannung CHRIS THOMPSON, der seinen Bekanntheitsgrad vor allem als Sänger der MANFRED MANN'S EARTH BAND erlangt hat. Hits wie "Blinded By The Night", "Father Of Day, Father Of Night", "Davy's On The Road Again" und viele andere hat bestimmt jeder mit genau dieser Stimme noch im Ohr. Und natürlich spielte er eben diese Songs, doch auch viel eigenes Material aus den vergangenen Jahren, in denen er solistisch unterwegs war. Auch bei THOMPSON waren die Blueseinflüsse nicht zu überhören. Dazu schien er an dem Abend sehr entspannt und gut drauf zu sein. Da flog schon mal die falsch gegriffene Blues-Harp über die Bühne. Neben Gesang und Mundharmonika überzeugte THOMPSON auch auf der Gitarre. Begleitet wurde er, wie schon seit vielen Jahren, von der hochkarätigen MADS ERIKSEN BAND. Klassiker wie "Demolition Man", "For You" oder der Welthit "You're The Voice", den THOMPSON einst für JOHN FARNHAM komponierte, machten die Show rund. Das abschließende "Mighty Quinn" brachte die bereits brodelnde Stimmung auf den Siedepunkt. Also auch Tag zwei konnte als gelungen angesehen werden.

Sonntag, 2. April 2017
Von den fünf angekündigten Acts des letzten Festivaltages, waren die letzten vier ein Muss für mich. Doch interessierte mich auch die erste Band. PORT NOIR, keine Franzosen, wie der Name vermuten ließ, nein drei junge Schweden rockten die Bühne. Die jugendlich unbekümmerte Spielfreude des Trios wusste von Beginn an zu gefallen. Zwei Gitarren, Schlagzeug und Gesang reichten aus, um einen erhabenen, teils melancholischen Post-Rock zu zelebrieren. Erinnerungen an ihre schwedischen Landsleute von KATATONIA wurden bei mir hin und wieder wach. Auf jeden Fall wird man von dieser Band sicher noch einiges hören in den kommenden Jahren. Ein kleiner Minuspunkt geht auch hier an den Tontechniker, der die Lautstärkenregler fast bis zum Anschlag aufgezogen hatte.

Der Soundcheck der kanadischen Band MYSTERY zog sich etwas in die Länge. Dafür entschädigte die Band mit einem fantastischen Konzert. Der melodische Symphonic-Prog der Kanadier zog das Publikum von Beginn an in den Bann. Die Band hat in Europa eine große Fan-Base. Viele, vor allem holländische Fans, sind extra wegen MYSTERY zum Festival nach Reichenbach gekommen.h 20170414 1596570656 Die Band spielte mit unglaublicher Energie und sichtbarer Freude. Insbesondere Sänger Jean Pageau, der erst seit 2014 zur Band gehört, hatte die Sympathien des Publikums sofort auf seiner Seite. Souverän sang er sich durch die Songs des MYSTERY Back-Katalogs und drückte den Stücken mit seiner Stimme einen ganz eigenen Stempel auf. Außerdem bewies er, dass er meisterhaft Querflöte und Keyboard spielen kann. Doch auch die anderen Musiker vermochten bei diesem fantastischen Gig zu überzeugen.

Die französische Band LAZULI ist längst kein Geheimtipp mehr. Mich begeistert sie immer wieder mit ihren Livekonzerten, so auch in Reichenbach. Man kann schon behaupten, dass LAZULI einen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound kreiert haben, der geprägt ist von Elementen des Progressive Rock und von Einflüssen der Weltmusik. Die Band um die Brüder CLAUDE und DOMENIQUE LEONETTI begeisterte wie immer durch übersprühende Spielfreude, aber auch durch den Einsatz von Instrumenten, die im Rock sonst eher unüblich sind. Waldhorn und Vibraphon bestimmen den Sound von LAZULI ebenso, wie die Lèode, ein von CLAUDE erfundenes Instrument, das er spielt, weil er seinen linken Arm aufgrund eines Motoradunfalls nicht mehr bewegen kann. DOMENIQUE las seine Ansagen auch in Reichenbach auf Deutsch ab: "Mein Land wird verrückt! Ich will nicht, dass mein Sohn die Hoffnung für eine bessere Welt verliert. Also darf ich nicht schweigen!". Mit diesen Worten leitete er über zu dem Song "Le mar du passé", der vom Aufstieg der rechten Mächte in Frankreich handelt. Natürlich endete das Konzert von LAZULI mit dem gemeinsamen Spiel am Vibraphon, bei dem Band und Publikum viel Spaß hatten. Live ist diese Band immer wieder ein Genuss, den wir am 3. August 2017 im Ostseebad Boltenhagen nochmals haben werden.

