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Ein Konzertbericht  mit Live-Fotos  von Lisa Bach
Zusätzliche Fotos im Text: Waldemar Brzezinsky



Wenn es draußen kälter wird, die Tage kürzer und die Beleuchtungen in den Fenstern heller und bunter werden, dann ist das meist ein klares Indiz dafür, dass es auf Weihnachten zugeht. Während im Radio jedes Jahr aufs Neue die gleichen Lieder auf und ab dudeln, selbiges auf den Weihnachtsmärkten passiert, was nur mit viel Glühwein auszuhalten ist, gibt es auch Lichtblicke. Besinnliche Musik mit Stil, Leidenschaft und viel Herzblut. Winterlich ruhig, weihnachtlich und entspannend. Eben anders.a 20171231 1096013505 Während vor der Tür des ZigZag-Jazzclubs in Berlin frostige Temperaturen vorherrschten, klangen im Inneren warme Jazz-Klänge aus der Konserve. Auf der Bühne standen ein schwarzer Flügel, ein Kontrabass, zwei Gitarren und ein Hocker bereit. Nach und nach wehte der eisige Wind die Besucher in den schlicht eingerichteten Club. Auf den kleinen Tischen fanden rote Windlichter platz, die den Raum in ein entspanntes Licht tauchten. Gegen 20:40 Uhr betrat Willi Hunz die Bühne und kündigte voller Vorfreude Jessica Gall, Robert Matt und ihre beiden Musiker an. An diesen Abend waren nicht wie meist Johannes Feige und Björn Werra dabei, sondern Enrico Antico und Andreas Henze.

Mehr oder weniger pünktlich eröffneten die vier den Abend mit einem Klassiker. "Süßer die Glocken nie klingen" versetzte die Gäste bereits in eine Entspannung, die wohl der perfekte Ausklang für einen Sonntagabend war. Dabei spielte es keine Rolle, ob jung oder gesetzt. Natürlich gab das Quartett neben Klassikern wie "Es ist ein Ros*' entsprungen" auch eigene Songs zum Besten. Jessica Gall mag besonders an der Weihnachtszeit, wenn es draußen weiß ist, es durch den Schnee heller wird und sich drin der Duft von selbst gebackenen Keksen verbreitet. Leider ist das Weiß mehr eine graue Brühe, die alles andere als hell ist und die Kekse sind meist doch nur selbst gekauft. Das Lied "Picture perfect" ist aber definitiv selbst geschrieben. Mit viel Gefühl und noch mehr Passion zog sie die Hörer in ihren Bann und erzählte so eine Geschichte von all dem, was nicht perfekt scheint, es aber auch nicht sein muss.

b 20171231 1933791996Eines der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder ist ohne Zweifel "Leise rieselt der Schnee". Aber wer jetzt dachte, dass es einfach "nur" ein Weihnachtslied ist, wurde eines Besseren belehrt. Denn so hat man es vorher definitiv noch nicht zu Ohren bekommen. Der Mann, der während dieses Liedes den Club betrat, wurde warm begrüßt. Er entledigte sich seiner Jacke und tat, was alle anderen auch taten. Er lauschte ausgeglichen und neugierig. Und er blieb. Vor einigen Jahren schrieb die begnadete Sängerin für ihre engsten Freundinnen einen Song. "Beautiful girls". Sie begann, in Erinnerungen zu schwelgen und eine derer, die an diesem Abend vor Ort war, nickte zustimmend. Die gut gelaunte Berlinerin blieb für den nächsten Song, zumindest musikalisch, der englischen Sprache treu. Jessica Gall unterhielt sich mit dem Publikum und erwähnte nebenbei auch, dass der folgende Song "Let it snow" mitten im Juli im sonnigen Kalifornien geschrieben wurde. Vermutlich hatten sich die Autoren in dieser sengenden Hitze etwas kühlere Temperaturen und die eine oder andere weiße Flocke gewünscht. Es wurde munter geswingt und Gitarrist Enrico Antico brillierte mit einem euphorischen Solo, ehe sich die Band in eine kurze Pause verabschiedete.

Ungefähr 20 Minuten später erklangen erneut sanfte Gitarrenklänge und eine leise Stimme, die beide nicht in die Hintergrundmusik des Clubs passten. Ging man von einem der hinteren Plätze etwas Richtung Bühne, fand man auch die Quelle. Jessica Gall und Enrico Antico standen in einer Ecke und spielten ohne Mikrofon und Kabel die Ballade "Just like you". Pur und ohne Verstärker. Und im Duett. Pianist Robert Matt beobachtete die beiden stolz und zufrieden, und die Gäste sowie das Personal taten es ihm gleich. Wieder auf der Bühne angekommen, war auch Andreas Henze, der Mann für die tiefen Töne, wieder mit an Bord. Die Begeisterung der Zuschauer war groß. Die Stimmen der beiden harmonierten miteinander und schon nach den ersten Tönen nach der Pause war man wieder in dieser entspannten, freudigen und harmonischen Welt, in der man trotz des ganzen Stresses und der Hektik vor den Feiertagen am liebsten sein will.

