MTS live in Singwitz am 17. Juli 2010

 

Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann

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Seit etwa 37 Jahren ist die Gruppe MTS im Zeichen des gepflegten Nonsens im Land unterwegs. Vom Kap Arkona bis zum Fichtelberg gibt es nur wenige Orte, die bisher auf das Erlebnis eines MTS-Konzertes verzichten mussten. Überraschenderweise war auch Singwitz für die drei Berliner Musiker bisher nur ein weißer Fleck auf der Landkarte. Doch gestern eroberten Thomas Schmitt, Herbert Treichel und Mike Schafmeier endlich das KesselhausLager Singwitz mit ihren Singwitzen.

Natürlich hatte MTS im Laufe der Jahre hier in der Gegend schon eine Menge umjubelte Auftritte, zum Beispiel in der Stadthalle „Krone“ oder in der Neuzeit im Burgtheater Bautzen. Ich kann mich noch dunkel an meine ersten Live-Erfahrungen mit der Band erinnern. In der „Krone“ erlebte ich Anfang der 80er Jahre MTS in einer gemeinsamen Veranstaltung mit Bettina Wegner und Hansi Biebl. Das ist verdammt lang her, und seitdem ist viel Wasser die Spree herabgeflossen. Die Zeiten haben sich geändert, wir sind alle ein ganzes Stück älter geworden und MTS ist immer noch unterwegs. Von den Medien nahezu unbeachtet sorgen die drei Herren für volle, zum Teil sogar ausverkaufte Veranstaltungsorte, und sie verbreiten immer noch Spaß, Klamauk und Frohsinn. Auch das kleine Tief und die fehlenden Zuschauer Anfang der neunziger Jahre konnte MTS nicht von ihrem Weg abbringen. Zu dieser Zeit rannten die Leute ja scharenweise lieber zu den Konzerten dritt- oder gar viertklassiger Vertreter der Musikzunft aus den „alten“ Ländern. Von diesem zeitgeistlichen Phänomen können ja viele Ostrocker berichten.

Mein letztes MTS–Konzert liegt etwa zwei Jahre zurück. Diese Mugge ist mir noch bestens in Erinnerung und noch heute muss ich grinsen, wenn ich an diesen Abend in Trebsen denke. Am Anfang wurde ich doch glatt von einer wildfremden Dame mit Rubensfigur heftig umarmt und als Thomas begrüßt. Die gute Frau hatte mich doch tatsächlich mit Thomas Schmitt verwechselt, was bei anwesenden Freunden natürlich für Heiterkeit sorgte. Thomas kommentierte das Ganze übrigens nach der Veranstaltung beim Bier trocken mit den Worten: "Besser du, als ich". Das war eine lange Nacht, denn Thomas, Herbert, mein lieber Kumpel Wodka und ich saßen dort noch die halbe Nacht zusammen und klönten über „Gott“ und die Welt.

Das Kesselhaus wurde für das MTS–Konzert mal wieder mit Tischen und Stühlen eingerichtet. Doch die Sitzplätze reichten nicht für alle, denn reichliche 150 Gäste fanden gestern den Weg nach Singwitz. Es war stickig und heiß im Saal, aber trotzdem herrschte eine erwartungsfrohe Stimmung unter den Anwesenden. Die Abkürzung MTS wurde von der Band ja schon verschiedentlich gedeutet. "Mut, Tatendrang und Schönheit" dürfte dabei am bekanntesten sein. Aber auch "makaber, taktlos aber sauber" ist den Fans sicher nicht unbekannt. Die Leute vom Kesselhaus kreierten für den Anlass sogar eine neue Auslegung, nämlich "Mähdrescher tanzen Singwitz". Dazu muss man wissen, dass in Singwitz, nur wenige Minuten vom Veranstaltungsort entfernt, auch jahrelang erfolgreich Mähdrescher gebaut wurden. Endlich kam das heitere Trio auf die Bühne, und von der ersten Minute an sorgten sie für Stimmung. Mit Humor, Wortwitz und Musik zelebrierten sie Liedkabarett vom Feinsten.

