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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki
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001Die britische Band PINK FLOYD formierte sich bereits 1966 und wurde mit ihrer damals noch psychedelischen Musik zu einem wichtigen Part des "Swinging London". Weltweite Erfolge feierte sie jedoch mit ihren Alben aus den 1970er Jahren, allen voran natürlich "The Dark Side Of The Moon". Nach dem Album "The Wall" kam es zum Bruch in der Band und Bassist ROGER WATERS begann, eigene Wege zu beschreiten. PINK FLOYD selbst produzierten bis 1994 noch zwei weitere Alben, machten jedoch mehr mit gigantischen Konzertshows auf sich aufmerksam. Seit dem Tod ihres Keyboarders RICK WRIGHT im Jahre 2008 ist die Hoffnung der Fans auf weitere Aktivitäten der Band unerfüllt geblieben. Stattdessen touren Gitarrist DAVID GILMOUR und Bassist WATERS mit eigenen großangelegten Shows um den Erdball, spielen ein wenig von ihrem Solo-Material, doch vorrangig vereinnahmen sie dabei das PINK FLOYD-Erbe. Um Schlagzeuger NICK MASON war es hingegen still geworden in den letzten Jahren.

002Das hat sich inzwischen geändert. Im Zusammenhang mit der Londoner PINK FLOYD-Ausstellung, die es seit dem 15. September nun auch in Dortmund zu bestaunen gibt, kam es zum Kontakt zwischen MASON und GUY PRATT, dem ehemaligen Tour- und Studiobassisten von PINK FLOYD, nach ROGER WATERS. So wurde die Idee zu NICK MASON'S SAUCERFUL OF SECRETS geboren. Erfolgreiche Konzerte in London ermuntern die Band, nun auch durch Deutschland und andere europäische Länder zu touren. Ein Halt in Berlin ist dabei obligatorisch.

003Das Tempodrom ist gut gefüllt, zeigt jedoch zumindest während des für meine Begriffe überflüssigen Supports der italienischen Sängerin EMMA TRICCA noch leere Plätze, die sich in der kurzen Pause vor dem Hauptact mehr und mehr füllen. Eine Soundcollage mit Tönen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, leitet kurz vor 21:00 Uhr über in das treibende "Interstellar Overdrive", gespielt von MASONs offensichtlich gut aufgelegter Band. LEE HARRIS und der Ex-SPANDAU BALLETT Gitarrist GARY KEMP greifen dabei kraftvoll in die Gitarrensaiten, GUY PRATT sorgt für wohlige Tiefen am Bass, DOM BEKEN überrascht mit modernen Keyboardsounds und in der hinteren Bühnenmitte sitzt NICK MASON an seinen Drums und sorgt für den richtigen Beat. Ein zufriedenes Lächeln huscht ihm immer wieder über das Gesicht.

004Es folgen "Astronomy Domine" und "Lucifer Sam", alles Stücke der Frühphase von PINK FLOYD, gespielt mit kraftvollem Gitarrensound und ausgefeiltem Satzgesang. Mit den Worten "We are not The Australien Roger Waters and not The Danish David Gilmours. We are Nick Mason's Saucerful Of Secrets. We hope, You enjoy the Show!" wird klar, dass es heute keinen dritten Aufguss von "Wish Yo Were Here" oder "Comfortably Numb" geben wird. MASON und seine Mitstreiter konzentrieren sich auf das Frühwerk der Band, huldigen dabei dem ersten legendären Sänger und Gitarristen SYD BARRETT, der sich bekanntermaßen in den Drogenrausch und schließlich die Depression verabschiedete. Im Laufe des Konzerts werden natürlich auch Kompositionen von WATERS, GILMOUR und RICK WRIGHT nicht ausgespart.

MASON und seine Band interpretieren das Material aus den 60er- und 70er-Jahren auf ihre ganz eigene Weise. Sie verzichten bewusst darauf, nah am Original zu bleiben. Vielmehr verleihen sie den Songs ein ganz eigenes Gesicht. Das Verwenden einer zweiten Gitarre, die wirklich ausgesprochen modern klingenden Keyboards,005 der fein abgestimmte Satzgesang und die unterschiedlichen Stimmfärbungen von KEMP, PRATT und HARRIS holen die psychedelischen und avantgardistischen Songs ins Hier und Jetzt, alles bei einem glasklaren und druckvollen Sound und bei einer ausgeklügelten Lichtshow, die das Psychedelische noch unterstreicht.

Der 74-jährige NICK MASON, der nie ein wirklicher Virtuose an seinem Instrument war, trommelt sich souverän durch das Set und hat sichtlichen Spaß dabei. An der einen oder anderen Stelle gesellt sich GUY PRATT zu ihm, sorgt durch Kopfnicken dafür, dass auch schwierige Einsätze klappen. Bei "Set the Controls for the Heart of the Sun" beweist MASON mit seinen Wirbeln über die Toms dann doch seine Virtuosität. GUY PRATT bezeichnet ihn schließlich liebevoll als den "Herzschlag von PINK FLOYD".

006Im Laufe des Abends gibt es neben bekannteren Stücken aus der Frühphase, wie "Arnold Layne", "The Nile Song" oder "Atom Heart Mother" auch Songperlen wie "If" und "Green Is the Colour" zu hören. Zu letzterem weiß PRATT zu berichten, dass er DAVID GILMOUR einst vorgeschlagen hatte, dieses wunderschöne Stück für die GILMOUR-Tour in die Setlist aufzunehmen. GILMOUR soll entgegnet haben: "Warum soll ich einen Song einer anderen Band spielen?" Mit "One of These Days" hat GUY PRATT schließlich seinen großen Auftritt. Diese Instrumentalnummer mit den gewaltig pulsierenden Basstönen wird zum mitreißenden Schlussstück des regulären Sets. Freudestrahlend versammelt MASON seine Kollegen am Bühnenrand, um sich vor dem Publikum zu verbeugen. Die groß aufgeschriebene Bitte eines Fans: "DRUMSTICK please!" beantwortet er mit einem freundlichen Kopfschütteln. Dann begeben sich die Musiker wieder an ihre Instrumente, um das Publikum mit zwei Zugaben zu erfreuen.007 Das avantgardistische Stück "A Saucerful of Secrets" mit seinem versöhnlichen Ende zeigt noch mal die gesamte musikalische Spannbreite der frühen PINK FLOYD. Es lässt uns wiederum schwelgen in Klanglandschaften, die längst Musikgeschichte geworden sind, aber auch noch in die heutige Zeit passen.

"Point Me at the Sky" beendet schließlich dieses denkwürdige Konzert der lebenden Legende NICK MASON und seiner fantastischen Band. MASON liefert den Beweis, dass auch das Frühwerk seiner einstigen Band einen hohen Stellenwert besitzt. Was in den glattgebügelten Shows eines DAVID GILMOUR und in den von Gigantomanie strotzenden Shows eines ROGER WATERS komplett ausgespart wird, zelebrieren NICK MASON'S SAUCERFUL OF SECRETS beseelt und lustvoll. Dafür gebührt ihnen Respekt und großer Dank!



Bitte beachtet auch:
• Off. Facebook-Seite von Nick Mason: HIER entlang
• Homepage des Tempodrom in Berlin: HIER entlang








   
   
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