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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer



a 20180820 1239753660Was die Verkehrsnachrichten und der Wetterbericht für den letzten Freitag so verkündeten, machte nicht gerade Lust am Nachmittag in Richtung Havelland zu starten. Die zahlreichen Baustellen auf der Autobahn und der Ferienbeginn in Brandenburg und Berlin versprachen am Wochenende volle Straßen und Staus, und am Abend oder in der Nacht sollte es nun endlich mal regnen und Gewitter geben. Es kam mal wieder ganz anders. Auf der Autobahn ging es zwar etwas langsamer voran, aber man kam insgesamt gut durch. Und den versprochenen Regen ... ja, den haben wir bis heute noch nicht bekommen, so dass ich in der Nacht zumindst von außen trocken in mein Nachtquartier in Milow gehen konnte.

Das 12. Hörbar Blues Open Air in dem Ort bei Premnitz ist nun auch Geschichte und der Veranstalter Carsten Fröhlich macht sich zumindest hinsichtlich des Termines im nächsten Jahr schon Gedanken. Er und zahlreiche Helfer hatten wieder geackert, um auch 2018 ein tolles Event auf die Beine zu stellen. Drei hochkarätige Bands waren diesesmal nach Milow angereist und spielten auf der kleinen Bühne am Ufer der Havel. Als ich kurz nach 18:00 Uhr am Freitag die kleine Seitenstraße in Richtung Havelstrand ging, roch es nach Bratwurst und anderen gegrillten Sachen, und die Stände mit Getränken warteten auf die Gäste, die dann auch langsam anrückten. Am Havelufer lagen einige Boote und ein paar Leute badeten noch. Gegen 19:00 Uhr ging es dann los. Carsten Fröhlich begrüßte alle recht herzlich und die erste Band stand schon neben ihm auf der Bühne.

b 20180820 1296419687DYNAMITE DAZE (steht für geistige Verwirrung, auch explosive Zeiten), so heißt die erste Band, und die vier Musiker sind aus Karlsruhe angereist. Der Chef der Band ist Schlagzeuger Colin Jamieson. In früheren Jahren trommelte er bei TED HEROLD, BILL RAMSEY, COUNTRY JOE MCDONALD und auch gelegentlich bei AXEL ZWINGENBERGER. Der Gitarrist der Band heißt Martin Czemmed, am Bass erlebten wir Matthias Scherer und Frontmann, Sänger und Mundharmonikaspieler der Band ist der US-Amerikaner Diddy D. DYNAMITE DAZE kreiert einen persönlichen musikalischen Stil, orientiert an Vorbildern wie Screamin Jay Hawkins, Tom Waits oder Captain Beefhart. Sie musizieren als Band, wobei jeder der vier Musiker seinen Freiraum hat und gelegentlich auch mal solistisch in den Vordergrund tritt. So gab es neben dem rauen und harten Gesang und dem Harp-Spiel des Frontmannes auch Gitarren- und Bass-Soli, sowie und ein Drums-Solo bei dem die anderen Musiker mal Pause hatten. Der Sänger sang und sprach englisch, wobei er bei seinen Ansagen auch mal zur deutschen Sprache wechselte. Er selbst nannte das, was die Band spielt, Rock'n'Roll. Von 1990 bis zu seinem Tod am 25. Februar 2012 waren die vier Musiker auch die Begleitband von LOUISIANA RED. Ihm war auch ein Titel gewidmet, den die Band spielte. Ein weiterer Song richtete sich gegen die Politik von Donald Trump und heißt "15 Miles To Mexiko". Etwa 90 Minuten erlebten wir die Herren von DYNAMITE DAZE und da sie der erste Act des Abends waren, spielte sich der größte Teil noch bei Tageslicht ab. Bei den nächsten Musikern war es schon dunkler und während DYNAMITE DAZE auf der Bühne abbaute, verteilte der nächste Akteur schon Flyer im Publikum.