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Im ersten Programmteil spielten sie vor allen Lieder von ihrem aktuellen Livealbum „Echte Männer“, welches aus dem Jahr 2009 stammt und damals auf der Burg Stolpen mitgeschnitten wurde. Zwischen den Liedern warfen sich Thomas, Mike und Herbert die verbalen Bälle gegenseitig um die Ohren. Wie wir es von MTS gewöhnt sind, gab es besonders viele Limericks zu hören. Diese 5-zeiligen Scherzgedichte mit Pointe sind ja eines der Markenzeichen der Band. Thomas Schmitt führte mit hintersinnigem Humor durch den Abend und auch Zwischenrufe konterte er charmant und witzig. „Kost the Ost“, Irgendwas fehlt ja immer“ oder „Meine Diät“ waren ein paar Lieder neueren Ursprungs. Ab und zu verließ auch der Schlagzeuger seinen angestammten Platz und trat ans Gesangsmikrofon. Mike Schafmeier erzählte uns nämlich seine Leidensgeschichte als „Heinz des Jahres“, und in „Wünsche“ berichtete er von seinen ureigensten Wünschen, welche darin gipfelten, dass er künftig mal die gleiche Rente wie Walter Riester haben möchte. Dieser fromme Wunsch wird ihm wohl versagt bleiben, wenn er nicht noch in die Politik wechselt. Behutsam baute das Dreier-Kollektiv im ersten Programmteil auch schon den einen oder anderen Klassiker ins Programm ein. Die „Ballade vom Förster und seiner sensiblen Tochter“ durfte dabei natürlich nicht fehlen, und auch das Wildschwein wurde musikalisch fachgerecht besungen und erlegt. Herbert Treichel ist so was wie der Ruhepol von MTS, aber sein Gitarrenspiel und seine Gesangseinlagen sind natürlich wichtiger Bestandteil des MTS–Programms. Außerdem ist er für viele Kompositionen verantwortlich.

Das Gag-Feuerwerk fand dann erstmal eine Unterbrechung, denn es stand eine kurze Pause an. Der Saal leerte sich ungewöhnlich schnell, alle wollten für ein paar Minuten der Hitze entfliehen. Für Thomas Schmitt war das kein Problem, er schnappte sich seinen CD–Koffer und ging einfach mit vor die Tür. Sein Eifer wurde auch belohnt, denn viele Silberlinge wechselten dort dann den Besitzer. Zwischenzeitlich konnte ich mit Herrn Schmitt auch Erinnerungen und Grüße austauschen. Besonders gerne übermittle ich hiermit an dieser Stelle die Grüße von MTS an meinen lieben Kumpel Wodka.
Nach der Pause wurden die Lachmuskeln der Zuschauer weiter strapaziert und auch so manche alte Geschichte aufgefrischt. Die „Ballade von Hermann Schmatzki“ und seinem Trabant zauberte sicher bei manchem Erinnerungen an seine erste Rennpappe, und wie er sie gehegt und gepflegt hat, hervor. Mein erster Trabant war übrigens auch mein letzter, aber ich erinnere mich immer noch gerne an mein erstes Auto. Wer hat vor Jahrzehnten nicht über „Der Schein trügt nicht“ herzhaft gelacht und auch heute kann man das noch. Wenn auch aus der Karo zeitgemäß eine Camel wurde, so ist dieses Lied doch wirklich ein Klassiker, der bei aller Komik auch ein Quäntchen Wahrheit enthielt, denn mancher hat sich schon mal im Leben einen gelben „Urlaubsschein“ zum Renovieren oder gar Häusle bauen besorgt. Dann kam der Auftritt des beliebten Kammertrinkers. „Der letzte Kunde“ wurde von Mike und Publikum gemeinsam intensiv besungen. Die anschließende Bühnenflucht der drei Musiker nutzte gar nichts. Sie wurden nämlich kräftig herbeigerufen und -geklatscht. Endlich kam dann im Zugabenteil auch irgendwann der Beitrag der Kapelle MTS zur Deutsch–Sowjetischen Freundschaft zu Gehör. „Tamara“ ist immer noch ein absolutes Muss für mich bei jedem MTS–Konzert. Der Abend war sehr schön und eigentlich könnte ich es hiermit bewenden lassen. Den Heimweg bewältigte ich dann nämlich per pedes: Acht Kilometer durch Nacht, Wind und Regen waren mehr als genug Zeit und Weg, um die Eindrücke vom Konzert erstmal zu verarbeiten. Klatschnass kam ich gegen 01.30 Uhr daheim an. Eine heiße Dusche war dann der krönende Abschluss des Abends für mich.

 


 

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