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Ein Bericht  von Casus Caspari  mit  Fotos  von  Alex Knobl
(oben) und Jonas Elsner/Joe Doe Fotography (Live-Bilder)



Wer ein Buch schreibt, kann auf 26 Buchstaben zurückgreifen und die bezaubernsten Worte und Sätze kreieren. Wer Musik komponiert, hat ganze 8 Noten zur Verfügung. Na gut, einige halbe und einige Viertelnoten noch, usw. Und trotzdem klingen AC/DC nicht nach Bach und Anna-Marlene nicht nach Jean-Michel Jarre.a 20181027 1044584344 Obwohl ...? Ganz ehrlich, ich hatte diese Frau und ihre Musik überhaupt nicht auf dem Schirm und als Christian anfragte, ob ich nicht als Heimspiel sozusagen ... Ich hab - und ich hab es nicht bereut.

Ein Heimspiel im doppelten Sinne, denn Anna-Marlene Bicking ist ebenfalls Leipzigerin, zumindest ursprünglich. 1987 war sie es. Heute in Berlin zu Hause, hat sie für das aktuelle Projekt internationale Musiker engagiert. In Berlin werden offenbar nicht nur Geldtransporter überfallen. Auf der Bühne standen neben der Frontfrau auch Héloïse Lefebvre an der Geige und Manuel Podhostnik am E-Schlagzeug, Ableton-Live. Das Schlagwerk erinnerte mich erneute an den Franzosen Jarre, der auf seiner Laserharve auch nur in die Luft griff! Schon erstaunlich, dass handgemachte Musik mittlerweile elektronisch am Küchentisch produziert und später live von der Bühne herunterklingen kann.

Die Kulturlounge in Leipzig-Reudnitz war die vorletzte Station der aktuellen Tour für Anna und Band. Kein Wunder, denn der Sommer ist möglicherweise doch bald vorbei und im kalten Winter fallen Anna-Marlene die schönsten Filmmusiken ein. Im warmen Heim, vielleicht am offenen Kamin. Vermute ich.

b 20181027 1118966795Anna spielte in Leipzig einen Querschnitt aus ihrem gesamten Repertoire, mit dabei "Coucou, Berlin" vom 2015 erschienenen Erstling "Glückskind". Bereits da war zu erkennen, wohin die Reise einmal gehen könnte. Treffer! Die zwei Jahre später produzierte Scheibe "Tagtraum", seinerzeit und ursprünglich als 'KunstPOP' schwarmfinanziert, war am Leipziger Abend gut vertreten. Man merkte Anna-Marlene an, dass diese CD ein Meilenstein für sie und Band war und bleiben wird. Christian hat voriges Jahr ein ausführiches Interview anlässlich des Recordreleases mit der Künstlerin geführt, ihr könnt es jederzeit hier nachlesen (HIER entlang).

Auch in Leipzig hatte ich Gelegenheit, vor dem Konzert ein paar Fragen zu stellen, was in einer netten Unterhaltung endete. Es ist halt immer wieder erfrischend, wenn die Protagonisten des Abends sich Zeit nehmen und nicht nur feststehende Statements von der Bühne nach unten schleudern. Höhepunkt des ca. 70-minütigen Konzertabends waren zweifellos die Stücke der neuen EP. Digitales Release wird am 16. November auf den einschlägigen Online-Plattformen sein, die Konzertbesucher erhielten bereits jetzt ein Exemplar und konnten auf der Heimfahrt den musikalischen Abend im Auto verlängern, sofern noch ein CD-Player verbaut wurde. Die aktuellen Stücke werden sicher in einer der nächsten Sendungen auf Deutsche Mugge auf dem Plattenteller drehen. Wir akzeptieren aber den Wunsch der Künstler, das offizielle Release abzuwarten. Umso gespannter dürft ihr sein.

c 20181027 1119676018Anna zieht für ihre Musik die Schublade 'Dream-Pop'. Kann ich nachvollziehen, allerdings beschränke ich das eher auf die musikalische Umsetzung. Denn die selbstgeschriebenen Texte tragen durchaus Nachdenkcharakter und handeln von Sehnsüchten, Wunschvorstellungen und Zukunftsvisionen. Einziges Manko in Leipzig, die technische Realisierung (ja, Anna, das Wort Realisation gibt es wirklich nicht!) war eher suboptimal. Dass der Mixer sich damit abgefunden hat, war teilweise eher Schade, aber dann doch schon peinlich. Denn die Musiker auf der Bühne haben hinter den Lautsprechern davon kaum etwas mitbekommen. Den Pegel so stark zu übersteuern wäre nicht notwendig gewesen, die Texte unter den sphärischen Klängen haben es besser verdient.

Resümierend: JA, unbedingt anhören, selbst ein Urteil bilden. Anna-Marlene wird noch oft zu hören sein und ich bin gespannt, was da aus dem Hause Bicking noch auf unsere Ohren kommt. Anspieltipp von der neuen Scheibe "Alles ist neu": Der Song "Das Lied", weil enorm rockig und gar nicht so typisch Filmunterlage. Geht klar als Crossover durch. Danke, Anna-Marlene Bicking, für den frischen und unterhaltsam musikalischen Genuss. Danke, Christian, für den Tipp.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Anna-Marlene: www.anna-marlene.de




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