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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder + Pressefoto Band (oben)



Prolog
Viele von Euch haben sicher schon mal was vom "Lions Club" gehört. Der erste "Club" entstand 1917 in den USA. Sein Ziel war es, dass sich die Mitglieder des "Clubs" nicht nur über ihre geschäftlichen Themen austauschen und verbinden, sondern sich insbesondere auch für die Verbesserung des Gemeinwesens und die Unterstützung bedürftiger Menschen einsetzen sollten. Inzwischen gibt es in Deutschland viele dieser "Clubs" und in Dortmund derer gleich neun.a 20180423 1050118142 Einer davon ist der "Lions Club Dortmund-Phönix", der 1997 gegründet wurde und sich selbst so beschreibt, dass er derzeit aus 41 Mitgliedern besteht, die altersmäßig zwischen 43 und 81 Jahre alt sind und in unterschiedlichen Berufen - meist verantwortlich oder leitend - tätig sind oder waren. Diese Menschen arbeiten, zusammen mit ihren Lebenspartnern, fleißig an Lösungen sozialer Probleme und leisten Hilfe für Menschen in Notlagen. Notlagen möchte man in erster Linie aber nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen lassen, und so versucht man präventiv und nachhaltig tätig zu sein. In den letzten Jahren hat sich der Verein u.a. intensiv bei zwei Projekten an Dortmunder Grundschulen, zwei Wohngruppen für minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge, zwei Initiativen für demenzkranke Menschen und deren Angehörigen, zwei Projekten des Krisenzentrums Dortmund zur Verhinderung von drohenden Selbsttötungen sowie zur Betreuung von Angehörigen, die davon betroffen sind, und dem Projekt "Zeitschenker", für Kinder psychisch kranker Eltern, sehr stark engagiert. Zum Erreichen ihrer Ziele benötigt der Verein natürlich Geld, denn die Hilfe kommt nicht nur durch persönlichen Einsatz der Mitglieder, sondern auch in finanzieller Form. Eine Einnahmequelle sind die einmal im Jahr stattfindenden "Treffen im März", zu denen der "Lions Club Dortmund-Phönix" seine Mitglieder, Freunde und Förderer samt Familien zu einer ganz besonderen Veranstaltung einlädt. Auf die Bühne wird eine Live-Band gestellt und davor für eine große Party gesorgt. Der komplette Erlös dieser Veranstaltungen fließt dann auch in eben genannte Projekte und während man die Geldbörse für allerlei Speis und Trank (und Spendendosen) weit öffnet, gibt es auf der Bühne immer ein interessantes Programm.

