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Bericht: Madline Roselt | Fotos: Sarah Müller, Madline Roselt



Was unternimmt man an einem Samstag im September bei 80% Regenwahrscheinlichkeit? Richtig, man geht auf ein Open-Air-Konzert seiner Lieblingsband. Zittau hieß das Ziel im Navigationssystem am Samstagmorgen. Im Westpark Stadion gaben Silly am 1. September 2018 ihr letztes Wutfänger Open-Air-Konzert.a 20180907 1919769163 Nach Oranienburg und Thale im Juni sowie Erfurt, Torgau, Binz und Klaffenbach im August, war Zittau ein Muss für mich. Nicht nur, weil dies die vorletzte Gelegenheit war, Silly in diesem Jahr live zu erleben. Nein, sondern auch, um mit den Silly-Fanclubmitgliedern Zeit zu verbringen und sich auszutauschen.

Um 19 Uhr kam dann der Startschuss für das Sichern der ersten Reihe. Der Regen ließ ein wenig nach und die letzten zwei Stunden Warten brachen an. Genug Zeit, um noch einmal kreativ zu werden. Um die Tradition nicht zu brechen, wurden - anstelle der altbekannten Schilder - 23 weiße Ballons aufgepustet und mit den Oxymoronen aus dem Lied "Zwischen den Zeilen" beschrieben. Man muss manchmal einfach flexibel sein. Und weil es kein "zu viel" gibt, wurden weitere bunte Ballons für das Lied "Kampflos" aufgeblasen. Die nicht sichtbare Sonne ging auch schon langsam unter und ein Blick auf die Uhr verriet: gleich geht es los.

Punkt 21 Uhr ertönte Annas Stimme vom Band mit den Worten: "Dreh dich um, dreh dich um und schau nach vorn ..." Der erste Gänsehautmoment setzte bei mir ein und es sollte nicht der letzte gewesen sein. Der Applaus im Publikum begann. Nach und nach betraten die Musiker die Bühne. Der letzte Herzschlagton vom Intro fiel, und es ertönten die ersten Schlagzeugtakte. Ich sah in die Gesichter der Band, bemerkte das Strahlen und verliebte mich wieder erneut in die Klänge von Silly. "Die Welt ist so bunt, lass uns die Farben vermengen", gesagt - getan. Die zuvor aufgeblasenen Luftballons flogen in die Luft und das Grinsen der Band wurde breiter. Jetzt wurde getanzt. Und zwar ganz im Sinne von "Zwischen den Zeilen", nämlich "Frei von Angst". Dabei erschienen nach und nach die beschrifteten Luftballons, gefolgt von einem lauten Schrei von Anna und dem Fanclub. Dieser Schrei überzog meinen ganzen Körper ein weiters Mal mit einer Gänsehaut.

An diesem Abend spürte man noch einmal mehr die ganze Energie, die diese Band einem geben kann. Nach "Die Anderen" und einem kleinen Gitarrensolo von Uwe wurden ruhigere Klänge angeschlagen. Dabei verstummte ich und ließ die Atmosphäre mit den Lichtelementen und der Kraft,b 20180907 1648388245 mit der Silly "Bataillon d'Amour" spielte, auf mich wirken. Ich bin von dieser Band bei jedem Konzert einfach nur begeistert, mit welcher Leidenschaft sie jeden einzelnen Titel spielt. Man spürt deutlich, sie leben und lieben ihre Lieder und damit erobern sie jedes Mal mein Herz.

 Meine persönlichen kleinen "Highlights" bei Live-Konzerten sind und bleiben Abweichungen vom Plan. Auch Silly trifft es ab und an mal. So gab es ein Problem mit der Technik vor dem Lied "Das haben wir erlebt". Doch mit der charmanten Art von Anna und Jäcki wurde dies mit einem kleinen Plausch überbrückt, wodurch sich wieder zeigte, dass jedes Konzert einmalig und einzigartig ist. Annas Worte: "Heute Abend singe ich den Song mal für meine Band. Für die Silly-Jungs." ließen erahnen, welcher Song als nächstes gespielt wird - "Deine Stärken". Dabei nahmen sich viele ihren geliebten Menschen und genossen den Moment Arm in Arm. Dieses Lied akustisch zu spielen ist meiner Meinung nach die beste Entscheidung, die Silly bei dem Erstellen der Setlist treffen konnte. Bei den Klängen der Akustik Gitarre und des Pianos wird der Hörer auf eine ganz andere Art und Weise mitgenommen, so dass ab und an auch mal ein Tränchen die Wange herunterfließen kann. Was diese Seite des Konzertes angeht, ist für mich "Gestohlenes Glück" einfach der Song, der mich wohl immer berühren wird. Daran sind bei mir so viele Erinnerungen geknüpft, dass es einfach ein Song bleiben wird, bei dem ich in solchen besonderen Momenten - wie das letzte Open-Air-Konzert - einfach nicht mitsingen kann.