PAIN OF SALVATION aus Schweden sind für mich ein Phänomen. Jedes Mal wenn ich die Band in den vergangenen Jahren erlebt habe, schien sie eine andere zu sein. Zugegeben, ich besitze nicht sehr viele Alben der Band und kenne mich in ihrem Repertoire nicht besonders aus. Somit überraschen mich die Schweden immer wieder neu. Im Mittelpunkt stand natürlich DANIEL GILDENLÖW, der als Sänger und Gitarrist die Fäden des Ganzen in der Hand hielt. Doch auch RAGNAR ZOLBERG machte an der zweiten Gitarre eine gute Figur, nicht nur wegen seinem geschminkten Gesicht, sondern vor allem wegen seiner rasanten Soli. Beeindruckend waren auch der Satzgesang und der druckvolle Groove von GUSTAV HIELM am Bass und LÉO MARGARIT am Schlagzeug. Auch Keyboarder DANIEL KARLSSON trug zum Gelingen des rockigen Geschehens bei. Vertrackte Rhythmen und harte Gitarrenriffs prägten den Sound der Band. Besonders faszinierte mich die durchkonzipierte Lichtshow, die die teils düsteren Songs optisch zu einem Genuss werden ließ. PAIN OF SALVATION ernteten gebührenden Beifall für das außergewöhnliche Konzert.

Das abschließende Konzert der ungarischen Rocklegende OMEGA wurde von vielen Fans sehnsüchtig erwartet. Fans aus dem Osten Deutschlands und aus Ost-Europa verbinden Erinnerungen an ihre Jugend mit dieser Band. Im Westen ist OMEGA durch ihre Erfolge in den 70er Jahren bei einigen Rockfans noch ein Begriff.i 20170414 1855586227 Für andere sollte es eine neue Erfahrung werden. Leider verbreitete Veranstalter Treitinger vor dem Auftritt konfuse Informationen, dass das OMEGA-Konzert eventuell nicht stattfinden würde, was die Vorfreude etwas trübte. Doch OMEGA spielten an diesem Abend in Reichenbach. Wie an den anderen Tagen begann auch dieses Konzert mit Verspätung.

OMEGA im 55. Jahr ihres Bestehens boten das, was ich seit einigen Jahren kenne. Sie spielten eine durchgestylte Show mit den Hits ihrer langen Karriere. Sänger JÁNOS "MECKY" KÓBOR fegte mit seinen 74 Jahren wie ein Jungspund über die Bühne. Schlagzeuger FERENC "CIKI" DEBRECENI trommelte wie wild auf seine Felle ein und Keyboarder LÁSZLO "LACI" BENKÖ hatte hinter seinen Keyboards offensichtlich immer noch Spaß. Die drei Urgesteine der Band holten sich, wie schon seit vielen Jahren, mit Keyboarder ALBERT FÖLDI, dem Gitarristen TAMÁS SZEKERES und der Bassistin KATI SZÖLLÖSSY (Katy Zee) hochkarätige musikalische Verstärkung auf die Bühne. Auch gesanglich setzte die Band auf Verstärkung. Am linken Bühnenhintergrund waren LEVENTE CSORDAS und VIVIEN MINYA für den Background-Gesang zuständig. OMEGA spielten natürlich alle ihre großen Hits. Songs wie "Életfogytig rock'n roll" (Lebenslänglich Rock'n Roll), "Éjfeli koncert" (Late night show) oder "Napot hoztam, csillagot" (House Of Cards) vom Album "Idörabló" (Timerobber) wissen immer noch zu beeindrucken, handelt es sich bei letzterem um einen der großen internationalen Erfolge der Band. Zum 55. Jahr des Bestehens der Band wurde seit langem neues Material des zu erwarteten neuen Albums "Testamentum" angekündigt. Davon gab es in Reichenbach nichts zu hören. Auch den sonst so fantastischen Sound der Band konnte man in Reichenbach nicht erleben. Ob es daran lag, dass der langjährige Tontechniker der Band im vergangenen Jahr verstorben ist, lässt sich nur vermuten. OMEGA kamen nach dem letzten Paukenschlag ihres "Finale" natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne. Wie immer spielten OMEGA ihren Hit vom perlenhaarigen Mädchen "Gyöngyhajú lány" und entführten uns mit "Lena" in den russischen Winter.

Bereits am letzten Festivaltag begann Veranstalter Uwe Treitinger mit vergünstigten Kartenpreisen für das kommende Artrock Festival VI zu werben. Den ursprünglich anvisierten Termin über Ostern 2018 kann er jedoch nicht halten. Auf jeden Fall versuchen wir, auch im nächsten Jahr wieder ins Vogtland zu reisen, um feinsten Artrock zu genießen.




Bitte beachtet auch:
• Homepage des Bergkeller in Reichenbach: www.bergkeller-reichenbach.de






Fotostrecke:


Tag 1:

 
Stern-Combo Meißen:
 
 


Blind Ego:
 
 


Sylvan:
 
 


Karnataka:
 
 



Tag 2:

Jonas Reingold:
 
 


Seven Steps To The Green Door:
 
 


Anton:
 
 


Red Sand:
 
 


Uli Jon Roth feat. Crystal Breed:
 
 


Chris Thompson:
 
 
 



Tag 3:

Port Noir:
 
 


Mystery:
 
 


Lazuli:
 
 


Pain of Salvation:
 
 


OMEGA:

   
   
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