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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki



Irgendwo habe ich mal die Werbung gelesen: "Kommen Sie mit ihren Kindern nach Berlin. Die sind später sowieso hier." Und tatsächlich, es hat auch meine Kinder in die Bundeshauptstadt verschlagen. Das geht offensichtlich vielen Eltern so. Auch die fünf jungen Menschen,a 20181020 1425279545 die an diesem Donnerstagabend in der neuen Kneipe DIETER im Rostocker M.A.U. Club für musikalische Unterhaltung sorgen, kommen zwar aus Berlin, stammen jedoch aus anderen Gegenden, wie man an ihren akzentfreien Stimmen unschwer erkennen kann.

Das Duo FLINTE eröffnet die kleine, kuschelige Party, denn anders kann man die Veranstaltung mit den ca. 20 Gästen nicht bezeichnen. "Egal ob 30 oder 300, wir haben Spaß!" begrüßt Sängerin ALEXA VOSS ihr Publikum und legt mit ihrem Bandkollegen DAVID GÄRTNER, der sie auf der Gitarre begleitet, gleich ordentlich los. Die Songs von FLINTE gehen sofort ins Ohr. Popmusik mit deutschen Texten, die mal tiefsinnig sind, mal nicht ganz jugendfrei, doch oft zum Schmunzeln verleiten. Natürlich drehen sich die von Alexa verfassten Verse meist um Liebe und Dinge, die das Leben so mit sich bringen kann. "Du bist so ein Hund" oder "Liebe ist ein Arschloch" sind Aussagen, die sofort haften bleiben. David hat diese Texte in wunderschöne Melodien gehüllt. Es macht Spaß, ihnen zuzuhören. Auf sympathische Art schafft es Alexa gar, die Anwesenden zum Mitsingen zu bewegen. FLINTE als Support für TREPTOW ist eine interessante Neuentdeckung für meine bessere Hälfte und mich. In der Umbaupause kommen wir mit den beiden Musikern ins Gespräch. Alexa erzählt, dass sie aus Bremen stammt, aber schon 10 Jahre in Berlin lebt. Vor vier Jahren kamen David und sie auf die Idee, unter dem Namen FLINTE gemeinsam Musik zu machen. Ich denke, dies war eine gute Idee. Bleibt nur noch, den beiden viel Erfolg zu wünschen.

Auch der Haupt-Act des Abends, die Band TREPTOW, ist neu für mich. In meiner Sturm-und-Drang-Zeit war PANKOW eine der Berliner Bands, die ich gern gehört und gesehen habe. Nun gibt es also eine weitere Band, die sich nach einem (Ost-)Berliner Stadtteil benannt hat. Das machte mich dann doch neugierig. Das Management der Band war so freundlich, mir in Vorbereitung auf das Konzert, das Debut-Album "Besser selbst als gar nicht" zu schicken. So wusste ich, was mich musikalisch erwartet. Obwohl die Musik von TREPTOW nicht zu jener zählt, die ich im Allgemeinen höre, hatten es mir die lyrischen Texte und die Art und Weise, wie diese transportiert werden, angetan. Da machen sich Leute richtig Gedanken, was sie mit ihrer Musik ausdrücken wollen. Diese Leute sind Sänger und Gitarrist PHILIPP TAUBERT, der die Texte schreibt und auch die Mundharmonika bläst, sowie Schlagzeuger LUKAS LINDNER und Bassist SIMON SCHULTE-WERNING.b 20181020 1760937902 Die beiden letztgenannten unterstützen Philipp beim Harmoniegesang. Die Musik wird von den drei Musikern gemeinsam auf einem zum Tonstudio umgebauten Passagierschiff erarbeitet, welches an der Spree liegt. Die Musik der drei Jungs erinnert mich stellenweise an GUNDERMANN, hat aber durchaus ein eigenes Gesicht. Da treffen treibende Country-Rhythmen auf sentimentale Rockballaden, Rocknummern auf Chanson Strukturen. In den Texten finde ich immer wieder Bezüge zum Osten Berlins, aber auch zu Saßnitz und Warnemünde. Woher kommt das, frage ich mich.

