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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki + Pressematerial (Foto oben)



Die Sängerin KARI BREMNES ist in ihrer norwegischen Heimat ein Star. Erst im Alter von 30 Jahren entschied sie sich für eine Karriere als Musikerin, nachdem sie Geschichte und Theaterwissenschaften studiert und viele Jahre als Journalistin gearbeitet hatte. Dass diese mutige Entscheidung richtig gewesen ist, zeigt ihre Popularität, nicht nur in ihrer Heimat. Dort wurde sie bisher dreimal mit dem Spellemannpris, dem norwegischen Grammy, ausgezeichnet.a 20180428 1832559277 In Deutschland ist sie eher in der Jazz-Szene und bei Liebhabern audiophiler Klänge bekannt. Auch ich habe ihre Musik erst durch einen Freund kennen- und liebengelernt, mit dem ich mich immer mal wieder über interessante musikalische Neuentdeckungen austausche. Auch hierzulande hat KARI BREMNES inzwischen viele Fans, so dass sie derzeit wiedermal mit ihrer Band auf Deutschland-Tour ist. Im Gepäck hat sie ihr jüngstes Album "Det Vi Har" (Was wir haben), immerhin schon ihr vierzehntes.

Geschätzte 400 Gäste fanden am vergangenen Mittwoch den Weg ins Berliner Columbia-Theater, um sich von den außergewöhnlichen Klanglandschaften der norwegischen Künstlerin und ihrer fantastischen Band verzaubern zu lassen. Die Musik der KARI BREMNES, angesiedelt irgendwo zwischen Chanson, Folk, Jazz, Rock und Pop, vermag einen mitzunehmen auf eine Reise in unbekannte Welten. Man spürt in ihren Liedern förmlich das raue Leben in der wilden Natur ihrer nordischen Heimat, aber auch die Wärme eines Kamins in einer gemütlichen Behausung. KARI BREMNES eröffnete ihr Konzert mit den ersten beiden Songs des neuen Albums. Somit begann der Abend ganz besinnlich mit dezenten Pianoklängen zur Ballade "Det Kunne Skjedd" (Es hätte geschehen können), minimalistisch instrumentiert, aber sehr eindringlich vorgetragen. Das zweite Stück "Glem Ikkje" (Vergiss nicht) kam mit seinem durchgehenden Beat im 4/4-Takt etwas poppiger daher. Überhaupt ist das aktuelle Album mehr mit radiotauglichen Songs versehen, als die bisherigen Scheiben. Ausflüge in poppigere Gefilde gab es jedoch auch auf älteren Scheiben zu verzeichnen, wie das dritte Stück "Heile Mett Hjerte" bewies, ein Titel vom 2009er Album "Ly". Für mich machte gerade die Mischung aus melancholischen Balladen und hin und wieder eingeworfenen Pop-Perlen den Reiz des Konzertes aus. Die sehr sparsam instrumentierten Balladen mit ihren eindringlichen Melodien entwickelten oft eine ungeheure Dynamik. Elektronische Drum-Loops und dezente Keyboardflächen bildeten dabei meist das Gerüst, über dem KARIs unvergleichliche Stimme schwebte, während Gitarrist BØRGE PETERSEN-ØVERLEIR und Schlagzeuger BØRRE FLYEN mit ihren Instrumenten für sich ständig steigernde Dramatik sorgten.

KARI BREMNES erzählte mit ihren Liedern Geschichten über Menschen, die sie kennt, oder Dinge, die sie beobachtet hat. In Berlin zeigte sich die Künstlerin sehr kommunikativ. Teilweise in Englisch oder Deutsch sprach sie über die Entstehung so mancher Songs, wie z.B. über "Det Ma? Være Orden" (Es muss Ordnung herrschen). Sie berichtete, dass sich ihr bei den Bemühungen, Deutsch zu lernen, der typisch deutsche Satz "Ordnung muss sein" eingeprägt hätte. Dieser würde gut zu der Geschichte des Mannes mit den zwei Frauen passen, eine die Haus und Küche in Ordnung hält, und eine zweite, die sich um sein körperliches Wohl kümmert.b 20180428 1147151844 Somit hätte für ihn alles seine Ordnung. KARIs Lieder handelten jedoch auch von persönlichen Dingen. So gab es das Lied über die Sorge um ihren einzigen Sohn, "Det E Min Søhn" (Das ist mein Sohn), der gerade seinen Einberufungsbefehl erhalten hat und auch gern zur Armee gehen wolle, oder das über die befreundete Sängerin RIM BANNA aus Palästina, die aufgrund der Ereignisse in ihrer Heimat ihre Stimme verloren hat. Die Geschichte wurde mit dem Lied "Rim Sin Stemme" (Rims Stimme) sehr emotional erzählt.

