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Ein Konzertbericht von Rüdiger Lübeck mit Fotos von Sandy Reichel


Es ist ein Fest geworden! Was binnen weniger Wochen auf die Beine gestellt wurde, um Holger Biege, der seit einem vor nunmehr fast drei Jahren erlittenen Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt ist, wieder zu einer gewissen Mobilität zu verhelfen, dürfte wohl beispiellos sein. Da tun sich Freunde und Weggefährten, allen voran Andrea "Timmi" Timm, zusammen, und mobilisieren via Facebook eine wahnsinnig erfolgreiche Spendenaktion, die bereits mehr als 30.000,- Euro eingespielt hat.plakat Auch Deutsche Mugge hat das Projekt unterstützt. Benötigt wird das Geld für den Erwerb eines behindertengerecht umgebauten Fahrzeuges. Doch damit nicht genug. Die Idee, der Aktion mit einem Benefizkonzert gewissermaßen die Krone aufzusetzen, reifte schon länger. Nur dass der Glaube daran, ein solches mal eben nebenher, sprich nach Feierabend, organisieren zu können, zunächst ebenfalls einem Reifeprozess ausgesetzt war. Timmi ließ sich nicht entmutigen und bot der logistischen Herausforderung Paroli. Und so qualmten die Telefondrähte, gab es Treffen und Besprechungen. Letztlich war die Resonanz gerade unter den beteiligten Künstlern überwältigend, zugunsten ihres Kollegen auf Gage & Co. zu verzichten und mit der Preisgabe ihrer Beteiligung bereits im Vorfeld kräftig die Werbetrommel zu rühren. Hätte die Veranstaltung keine zeitliche Begrenzung gehabt, wären es weitaus mehr Musiker auf der Bühne des Neu-Helgoland am Berliner Müggelsee geworden, derart groß war die Resonanz.

aBereits im Vorverkauf konnten sämtliche Eintrittskarten - an die 350 müssen es gewesen sein - vermittelt werden. Das Lokal füllte sich dann auch recht schnell bis an die Grenzen des platztechnisch Machbaren, während der Soundcheck noch lief. Punkt 19:00 Uhr dann der Moment, für den das Attribut "emotional" weit untertrieben sein dürfte. Holger Biege wird in Begleitung seines Kollegen und Leidgenossen Reinhard Fißler in den Saal gebracht. Die Zuschauer bildeten eine von Standing Ovations umrahmte Gasse, der Applaus war ausufernd. Biege nahm den Moment erstaunlich souverän, er wird sich gut darauf vorbereitet haben. Die bei der Organisation zum Konzert tatkräftig mit anpackende Christine Dähn hatte die Moderation inne und bat zunächst alle zu diesem Zeitpunkt bereits anwesenden Künstler auf die Bühne.

Die Stern-Combo Meißen übernahm sodann als erste den Staffelstab und legte mit einer kleinen Auswahl ihrer Klassiker los. Nicht unbedingt zu erwarten war hingegen die Interpretation von - bekanntlich durchweg ausgesprochen anspruchsvollen - Biege-Songs. Frontmann Manuel Schmid meisterte auch diese gewohnt grandios. "Sagte mal ein Dichter" war verdammt nah am Original.

bRegine Dobberschütz folgte sodann in Begleitung von Thomas Natschinski. Der "Samariterblues" stammt aus seiner Feder, und wir alle kennen ihn als großen Hit von Veronika Fischer. Weniger bekannt dürfte indes sein, dass der Song ursprünglich für Regine Dobberschütz geschrieben wurde, durch diese dann jedoch infolge ihrer Ausreise gen West nicht mehr aufgeführt werden konnte. Natürlich durfte aber auch "Solo Sunny" nicht fehlen.

Auch Dirk Zöllner, an diesem Abend begleitet von André Drechsler (git), Christoph Keck (dr) und einer saucoolen Sonnebrille (brill), wagte sich an eine Komposition von Biege, den er augenzwinkernd als "großartigen Pionier der gehobenen deutschen Schlagermusik" titulierte. Weiter ging's mit Gaby Rückert und Ingo Koster, die ebenso wie Bernd Bangel und Simone Kotowski ihr musikalisches Stelldichein gaben.

cZwischenzeitlich konnte Timmi eine erste Wasserstandsmeldung zum Erlös aus dem Verkauf der Eintrittskarten vermelden: an die 7.000,- Euro sind zusammenkommen und werden den bereits bestehenden Spendensaldo aufstocken. Biege freute es ebenso wie seine anwesende Frau Cordelia, die im übrigen einen nicht minder großen Anteil am Gelingen der gesamten Aktion hat.

