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Bericht:
Reinhard Baer (Bericht Nr. 1),
Volker Tonn (Bericht Nr. 2)

Fotos:
Reinhard Baer (alle, falls nicht anders angegeben)
Volker Tonn (Textillustration)


 

Gestern war der Ball...
Günther Fischer, Laura Fischer, Thomas Putensen und die Musiker des Beat Ensembles zaubern dem Berliner Publikum einen kurzweiligen Abend auf die Bühne

Wieder einmal sagte man sich, "Mensch bist Du alt geworden, ohne es richtig zu merken", denn das, was wir am letzten Samstag im Berliner Neu-Helgoland zu hören bekamen, entstand vor etwa 40 Jahren! Ich erinnere mich noch gut daran, denn als die Lieder entstanden und veröffentlicht wurden war ich schon über 20. Damals komponierte Günther Fischer für den Schauspieler und Sänger Manfred Krug zwei Lieder und hatte die Idee, diese auf einer Single zu veröffentlichen. Krug (bzw. das Plattenlabel AMIGA) hatte jedoch andere Pläne. Fischer solle doch noch 10 weitere Titel schreiben und dann würde man das alles auf einer Langspielplatte rausbringen. So geschah es dann auch, und nach der ersten LP "Das war nur ein Moment" im Jahre 1971 folgte die zweite Platte ("Ein Hauch von Frühling", 1973) bereits zwei Jahre später. Diese beiden Schallplatten, und auch das 1974 erschienene Album "Greens", auf der Fischer für Krug Jazz-Klassiker, internationale Hits und sogar Operettenmelodien arrangiert hatte, waren alles andere als Ladenhüter. Die Scheiben gingen weg wie die sprichwörtlichen "warmen Semmeln". Es gab ein paar Live-Konzerte und zahlreiche Auftritte im DDR-Fernsehen. Hier schienen sich zwei geniale Partner gefunden zu haben: ein singender Schauspieler mit einem Jazz-Feeling in der Stimme, und ein genialer Musiker und Komponist, der nicht nur genau die richtige Musik für seinen musikalischen Partner schrieb, sondern der zudem noch eine Band leitete, mit der diese Titel teilweise unter Einbeziehung weiterer Musiker eingespielt wurden. Es entstanden Lieder, die zeitlos sind und heute noch genauso wie vor 40 Jahren gespielt werden können. Und das geschah an diesem Abend auf der Bühne im Neu Helgoland auch: Die alten Lieder erklangen wieder...

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Gegen 21:00 Uhr stand der Sänger, Komponist und Schauspieler Thomas Putensen mit umgehängter Akustikgitarre plötzlich irgendwo mitten im Zuschauersaal, begann ein Lied zu singen und spielte dazu auf der Gitarre. Kurz darauf tauchten ein Geigenspieler, ein Mundharmonika-Spieler und ein Posaunist von irgendwoher auf, stimmten in das Lied ein und liefen zwischen den Tischreihen in Richtung Bühne, die sie dann auch bestiegen. Thomas Putensen setzte sich sofort an sein Klavier, begann zu spielen und den nächsten Titel zu singen. Inzwischen waren auch die restlichen Musiker und die beiden Sängerinnen auf die Bühne gekommen, und los ging's. Nach dem Stück begrüßte Thomas den Stargast des Abends auf der Bühne: Günther Fischer. Dieser nahm sein Tenorsaxophon auf und spielte fortan mit dem PUTENSEN BEAT ENSEMBLE gemeinsam.
Besonders auffällig ist, dass die Stimme von Thomas Putensen ebenso perfekt zu den Titeln passt wie die von Manfred Krug. Hätte es Letzteren nicht gegeben, Günther Fischer hätte die Lieder auch alle für Thomas Putensen schreiben können. Er hat die gleiche Stimmlage und auch das Jazz-Feeling in der Stimme - einfach genial.