Dass ein Flügel nicht einfach ein Flügel ist, stellte Pianist Robert Matt in "I close my eyes" unter Beweis. In Ermangelung eines Schlagzeugers begann er kurzerhand, auf dem Flügel zu trommeln, was allen Anwesenden - egal, ob auf oder vor der Bühne - ein freudiges Schmunzeln in das Gesicht zauberte. Um textlich wieder mehr in Richtung Weihnachten zu gelangen,c 20171231 1669214601 spielten die vier Musiker wieder ein deutschsprachiges Lied aus der Rubrik "nicht alltäglich": "Es kommt ein Schiff geladen". Und erneut zeigte Jessica Gall die Vielfältigkeit ihre Stimme. Egal, ob auf englisch oder wie in diesem Fall auf deutsch. Beim ältesten bekannten Weihnachtslied "Christmas night", das vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt, zauberte wiederum ihr Mann Robert eine ganze Band samt Orchester aus seinem "Hut". Mit einem Temperament, das seinesgleichen sucht, hämmerte er in die Tasten und man hatte den Eindruck, der Flügel würde abheben.

Wäre Bing Cosby an diesem Abend vor Ort gewesen, hätte er sich sicherlich wohl gefühlt. Die Kombination aus Ambiente und Musik hätten ihm bestimmt gefallen. Ebenso das Solo auf dem Kontrabass von Routinier Andreas Henze, der in puncto Leidenschaft auf einem Level mit seinen Mitstreitern liegt. Dass Musik nicht einfach Musik ist, sondern auch Kultstatus hat, dachte sich 2011 auch die UNESCO, als die dem Lied "Stille Nacht" den Titel Weltkulturerbe verlieh. In mittlerweile über 320 Sprachen übersetzt, gibt es niemanden, der dieses Lied nicht kennt. Und außerdem gehört es wohl zu jedem Weihnachtsprogramm. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob bei familiären Feiern unter dem heimischen Baum oder bei einem der vielen Konzerte. Dass es auch an diesem Abend nicht fehlte, liegt auf der Hand. Als letzten Song des Abends stimmten die Musiker John Lennons "Imagine" an. Das übrigens ist auch auf dem Live-Album "Little big soul" als Zusatztitel zu finden.

Mit einer kurzen Verbeugung verabschiedeten sie sich von ihrem Publikum, welches aber mit diesem frühen Ende nicht einverstanden war. Lautstark und unüberhörbar forderten die Konzertbesucher eine Zugabe, welche Jessica Gall und ihre Mannen gerne noch nachreichten. Ohne Instrumente. Die hatten Pause. Stattdessen zeigten sie, dass sie es auch Acapella können. Mit dem Song "World to me" (Album "Picture perfect", 2017). Selbst Andreas Henze der sonst am Kontrabass steht und vorher noch nie gesungen hatte, stand mit vorn. Und er sang. Als sie mit den ersten Zeilen begannen, konnte man aus dem hinteren Bereich des ZigZag ein mehrhändiges Schnippen vernehmen.d 20171231 1199718865 Passend im Takt stieg das Quartett auf der Bühne mit ein und insbesondere in den Gesichtern von Jessica und Robert gingen die Mundwinkel grinsend nach oben. Nach und nach stiegen neben der hinteren Gruppe auf den Barhockern auch die anderen Gäste und das Personal mit ein und alle waren gefangen in der weihnachtlich-musikalischen Welt von Jessica Gall. Als wirklich endgültigen Abschluss des Abends gab es noch eine Überraschung. Passend zum Thema des Konzertes präsentierten sie das neue und ebenfalls eigene Lied "Licht" - ein Weihnachtslied. Und fanden damit einen Abschluss, mit dem alle zufrieden waren und anschließend ausgeglichen und relaxed den Heimweg antreten konnten.

Nachdem Jessica Gall Anfang 2017 ihr Album "Picture perfect" veröffentlichte, ist viel passiert. Tour, Gast-Engagement mit Pianist und Ehemann Robert Matt auf der MS Europa, Weihnachtstour und Einladungen zu diversen Veranstaltungen. Unter anderem in einem Golfclub in Hamburg im Rahmen der Reihe "Musik in den Häusern der Stadt". Und überall zog sie die Menschen mit ihrer herzlichen und offenen Art und ihrer unbändigen Leidenschaft und der Liebe, die man in ihren Liedern und ihrer Musik spürt, in ihren Bann. Die Presse ist voll des Lobes und wer Jessica Gall mindestens einmal live erleben durfte, versteht das. Mindestens übrigens, weil man sie immer wieder erleben will. Und dabei spielt es keine Rolle, ob in der Sommer- oder in der Weihnachtszeit.




Termine:
• 20.01.2018 - Essingen - Schlossscheune
• 21.01.2018 - Unna - Lindenbrauerei
• 26.01.2018 - Hameln - LaLu Traumfabrik
• 01.03.2018 - Magdeburg - Karstadt Kultur
• 02.03.2018 - Bad Homburg - Speicher
• 03.03.2018 - Wiesloch - Jazz im PZN
• 04.03.2018 - Oberkirch - Mediathek

Alle Angaben ohne Gewähr! Weitere Termine und nähere Infos auf Jessicas Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Jessica Gall: www.jessicagall.de






Fotostrecke:




 
 
 
 
 
 

   
   
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