Während der kurzen Umbaupause haben sich noch ein paar mehr Gäste im DIETER eingefunden. Gut für TREPTOW, die ihr Konzert mit einem Gong-Schlag einleiten und zunächst vier Stücke des aktuellen Albums spielen. "In meinen Augen bist du schön" ist ein flottes Liebeslied. "Licht der Stadt" taucht ein in das nächtliche Berlin, mit vielen Bezügen zu Orten im Osten der Stadt, die mich früher fasziniert haben. Die Mundharmonika-Passagen lassen bei mir ob der Erinnerungen fast etwas Wehmut aufkommen. Doch der Rhythmus des Songs reißt mich da schnell wieder raus. Die Jungs von TREPTOW machen schnell klar, dass sie hier in Rostock Spaß haben wollen. Ihre Musik passt dazu. Schlagzeuger Lukas zeigt, wie man mit den Hüften schwingen kann und fordert die Gäste auf, es zu probieren. Und tatsächlich lassen sich einige Fans mitreißen. Die Band konzentriert sich natürlich auf die Stücke des Debut-Albums, streut aber immer wieder Songs ein, die mir bisher unbekannt sind. "Petersburger Platz", "Nachts auf dem Fahrrad" oder "Platz für ein Klavier" (ich verstehe: Platz für ein paar Bier) befinden sich nicht auf dem Album. Mir haben es jedoch vor allem die Balladen angetan, die ich von der CD kenne. "April" ist eine davon, ein herrlich trauriges Herbstlied mit Berlin-Bezug. Oder erst recht der Song "Schneemann", der in Rostock spielt und irgendwie Fernweh aufkommen lässt. Doch die Leute in der Kneipe wollen feiern, wollen die Hüften schwingen, wollen "Fräulein Fuchs" und wollen "Oh Evelyn", denn "... das Leben ist so schön!".

c 20181020 2084487204Mit dem neuen Song "Dein viel zu lautes Leben" und einem abschließenden Gong-Schlag wollen sich TREPTOW verabschieden. Doch können auch relativ wenig Menschen ziemlich laut eine Zugabe einfordern. Die gibt es natürlich. "Wir haben uns daran gewöhnt, auch unaufgefordert eine Zugabe zu spielen" scherzt Philipp noch kurz, bevor die Band mit "Schönes Mädchen" ihr Konzert ausklingen lässt.

Nach dem Gig bin ich froh, das Album der Band bereits gekannt zu haben. In der Party-Atmosphäre im kleinen verrauchten DIETER ist die Komplexität der Texte der TREPTOW-Songs leider etwas verloren gegangen. Außerdem gab es im Raum auch einige Gäste, die sich lieber lautstark unterhalten haben, als dem Konzert zu lauschen. Dass sich darunter selbst Musiker einer bekannten Rostocker Band befanden, empfinde ich den Kollegen auf der Bühne gegenüber als äußerst unfair. Doch ist das DIETER eben eher eine Kneipe, als eine Location für Konzerte dieser Art. Die Band TREPTOW kann ich jedem ans Herz legen, der anspruchsvolle Songs mag. Hier agieren drei Musiker mit Können und sichtbarem Spaß an dem, was sie tun.



Setlist:
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Termine:
• 21.10.2018 - Hannover - Kulturpalast Linden
• 25.10.2018 - Lüneburg - Asta Wohnzimmer
• 26.10.2018 - Kiel - Prinz Willy
• 27.10.2018 - Lübeck - Tonfink
• 28.10.2018 - Hamburg - HÄKKEN
• 30.10.2018 - Rotenburg - Café Wichernhaus
• 01.11.2018 - Apen - Eisenhütte Augustfehn
• 04.11.2018 - Krefeld - Blauer Engel
• 07.11.2018 - Köln - Kulturcafé Lichtung

Alle Angaben ohne Gewähr! Tour wird forgesetzt ...


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Treptow: www.treptow-musik.com
• Homepage des M.A.U. Club in Rostock: www.mauclub.de




Fotostrecke:

 
 
Vorprogramm: FLINTE

 
 
 
 
Hauptprogramm: TREPTOW





 
 
 

   
   
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