dIRE sTRATS spielen DIRE STRAITS
Das eigentlich für den 16. März angekündigte Konzert fand in diesem Jahr erst im April statt. Das hatte den Grund, dass bei der gebuchten Band ein Krankheitsfall auftrat und man nur wenige Tage vor dem Termin alles absagen und verschieben musste. Der "Lions Club Dortmund-Phönix" hatte für 2018 eine Band namens dIRE sTRATS gebucht. Das ist kein Schreibfehler, die Band heißt tatsächlich so und die nahezu gleiche Schreibweise zur Band DIRE STRAITS ist natürlich volle Absicht. Das Original ist seit vielen Jahren schon von der Bildfläche verschwunden - man kann sie - selbst wenn man lange genug warten würde - nicht mehr bei einem Live-Konzert erleben. Die Brüder Knopfler gehen getrennte Wege, der Rest der Combo beschäftigt sich ebenfalls mit eigenen Projekten. Der Output dieser aus England stammenden Rockband hat allerdings noch heute einen großen Nachhall. Mit den Platten "Dire Straits" (1978), "Communiqué" (1979), "Making Movies" (1980), "Love over Gold" (1982), "Brothers in Arms" (1985) und "On Every Street" (1991) hat das Londoner Quartett nicht nur Generationen von Fans begeistert, sondern auch Musiker auf der ganzen Welt stark beeinflusst. Sie schrieben zudem Musikgeschichte. Als sie 1978 mit ihrer ersten Single "Sultans Of Swing" wie aus dem Nichts im Rundfunk auftauchten, hatte das schon was. Der Name des Titels war irreführend, wie auch Club-Präsident Prof. Dr. Ralf Brickau (Foto oben links) in seiner Ansprache vor dem Konzert anmerkte. Dass sich hinter diesem Titel eine innovative und waschechte Rocknummer verbarg, merkte man damals erst, wenn er schon lief. Die Jugend, die damals noch bei Mal Sondock im WDR 2 vor dem Radio hockte und mit dem Finger auf der "Record-Taste" auf die Neuvorstellungen aus UK wartete, verschlief ob des Titels dann auch schon mal den Einsatz. Wer wollte Ende der 70er denn bitteschön auch Swing hören? Diesem ersten Erlebnis mit der Band folgten weitere und es war bei den Ausführungen von Prof. Dr. Brickau am Freitag sehr schön zu hören, dass sich die Erlebnisse und Beobachtungen auch mit den eigenen decken.b 20180423 1227487917 Für uns Fans schade und insgesamt betrachtet ein großer Verlust, dass es die DIRE STRAITS nicht mehr gibt. Da können die gelegentlichen Besuche des MARK KNOPFLER und seiner Live-Band in Deutschland nicht mal in Ansätzen heran reichen, zumal sich die großen Erfolge, die er mit der Band hatte, bei ihm als Solist nicht mehr einstellten. Seit nunmehr 2004 versucht eine Band namens dIRE sTRATS aus Bremerhaven und "umzu" nicht nur die Lücke zu füllen, sondern sowohl Musik als auch Mythos dieser einzigartigen Kapelle am Leben zu erhalten. Der erste Unterschied zum Original ist die Besetzung. Statt einer vierköpfigen Rockband haben wir es bei den dIRE sTRATS mit einem Quintett zu tun. Ihm gehören der Lead-Gitarrist Wolfgang Uhlich, Sänger und Gitarrist André Amberg, Christian Habuch am Bass, Keyboarder Tobi Blattmann und Schlagzeuger Jens Gernhoff an. Der zweite Unterschied ist der, dass die große Aufgabe eines Mark Knopfler als Lead-Gitarrist und Sänger bei der uns vorspielenden Tribute-Band auf zwei Köpfe verteilt ist. Während Amberg in erster Linie mit seiner Stimme nah am Original operiert, hat Uhlich mehr Luft und ausreichend Freiraum für seine Leistung an den verschiedenen Gitarren. Dass die Ansage, "Nicht kopiert sondern gelebt!" auf deren Homepage kein leeres Blabla ist, sollte sich am Freitag in der Dortmunder DASA schon recht früh herausstellen.

Rock'n'Roll im Technikmuseum
Wem beim Betrachten der Bilder in unserer Fotostrecke gleich die Frage in den Kopf schießt, was Feuerwehr-LKW, Straßenbahn und Industriemaschinen da zu suchen haben, dem sei gesagt, dass die DASA Deutschlands größte Arbeitswelt-Ausstellung ist. Diese Dauerausstellung erstreckt sich auf einer Größe von zwei Fußballfeldern und bietet spannende Einblicke in die Arbeitswelt von gestern, heute und morgen. Einzelne Hallen in dem Gebäude kann man für eigene Veranstaltungen mieten, z.B. die knapp 1.200 qm große Stahlhalle mit dem Platz für eine Bühne und etwa 600 Sitzplätze. Von dem Angebot, in einem besonderen Rahmen eine Veranstaltung stattfinden zu lassen, machte auch der "Lions Club Dortmund-Phönix" ein weiteres Mal Gebrauch, als er für das Konzert der dIRE sTRATS diesen großen Saal anmietete - und die eben erwähnten 600 Plätze waren laut Veranstalter am Freitagabend auch alle "vergriffen".

