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Ein Konzertbericht von Mike Brettschneider mit Fotos von Frank Süßenbach



Im vergangenen Jahr verstärkte sich bei Deutsche Mugge, dem Verein für Musik aus Deutschland e. V., der Wunsch, neben seinem Online-Musikmagazin sowie der monatlichen "Radioshow" künftig auch als Veranstalter von Konzerten in Erscheinung zu treten. Nach vielen Überlegungen und der erfolgreichen Suche nach Sponsoren, die diese Unternehmung unterstützen wollen, wird sich die Veranstaltungsreihe mit zunächst fünf Konzerten bis in den Sommer 2016 erstrecken.b 20151013 1900588421 Und damit zum "Startschuss" der Konzertreihe am 10. Oktober 2015, zu der das Berliner Duo BLACKBIRD eingeladen wurde. Kennern der deutschen Musikszene ist natürlich bekannt, dass sich hinter dem Bandnamen Ivonne Fechner und Bodo Kommnick verbergen. Beide kennt man unter anderem von Konzerten mit LIFT, ELO, Deine Lakaien, aber auch als Studiomusiker, als die sie bereits für viele Künstlerkollegen, wie beispielsweise Adel Tawil, ICH & ICH, SILBERMOND, DIE PRINZEN oder auch KARAT und Udo Jürgens arbeiteten.

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass es sich für die beiden Musiker um eine Premiere handelte, denn im "Westen" traten sie bisher noch nicht auf. Leider ist es ein Fakt, dass ein Act ohne mediale Präsenz kaum eine Chance geboten bekommt, über seinen üblichen Aktionsradius hinaus aktiv sein zu können. Kurz gesagt: Im Rundfunk und TV finden BLACKBIRD - zumindest bisher - nicht statt. Dass dies jedoch keineswegs etwas mit fehlender künstlerischer und musikalischer Qualität zu tun hat, bewies der Konzertabend in Castrop-Rauxel eindrucksvoll ...

Eingeladen hatte Deutsche Mugge ins "Haus Oestreich", die dienstälteste Kneipe in Castrop-Rauxel. Eine Kneipe, wie man sich eine Kneipe vorstellt. Ein gemütlicher Gastraum mit Tresen, dunkles Holz, einfach urig. Aber eben nicht nur eine Kneipe, sondern neben Billardtischen, einem Flipper auch ausgestattet mit einem Saal, der sogar eine Bühne zu bieten hat. Der Aufbau der Technik am Nachmittag ging flugs von der Hand, es folgte ein Soundcheck und kurz nach 19:00 Uhr konnten bereits die ersten Besucher begrüßt werden. In einigen kurzen Gesprächen mit Gästen stellte sich heraus, dass der obige Fakt keine Behauptung ist: "BLACKBIRD? Nein, die kennen wir nicht, aber wir sind neugierig darauf, was sie so machen." Diese Aussage könnte man als Credo dieser kurzen Gespräche bezeichnen.

c 20151013 1224248923Der Saal füllte sich zusehends, in kurzer Zeit waren sämtliche Sitz- und Stehplätze belegt und alle warteten auf das musikalische Programm des Abends. Um 20:30 Uhr betrat Organisator Christian Reder die Bühne, begrüßte die Gäste mit kurzen Worten und kündigte die beiden Akteure an. Ivonne Fechner und Bodo Kommnick wurden mit Applaus begrüßt und starteten ihr Programm mit dem Instrumental "Mouvement", welches hauptsächlich durch die von Ivonne gespielte Violine geprägt war. Ein äußerst stimmungsvoller und neugierig machender Beginn des Konzerts. Ivonne trat ans Mikrofon, entschuldigte sich für die kleine Verspätung ("... der Italiener war einfach zu lecker ...") und ging zum Song "Take me back" über. Schon zeigte sich, was BLACKBIRD ausmacht: Vielseitigste Instrumentierung, ausgefeilte Soundarrangements sowie zwei Gesangsstimmen, die Vergleichen mit international erfolgreicher Musik durchaus standhalten können, wenn zuweilen nicht sogar noch besser.

Mit einem Augenzwinkern sagte Bodo den nächsten Song an, der von Ivonne komponiert wurde. Nämlich ein "Liebeslied, wie es sich für Mädchen gehört". Eine wunderschöne Ballade, zu der auch das Publikum zum "Fingerschnipsen" eingeladen wurde. Wie sich später noch herausstellen sollte, gelang es den beiden überhaupt hervorragend, ihr Publikum ins Programm einzubeziehen. Mal mit dem bereits erwähnten "Fingerschnipsen", ein anderes Mal sogar live auf der Bühne mit Glockenspiel, Triangel und Rassel. Stets charmant und fröhlich ganz nach dem Motto, dass Musik in erster Linie Spaß machen soll. Auch die Ansagen, während derer sich die beiden auf lustige Art und Weise die Bälle zuspielten, bereiteten einfach große Freude. "Walk on the ocean" zunächst solo von Bodo gesungen, im Refrain dann mit Ivonne gemeinsam, ließ natürlich das Original erkennen und wurde dennoch auf völlig eigene Art und Weise interpretiert. Dazu durfte das Publikum sogar mitschunkeln ...

