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Ein Konzertbericht mit Fotos von Christian Reder



Wenn nicht da, dann eben hier ...
Am Freitagnachmittag war ich mit meinem Hund Raphael im Wald auf der täglichen Gassi-Runde unterwegs, als mein Smartphone klingelte. Lutz "LÜÜL" Graf-Ulbrich war am anderen Ende. Einen Tag zuvor hatten wir noch einen regen Austausch per Mail, denn sein Konzert in Bochum, das am Samstagabend stattfinden sollte, wurde seitens des Veranstalters kurzfristig abgesagt. Er hätte so gerne gespielt, sagte er, aber er hätte gar keine Chance bekommen, den Veranstalter davon zu überzeugen, die Sache nicht abzusagen. "Es haben ja schließlich Leute schon zugesagt, die kommen wollen. Die möchten doch unterhalten werden. Ist doch egal, ob das nun fünf oder fünfhundert Menschen sind", meinte LÜÜL und schob die Frage nach, ob ich eine Alternative wüsste, wo man das für Bochum geplante Konzert doch noch stattfinden lassen könne. "Meinst Du, wir können das vielleicht irgendwo privat machen?". Was die Bochumer Veranstaltungsszene betrifft, kenne ich mich wirklich nicht so gut aus. Und sich damit am Freitagnachmittag noch groß zu beschäftigen, um für den darauffolgenden Abend etwas einzutüten ... das haut nicht hin. "In Bochum wüsste ich jetzt nix, aber komm doch nach Castrop.a 20180415 1050049606 Ich würde mich gleich darum kümmern", schlug ich vor und LÜÜL fand die Idee gut. Telefonat beendet, meinen Freund Marvin vom "Mythos" angerufen und nachgefragt:

Icke: "Hast Du morgen einen Saal frei?"
Marvin: "Ja, den 'Roten Salon' kann ich anbieten"
Icke: "Wollen wir das Konzert mit LÜÜL von den Bochumer Kollegen übernehmen und bei Dir stattfinden lassen?"
Marvin: "Können wir machen"


Telefonat beendet, LÜÜL zurückgerufen: "Geht klar, Deine Veranstaltung lassen wir im 'Mythos' laufen." Mit den Worten, "Dann kommste eben nach Castrop", verabschiedete ich mich von ihm. Nachdem ich meinen komplett mit Fell überzogenen Kumpel Raphael "ausgewrungen" hatte, ging es zurück nach Hause. Bei Facebook eine Veranstaltung angelegt, die Redaktion der Ruhrnachrichten angerufen und die sehr engagierte Kollegin Gumpert gefragt, ob man im Lokalteil der morgigen Ausgabe unserer hiesigen Tageszeitung noch einen kleinen Hinweis platzieren könne (man konnte) und schon war alles in die richtigen Bahnen geleitet. Für einen weiteren großen Teil sorgte mein Kumpel Marvin, der sich um die Technik und die Unterkunft für den Künstler kümmerte. Am frühen Abend war innerhalb von nur zwei Stunden alles in Sack und Tüten. "Wenn nicht dort, dann eben hier ...", könnte das Motto dieser spontanen Aktion heißen, und die am Vortag eliminierte Vorfreude auf LÜÜL und sein "Im Schatten der Mondgöttin"-Programm setzte wieder ein. So schnell hatte ich noch nie eine Mugge auf die Beine gestellt, und so schnell hat wohl auch LÜÜL noch nie einen Auftritt klar gemacht.