Nach einem gefühlvollen Titel muss nun auch wieder ein lebendiger folgen. Das geschah mit "Frei". Dabei ist das nacheinander einsetzen von Gitarre, Bass, Schlagzeug und dann Piano einfach nur ein tobendes Fest für den Gehörgang. Gespannt wanderte der Blick von Uwe auf Jäcki und von ihm auf Ronny bis hin schließlich zu Ritchie und Daniel. Dies ist mir auch erst am Vortag aufgefallen, wie fasziniert ich davon doch bin. Das ist auch so eine Art Puzzleteil, welches ich bei dieser Art von Konzerten liebe. Bei jedem weiteren Besuch fallen einem immer andere kleine Details auf, die einen so begeistern können. Dabei schätzt man jedes Mal mehr, was die einzelnen Musiker auf der Bühne leisten.c 20180907 1653655618 Einen weiteren WOW-Moment gab es für mich bei "Schlohweißer Tag". Wenn am Ende die Stimmen von Anna und Ritchie im Einklang "Nur ich, nur ich und Du" singen, habe ich an dem Tag nicht schlecht gestaunt. Es war nahezu perfekt und die Reaktion von Ritchie bestätigte dies mit einem kleinen "Yes" am Ende des letzten Tons. Ein Blick auf die Setlist verriet leider, dass es nicht mehr viele Songs sind, bis wieder einmal ein wunderschönes Konzert vorbei war.

Doch bevor sich die sieben von der Bühne verabschiedeten, drehten sie noch einmal auf bei "Willkommen in der Gemeinschaft". Dieses Lied ist für mich gleichzusetzen wie eine Dose Energy. Die Live-Version ist dabei leicht anders als auf dem Album. Denn live setzt zuerst Ronny mit seinem Schlagzeug ein und danach Uwe mit der Gitarre! Diese Kombination animiert regelrecht dazu, mitzuspringen. Und dieses Mal noch mehr als sonst. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass sich die Glücksgefühle, die die Band aus dem Publikum erhält, sich auf sie selbst übertragen. Durchatmen hieß es dann für einen kurzen Moment, als Anna die treuen Gastmusiker vorstellte sowie ihre Jungs. Tobender Applaus erreichte die Bühne für "das jüngste und schönste Mitglied - Daniel Hassbecker", "die wilde Locke - Ronny Dehn" , "den gefährlichen Herrn Petereit an der Gitarre", "dem Fels in der Brandung - Jäcki Reznicek", "dem Meister der Schwarzen und Weißen Tasten sowie die Unterstützung beim Gesang - Ritchie Barton", "der einzige Mann, der auf der Gitarre singen kann - Uwe Hassbecker" und natürlich die bezaubernde Anna Loos. Doch es fehlten noch mindestens drei große Songs. "Wo fang ich an", "Vaterland" und "Alles Rot".

