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Ein Konzertbericht von Lisa Bach mit Fotos von Michaela Proksch



Denkt man an Rostock, dann denkt man unweigerlich an die Ostsee. Das Meer, die Schiffe und die Weite vermitteln das Gefühl von Freiheit. Driftwood Holly mag das Meer und genau aus diesem Grund wollte er auch unbedingt an die Küste. An die Ostseeküste. Am 30. November 2018 konnte er sich diesen Wunsch endlich erfüllen.a 20181210 2038616950 Er packte seine Band und seine sieben Sachen in seinen kreativ gestalteten VW-Bus, und fuhr aus dem Erzgebirge in die Hansestadt. Dort führte ihn sein Weg in die "Pumpe".

Zum Start ins Wochenende fanden sich neben Holly auch Bassist Jäcki, Schlagzeuger Basti und die Gitarristen Dan und Adrian ein. Einzig Pavel Osvald, der Geiger, war nicht körperlich dabei. Der tourt zwar auch, aber über Weihnachtsmärkte, um Fruchtweine unter die Menschen zu bringen. Nachdem alle auf der Bühne saßen, kam auch Holly die Abwesenheit seines Freundes eher ungewohnt vor, und er fragte nach einem Geiger. Dass dieser Abend kein gewöhnlicher Konzertabend werden würde, wurde den meisten jetzt langsam deutlich. Auch ohne Pavel Osvald starteten die fünf Mannen leidenschaftlich und stimmten nicht nur den ersten Song vom neuen Album "Casanova", sondern auch den ersten Song des Abends an.

Scherzhaft verkündete Holly im Anschluss, dass er froh wäre, nicht alleine zu sein, weil er Angst im Dunkeln hätte. Die Zuschauer quittierten dies mit einem Lachen und der Abend konnte nun so richtig losgehen. Und der "wilde Haufen" kann auch durchaus rockig. "Wir spielen jetzt etwas rockiges und lautes!", verkündete Holly, der wie alle anderen sichtlich gut gelaunt war. Der Titel des folgenden Songs passte zum Abend und es gab "A Night like this" auf die Ohren. Drummer Basti trommelte, als würde es kein Morgen mehr geben und Holly spielte mit so viel Elan, dass einige der Saiten an seiner Gitarre den Dienst quittierten und rissen. Zum Glück hatte er für solche Fälle immer einige Gitarren auf der Bühne. Aber nicht ausschließlich. Er hatte auch Menschen dabei, die schnell reagierten, handwerklich begabt sind, die kaputten Saiten in Windeseile wechselten und die Gitarren neu stimmten. Und sie sind meistens dann da, wenn man nicht mit ihnen rechnet.

b 20181210 1960831564Apropos neu ... Nicht nur Neues gab es an diesem Abend zu hören. Auch Songs der beiden vorausgegangenen Alben hatte Holly dabei. So auch "Der König" Dass sich die Musiker der Band nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich bestens verstehen, konnte man deutlich spüren, als Holly den Song "Feinesliebchen" ankündigte und Jäcki Reznicek erwartungsvoll anschaute. Dieser verstand und kommentierte das leicht theatralisch mit den Worten "och nööööö" und griff zur Blockflöte. Der "Professor" beherrscht nicht nur seine Bässe, sondern auch das Blasinstrument. Dabei wirkte er eher gespielt schüchtern. Dass er an dem Tag vor dem Gastspiel in Rostock bereits seinen 65. Geburtstag feierte, war kaum zu merken. Andere gehen mit 65 in Rente, Jäcki Reznicek steht weiter am liebsten auf der Bühne und lebt für die Musik, die ja bekanntlich kein Alter kennt.

Als eines von vielen Highlights an diesem Abend, stimmten die fünf Männer den Neil Young-Klassiker "Rockin' in the free World" an und spielten es, "so gut wir es können!" So enthusiastisch, wie es ging, spielten sie auf jeden Fall! Schlagzeuger Basti sogar so sehr, dass er beim Trommeln das Becken von der Bühne spielte.

Nach nun einigen gespielten Titeln bekam Holly vom Singen einen trockenen Mund, da er aber vergessen hatte, etwas mit auf die Bühne zu nehmen, fragte er eine Zuschauerin nach einem Schluck Wasser aus ihrem Glas. Diese gewährte ihm das, was er mit "... ich trage heute auch keinen Lippenstift" dankend quittierte. Wieder ging ein Lachen durch das Publikum. So konnte es also fröhlich und wieder bei richtiger Stimme mit den Songs "Wanderbraut" und anschließend dem "Schlüssellied" weitergehen.

c 20181210 1987188842An diesem Abend gab es zu fast jedem Song eine Geschichte. So auch zum bereits erwähnten "Schlüssellied". Wer wollte, durfte auch einen der ausgelegten Schlüßel mitnehmen. Oder auch einen dazu legen. Für die Türen im Kopf, die vielleicht ein persönliches Problem darstellen. So gibt es zu jeder Tür einen Schlüssel, der auch eine Lösung oder eine Entscheidungshilfe sein kann. Vor der Pause rockten die fünf dann erneut zu Neil Young, dem Vorbild von Holly. Dieses Mal zu "Like a Hurricane", bei dem Adrian ein weiteres Mal sein Können an der Pedalsteel-Gitarre eindrucksvoll unter Beweis stellte. In der Pause gab es neben der Möglichkeit, seine Getränke nachzufüllen auch die Gelegenheit, Gespräche zu führen. Das tat vermutlich auch der jüngste der Truppe, Adrian. Denn dieser kam etwas zu spät zum zweiten Teil. Als auch er seinen Platz gefunden hatte, ging es mit "Lafeya", einem Song vom Album "Aura Borealis", weiter.