b 20180415 2067753402Die Mondgöttin
LÜÜL hatte für Samstagabend ein ganz spezielles Programm vorbereitet, in dem es in erster Linie gar nicht um ihn, sondern um eine Frau namens Christa Päffgen geht. Über sie und die gemeinsam verbrachte Zeit hat LÜÜL unter dem Titel "Im Schatten der Mondgöttin" ein sehr lesenswertes Buch verfasst, aus dem er uns in einer multimedialen Lesung auszugsweise erzählen wollte. Aber wer ist Christa Päffgen und warum ist sie es wert, in einem Buch und einer Lesung zum Thema gemacht zu werden? Die Musikwelt kennt Christa Päffgen wohl nur unter dem Namen NICO. Sie galt in den 1950er Jahren als erstes Supermodel und legte als Musikerin mit ihrem Mitwirken bei der Gruppe VELVET UNDERGROUND und insbesondere mit ihrer Solo-Arbeit den Grundstein für Musikrichtungen wie Punk oder Gothic. Cineasten kennen die blonde Frau u.a. als Darstellerin in Federico Fellinis Film "La Dolce Vita", aus Filmen von Andy Warhol und einigen Streifen des französischen Filmemachers Philippe Garrel. Lesern von Boulevard-Blättern und der Regenbogen-Presse war sie auch als Mutter eines Sohnes bekannt, deren Vater Alain Delon ist, sowie als Muse und Freundin von u. a. Brian Jones, Bob Dylan, Leonard Cohen und Jim Morrison. Und in diesen Kreisen mit Weltstars, großen Managern und tollen Plätzen auf dieser Welt bewegte sie sich - und mit ihr auch LÜÜL, den mit der Künstlerin eine "heiße Affäre", ein phasenweises Zusammenleben und gemeinsame Reisen und Arbeiten verband. Und von eben dieser Verbindung, sich daraus entwickelnden Abenteuern und den Erlebnissen wollte er uns erzählen.

Im Roten Salon ...
... saßen bei meiner Ankunft am Samstagnachmittag schon LÜÜL und zwei Vertreterinnen und Vertreter des Senders WDR, die mit ihm ein Interview für ein NICO-Spezial aufnahmen, das wohl im Herbst anlässlich des 80. Geburtstages der in Köln geborenen Künstlerin NICO in einer eigens dafür vorgesehenen Sendung Patz finden soll. LÜÜL fiel mir beim Betreten des "Mythos" sofort durch seine Erscheinung und insbesondere auch durch seinen markanten Hut auf. Wir begrüßten uns und ich setzte mich LÜÜLs Ausführungen und Antworten auf die Interview-Fragen lauschend dazu. Wer hätte gedacht, dass ich zu diesem Zeitpunkt des Tages schon einen so intensiven Schnupperkurs in die gemeinsame Geschichte der beiden Künstler bekommen sollte. Später würden die beiden Radio-Leute auch den Vortrag noch mitschneiden. Wer von meinem Beitrag hier am Ende neugierig geworden sein sollte oder überhaupt Lust auf das Thema hat und keine Chance haben wird, das Programm live zu erleben, sollte den Sendeplan des WDR und auch LÜÜLs Homepage im Auge behalten.c 20180415 1671138623 Wann genau die Sendung im WDR3 laufen wird, kann man dort erfahren, wenn der Termin feststeht. Der zeitliche Rahmen, in dem es laufen soll, wurde - wie gesagt - mit "Herbst" schon abgesteckt, aber der ist ja bekanntlich lang. Bei einem gemeinsamen Abendessen unterhielten wir uns weiter über das Programm und das Geschehen vom Vortag. Ich war richtig happy, dass wir das innerhalb von nur so kurzer Zeit hinbekommen und doch noch möglich gemacht haben, dass LÜÜL auftreten konnte. Während wir noch aßen, trudelten schon die ersten Besucher ein und mit dem "akademischen Viertel" im Gepäck startete LÜÜL um 20:15 Uhr sein Programm.

Lesung mit Musik und Powerpoint-Präsentation
Als der große Kronleuchter im Saal ausgeschaltet war, legte LÜÜL los. Zu Beginn liefen diverse Fotos mit Untertiteln über die große Leinwand. Die Fotos zeigten NICO in verschiedenen Momenten ihres Lebens ... als junge Frau, als Künstlerin auf der Bühne und zusammen mit vielen großen Namen, die ihren Lebensweg und ihre Karriere kreuzten. Das erste Kapitel des Buches, aus dem LÜÜL dann vorlas, trägt die Überschrift "Im Bett mit Jim Morrison - mit NICO auf Trip". Es handelt von LÜÜL selbst, der zu dieser Zeit als Musiker der Gruppe AGITATION FREE tätig und mit der Band viel unterwegs war, und der nach einer Trennung von der damaligen Lebensgefährtin bei einem befreundeten Journalisten namens Hervé Muller unterkam. Jener Muller war mit Jim Morrison befreundet, hatte sogar ein Buch über ihn geschrieben und bot LÜÜL das Bett an, in dem der große Musiker zu Lebzeiten bei seinen Besuchen dort selbst nächtigte. Und das Kapitel handelt auch über die ersten Begegnungen mit NICO und den Beginn der eingangs schon erwähnten, leidenschaftlichen Affäre. Diesem Kapitel ließ LÜÜL ein erstes Musikstück folgen, nämlich "Das Lied vom einsamen Mädchen". Es handelt sich dabei um einen 1954 für Hildegard Knef geschriebenen Chanson, der Verwendung im Carlton-Film "Alraune" fand und den LÜÜL für NICO neu aufgenommen hat.