Genial war auch die Begleitband, das PUTENSEN BEAT ENSEMBLE. Hier sind zu nennen die beiden Sängerinnen Adelind Pallas und Anett Kölpin (stammen beide aus Greifswald), der Geiger Thomas Braun (aus Rostock), der Gitarrist Erich Gramshammer (aus Wien), der Bassist Enrique Marcano-Gonzalez (aus Venezuela), Lars Julig an der Posaune und Steve Horn an der Trompete, dem Flügelhorn, Mundharmonika und Blockflöte. Thomas Putensens Sohn Johann - der Azubi im 3. Lehrjahr, wie er genannt wurde - bedient die Percussions, spielt Tenorsaxophon und Piano. Last but not least der Mann hinter der Schießbude: Günther Fischers langjähriger Schlagzeuger Wolfgang "Zicke" Schneider, der schon vor knapp 40 Jahren bei der Einspielung der Krug-LPs dabei war, trommelt auch beim BEAT ENSEMBLE von Thomas Putensen mit. So waren elf Akteure auf der Bühne aktiv, die durch ihre Spielfreude das Publikum im vollen Saal begeisterten.

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Thomas Putensen saß an seinem Piano und sang, und wenn er mal nicht Piano spielte, nahm sein Sohn Johann auf dem Hocker vor dem großen schwarzen Instrument Platz. Aber auch Günther Fischer ließ die Tasten erklingen, denn er übernahm für ein Stück im regulären Konzertteil das Instrument selbst.
Alle an dem Abend gespielten Titel möchte ich an dieser Stelle gar nicht aufzählen. Als Beispiele möchte ich aber die Songs "Der Tag beginnt", "Es war nur ein Moment", "Wenn's draußen grün wird", "Sonntag" oder "Gestern war der Ball", der Titel, der diesem Konzert den Namen gab, nennen. Von den von Günther Fischer arrangierten "Greens" (Kürzel für Evergreens) sang Thomas Putensen aus der Operette "Die lustige Witwe" von Lehar das Stück "Niemand liebt Dich so wie ich", mit einem von den beiden Sängerinnen intonierten Chor-Gesang, sowie das im Duett mit Anett Kölpin gesungene Lied "Mach's gut ich muss gehen" (Baby, It's Cold Outside). Der Titel "Wenn der Urlaub kommt", den wir ebenfalls vorgetragen bekamen, stammt von der 1976 erschienenen Platte des Teams Fischer/Krug. Dieses Album mit dem Titel "Du bist heute wie neu" war mir bisher nicht bekannt. Ich nehme an, dass sie in der DDR auch nicht mehr so bekannt gemacht und beworben wurde wie die vorherigen Werke, was letztlich wohl mit Krugs Ausreise in die BRD zusammenhing. Im Jahre 1976 war die Ausbürgerung von Wolf Biermann, und Manfred Krug hatte die Protestresolution dagegen unterzeichnet. Der Rest der Geschichte dürfte bekannt sein...

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In der ersten Konzerthälfte rief Günther Fischer seine Tochter Laura auf die Bühne. Sie sang das im Original von Regina Dobberschütz gesungene Stück "Solo Sunny", der Song aus dem gleichnamigen DEFA-Film. Die Musik stammt natürlich aus der Feder von Günther Fischer. Dass Laura Fischer eine tolle Stimme und durchaus auch eine ganze Menge musikalischer Gene vom Vater geerbt hat, bewies sie in der zweiten Konzerthälfte erneut, als sie ein Stück in englischer Sprache sang, zu dem sie die Musik und den Text selbst geschrieben hatte, und bei dem sie sich auch am Klavier selbst begleitete.

Gute zwei Stunden hatten die Musiker das Publikum begeistert, hatten alles gegeben und viel Spaß auf der Bühne gehabt. Es wurde nicht nur ernsthaft Musik gemacht, auch der eine oder andere Scherz kam rüber. Mal war es die nuschelnde Stimme von Udo Lindenberg, die Putensen nachahmte, mal ein Element aus irgendeinem anderen Lied, das kurzerhand in das eigene Stück eingebaut wurde. Das alles erweckte den Eindruck von Spontanität, aber ich bin sicher, dass dahinter ernsthafte und richtig harte Arbeit steckt. Irgendwann kündigte Thomas Putensen den letzten Titel an, aber natürlich wollte das Publikum noch eine Zugabe. So setzte sich Günther Fischer ans Klavier und spielte noch ein Stück aus dem Musical "Jack The Ripper". Danach folgte gleich noch eine Zugabe von der gesamten Band: "Es steht ein Haus in New Orleans" (House Of The Rising Sun) mit Saxophon- und Gitarrensoli. Nach den Zugaben wurde sich nochmal in Reihe auf der Bühne aufgestellt, eine Verbeugung und die Frage, "Wollt Ihr noch was hören?", folgten. Die Antwort auf diese Frage kann sich jeder Leser sicher denken...

