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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer



"Am Stammtisch sitzen die, die immer hier sitzen. Seit über 40 Jahren! Hier kann man sich geben, wie man ist. Hier spricht man frei von der Leber weg, nachdem man diese angefeuchtet hat. Und über fast alles - Familie und Politik, Fernsehen und Sport, Krankheit und Tod", so steht es zu lesen auf der Rückseite der derzeitigen Autogrammkarte des Liederkabaretts MTS.c 20140629 1073311674 "Stammtisch" heißt auch das gegenwärtige Programm der drei Spaßmacher aus Berlin, mit dem sie seit Jahresbeginn durch das Land touren. Haltepunkt war am letzten Freitag das Kulturkino CAPITOL in Königs Wusterhausen, in dem sie in diesem Jahr nun schon zum neunten Mal anlandeten. Auf der Bühne wurde das Trio von der männlichen Hälfte der beiden Betreiber des CAPITOLs, Wolfgang Jurk, kurz begrüßt und los ging es.

Ein voller Saal erwartete Thomas Schmitt (Gesang, Schlagzeug, Tasteninstrumente), Mike Schafmeier (Schlagwerk, Mundharmonika und Gesang) und Frank Sültemeyer (Gitarre, Tasteninstrumente), als sie die Bühne betraten und sogleich mit einen kleinen Begrüßungslied die Königs Wusterhausener auf den Abend einstimmten. Beim nächsten Lied "Stammtisch" war man schon beim Thema des Abends angelangt, denn "Stammtisch" wird auch die neue MTS-CD heißen, die in Arbeit ist und möglicherweise noch in diesem Jahr erscheinen wird. Mehrere schon ältere und auch ganz neue Songs dieser geplanten CD hörten wir an diesem Abend, so das schon bei anderen Konzerten gehörte "Echte Männer" oder "Nur Liegen ist schöner". Bei letzterem Titel stellte Thomas live auch sein Können auf dem Keyboard unter Beweis - kleine Hilfen sind dabei erlaubt, denn sein Kollege Frank hatte die entsprechenden Tasten mit Farbpunkten gekennzeichnet.

Das Lied "10 Genießer" hat eine bekannte Melodie. Hier hatte MTS vor vielen Jahren aus einem Lied über "10 kleine, dunkelhäutige Menschen mit Migrationshintergrund" ein Lied über "10 böse Autofahrer" und später über 10 Zwerge gemacht. In der neusten Variation geht es um das liebe Essen und alles, was da so drin sein kann. Unnötig zu erwähnen, dass das Trio Lachsalven (und nicht nur bei dem Stück) ernteten. In einem anschließend gespielten Medley wurden bekannte Songs anderer Bands mit einem neuen Text und Titel versehen.d 20140629 1398165693 Aus "Wenn ein Mensch lebt" von den Puhdys wurde "Wenn ein Mensch klebt" gemacht, und aus dem "Schwanenkönig" von Karat wurde das "Lied vom Kotelett" ("Wenn ein Schwein stirbt, das soll es ja geben ..."). Eine MTS-Version eines internationalen Songs aus dem Vereinigten Königreich wird übrigens auch den Weg auf die neue MTS-CD finden: Aus URIAH HEEP's "Lady In Black" wurde "Alter (Man In Gray)" gemacht.

Neben all den musikalischen Beiträgen gab es natürlich auch an diesem Abend jede Menge Wortwitz in Form von Limericks oder auch von erzählten Witzen. Das Publikum hatte viel zu lachen. Sänger Thomas hatte vor sich einen Notenständer stehen, auf dem alle Texte lagen. Immer wenn er mit einen Text fertig war, sagte er beim Umblättern "fertsch ...", was sächsisch ist und "fertig" bedeutet. Irgendwann rief dann auch das Publikum jedes mal "fertsch ...". Mit dem Song "Ein Pferd wie Du und ich" kündigte MTS in Liedform die bevorstehende Pause an, in die es im Anschluss ging. Thomas Schmitt nahm seinen Koffer, in dem er CDs hatte und baute im Vorraum des Kinos seinen kleinen Verkaufsstand auf. Der eine oder andere kaufte eine der CDs von MTS, andere gingen vor die Tür zum Rauchen oder an den Tresen, um ein Getränk zu sich zu nehmen. Es gab sogar Leute, die alles zusammen machten ;-)