Los geht's ...
Mit dem "akademischen Viertel" im Gepäck betrat die Band um 19:45 Uhr die Bühne. Mit dem aus dem Jahre 1982 stammenden Klassiker "Telegraph Road" ging es locker flockig los. Erstreckt sich das Original der DIRE STRAITS auf dem Album über knapp eine Viertelstunde, so begnügte man sich seitens der dIRE sTRATS mit knappen sieben Minuten, ließ dabei aber nichts vom mitreißenden Groove und dem tollen Gitarrensound der Vorlage vermissen.c 20180423 1454075209 Wie bereits erwähnt wussten die fünf Musiker schon bei den ersten Tönen der Nummer, und damit gleich zu Beginn ihrer Show, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, die der eine oder andere Hardcore-Fan der Gebrüder Knopfler möglicherweise mitgebracht hatte. Sound und Spielweise stimmten - das machte sofort Spaß und katapultierte das Auditorium direkt zurück ins Lebensgefühl der 1980er. Einem ersten großen Applaus folgte die Begrüßung durch Sänger und Gitarrist André Amberg. Ohne viel Gerede ging es im Programm mit "Heavy Fuel" weiter, das dann auch noch den letzten Kritiker abholte und vollends begeisterte. Mit den Zwischentexten hielt sich die Band im Großen und Ganzen aber zurück. Mal merkte Amberg etwas zu einzelnen Songs an, ansonsten ließ man eher der Spielfreude freien Lauf und unterbrach den eigenen Fluss nicht durch lange Ansagen. Und diese Freude hatten die Herren der dIRE sTRATS unüberseh- und unüberhörbar. Dampfte man "Telegraph Road" noch auf knapp sieben Minuten ein, erfuhren andere Stücke aus dem Backkatalog der DIRE STRAITS spannende und höchst appetitliche Verlängerungen. Insbesondere Wolfgang Uhlich, der bei einigen Nummern sogar während des Stücks seine Gitarren wechselte, entpuppte sich da schnell zum Blickfang. Nicht nur seine Bühnenpräsenz inkl. gesteigertem Bewegungsdrang, sondern vor allen Dingen seine Spielweise ließ beim Auditorium ein ums andere Mal das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zwischenapplaus inbegriffen. Ohne Wenn und Aber war er über die volle Distanz des Konzerts der Hauptakteur. Und ich schreibe das, ohne die Leistung der anderen Musiker in irgendeiner Weise kleinreden zu wollen. Sie sorgten zwar erst dafür, dass sich der Saiten-Virtuose so richtig austoben konnte, blieben in Bezug auf den "Showeffekt" aber im Hintergrund.

Nach knapp einer Stunde und sieben gespielten Songs (wie gesagt: fast alle in Überlänge) machte die Band erst mal eine Pause, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Alles war im Fluss und die Leute entsprechend angezündet. Die Jungs waren runter von der Bühne und im Raum stand die Hoffnung, dass sie den Faden nach der Pause wieder aufnehmen und die Begeisterung der Leute sofort wiederherstellen konnten. Sie konnten ...

d 20180423 1898216798Teil zwei des Konzerts bestand lediglich aus nur noch fünf Titeln. Unnötig zu erwähnen, dass sich auch dort wieder reichlich Platz für Improvisationen und ausladende Soli fand. Ton für Ton steigerte sich die Begeisterung der Leute im zweiten Teil - meine übrigens auch. Ich gehörte übrigens auch zur Skeptiker-Fraktion, denn ich bin bei solchen Veranstaltungen mit Tribute-Bands ja immer etwas misstrauisch. Wie man hier ja lesen kann, im Falle der dIRE sTRATS völlig zu unrecht. Spätestens bei "Brothers in Arms" stand das Publikum und hatte das Interesse an einem Sitzplatz verloren. Schon vorher konnte man einige Leute sehen, die sich zur Musik bewegten, sich aber nicht trauten, nach vorn vor die Bühne zu gehen und ihrem Bewegungsdrang dort freien Lauf zu lassen. Leute, die die 60 schon überschritten hatten und denen man es rein äußerlich gar nicht zugetraut hätte, feierten die Musik der DIRE STRAITS und die Leistung der sie ihnen live spielenden dIRE sTRATS. Als Sänger André Amberg nach dem letzten Song das Ende ihres Auftritts ankündigte und sich die Musikanten vom Dortmunder Publikum verabschiedet hatten, musste man auf die ersten Zugabe-Rufe gar nicht lange warten. Da musste noch ein Nachschlag her - ohne wäre hier wohl niemand freiwillig nach Hause gegangen.