Das definitiv letzte Stück, quasi der "Rausschmeisser", war dann der Klassiker "Que sera", gesungen auf spanisch. Der ganze Saal sollte nochmal mitsingen... "Laura, sing Du mal!", lautete die Aufforderung von der Bühne. Laura Fischer saß inzwischen an einem der vorderen Tische im Saal, sie stand auf und sang "Que sera... Ich kenne doch den Text nicht...".
Nach dem letzten Stück gingen die Musiker von der Bühne und das Publikum in Richtung Garderobe und Ausgang. Ein tolles Konzert, ein toller Abend! Mehr als meine Empfehlung, sich das einmal selbst anzuschauen, bleibt mir da nicht zu sagen...
(Reinhard Baer)


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Nachdem ich Thomas Putensen schon zu diversen Gelegenheiten als Solo-Gastmusiker bei unterschiedlichen Sessions erlebt habe, musste es endlich einmal Putensen mit seinem Beat Ensemble sein. Diverse Videoschnipsel aus dem Internet hatten Appetit auf mehr gemacht.

Unglückliche Umstände hatten mich und meine Begleitung dann an den hintersten Tisch auf der Veranda des Gastraums im Neu-Helgoland verschlagen, so dass wir das Geschehen sprichwörtlich nur durch's - immerhin geöffnete - Fenster verfolgen konnten. Das schmälerte den Klang- und Seheindruck meines ersten Besuchs im Neu-Helgoland ganz erheblich. Wegen der fest reservierten Platzvergabe an den Restauranttischen war es dann auch nicht möglich sich zwischendurch einen besseren (Steh-)Platz zu erobern oder trotz sehr frühzeitigem Erscheinen einen besseren Platz zu ergattern.

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Günther Fischer integrierte sich von Anfang an nahtlos, aber mit seinem Saxophon deutlich präsent, in die Bläserabteilung des Beatensemble. Das Programm war dann sehr jazzlastig und nicht der typische, eher liedhafte und entertainernde Putensen, wie ich ihn bis dahin kannte. So war mein musikalisches Vergnügen dann auch etwas getrübt und eine mehrfach tonal völlig daneben liegende Flöte machte es nicht gerade besser.
Eine unangekündigte Gastmusikerin, Laura Fischer, Tochter von Günther Fischer, wusste dann leider auch nur mehr durch ihre Anmut als durch Sangeskunst zu überzeugen.

Vereinzelte Soli der Musiker, insbesondere des Schlagzeugers und des Gitarristen und Putensens einnehmende Präsenz, stimmten dann wieder versöhnlich. Meine Begleitung, die der Musik von Manfred Krug, dessen Schaffenswerk in Zusammenarbeit mit Günther Fischer den Abend bestimmte, etwas mehr Sympathie entgegenbrachte und den einen oder anderen Titel mitsang oder -summte, war zufrieden. Mein akustisches, viel zu kurzes, Highlight war die Anspielung der 'Toccata und Fuge in d-moll' mit einem fantastischen Schlagzeug.

So hinterliess der Abend einen nicht ganz zufriedenen, aber doch versöhnlichen, Eindruck.
(Volker Tonn)

 

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Weitere Live-Termine von Thomas Putensen:
28.02.2012 - Neuenkirchen bei Greifswald - Marktkauf (Konzertante Pianomusik)
24.03.2012 - Lubmin - Seebadzentrum (Schlimme Lieder aus der DDR...!? Teil 2)
28.03.2012 - Rostock - Ortsamt (Programm "Wunderwalzer")
07.04.2012 - Wendorf (Privatveranstaltung "Osterklöne")
11.04.2012 - Usedom - Sporthalle (Programm "Lieder der Jugendzeit")
13.04.2012 - Grimmen - Kulturhaus Treffpunkt (Programm "Wunderwalzer")
12.05.2012 - Stralsund - Knieper
18.05.2012 - Rostock - Volkstheater (Konzert mit Günther Fischer)

Bitte beachtet auch:
- Off. Homepage von Thomas Putensen: www.thomasputensen.de
- Off. Homepage von Günther Fischer: www.guenther-fischer.com
- Homepage Neu Helgoland Berlin: www.neu-helgoland.de

 


 

Live-Impressionen:
 
 
 

   
   
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