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Ein Bericht von Christian Reder mit Fotos von Sandy Reichel



Es gibt viele Gründe, warum Menschen auf der Straße leben und kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Sie mögen vielfältig sein, diese Gründe, aber die Situation ist für jeden Obdachlosen gleich: Das Leben draußen ist hart, gefährlich und ein täglicher Kampf ums Überleben. Ein täglicher Kampf ist es auch für jene Menschen, die zwar noch ein Dach über dem Kopf haben,a 20171228 1809996957 aber mit ihren Lebensumständen - sei es die finanzielle oder die persönliche Situation - längst nicht mehr fertig werden. Natürlich muss in diesem Land niemand verhungern, wie es uns ja immer wieder erzählt wird, und das stimmt auch. Der Staat hat viele Optionen für diese Menschen bereit gestellt, aber Sachleistungen aus dem "Depot" und finanzielle Unterstützung wärmen noch lange keine Herzen. Schon gar nicht, wenn sie kalt serviert werden. Es sind die Abgehängten, die wenig Beachteten und teils längst Vergessenen in unserer Gesellschaft, die dieses schwere Los gezogen haben und in einer Einbahnstraße ohne Wendemöglichkeit eingebogen sind. Einer, der diese Menschen nicht vergessen hat und ihnen das Herz zumindest an einem Tag im Jahr erwärmt ist Frank Zander. Der Sänger aus Berlin lud am 19. Dezember 2017 zum nunmehr 23. Mal Obdachlose und bedürftige Menschen aus der Umgebung zu einer Weihnachtsfeier ins Hotel ESTREL ein.

Schon morgens in aller Frühe sorgten viele fleißige Hände dafür, dass am Nachmittag alles glatt laufen konnte. Auf dem Papier stand das Programm längst fest, es musste in der Praxis nur noch umgesetzt werden. Wer nicht mit anpacken und schleppen konnte, sorgte auf anderem Wege dafür, dass es bei der Feier an nichts fehlte. Zander finanziert Essen und Geschenke in jedem Jahr durch Spenden und organisiert die Veranstaltung mit Freunden und Familie. Verschiedene Lebensmittelhändler spenden Rotkohl, Klöße und die dazu passende Soße. Das Hotel Estrel übernimmt die Beschaffung der Gänsekeulen und stellt sie für einen Sonderpreis zur Verfügung. Weitere Sach-, Dienstleistungs- und Geldspenden kommen von Getränkeherstellern, den Berliner Verkehrsbetrieben, den Berliner Wasserbetrieben, Süßwarenherstellern Autovermietungen und vielen anderen Spendern. Sogar Zahnärzte setzen sich für die gute Sache ein. Die Prominenten helfen ehrenamtlich und treten im Show-Teil ohne Gage auf. Ein riesengroßer Apparat, der da "bedient" wird, und ein Rädchen greift ins andere. All das kann man gar nicht hoch genug hängen!
 
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Gesundheitlich selbst angeschlagen - der Gastgeber musste sich vor ein paar Wochen noch einer Operation unterziehen - stand Frank Zander den gesamten Nachmittag zuerst am Eingang, um jeden Gast persönlich zu begrüßen - und zwar mit Handschlag - und dann im Saal, um das Essen zu verteilen, zu organisieren und um später noch auf der Bühne zu stehen und zu singen.c 20171228 1516341606 Doch nicht nur wegen ihm stand die Welt an diesem Dienstag für die knapp 3.000 erschienenen Gäste auf dem Kopf. Machen sie in ihrem Leben nicht selten mit Ablehnung und Anfeindungen Bekanntschaft, erfuhren die vielen Bedürftigen und Obdachlosen hier echte Herzlichkeit und Herzenswärme. Frank Zander, der Initiator dieser Feier, wurde auch dieses Mal wieder von vielen Helfern aus Kunst, Kultur, Sport und Politik unterstützt. Axel Schulz, der ehemalige Boxer, war wieder dabei. Handballer Silvio Heinevetter half ebenso mit. Die Musiker David Garret, Annemarie Eilfeld, Michael Hirte und Nicole, Regisseur Detlef Buck, Politiker wie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Heinz Buschkowsky und Renate Künast, Entertainer Wolfgang Lippert, Schauspielerinnen und Schauspieler wie Katy Karrenbauer, Dieter Hallervorden, Anouschka Renzi und Simon Gosejohann ... sie alle und noch viele Prominente mehr trugen die 3.000 Gänsekeulen und 6.500 Knödel mit Rotkraut in den Saal und zu den Menschen. Es ist keine böse Absicht, hier jetzt prominenten Helfer namentlich nicht zu erwähnen, aber entweder man hat nicht alle bei ihrem Einsatz gesehen oder sie fielen dem Autor dieser Zeilen beim Schreiben dieser Zeilen nicht mehr ein. Es war dort einfach sehr viel los!