Plötzlich setzte die Gitarre wieder ein und transportierte eine Melodie in den großen Saal. Auf der Bühne war aber niemand zu sehen. "Kommt das aus der Konserve?", dachte ich noch, aber das kam es nicht. Plötzlich drehten sich die Leute um, denn Wolfgang Uhlich stand im hinteren Bereich vom Publikumsraum - mitten unter den Konzertbesuchern - und spielte dort ein Instrumental. Während er da in sein Spiel vertieft und die Leute im Saal auf ihn konzentriert waren, "schlich" sich Tastenmann Tobi Blattmann im Rücken der Leute wieder an seinen Platz und plötzlich starteten beide Musiker ein Keyboard-Gitarren-Battle. Beide warfen sich die Bälle zu. Der eine legte vor, der andere schob nach. Für die Leute im Saal hatte das ein ständiges Umdrehen zur Folge - mal kamen die Töne von vorn, dann wieder von hinten. In das Spiel von Wolfgang Uhlich mischte sich irgendwann - inzwischen stand er auf einem der Stühle - die Figur von "Money For Nothing" und allen war klar, dass das zuvor erlebte Duell der beiden Musiker das Intro zu eben diesem Überhit war. Nun kam auch der Rest der Band zurück auf die Bühne, bewaffnete sich mit dem Instrumentarium und setzte den Auftritt fort. Niemand setzte sich mehr hin, man blieb gleich stehen und bedachte die Band mit lautem Mitsingen, rhythmischem Klatschen und weiteren Applaus-Salven. Während der zweiten Zugabe, "So Far Away", stellte Sänger Andre Amberg seine Mitstreiter vor.e 20180423 1513168467 Meine bereits geäußerte Empfindung Wolfgang Uhlich betreffend, wurde von den anderen Konzertgästen wohl geteilt, denn er kassierte den größten Applaus. Im Anschluss sprach dann auch er ein paar Worte zum Publikum. Er kündigte noch eine weitere Zugabe an und vergaß nicht zu erwähnen, dass am Fanartikelstand noch reichlich Souvenirs auf neue Eigentümer warteten. U.a. konnte man dort auch sein Solo-Album "Speechless" (siehe links) erwerben, das - wie der Name schon verrät - ein Instrumental-Album ist, auf dem er sein Können an der Gitarre mit einer Band und komplett eigenen Titeln unter Beweis stellt. Übrigens nicht nur für Gitarren-Fans ein sehr faszinierendes Album, auf dem sich 12 Songs mit hohem Suchtpotential befinden.

"Schicht am Schacht"
... sagt man hier im Ruhrpott, wenn etwas zu Ende geht. Während man nach getaner Arbeit froh ist, wenn die Schicht zu Ende ist, hätte man hier gern noch Überstunden geschoben. Leider ging dieses Konzert nach fast drei Stunden (mit Pause) viel zu schnell zu Ende. Es ist absolut keine Übertreibung wenn ich an dieser Stelle Bestnoten für Band, Musik, Songauswahl (es blieben fast keine Wünsche offen), Sound und Licht ausstelle. Dies wird mir sicher jeder der anwesenden Gäste sofort unterschreiben. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, dass es exzellente Tribut-Bands gibt, die einen schnell vergessen lassen, dass da gar nicht das Original spielt. Dies habe ich innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei Mal erleben dürfen. Ach ja ... und noch eine Erkenntnis gibt es: Nicht nur Klaus Selmke von CITY spielt sein Schlagzeug barfuß. Jens Gernhoff von den dIRE sTRATS tut dies offensichtlich auch - zumindest tat er dies in Dortmund. War ja auch warm genug.

Epilog
Nicht nur der Band ist für einen großartigen Abend zu danken, auch dem "Lions Club Dortmund-Phönix" muss man ein dickes Dankeschön aussprechen. Die Arbeit, die hier geleistet wird, und der Einsatz für andere, kann gar nicht hoch genug gehängt werden. Diese Arbeit ist - ebenso wie die der vielen anderen gemeinnützigen Vereine und Organisationen - wichtig für das Funktionieren der Gesellschaft.f 20180423 1282452448 Sie liefert das Fundament dafür, dass die Abgehängten nicht abgehängt bleiben oder dass Leute aus unserer Mitte gar nicht erst zu Abgehängten werden. Dass Hilfe für andere nicht nur wegen der guten Tat Spaß machen kann, zeigt jedes Jahr das vom "Lions Club Dortmund-Phönix" veranstaltete Konzert im März. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.



Setlist:
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Termine:
• 28.04.2018 - Leverkusen - Scala
• 30.04.2018 - Lübeck - Kolosseum
• 02.06.2018 - Dülmen - tba
• 22.06.2018 - Bad Münder - Rockzelt
• 07.07.2018 - Nideggen-Schmidt - Tollrock Festival
• 26.07.2018 - Rheine - Emsfestival
• 30.07.2018 - Bad Homburg - Bad Homburger Sommer

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf der bandeigenen Homepage


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage der dIRE sTRATS: www.direstrats.de
• Homepage des Lions Club Dortmund-Phönix: www.lc-dortmund-phoenix.de
• Homepage der DASA in Dortmund: www.dasa-dortmund.de




 
 
 
 
 

   
   
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