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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki



Exakt um 19:58 Uhr ertönt aus den Lautsprecherboxen in der Rostocker StadtHalle die Titelmusik zur Bonanza-Serie, so dass man glauben könnte, in einem Westernsaloon zu sitzen. Zwei Minuten später kündigt eine Radiostimme "The Guitar Event of the Year: Joe Bonamassa!" an. Die Spots gehen an. Der Ausnahmegitarrist aus den USA steht im grauen Maßanzug, mit gegelten Haaren und mit schneidiger,a 20181005 1526871434 schwarzer Sonnenbrille auf der Nase im Rampenlicht und legt sich mit seiner hochkarätigen Band so richtig ins Zeug. Gleich vier Songs vom gerade erst veröffentlichten 13. Studioalbum "Redemption" gibt es lautstark und druckvoll auf die Ohren. Während das erste Stück "King Bee Shakedown" als flotter Rock'n'Roll im Bigband-Sound daherkommt und das folgende "Evil Mama" mit fetzigen Bläsersätzen und weiblichen Backgroundgesängen ordentlich rockt, schlagen die Songs "Just 'Cos You Can Don't Mean You Should" und vor allem "Self Inflicted Wounds", mit feinem Trompetenintro und Background-Gesangseinlagen à la PINK FLOYD, immer mehr eine Brücke in Richtung erdigen Bluesrock ohne jeglichen sonstigen Schnick-Schnack. Mit jedem Song stellt JOE BONAMASSA seine Vielseitigkeit, und in ausgiebigen Gitarren-Soli seine Virtuosität unter Beweis, weiß aber ebenso als Sänger zu überzeugen. Der Auftakt seines Konzerts ist gelungen.

Der jetzt 41-jährige BONAMASSA hatte schon als Kind ein Faible für Gitarren. Kein Wunder, denn sein Vater besaß in seiner Heimatstadt New Hartford (New York) ein Gitarrengeschäft. Bereits als Vierjähriger begann er, das Spiel auf einer eigens für ihn gefertigten Gitarre zu erlernen. Im Alter von 12 Jahren durfte er die Konzerte von Blues-Legende B.B. KING eröffnen. Heute gilt er als eines der weltweit größten Gitarrengenies. Sein Fleiß und sein Ehrgeiz scheinen grenzenlos zu sein. In den vergangenen 18 Jahren veröffentlichte er 13 Studio- und unzählige Live-Alben. Daneben arbeitet er mit diversen Größen der internationalen Rock- und Bluesszene zusammen, nimmt mit ihnen Alben auf und geht mit ihnen auf Tour. Die Heavy-Bluesrock-Band BLACK COUNTRY COMMUNION mit GLENN HUGHES, JASON BONHAM und DEREK SHERINIAN oder die Zusammenarbeit mit der Blues-Sängerin BETH HART seien hier stellvertretend genannt.

Mehrmals im Jahr verschlägt es BONAMASSA auch nach Deutschland. Bereits im Frühjahr tourte er durch verschiedene deutsche Städte. Termine für die Tour im kommenden Jahr sind auch schon bekannt. Endlich macht er auch in Rostock halt, und es scheint ihm hier zu gefallen. Er zeigt sich erfreut, dass an einem Montag so viele Fans nach Rostock gekommen sind.b 20181005 1289451017 Dabei spricht er den Namen der Hansestadt immer wieder mit seinem amerikanischen Akzent aus, mit zwei kurzen O und einem scharfen CK am Schluss: "R O S T O C K!" Das Wort scheint ihm zu gefallen. Überhaupt gibt sich der Amerikaner sehr redselig an diesem Abend, erzählt gut gelaunt eine Anekdote über die längste Zigarre, die er mit seinen Kollegen in einer kleinen, stickigen kubanischen Kneipe in Norddeutschland geraucht habe. Froh, dieses Erlebnis überlebt zu haben und so in Rostock sein zu können, geht die Reise durch verschiedene Gefilde des Blues und Bluesrock weiter, mit Coversongs. "I Get Evil" von ALBERT KING, "Little Girl" von JOHN MAYALL oder die traurige Ballade "Nobody Loves Me But My Mother" von B.B. KING sind nur einige der Songs, die es in ganz eigenen Versionen zu hören gibt. Alle bieten auch den anderen Musikern genügend Raum für Improvisationen. Doch ist es vor allem der Meister selbst, der an unzähligen Gitarren sein virtuoses Können zeigt. Mal flitzen die Finger in unglaublichem Tempo über die Saiten seines Instruments, mal entlockt er diesem gefühlvolle, singende Töne, die sich bis zum Kreischen steigern können.