PETE GAVIN AND THE SHANGHAI BLUES GANG hieß der nächste Programmpunkt, und der bestand aus dem Sänger, Gitarristen und Mundharmonika-Spieler Pete Gavin, sowie einem Bassisten und einem Schlagzeuger. Pete stammt aus London und arbeitete bis 1980 als Physiker.c 20180820 1046644480 Danach widmete er sich voll und ganz seiner Liebe zum Blues. Gelegentlich hatte er in London schon mit Musikern wie Keith Relf (Sänger und Mundharmonika-Spieler von THE YARDBIRDS, + 1976) und Spencer Davies musiziert. Seinen Lebensmittelpunkt hat Pete Gavin inzwischen in Berlin. Für ebenfalls etwa 90 Minuten gehörte ihm und seinen beiden Musikern nun die Bühne in Milow. Auf einem Hocker sitzend, eine Resonator-Gitarre und das Mundharmonika-Gestell umgehängt begann er sofort nachdem der Ton stimmte mit seinem Konzert. Als jemand, der zu Hause eine Gitarre an der Wand hängen hat fällt mir sofort auf, dass Pete Gavin Linkshänder ist. Seine Resonator Gitarre stammt aus dem Jahr 1932, hat schon einige Roststellen und wie Pete selbst sagte, hat er das Instrumment gerade neu löten lassen. Die Songs, die er vortrug waren Blues-Klassiker von Musikern wie Sonnyboy Williamson, William Harris und anderen. Nach zwei oder drei Titeln stellte Pete die Resonator in den Ständer und machte mit einer Gibson ES 335 weiter. Alle drei Gitarren, auf denen er hier spielte, sind frei gestimmt. Der Bassist spielte am Anfang auf einem Kontrabass, danach auf einer Bassgitarre. Auch auf einem Didgeridoo, einem Instrument der australischen Ureinwohner, spielte er bei einem Song. Der Schlagzeuger spielt nicht bei allen Titeln mit. Inzwischen war es auch dunkel geworden und die Bühnenbeleuchtung kam voll zum Tragen. Vor der Bühne wurde fleißig getanzt und es war eine prima Stimmung beim Publikum. Pete Gavin spielte am Ende noch eine Zugabe, bevor die letzte Band dann ihren Auftritt vorbereitete.

THE DEAD BEATZ war dann die letzte Band des Abends, und wer da schon vorher nach Hause gegangen ist, hat definitiv etwas verpasst. Nachdem Pete Gavin die Bühne beräumt hatte, begannen die beiden nächsten Akteure mit dem Aufbau ihres Bühnenbildes. Den Bühnenhintergrund zierte ein Banner, auf dem unter dem Schriftzug THE DEAD BEATZ in Commic-Manier ein Gerippe mit Totenköpfen jonglierte. Rechts und links davon stand "Too Blues To Punk" und auf der anderen Seite "Too Punk To Blues".d 20180820 1033722450 Das bedeutet soviel wie, aus dem Blues wurde Punk und aus Punk wird wieder Blues. Wie das geht, das zeigten uns David Karlinger (Harp, Drums) und Bernie Miller (Bass, Vokal). Beide waren aus Österreich ins Havelland gekommen, um hier mal so richtig einzuheizen. Das Schlagzeug ist schon eine eigenwillige Konstruktion. Bassdrums und Hi-Hat stehen nebeneinander auf dem Boden und werden über zwei Fußmaschinen bedient. Die Becken der beiden Hi-Hats schlägt David Karlinger mit der rechten Hand bzw. Faust. In der linken Hand hält er ein Mikrofon mit der Bluesharp, und das alles spielt er gleichzeitig mit großer Perfektion. Dazu spielt Bernie Miller den elektrisch verstärkten Kontrabass und singt in ein Mikrofon. Die Lautstärke hatte sich gegenüber den beiden vorherigen Bands noch etwas erhöht und das, was da von der Bühne kam ging einem durch Mark und Bein. Die beiden Musiker spielten Stücke, die am Anfang nicht so richtig zu verstehen waren, aber mit Blues-Klasikern wie "Manish Boy" von Muddy Waters konnten dann doch viele etwas anfangen. Zu Beginn des dritten Konzertteils sind doch etlich Leute gegangen. Entweder sie konnten mit dieser Musizierweise wenig anfangen oder es war ganz einfach die späte Stunde, denn es war schon nach 23:00 Uhr. Der große Teil des Publikums kam aber vor die Bühne, tanzte oder hörte einfach zu. Der "Folsom Prison Blues" von Johnny Cash war sicherlich ein weiterer Titel, der von vielen erkannt wurde. Die beiden Musiker bekamen viel Beifall und eine Zugabe konnte trotz später Stunde auch noch gespielt werden. Danach war der Abend dann zu Ende.

Die Musiker bauten ab, einige Leute tranken noch das Bier aus und viele gingen heimwärts. Ich wechselte noch ein paar Worte mit Carsten Fröhlich, bevor er auch beim großen Aufräumen half. Im nächsten Jahr soll wieder ein Hörbar Blues Open Air sein. Die Havelbrücke gleich neben dem Freizeitgelände soll demnächst erneuert und durch eine vorläufige Behelfsbrücke ersetzt werden. Dabei wird eine kleine Ecke des Platzes benötigt, was aber einer Veranstaltung wie der an diesem Abend keinen Abbruch tun wird. Anerkennung verdienen Leute, die solche Veranstaltungen organisieren und die vielen fleißigen Leuten, Sponsoren und Institutionen, die das möglich machen.













 

 


   
   
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