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Ein Konzertbericht mit Fotos von Bodo Kubatzki



Memories in Rock, so lautete auch in diesem Jahr das Motto des einzigen Deutschland-Konzerts der 2015 neuformierten Band RAINBOW des ehemaligen DEEP PURPLE-Gitarristen RITCHIE BLACKMORE. Konzerte, die Erinnerungen an die Rockmusik meiner Jugend wachwerden lassen, erlebe ich in den letzten Jahren immer häufiger. Die Musik von Bands wie Jethro Tull, Omega, Foreigner oder Uriah Heep, deren ehemaligen Keyboarder Ken Hensley ich gerade eine Woche zuvor beim Artrock Festival in Reichenbach live erleben durfte, hat sich mir eingebrannt.b 20180420 1332018845 Oft verbinde ich sie mit besonderen Momenten in meinem Leben, die längst im Unterbewusstsein vergraben zu sein schienen. Nach den zwei gestrigen Konzerten im Berliner Velodrom stellte ich mir die Frage, an welche Idole oder Bands sich wohl unsere Kinder später erinnern werden, so schnelllebig wie die Zeit zu sein scheint. Wird es TOKYO HOTEL sein, KRAFTKLUB oder gar JUSTIN BIEBER? Haben diese Künstler in 30, 40 oder 50 Jahren musikalisch noch etwas zu sagen? Die Antwort muss die Zukunft geben. Doch bevor ich abschweife, zurück zum Abend des 18. April in Berlin.

THE LORDS, die bereits 1959 gegründete deutsche Beat- und Rockband, die von mir bisher nur auf ihre Hits "Shaking All Over" und "Poor Boy" reduziert wurde, ist auf persönlichen Wunsch von RITCHIE BLACKMORE als Support-Act eingeladen worden. Dass sie ihr Konzert gute 40 Minuten früher als geplant begannen, führte zu einigen Irritationen beim Publikum und vor allem bei den akkreditierten Fotografen. THE LORDS ließen sich nicht beirren und lieferten einen passablen Gig ab. Ihre oben genannten Hits haben wir bereits in den frühen 1970er Jahren als Schülerband gecovert. Also gab es auch hier Memories in Rock. Dass THE LORDS auch richtig hart rocken können, überraschte mich positiv. Natürlich versetzten sie das Publikum am ehesten mit den Mitsing-Nummern "Gloryland" und "Poor Boy" in eine ausgelassene Stimmung. Doch insgesamt überzeugten sie mit einem passablen Auftritt, bei dem sie sich selbst nicht allzu wichtig nahmen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erlosch um kurz nach 21:00 Uhr das Licht im Saal, Scheinwerfer kreisten über den Köpfen des Publikums und BLACKMOREs unverkennbarer Gitarrensound erklang parallel zum vom Band eingespielten Intro. Der Maestro selbst ließ es sich nicht nehmen, sofort an den Bühnenrand zu kommen, um seine Fans zu begrüßen. Mit dem bekannten Riff auf der elfenbeinfarbigen Fender Stratocaster stimmte BLACKMORE den RAINBOW-Klassiker "Spotlight Kid" an. Die Band stieg mit voller Wucht ein und gab damit die musikalische Richtung vor, Hardrock vom Feinsten. Mit "I Surrender" folgte ein weiterer RAINBOW-Song,c 20180420 1467804402 bevor "Mistreated" an BLACKMOREs Ära bei DEEP PURPLE erinnerte. Die fantastisch eingespielte Band um den Saitenmagier performte druckvoll, punktete vor allem jedoch mit dem jungen chilenischen Sänger RONNY ROMERO. ROMERO drückte den RAINBOW- und DEEP PURPLE-Songs gekonnt seinen eigenen Stempel auf. Leider ging seine Stimme in der Wall of Sound seiner Kollegen oftmals unter. Anstelle von Lautstärke hätte ich mir hier etwas mehr Transparenz gewünscht.