Eine kurze Pause für ein Getränk oder auch eine Zigarette schloss sich den ersten 45 Minuten an, bevor Ivonne und Bodo genau so gut gelaunt wie vorher die Bühne erneut zu ihrem Podium machten und mit weiteren Musikperlen aufwarteten: "Enjoy the Ride", dominiert von Akustikgitarre und Violine. Der Spaß kam auch im zweiten Teil nicht zu kurz.

O-Ton Bodo zum folgenden "Promises": "Ein Song, der davon handelt, dass Männer immer viel versprechen und über die Jahre nur sehr wenig davon einhalten. So wurde mir aufgetragen, es anzusagen."

O-Ton Ivonne: "Aber Bodo ist nicht so einer, ist ja klar. Nein, der verspricht erst gar nichts ..."

d 20151013 1901445791Beim Song "El Rocio" kam sogar spanisches Temperament zum Vorschein, den wohl niemand besser als Bodo selbst ankündigen kann. Die Lacher im Publikum waren auf jeden Fall auf seiner Seite. Dabei bleibt festzustellen, dass sich die Konzertbesucher äußerst offen zeigten, Füße wippten, Hände klatschten, Stimmen sangen mit, eine absolut gute und entspannte Atmosphäre.

Wer bei den zum Einsatz kommenden Instrumenten wie Violine, Glockenspiel, Schellenkranz, Mandoline, Keyboards und Gitarre ausschließlich an balladeske Songs oder Folk-Musik denkt, liegt völlig falsch. Bodos Gitarre, die sowohl ganz zart und pur klingen kann, gelang nicht nur bei "Harder to breath" auch eine härtere Rocknummer, die sich gewaschen hatte. Selbst vom zuweilen zum Line-Up gehörenden Schlagzeuger wurden Sequenzen beigesteuert, die den Songs einen ganz besonderen Druck verliehen.

Leider geht auch der schönste Abend mal zu Ende und mit der Ballade "Who knows" bedankten sich BLACKBIRD bei den Organisatoren und Sponsoren, die diesen Abend ermöglichten und verabschiedeten sich. Allerdings nur zunächst, denn der aufs Publikum übergesprungene Funke forderte unverzüglich und kraftvoll eine Zugabe ein. Diesem Wunsch entsprachen Ivonne und Bodo nur zu gern und verließen deshalb gar nicht erst die Bühne. Es ging nahtlos weiter, "Thank you" - im Original von Alanis Morissette - begeisterte absolut und eine ganz eigene Version des von Leonard Cohen stammenden Songs "Hallelujah" versprühte eine einzigartige Atmosphäre im "Haus Oestreich". Mit Paul McCartney's "Blackbird" war dann allerdings wirklich Ende angesagt.

Etliche der gespielten Songs veröffentlichten BLACKBIRD im vergangenen Jahr auf ihrer mit "BLACKBIRD" betitelten EP und wie ich am Rande von beiden erfahren konnte, wird bereits intensiv an weiteren Songs gearbeitet. Nach dem Konzert standen Ivonne und Bodo den Besuchern Rede und Antwort und es ergaben sich interessante Gespräche. Trotz der gerade erst zu Ende gegangenen Mugge war es den beiden auch nicht zu viel, Plakate und CDs zu signieren. Ein rundum gelungener Abend und für mich steht fest: Wenn BLACKBIRD in meiner Nähe auftreten wird - ich bin wieder dabei!


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Setlist:
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Die nächsten "Deutschen Muggen":
• 04.12.2015 - Driftwood Holly - Castrop-Rauxel, Haus Oestreich
• 09.01.2016 - Jürgen Kerth - Castrop-Rauxel, Haus Oestreich
• 20.02.2016 - Katrin Lindner - Castrop-Rauxel, Haus Oestreich


Blackbird live ...
• 14.10.2015 - Ludwigsfelde - Kinderhaus Regenbogen
• 30.10.2015 - Singwitz - Kesselhaus
• 31.10.2015 - Pirna - Q24

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und
weitere Termine auf der bandeigenen Homepage.



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von Blackbird: www.blackbird-berlin.de
• Homepage vom 'Haus Oestreich' in Castrop-Rauxel: www.haus-oe.de




 
 
Fotostrecke

 
 
 



   
   
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