Vor und nach dem Essen gab es warme Kleidung, ebenfalls von verschiedenen Spendern gestiftet, kleine Geschenke wie Schokoweihnachtsmänner und Duschgel, sowie diverse kostenlose Dienstleistungen wie z.B. Friseurbesuche oder Schutzimpfungen. Außerdem ein Showprogramm, bei dem der eine oder andere "Kellner", der noch vor wenigen Minuten Teller durch den Saal trug, plötzlich auf der Bühne stand und für die Menschen sang. So sah man die Hanno Bruhn Gang, Wolfgang Lippert, Annemarie Eilfeld, David Garrett, Michael Hirte, Nicole und einige andere auf der großen Bühne den musikalischen Teil des Tages gestalten.d 20171228 1189425982 Und natürlich ließ sich auch der Gastgeber einen Auftritt nicht nehmen. Wahrscheinlich hätten noch viel mehr Menschen die Einladung von Frank Zander angenommen. Aber so groß der Saal des Estrel auch ist, ist dort trotzdem nicht genug Platz für alle. Leider wird der Kreis derer, für die diese Weihnachtsfeier bestimmt war, nicht kleiner. Im Gegenteil. Über verschiedene soziale Einrichtungen wurden die Einlassbändchen an die Menschen verteilt. Viele Stammgäste waren wieder gekommen, aber leider auch viele, die neu in diese Situation geraten sind und erstmals dabei waren. Am Ende des Tages löste sich die Gesellschaft langsam auf. Die Gäste nahmen nicht nur einen gut gefüllten Magen mit in die kalte Nacht, sondern auch viel Wärme im Herzen und die Eindrücke einer abermals farbenfrohen Bühnenshow. Und während sich all die Menschen auf den Weg machten, war im Saal noch lange nicht Feierabend. Hier wurde nun aufgeräumt und abgeräumt.

Frank Zander ist einer der Zeitgenossen, die in das Dunkelgrau vieler monetär schlecht gestellter Mitmenschen einen dicken bunten Farbklecks setzen. Er holt sie für ein paar Stunden aus dem täglichen Kampf um ein lebenswertes Dasein, und das nicht irgendwann im Jahr, sondern genau zu dem Zeitpunkt, an dem überall der Kommerz marktschreierisch auf sich aufmerksam macht und den Geist der Weihnacht mit allmöglichem Firlefanz und scheinheiligem Glanz übertüncht. Und er tut es nicht nur einmal, nicht zweimal ... sondern bis jetzt schon 23 Mal! Wenn man mich fragt, ist Frank Zander ein Heiliger, der Gott sei Dank noch am Leben ist, um diese guten Taten zu vollbringen. Mag für manches Auge dick aufgetragen sein, aber es sind schon Leute für weit weniger heiliggesprochen worden.
 
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Ablaufplan:
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Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Frank Zander: www.frank-zander.de
• Homepage zur Veranstaltung: www.obdachlosenfest.de
• Off. Homepage von der Hanno Bruhn Gang: www.hanno-bruhn-gang.de
• Off. Homepage von Nicole: www.nicole-4-u.de
• Off. Homepage von Annemarie Eilfeld: www.annemarie-eilfeld.de
• Off. Homepage von David Garrett: www.david-garrett.com/de
• Off. Homepage von Michael Hirte: www.michaelhirte.de
• Off. Homepage von Wolfgang Lippert: www.wolfganglippert.de






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