Jetzt war der Moment für Reini Fißler gekommen, in Begleitung von Timmi Dylans "Don't Think Twice, It's All Right" zum Besten zu geben. Im Anschluss fand Michael Behm ein paar bewegende Worte zum Anlass der Veranstaltung. Werther Lohse und seine in Teilen neu formierte Band LIFT folgten mit einigen ihrer Hymnen, um erneut von Reini Fißler abgelöst zu werden, der mit Unterstützung von Frank Müller (git) Eric Claptons "Running On Faith" anstimmte.

eCheforganisatorin Timmi wirbelte derweil unentwegt durch den Saal und ließ es sich trotz - oder wegen - aller Mühen nicht nehmen, mit der Rhythmus-Fraktion ihrer Band (Markus Schloussen und Micha Behm) auch auf der Bühne zu brillieren. Erneut gesellte sich Thomas Natschinski hinzu und gab eine Kost- bzw. Hörprobe von seiner als kommenden Sommerhit angekündigten Singleauskopplung "Lila Fee" ab. Ein grandioses Mundi-Solo entschädigte dabei für die etwas gewöhnungsbedürftige Untermalung via Halbplayback. Klar, dass nun auch Gaby Rückert und Ingo Koster noch einmal ran mussten, in diesem Falle mit dem Hit "Berührung". Im Anschluss gelang es Dirk Michaelis einmal mehr, Karussells "Wie ein Fischlein unterm Eis" als seinen eigenen Song zu verkaufen. Und Christiane Ufholz rockte gemeinsam mit Eberhardt Klunker von ihren "Beautiful Machines".

Mittlerweile war es 23:00 Uhr, und für Holger Biege wurde es Zeit zu gehen. Wenngleich sicher erschöpft auch glücklich und dankbar. Der Abschied erfolgte erneut im Spalier der Zuschauer. Einer fehlte noch: RENFT! Jetzt wurde es laut, jetzt wurde sogar - ohne, dass dafür wirklich Platz gewesen wäre - getanzt! Eine knappe Stunde blieb Thomas "Monster" Schoppe und seinen Mannen, den Abend würdig abzurunden. Besser hätte dies kaum gelingen können.

fApropos gelingen: Da kann man nur den Hut ziehen! Vor den Veranstaltern, den beteiligten Künstlern, den Leuten des Neu-Helgoland. Eine logistische Herausforderung wurde da gemeistert, ohne irgendwelche nennenswerten Pannen, größere Umbaupausen oder was auch immer so passieren kann. Selbst das zeitliche Korsett ist nicht aus den Fugen geraten - nicht eben selbstverständlich bei der Menge an Musikern. Es gab viele bewegende Momente, die sich nicht immer in passende Worte fassen lassen. Ein durchweg begeistertes Publikum, das zudem einen stolzen Erlös einbrachte. Viele Künstler, für die es sichtlich Ehrensache war, hier zu helfen. Und vor allem eines: Die nunmehr geschaffene Möglichkeit für Holger Biege, wieder am Leben teilzuhaben, beweglich zu werden und zusehends zu genesen. Wollen wir hoffen, ihn künftig wieder häufiger unter uns zu wissen. Und vielleicht ja eines Tages auch erneut auf der Bühne ...


Bitte beachtet auch:

• Off. Homepage der Stern-Combo Meißen: www.stern-combo-meissen.com
• Off. Homepage von LIFT: www.lift-rockballaden.de
• Off. Homepage von RENFT: www.renft.de
• Off. Homepage von Dirk Zöllner: www.dirk-zoellner.de
• Off. Homepage von Thomas Natschinski: www.thomas-natschinski.de
• Off. Homepage von Gaby Rückert: www.gabyrueckert.de
• Portrait über Regine Dobberschütz bei Deutsche Mugge: HIER
• Off. Facebook-Seite von Christiane Ufholz & Eberhard Klunker: HIER
• Off. Homepage von Simone Kotowski: www.simonekotowski.de
• Off. Homepage von Bernd Bangel: www.bernd-bangel.de
• Off. Homepage von Andrea Timm: www.andreatimm.de
• Homepage des "Neu Helgoland" in Berlin: www.neu-helgoland.net
• Aktionsseite für Holger Biege bei Deutsche Mugge: HIER




Fotostrecke:

 
 



   
   
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