d 20180415 1513092351Im Verlauf der Lesung kamen weitere ausgewählte Kapitel des Buchs zum Vortrag. Wir erfuhren über "Familiengeschichten" inklusive der eher traurigen Geschichte über ihren Sohn Aaron, dessen Vater Alain Delon seine Vaterschaft wohl nie anerkannt hat, obwohl man dem Jungen die Herkunft deutlich ansah, NICOs immer weiter fortschreitende Drogensucht inklusive einiger haarsträubender Stories über die Beschaffung und den Schmuggel des "Dope" und viele Geschichten aus dem "Berufsleben" der Künstlerin. Endend mit dem Kapitel über die letzte Begegnung LÜÜLs mit NICO vor ihrem Tod im Sommer 1988. Im Programm eingebettet sind immer wieder Fotos und auch ein knapp 12-minütiger Clip, der einen gemeinsamen Auftritt von NICO mit John Cale und Brian Eno (Roxy Music) beim META-Festival am 5. Oktober 1974 zeigt. Das Berliner Publikum hatte damals wohl eher einen Auftritt von Roxy Music oder Velvet Underground erwartet und zeigte sich ob der ziemlich andersartigen Darbietung der drei Musiker teilweise ziemlich unentspannt. In dem erst vor kurzer Zeit wiederentdeckten Video sind deutlich die "Buh"-Rufe des Publikums zu hören, aber man kann sich auch gut ein Bild darüber machen, was die drei Musiker damals auf die Bühne gebracht haben. Eine weitere Episode, die LÜÜL in seinem Buch verewigt hat, ist u.a. die über die Zeit in New York und um ein dort stattgefundenes Konzert von John Cale im Jahre 1979, in dessen Vorprogramm NICO spielte. Dieser Abend nahm ziemlich krasse Züge an, als NICO einen Weinkrampf erlitt, am Ende einen Ausraster hatte und dem Veranstalter dafür eins "in die Fresse hauen" wollte, weil er sie ins Vorprogramm von Cale steckte. Überhaupt war das Leben der NICO mit tragischen Ereignissen durchzogen und sowohl in dem Buch von LÜÜL als auch in diesem Bühnenprogramm schwingt deshalb eine gehörige Portion Moll mit. Zwar gibt es immer wieder auch lustige Episoden, bei denen man schmunzeln kann, die Lichtverhältnisse in ihrem Leben waren aber insgesamt genauso dunkel, wie während LÜÜLs Vortrag im "Roten Salon". LÜÜL wusste auch zu berichten, dass NICO viele große Möglichkeiten, die sie und ihre Karriere weiter voran gebracht hätten, aus unterschiedlichen Gründen einfach liegen ließ oder schlicht verpasste. Dies sei für LÜÜL auch der Grund gewesen, das Lied "Dein Fenster" zu schreiben, das wir ebenso zu hören bekamen, wie das Stück "For You", dessen Entstehung ebenfalls einen eher traurigen Hintergrund hat.e 20180415 1999565594 LÜÜL schrieb es nach einem Konzert in Frankreich, bei dem NICO ihn besuchte, es aber aufgrund ihrer Drogensucht noch während es lief wieder verließ, um die Reise zurück zu ihrem Dealer in die Hauptstadt anzutreten. Zurück blieb damals ein enttäuschter und trauriger LÜÜL, der sich den Rest des Abends anders vorgestellt hatte und stattdessen den Song schrieb.

Kurz vor dem Ende der Lesung gab es mit "Reich der Träume" noch ein weiteres Lied zu hören, diesmal allerdings nicht live von LÜÜL vorgetragen, sondern als Clip auf YouTube zu erleben. Ebenso auf YouTube zu sehen und hören war das letzte Interview, das NICO gab. Das Kapitel "Fata Morgana" mit der letzten Begegnung von LÜÜL und NICO beschloss dann auch den Abend und die multimediale Lesung des Berliner Musikers, der gerne noch etwas länger hätte Lesen dürfen.