BONAMASSA nimmt sich schließlich Zeit, die Musiker seiner fantastischen Band vorzustellen. Alle sind in der internationalen Rock-, Blues- und Jazzszene keine Unbekannten. Trompeter LEE THORNBURG spielte schon für RAY CHARLES und bei SUPERTRAMP, Saxophonist PAULIE CERRA arbeitete u.a. mit LIONEL RITCHIE und GLENN HUGHES zusammen, Bassist MICHAEL RHODES stand schon mit JOHNNY CASH auf der Bühne, Keyboarder REESE WYNANS spielte bei THE ALLMAN BROTHERS BAND und bei STEVE-RAY VAUGHAN und ANTON FIG ist vor allem als Schlagzeuger der Band aus der DAVID LETTERMAN Late Night Show bekannt. Hinten rechts auf der Bühne singen und tanzen die beiden Australierinnen MAHALIA BARNES und JADE McRAE, die BONAMASSA an diesem Abend wegen ihrer orangefarbenen Kleider liebevoll THE TANGERINES nennt. Letztendlich stellt er sich selbst vor und klopft sich mit einem verschmitzten Lächeln mehrfach auf die Schultern. Der Typ hat Esprit, denke ich so bei mir.

Schon geht es weiter mit dem bekannten Stück "Slow Train", wobei der Zug eher ordentlich Dampf aufnimmt, als dass er langsam über die Bühne rollt. Als BONAMASSA sein Publikum mit den Worten "Stand Up! Stand Up!" auffordert, sich von den Plätzen zu erheben, gibt es in Rostock kein Halten mehr.c 20181005 1432152574 Zahlreiche Fans strömen an den Bühnenrand, um ihrem Idol ganz nah zu sein. BONAMASSA dankt es ihnen mit immenser Spielfreude und immer vertrackteren Soli. Hier steht ein Weltstar auf der Bühne, der schier Unglaubliches leistet und sichtlichen Spaß daran hat. Bei dem LED ZEPPELIN Cover "Boogie With Stu" rockt und rollt es schon gewaltig, bei "Last Kiss" und dem weiteren LED ZEPPELIN Stück "How Many More Times" wird noch mehr Fahrt aufgenommen, dass man meinen könnte, die Gitarrensaiten fangen gleich Feuer. Gerade dieses letzte Stück, welches den Abschluss des regulären Sets bilden sollte, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Jam-Session, bei der wieder jeder Musiker Raum bekommt, sich auszutoben. An dieser Version hätten sicher auch LED ZEPPELIN Gefallen gefunden.

Mit durchgeschwitztem Anzug verlässt BONAMASSA die Bühne. Die Rostocker Fans sparen nicht mit enthusiastischem Beifall und holen die Band zu einer Zugabe zurück. Laut BONAMASSA soll es ein bekanntes Stück sein. So verabschiedet er sich mit dem sehr gefühlvoll interpretierten "Sloe Gin". Anschließend bedankt er sich noch mal beim Publikum, wirft eine Hand voll Plektren in die Menge und geht. Ich schaue auf die Uhr und bin erstaunt, dass tatsächlich schon über zwei Stunden vergangen sind. Von mir aus hätte das Konzert durchaus länger dauern dürfen.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Joe Bonamassa: www.jbonamassa.com




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