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Bericht: Steffen Huth
Fotos: Steffen Huth

 


"Eintrittskarte zu verschenken" hieß es vor dem Nürnberger Löwensaal. Ursprünglich gehörte diese Karte einer Dame aus Baden Württemberg, die krankheitsbedingt absagen musste. Sie ist seit der Veröffentlichung des Albums "Alles Rot" ein großer Fan von der ihr vorher unbekannten "Ost-Band" "Silly".
So wird es sicherlich schon einigen Leuten gegangen sein, die am 2. Dezember den kleinen, schneebedeckten Anstieg zum Löwensaal erklommen haben, der seit Jahren mit exquisiten Konzerten aus der Stromgitarren-Szene das Frankenland begeistert.

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Silly hat sich von einer ost- zu einer gesamtdeutschen Marke entwickelt und so verwundert es nicht, dass als Opener keine Ostband auf der Bühne stand. Es war der aus Hamburg stammende Axel Bosse. Axel wurde von seinem Bandkollegen Tobias Philipen am Klavier begleitet, und als Duo brachten sie die ausschließlich von Axel Bosse betexteten und komponierten Song in akustischer Version zu Gehör. Die Songs stammen alle von Bosses 2009 erschienenen, nunmehr dritten Album "Taxi". Mit eingänglichen, schnell ins Ohr gehenden Melodien transportiert er die doch komplexen Themen in seinen Texten zum Zuhörer. Mein Favorit von der Rockband "Bosse" ist "Alter Strand". Wer, wie ich, an der Küste lebt, der weiß, dass der Strand sich mit den Jahren genauso verändert, wie wir Menschen...

Axel bedankte sich bei Silly für die Einladung und nach kurzer Umbaupause betraten Ronny, Daniel, Herr Petereit (soviel Zeit muss sein) zusammen mit Jäcky, Ritchie und "Hasi" die Bühne. Anna, mit neuer Frisur, riss das Publikum vom ersten Song an mit. Das sehr textsichere Publikum im vollen Löwensaal feierte ihre alten und neuen Helden. Mein Nachbar im Zuschauerraum kennt die Band noch aus "Ostzeiten", wohnt aber schon seit einigen Jahren in der Nürnberger Gegend. Ein anderer Gast aus Nürnberg kam direkt aus der nahe gelegenen Eishalle ins Konzert, weil er einen Tipp einer Bekannten bekam, und lernte so eine völlig neue Band kennen.
Schon nach dem dritten Titel musste sich Anna Ihrer Jacke entledigen, denn im Löwensaal stieg langsam die Bullenhitze auf, was bei den frostigen Außentemperaturen auch ganz angenehm war. "Nackter", "Ich verlasse mich", "Ich sag nicht ja" und "Findelkinder" - die Ohrwürmer der aktuellen Silly-Scheibe wurden auf die Zuhörer losgelassen. Das Album hat seit der Veröffentlichung im März die deutschen Albumcharts nicht mehr verlassen. Der Einstieg von Null auf Platz drei und die Verleihung der goldenen Schallplatte im August sprechen für sich. Doch bei Silly ist nicht nur "Alles rot"...

Die Band hat schon eine sehr lange Geschichte. "Dieser Teil des Konzertes ist für mich und auch für meinen Mann, Jan Josef (Liefers) sehr wichtig", so kündigt Anna den nächsten Konzertteil an. Auf die reine vierköpfige Silly-Band reduziert, trugen sie in akustischen Variationen die Lieder vor, die eine ganze Ostgeneration in den 80iger und 90iger Jahren begleiteten. Damals hieß die karismatische Frontfrau noch Tamara Danz, und die damals blutjunge Anna Loos war beeindruckt von der Silly-Musik.
Die Erinnerungen an Silly der Leute, die diese Band schon in der DDR erlebten, wird nie verblassen und wird sicherlich auch immer ein Bestandteil der Konzerte der heute so erfolgreichen Band sein. Textzeilen wie "Paradiesvögel sperrt man nicht ein" (Paradiesvögel) oder "...in den warmen Süden, würden sie so gerne flieh'n" (Verlorene Kinder) haben im real-existierenden Sozialismus ihre eigene Sprengkraft entfaltet. Das 1989 erschienene Silly-Album "Februar" war für viele DDR-Bürger der Soundtrack zur Wende. Und - genauso wie die Band - so haben auch die einzelnen Musiker ihre eigene Geschichte. Die Bands, in denen Uwe Hassbecker, Ritchie Barton, Jäcki Reznicek und Reinhard Petereit gespielt haben, gehören heute immer noch zu den besten deutschen Bands überhaupt.

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Nach dem akustischen Teil rockten sie wieder los und ich beobachtete besonders Ronny Dehn am Schlagzeug. Es war bewundernswert, wie er die Songs immer wieder antrieb. Auf der Platte hat die Drums ja noch der vom Rhythmus besessene Basti Reznicek eingespielt, und somit dem Livemusiker sicherlich kein leichtes Erbe hinterlassen. Doch ich war beeindruckt, wie Ronny Dehn auf seinem "Birkenholz-Schlagzeug" die Original-Songs umsetzte, und jetzt eine feste Größe in der Liveband Silly ist. Die Musiker wechselten die Instrumente. Uwe spielte Violine und Daniel die Bratsche, Ritchie griff zur Gitarre und Anna ging ans Keyboard. Die Musiker boten eine klasse Bühnenshow und steigerten sich bis zum finalen Akt des Konzertes, welcher natürlich ihre Hitsingle "Alles rot" war und ist. Uwe konnte es sich nicht verkneifen, die Melodie im Mittelteil des Konzertes kurz auf der Gitarre anzuspielen, was die Zuschauer gleich animierte, in den Refrain einzustimmen. "In mir drin ist alles rot...", Anna hielt das rote Miro dem Publikum entgegen und der Löwensaal antwortete "...das Gegenteil von Tod. Mein Herz, es schlägt sich noch ganz gut". Die Texte von Werner Karma, dem sehr erfolgreichen ostdeutschen Songtexter, sind nun auch in Nürnberg zu Hause. Im Zugabeteil stellte sich die gesamte Liveband Axel Bosse zur Verfügung und zeigten, wie viel Power in einem Song wie "3 Millionen" wirklich steckt.

Das letzte Lied war für die leider viel zu früh verstorbene Silly-Frontfrau Tamara Danz. Mit "Sonnenblumen" entließ uns die Band wieder in den Nürnberger Schnee und hat im Süden unseres Landes, da bin ich mir ganz sicher, viele neue Freunde gewonnen.

Bitte beachtet auch:
- Die off. Homepage von SILLY: www.sillyhome.de
- Die off. Homepage von Bosse: www.axelbosse.de
- Die Homepage vom Löwensaal: www.loewensaal.de



 

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