Und genau die gab es in der Reihenfolge. Ich bin kein Fan der ersten Stunde gewesen, als Silly wieder Musik machte. Eher so der dritten, und das lag aber nicht an Silly selbst, sondern schlicht und einfach daran, dass ich sie nicht kannte bzw. mich nicht mit ihnen auseinandergesetzt habe. Jedoch gingen die Alben "Alles Rot" und "Kopf an Kopf" nicht einfach an mir vorbei. Schon damals gefiel mir der Song "Wo fang ich an", als er im Radio lief und das ist live nicht anders. Das Lied eignet sich hervorragend zum Mitsingen. Und das Publikum bekam einfach nicht genug von Silly. Deutlich merkte man dies daran, dass sie nach Beenden des Songs immer noch "Ohoho" sangen. Ebenso ertönte aus den hinteren Reihen: "Zugabe, Zugabe". Das ließen sich Silly nicht zweimal sagen und kamen mit "Vaterland" wieder auf die Bühne. Jedoch erst einmal nur Uwe Hassbecker an seiner Kretischen Laute und Ronny Dehn am Schlagzeug. Nach und nach betraten die restlichen fünf im Taktmarsch die Bühne mit umgeschnallten Trommeln. Beim Fanclub erschienen gelbe Knicklichter, mit denen er sehr sicher mittrommelte. Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, dachte ich nur: "Wow, endlich mal eine Band, die es auf den Punkt bringt, was Deutschland unter anderem mit der Rüstungsindustrie anstellt." Und das macht Silly nun einmal aus. Kritisch zu sein und zu hinterfragen. Wenn mich jemand fragen würde, wieso bist du Fan dieser Band, ich glaube ein Teil meiner Antwort wäre genau die: "Weil sie kritisch sind, sich mit Themen auseinandersetzen, die nicht jeder ansprechen mag und nicht einfach alles so hinnehmen, wie es ist." Sie tun das, was sie fühlen.

d 20180907 2028939196Und sie fühlen einmal mehr, dass in Ihnen "alles rot" ist. Nicht nur die passende Gitarre wurde dafür ausgepackt, sondern auch rote Herzluftballons bekamen ihren Platz in den ersten Reihen im Westpark Stadion. Bei diesem Lied forderte Anna zum letzten Mal auf, laut mitzusingen. Und nicht nur sie. Auch Uwe forderte jetzt auf, immer lauter zu werden. Und immer weiter zu singen. Das machte das Publikum natürlich gerne. Plötzlich stand auch Ritchie Barton mit einer Gitarre in der Hand vor mir und war sichtlich erfreut darüber, sich mehr bewegen zu können. Ich liebe dieses Zusammenspiel der drei Herren im Vordergrund. Diese Freude, die sie dabei ausstrahlen, ist und bleibt unbeschreiblich. Natürlich bekam auch noch einmal Herr Hassbecker die Chance zu zeigen, dass er mit zu den besten Gitarristen zählt. Und dabei geriet ich erneut ins Staunen, was man alles aus einer Gitarre herausholen kann und die vorletzte Gänsehaut breitete sich dabei aus. Nach einem abschließenden Sprung der drei, flogen die Herzluftballons in Richtung Bühne mit dem Wort "Atme" darauf. Und genau das ist nicht nur der letzte Song auf dem Wutfänger-Album, sondern auch der aller letzte für diesen Abend. Und der hatte es gewaltig in sich. Mit starrem Blick auf die Bühne hörte ich nur die letzte Textzeile: "Schick deine Glücksboten aus, schau nicht zurück, sei dein Hüter des Glücks." Der letzte Applaus begann und schien nie zu enden. Ich sah wie Anfangs in die Gesichter und konnte Erleichterung und Freude entdecken. Aber auch ein wenig Wehmut, dass diese schöne Zeit mit der Wutfänger-Tour nun zu Ende gegangen ist. Doch die Freude überwog deutlich.

Rund um war dieser Abend, wie jeder andere zuvor, einmalig. Für mich persönlich habe ich wiederrum festgestellt, dass Silly meine Glücksboten sind. Ich kann es nicht in Worte fassen, was diese Band für eine Magie hat. Nun bin ich seit zwei Jahren Fan, war auf 14 Wutfänger-Konzerten und habe ehrlich gesagt immer noch nicht genug. Es mag verrückt klingen und das ist es vielleicht auch ein wenig, aber mit den richtigen Menschen ist nichts verrückt genug. Und die habe ich gefunden. Daher ist jedes Konzert von Silly, welches ich besuchen konnte etwas ganz Besonderes. Ich kann jedem diese Band nur wärmstens weiterempfehlen, denn sie bieten eine einzigartige Vielfalt. Nicht nur auf den Alben, sondern auch, und vor allem ganz speziell, live.




Termine:
• 08.12.2018 - Halle/S. - Händel Halle

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf der SILLY-Homepage



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von SILLY: www.silly.de











   
   
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