Nach ca. 15 Minuten ging es weiter im Programm. Mit "Ballade in Blech" war man beim Thema Rittertum angelangt. Natürlich gab es hier auch zahlreiche Witze und Verse und für das Publikum viel zu lachen. Mit "Meine Diät" legte Thomas wieder dar, wie er es schafft, sein Körpergewicht zu halten. Nach dieser Darbietung ging er dann von der Bühne und wünschte dem Publikum viel Spaß mit seinen beiden Kollegen.b 20140629 1902414170 Diese wunderten sich, dass ihr dritter Mann einfach so von der Bühne geht. "Das ist der Chef, der darf das wohl", so hieß es. Nun plauderten Mike und Frank etwas miteinander und Mike wollte einen Blues singen. Blues? Das geht natürlich nur auf englisch, also spielte Frank auf dem Keyboard einen Blues. Mike sang dazu einen auch mit nur wenig bis gar keinen Englisch-Kenntnissen gut verständlichen Text und spielte obendrein auch Mundharmonika. Danach verließ auch Mike die Bühne und Frank stand alleine da. "Ich weiß gar nicht, was die für Verträge haben, ich muss hier jedenfalls durcharbeiten", kommentierte er die Flucht seiner beiden Kollegen. Als Frank dann einen Song zur Gitarre gesungen hatte, kam zumindest ein Kollege, nämlich Thomas, zurück auf die Bühne. Sein nächster Song war von Ulrich Roski und heißt "Der kleine Mann von der Straße". Die Männer von MTS waren schon immer interessiert und haben sich auch danach erkundigt, was seinerzeit im westlichen Teil von Berlin in der Liedermacherszene passierte. Neben SCHOBER & BLACK und REINHARD MEY war man auf ULRICH ROSKI gestoßen, der leider vor 11 Jahren verstarb und in diesem Jahr 70 Jahre geworden wäre. Von ihm hat MTS einige Songs ins Repertoire übernommen, so auch das eben erwähnte "Der kleine Mann von der Straße".

"Danke für's Reisen mit German Rail" ist wieder ein Titel der zu erwartenden MTS-CD und nimmt die Deutsche Bahn mit all ihren Verspätungen, Ausfällen usw. auf's Korn. Inzwischen hatte sich auch Mike wieder auf der Bühne eingefunden, gerade rechtzeitig, um seinen Titel "Spinne im Amt" vorzutragen. Beim nächsten Titel, "Kommt 'ne Frau zum Arzt", hat jemand das Wort "Stuhl" völlig missverstanden. Der Arzt meinte mit "Stuhl" den Stuhlgang, die Frau das gleichnamige Sitzmöbel - eine lustige Verwechslung mit einer Garantie auf ein amüsiertes Publikum. Diesen Titel hat der 2011 leider verstorbene MTS-Gitarrist Herbert Treichel gesungen, und mit diesem Stück wollten seine Kollegen an ihn erinnern.

e 20140629 1237311648Mit dem MTS-Klassiker "Tamara" ging dann dieser recht kurzweilige Abend dem Ende entgegen. Die Band verbeugte sich und ging von der Bühne, natürlich um gleich wieder die Treppe hochzusteigen und die fälligen Zugaben abzuliefern. Jetzt war Mike noch einmal an der Reihe, denn alle haben auf den "Letzten Kunden" gewartet. Dieser Titel entstand, als Mike noch Schlagzeuger bei SILLY war, und er darf bei keinem MTS-Konzert fehlen (einschließlich der angeblichen Übelkeit, Spucktüte usw.). Nach der "Ballade vom grausamen Tod des Hermann Schmatzki" (dieser Titel stand nicht auf der Setlist) hatte MTS ebenso wie zur Begrüßung und zur Pause auch einen Abschiedssong parat. Danach war das Konzert zu Ende.

Anne Jurk, die Mitbetreiberin des Kulturkinos CAPITOL, hatte jedem der drei Musiker einen kleinen Blumenstrauß überreicht, bevor diese dann von der Bühne gingen. Auch das Publikum ging so nach und nach, um nach Hause zu gehen oder an anderer Stelle noch etwas zu unternehmen. Wenn MTS im nächsten Jahr wieder nach Königs Wusterhausen ins CAPITOL kommen sollte - und ich bin überzeugt, dass das passieren wird - wäre es das zehnte Mal, dass sie hier auftreten. Es ist dann also sowas wie ein Jubiläum. MTS besteht inzwischen seit 41 Jahren und hat sicher auch an anderen Orten immer wiederkehrende Muggen. Das ist bemerkenswert, denn in Zeiten seichter und oftmals auch platter "Comedy" der Marke Mario Barth, Cindy aus Marzahn und ahnlicher Leute, die uns die Unterhaltungsmedien tagtäglich präsentieren, haben MTS einen festen Platz auf den Kleinkunstbühnen unseres Landes und es gibt noch immer eine große Nachfrage. Zurecht! Schade nur, dass eben erwähnte Medien davon keine Notiz nehmen, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich MTS das letzte Mal im Medium Fernsehen erlebt haben.



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Termine:

05.07.2014 - Nossen - Sachsenhof
17.07.2014 - Finsterwalde - Kino Weltspiegel
17.08.2014 - Zinnowitz - Theater Blechbüchse
20.08.2014 - Zingst - Multimedia Halle
21.08.2014 - Baabe - Lachmöwe

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