Am meisten beeindruckte mich jedoch das Stück "Skrik". Zu einer Komposition des norwegischen Schriftstellers und Pianisten KETIL BJØRNSTAD vertonte KARI BREMNES EDVARD MUNCHs Bilderzyklus "Der Schrei". Der Titel bestach vor allem durch die Soli von Gitarrist BØRGE PETERSEN-ØVERLEIR. Schon nach seiner Improvisation im Mittelteil erhielt er Szenenapplaus. Doch das Solo am Schluss des Stückes, zu dem er nach vorn ins Rampenlicht rückte, ließ einen Schrei physisch spürbar werden. Das war ganz großes Kino. Aber auch der Klassiker "Sangen Om Fyret Ved Tornehamn" (Das Lied vom Leuchtturm zu Tornehamn), mit der Stimme von Keyboarder BENGT EGIL HANSSEN im Hintergrund, wurde sehr berührend interpretiert. Den regulären Schluss des Konzerts sollte das Stück "Spor" (Spuren) bilden, eine Komposition ihres Bruders LARS. KARI bedankte sich auf diesem Weg für die jahrelange gemeinsame Arbeit.

Natürlich kamen KARI BREMNES und ihre Band nicht ohne Zugaben von der Bühne. Das begeisterte Berliner Publikum schaffte es sogar, die sympathische Norwegerin noch ein zweites Mal zu einer Zugabe zu bewegen, was mich sehr freute. Viel zu schnell verging die Zeit bei diesem Konzert mit wunderschöner Musik, die man in den einschlägigen Medien leider nicht mehr zu hören bekommt. Was bleibt ist die Erinnerung an einen Konzertabend mit einer fantastischen Sängerin und vier herausragend guten Musikern. Bassist PETTER WALDEMAR NOHR UNDSTAD blieb optisch meist im Hintergrund, überzeugte jedoch mit solidem Spiel. Gemeinsam mit Drummer BØRRE FLYEN, den man vielleicht eher als Percussionisten bezeichnen sollte, sorgten sie für das rhythmische Fundament, welchem FLYEN mit markanten Breaks immer wieder Dramatik verlieh.c 20180428 1076901156 Zum Gitarristen habe ich mich schon geäußert. Bleibt noch Keyboarder BENGT EGIL HANSSEN zu erwähnen, der dem Sound der Band mit diversen Klängen aus seinen Tasteninstrumenten einen modernen Anstrich verlieh. Der Sound selbst war sowieso eine Klasse für sich, so wie ich es 2012 bei dieser Band schon einmal erleben durfte. Das Ganze wurde bereichert durch eine ausgefeilte Lichtkonzeption versehen mit diversen interessanten Videoprojektionen.

Einige Tage sind KARI BREMNES und ihre Band noch in Deutschland zu erleben. Ich kann nur empfehlen, sich eines ihrer Konzerte anzusehen.



Termine:
• 28.04.2018 - Freiburg - Jazzhaus
• 29.04.2018 - Karlsruhe - Tollhaus
• 01.05.2018 - Düsseldorf - Savoy Theater
• 02.05.2018 - Oldenburg - Kulturetage
• 03.05.2018 - Hamburg - Grünspan
• 04.05.2018 - Worpswrede - Music Hall
• 05.05.2018 - Kiel - MAX
• 06.05.2018 - Hannover - Pavillon

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf Kari Bremnes' Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Kari Bremnes: www.karibremnes.no
• Homepage des Columbia-Theaters in Berlin: www.columbia-theater.de





   
   
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