Dur folgt auf Moll
Trotz aller Tragik die in NICOs Leben steckte und der eben beschriebenen gedrückten Stimmung, die dies beim Zuhörer auslöste, war der Vortrag höchst interessant, kurzweilig und gab tiefe Einblicke in eine Musikszene, die es heute nicht mehr gibt und in der Form auch eher nicht mehr möglich ist. Zur damaligen Zeit hatte diese Szene die geballte Rock'n'Roll-Power und so schillernde Persönlichkeiten und kreative Genies wie z.B. David Bowie, Jimi Hendrix, Lou Reed, Leonard Cohen, Iggy Pop und eben auch NICO und LÜÜL. Heute haben wir Justin Bieber, Kanye West, die Lochis und andere fragwürdige Figuren, die vom Rock'n'Roll so weit weg sind wie Alice Schwarzer von einer Posterbeilage im Playboy. Während das große Publikum heute billigstes Plastik als große Kunst beklatscht, kann sich der interessierte Musikfreund bei Veranstaltungen wie denen von LÜÜL noch einen Hauch dieser Zeit einfangen, den golden schimmernden Mythos fühlen und sich die Geschichten dieser Szene aus erster Hand von einem Zeitzeugen erzählen lassen. LÜÜLs Auftritt hatte außerdem etwas von einem Wohnzimmerkonzert. Mit seiner Art des Vortrags, seinem sympathischen Auftreten und der Nähe zu seinem Publikum sorgte er für diese gemütliche und entspannte Atmosphäre,f 20180415 1743628103 die nach dem offiziellen Teil noch in einem gemütlichen Beisammensitzen mündete, bei dem weitere Geschichten erzählt und Lieder gespielt wurden, gemeinsam angestoßen und Erinnerungsfotos geschossen wurden. LÜÜL entpuppte sich schon vor dem Konzert als freundlicher Kumpel-Typ, den man sofort ins Herz schließen muss. Da geht kein Weg dran vorbei! Am Ende dieses Samstags gingen wir gut gelaunt auseinander und ich kann für mich sagen, dass ich persönlich eine intimere Veranstaltung wie diese hier vorher noch nie erlebt habe. Und wenn auch Du jetzt Lust hast, das zu erleben, dann gebe ich Dir noch schnell mit auf den Weg, dass man LÜÜL sowohl mit diesem Programm, als auch mit einer Lesung aus seiner eigenen Biographie buchen kann. Aber auch die 17 HIPPIES, dessen Gründungsmitglied er ist und deren Vita schon nach einer ganzen Menge Spaß klingt, gibt es noch. Ab diesem Monat ist LÜÜL außerdem mit seinem neuen Album "Fremdenzimmer" live unterwegs. Schau Dich mal um, vielleicht ist er mit irgendwas davon ja auch in Deiner Nähe.




Termine:
• 20.04.2018 - Berlin - Morgenstern (Lesung „Ich folge meiner Spur“)
• 26.04.2018 - Bremen - Weserterrassen (Vorpremiere "Fremdenzimmer")
• 27.04.2018 - Hamburg - Kulturzentrum Lola (Vorpremiere "Fremdenzimmer")
• 28.04.2018 - Gnarrenburg - Cultimo (Vorpremiere "Fremdenzimmer")
• 04.05.2018 - Havelsee - Villa Fohrde (Vorpremiere "Fremdenzimmer")
• 09.05.2018 - Berlin - Ufa-Fabrik (Record Release Party "Fremdenzimmer")
• 11.05.2018 - Monein - Le Moulin qui bouge ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 12.05.2018 - Pau - Heinrich Mann Institut ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 15.05.2018 - Zwickau - St. Barbara–Lichtentanne ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 16.05.2018 - Erfurt - Museumskeller ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 17.05.2018 - Mittelherwigsdorf - Kulturfabrik Meda ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 18.05.2018 - Fulda - Kuz Kreuz ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 19.05.2018 - Habichtswald - Frischmarkt Domrich ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 30.05.2018 - Berlin - Cafe Lyrik ("Fremdenzimmer"-Tour)
• 31.05.2018 - Berlin - Dodo ("Fremdenzimmer"-Tour)

Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf LÜÜLs Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von LÜÜL: www.luul.de
• Homepage des "Mythos" in Castrop-Rauxel: www.restaurant-tanzpalast-mythos.de




 
 
 
 
 
 
 
 




   
   
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