Wer die Veröffentlichungen von RITCHIE BLACKMORE's RAINBOW aus den vergangenen Jahren kennt, oder die Band gar live erlebt hat, merkte schnell, dass sich an der Setlist quasi nichts geändert hat. Doch wen stört's? Schließlich ist man gekommen, um genau diese Musik zu hören. BLACKMORE erhielt bei seinen fantastischen Soli immer wieder Szenenapplaus. Er entlockte seinem Instrument nicht nur filigrane Töne. Mal peitschte er die Saiten mit dem Gitarrenkabel, mal kniete er vor ihr auf dem Boden und schrubbte wie wild auf den Saiten rum. Dann wiederum lieferte er sich ein Battle mit Keyboarder JENS JOHANNSON. Das wollten wir doch sehen und hören.

Als sich BLACKMORE die Akustik-Gitarre griff, wusste jeder eingefleischten Fan, nun folgt "Soldier Of Fortune". Für mich zählte diese Ballade zu einem der Highlights der Show, weil ROMERO der Stimme von DAVID COVERDALE sehr nahe kam. Nach dem DEEP PURPLE-Klassiker "Perfect Strangers" wurde es mit Beethovens "Ode an die Freude" klassisch. Wie immer bot das Stück im angejazzten Mittelteil Raum für ausgiebige Improvisationen, bei denen vor allem JOHANNSON sein Können an den Tasten unter Beweis stellen konnte. Das radiotaugliche "All Night Long" rockte mainstreamig daher, bis "Woman From Tokyo" gekonnt in das Stück eingewebt wurde. Wie schon bei "Soldier Of Fortune", versuchte ROMERO auch hier, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Bei dieser rockigen Nummer gelang ihm dies deutlich besser. Der epische DEEP PURPLE-Klassiker "Child In Time" gestaltete sich zum absoluten Höhepunkt des Konzerts.d 20180420 1379788965 Die sich ekstatisch steigernden Schreie und das anschließende Gitarrensolo, erweitert um gekonnte Bass- und Keyboard-Improvisationen, sorgten für eine elektrisierende Stimmung im Rund des Velodroms. Einfach fantastisch.

Es schloss sich ein Reigen weiterer Stücke aus dem Backkatalog des RITCHIE BLACKMORE an, zu denen auch "Black Night" und "Long Live Rock'n'Roll" gehörten sowie das unvermeidliche "Smoke On The Water". Nach etwas über zwei Stunden Spielzeit endete dieser Reigen mit dem DEEP PURPLE-Song "Burn", den ich während meiner Ausbildung in der 70er Jahren rauf und runter gehört habe. Das Konzept Memories in Rock ging auf, dank herausragend guter Musiker, zu denen der junge Schlagzeuger DAVID KEITH und Bassist BOB NOUVEAU zählten, die für ein solides rhythmisches Fundament sorgten. Auch LADY LYNN und BLACKMOREs Ehefrau CANDICE NIGHT hatten als Backgroundsängerinnen sichtbaren Spaß an ihrer Aufgabe. Einer abwechslungsreiche Setlist und eine außergewöhnlich gute Lichtshow - inklusive beeindruckender Videoprojektionen - machten den Gig zu einer runden Sache, die zirka 7.000 Fans begeisterte. Die Stimmung im Velodrom wurde zunehmend ausgelassener, wobei einige Gäste eher dem Alkohol zusprachen, als aufmerksam guter, handgemachter Rockmusik zu lauschen.

Es war mir eine große Freude, den Saitenzauberer RITCHIE BLACKMORE, dem man seine 73 Lebensjahre wirklich nicht ansieht, nach 25 Jahren mal wieder live erleben zu können. Es wird hoffentlich nicht das letzte Mal gewesen sein.




Setlist:
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Bitte beachtet auch:
• Homepage über Rainbow (Fanseite): www.rainbowfanclan.com
• Homepage des Velodrom in Berlin: www.velodrom.de




Fotostrecke:

 
 



 

 

 

 


   
   
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