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Ein Konzertbericht mit Fotos von Thorsten Murr



Der Zufall wollte es, dass ich einige Tage im engeren Umfeld von King Kong Calls unterwegs war, der Band, die seit einiger Zeit allerorts in den höchsten Tönen gelobt wird ... Unmittelbar nach einem Radiointerview bei www.szenesounds.de kam die Anfrage, ob King Kong Calls einige Tage später den Support für Phil Campbell And The Bastard Sons spielen würden. Innerhalb weniger Minuten war es beschlossene Sache ...

e 20170322 1259619219Am Dienstag dann Einrücken ins Lido, während der Hauptact seinen Soundcheck absolviert und wir so eine kleine Privat-Preview von dem bekommen, was an dem Abend abgehen würde. Sehr angenehm: Superstar und Ex-Motörhead-Gitarrist Phil Campbell kommt, während seine Band auf der Bühne noch an den Feinjustierungen arbeitet, lässig und entspannt zu uns herüber, gibt jedem die Hand und wünscht eine gute Show.

Auf die Minute genau um 20 Uhr eröffnen King Kong Calls den Abend. Der Saal ist voll, im Publikum dominieren eindeutig Männer im Hardrock- und Biker-Outfit. Derbe Jacken und Westen mit Band-Badges, gefühlte 90 Prozent in Motörhead-T-Shirts, Bärte, harte Blicke, Tattoos ... Man spürt, dass dieses Publikum erst einmal erobert werden will.

King Kong Calls eröffnet machtvoll
King Kong Calls legen los und lassen es krachen, und wieder ist da dieser typische stille Moment der Überraschung nach dem ersten Stück, bevor der Beifall einsetzt. Ich habe schon Vorbands erlebt, bei denen nach den ersten Tönen ein guter Teil des Publikums den Saal verlässt, hier funktioniert es anders. Keiner geht raus, alle rücken näher in Richtung Bühne. Rasant, knackig und ohne Atempausen reiht sich Song an Song, zunächst vom aktuellen und dann vom ersten Album der Band.a 20170322 1797841768 Der machtvolle Sound, die eingängigen Songs und die fein gestreuten Zutaten, die diese Musik ausmachen, treffen auf offene Ohren und ernten von Stück zu Stück mehr Zustimmung. Einige tanzen sogar oder wippen zumindest rhythmisch mit. Einer, der erst hinzukommt, als eine etwas langsamere Nummer gespielt wird, meint: "Ach, so ein Bluesgezappel!", worauf er von seinem Kumpel zurechtgewiesen wird: "Quatsch nicht, die sind gut, bleib hier und hör Dir das an!" Nach exakt 30 Minuten endet die Vorstellung und wird mit ehrlichem, lebhaftem Applaus belohnt. Ohne Zweifel hat das gesessen, was auch die Kommentare am Merchandisingtisch zeigen - und auch aus der Band von Phil Campbell gibt's später ein Kompliment, denn mindestens einer der Bastard Sons war im Saal zugegen und sagte, ihm hätte die Show gut gefallen.

Klassischer Hardrock in modernem Soundgewand
Nun konzentriert sich freilich alles auf den Auftritt des Hauptacts. Professionell pünktlich kommen die Bastard Sons auf die Bühne und ebenso direkt gehen sie in die Vollen, passender Weise mit "Big Mouth", einer munteren Drauflos-Rocknummer und dem ersten Song der aktuellen EP der Band. In wenigen Sekunden baut sich eine gewaltige Soundkulisse auf. Superstar Phil Campbell, am linken Rand des Line-Ups, agiert vergleichsweise bescheiden, von Zeit zu Zeit lächelnd und immer freundlich ins Publikum schauend. Ich glaube, er ist wirklich ein sympathischer Typ - und das nicht nur, weil er mir anfangs die Hand geschüttelt hat. :-)

c 20170322 1487199065Griffig und ohne Kompromisse
Frontmann und Performer in dieser Band ist eindeutig Neil Starr, ehemals bei Attack! Attack! Dieser wilde Urtyp eines Rocksängers gibt von Anfang an alles, singt, röhrt, schreit, beugt sich vor und zurück und tobt sich auf der nicht allzu großen Aktionsfläche leidlich aus - eine Vorstellung in schönster klassischer Hard- und Heavy-Tradition. So muss das! Campbells Söhne, Todd an der Gitarre, Tyla am Bass und Dane an den Drums, verrichten ihr Handwerk mit stoischer Entschlossenheit. Eine eingespielte, homogene und präzise Band, die eine - selbstverständlich - kräftige und kernige Performance liefert. Der Zusammenhalt dieser Gang zeigt sich auch im Outfit: Alle, außer der Bandleader, tragen die gleichen Jeanswesten, in der Szene wohl Kutten genannt, mit großem Rücken-Logo - so wie man es von Rocker-Clubs kennt.

Motörherzen schlagen schneller
Die Setlist besteht zu etwa 70 Prozent aus Motörhead-Songs. Wen überrascht das? Das Angenehme daran ist, dass die Stücke nicht wie eine Motörhead-Kopie angelegt sind, sondern konsequent im Stil dieser Band interpretiert werden und vielleicht auch so, wie Phil Campbells persönliche Reflexion des Materials ist, mit dem er so viele Jahre weltweit erfolgreich war. Wie auch hätte man einen Lemmy Kilmister kopieren wollen oder ersetzen können? Neben vier eigenen Songs von fünf, die auf der EP verewigt sind, bedient sich Campbell bei bekannten Kollegen der internationalen Oberliga: "Sweet Leaf" von Black Sabbath ist zu hören, "Sharp Dressed Man" von ZZ-Top und sogar der Stones-Klassiker "Jumping Jack Flash". Das alles wird kompakt, schnörkellos und geradlinig in die Menge gefeuert, die die Show mit fröhlichem Applaus quittiert.

d 20170322 1746017863Eine gelungene Bikerparty
Die Rhythmussektion treibt gnadenlos vorwärts, und so gewinnt der Abend zunehmend den Charakter einer zünftigen und handfesten Bikerparty. Durch die zwei gleichberechtigten und zudem auch sehr gleich klingenden Gitarren, beide sowohl als Lead- als auch als Rhythmus-Instrument im Einsatz, entsteht eine klangliche Dichte, in der es schwerfällt, das einzelne Instrument herauszuhören. Würde man im Getöse nicht genau hinschauen - allein vom Hören her wüsste man nicht, welchen Part Campbell und welchen sein Sohn spielt. Insgesamt erscheint diese Band recht frisch und wirkt - innerhalb ihres klassischen Hardrock-Genres betrachtet, sehr modern. Musikalisch wurden an diesem Abend zwar keine Rekorde aufgestellt, aber sei's drum, Spaß gemacht hat es allemal und ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert!


Bitte beachtet auch:
• Off. Facebook-Seite von Phil Campbell And The Bastard Sons: HIER klicken
• Off. Homepage von King Kong Calls: www.kingkongcalls.de
• Homepage des LIDO in Berlin: www.lido-berlin.de




Fotostrecke:

 

Vorprogramm: King Kong Calls
 
 
 
 


Hauptprogramm: Phil Campbell & The Bastard Sons:




 
 
 
 

   
   
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