Dieses Naturschauspiel ("Aura Borealis", auch Polarlicht genannt) ist besonders in Kanada, der Wahlheimat von Driftwood Holly, gut zu beobachten und ziert auch das Cover der CD. Der Oberwiesenthaler, der vor rund 20 Jahren in die Goldgräberstadt Dawson ausgewandert ist, ist nach eigenen Angaben der "westlichste Ossi der Welt" und sagt selbst, "Wir sehen nicht nur komisch aus, wir sind auch komisch!" Neben dem bereits erwähnten Nachwuchs-Gitarristen Adrian Dehn hatte Holly auch einen Gitarristen aus Whitehorse dabei. Daniel Stark bediente an diesem Abend die E-Gitarre und war - wie alle anderen Bandmitglieder auch - bei den Aufnahmen von "Casanova" dabei. Das mit Crowdfunding finanzierte Album wurde innerhalb von drei Wochen in Venedig aufgenommen und nebenbei hatte die Band auch die Möglichkeit, mit einem kleinen Boot über die Kanäle von Venedig zu schippern. Passend dazu hatte sich die Band den Song "Casanova" zurecht gelegt.

d 20181210 1746155122"Welches Lied spielen wir denn jetzt?", wollte Holly von seinen Jungs wissen, die die Frage an das Publikum weitergaben. Die Antwort war mit dem "Schlüssellied" schnell gefunden und doppelt hält ja bekanntlich besser. Zu Beginn von "Prison Blues" lag der Sound des Alien-Basses von Jäcki deutlich im Vordergrund, aber auch die Pedalsteel von Adrian war nicht zu überhören. In der doch eher ländlichen Wahlheimat von Holly und seiner Familie wird es gerade im Winter ziemlich kalt. Während in Deutschland die Temperaturen im Winter selten auf minus 20 Grad fallen, können es in Neufundland auch mal bis zu minus 45 Grad werden. So seien Holly bei diesen frostigen Verhältnissen auch schon die Augen zugefroren. Dank einem Freund, der ihn beruhigen konnte, wusste er was zu tun ist, wenn das nochmal passieren sollte ("45below").

Nachdem sich zu Beginn der zweiten Hälfte das Publikum ein Lied wünschen durfte, war Basti jetzt an der Reihe. Der wollte gerne eines der bekanntesten deutschen Volkslieder spielen, nämlich "Kommt ein Vogel geflogen". Allerdings nicht ganz klassisch sondern "hollyfiziert". Die Leute schwingten und sangen munter mit, um sich für den nächsten Song "Jetzt tanz ich!" warm zu tanzen. Holly warb kurz für seine Band und die CDs, bevor er anschließend noch mehr Schwung ins Publikum brachte. Zu "Lisa" gab es eine weitere Geschichte ... So war Holly mit seinem Sohn am Hafen unterwegs, als der einen Kapitän mit seinem Segelschiff ansprach, und nach einem kurzen Gespräch mit ihm durften die beiden an Bord des Schiffes gehen, das den Namen "Lisa" trägt.e 20181210 1861392212 In Kanada, sollten die Leute wissen, gäbe es viel Meer. Links Meer, oben Meer, rechts Meer. Driftwood Holly, der bürgerlich Holger Haustein heißt, hatte auch Lilly mit im Gepäck aus Übersee. Aus dem ersten Album "Little Lilly Mammoth Hair" gab es die passende Geschichte dazu, während es sich Dan bequem machte und die Beine übereinander schlug.

Mit dem Song "Camelbone" ging es langsam dem Ende des Abends entgegen. Aber ohne diverse Songs zur Zugabe wie "Stars" ließen ihn die Leute nicht weiter nach Stralsund fahren. Zum letzten Song hatte ein fleißiges Helferlein dann wieder etwas zutun, denn erneut rissen zwei Saiten an Hollys Gitarre. Hätte man das Lied nur akustisch wahrgenommen, hätte man nicht gemerkt, dass sogar das komplette Instrument getauscht wurde. Nach einem inspirierenden Abend mit Geschichten vom Yukon, von Mammuts, der Band und aus dem Leben von Holly verabschiedeten sich die Musiker mit dem Versprechen, wieder zu kommen.

Wer ein Konzert von Driftwood Holly und seiner Band besucht, den erwartet ein buntes Potpourri aus Musik, Erzählungen, einer entspannten, familiären Atmosphäre, viel Leidenschaft und Harmonie. Mal lustig, mal nachdenklich aber immer mit ganz viel Liebe zum Detail. Jeder Musiker lebt sein Instrument und alle verbindet die Leidenschaft zum großen Ganzen. Driftwood Holly kommt wieder. Und er muss dann sicher keine Angst haben, er könnte alleine sein.




Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Driftwood Holly: www.driftwoodholly.com
• Homepage der "Pumpe" (Begegnungszentrum Südstadt) in Rostock: www.sbz-rostock.de











   
   
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