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Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann

 


Der Winter hat das Land voll im Griff. Eisestemperaturen und widrige Straßenverhältnisse nerven mich total. Ich mag den Winter nicht und sehne mich nach Frühlingstemperaturen. Doch da müssen wir uns wohl noch ein paar Monate gedulden. Gerade jetzt, wenn man sich beim Gang vor die Tür wie im Eisschrank vorkommt, ist es wichtig der eigenen Seele etwas Unterhaltung und Abwechslung zu gönnen. Sicher hat jeder sein eigenes Rezept dazu. Ein Abend bei Kerzenschein vor dem Kamin mit Blick auf die lodernden Flammen und einen wärmenden Glühwein kann diese Funktion genauso übernehmen, wie eine Bastelstunde an der Modelleisenbahn im heimischen Hobbykeller oder ein gemeinsamer Urlaub in wärmeren Gefilden. Ich gönnte mir gestern auch einen Kurzurlaub für die Seele und fuhr zu einem Konzert von Dirk Zöllner und Andrè Gensicke in den "Club Passage" Dresden.

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Ich war nicht wirklich überrascht, dass trotz des Wetters der Club mit erwartungsfrohen Menschen sehr gut gefüllt war, denn das Duo Infernale erfreut sich hier großer Beliebtheit und verzaubert das Publikum regelmäßig an diesem Ort. Außerdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in diesem Haus sehr ausgewogen, und die Mannschaft des Clubs sorgt mit Freundlichkeit sowie Überblick für einen angenehm entspannten Rahmen. Zunächst gönnte ich mir einen warmen Milchkaffee, welcher meine Lebensgeister wieder weckte und mit angeregten Unterhaltungen wurde die Wartezeit bis zum Konzert überbrückt. Dass die beiden Protagonisten des Abends uns ein paar Minuten zappeln ließen, störte eigentlich niemanden, denn es war angenehm warm und die Versorgung war auch gewährleistet.

Die Konservenbeschallung setzte plötzlich aus, das Bühnenlicht wurde heller gedreht und plötzlich waren sie da, Dirk "Scholle" Zöllner und Andrè "Gensi" Gensicke, das "alte Ehepaar" des (ost-)deutschen Funk und Soul. Mit einer Unterbrechung von etwa 5 Jahren sind die beiden seit ca. 23 Jahren gemeinsam unterwegs, um ihre Musik unter die Leute zu bringen. Ob sie die musikalische Silberhochzeit in zwei Jahren gebührend feiern werden? Man darf gespannt sein, denn für eine Überraschung sind Zöllner und Gensicke immer gut. Die oben erwähnte Schublade Funk und Soul ist eigentlich nicht so ganz richtig ist, denn die beiden Musiker sind durchaus auch in anderen musikalischen Breiten zu Haus. Etwas melancholisch ging es mit dem Klassiker "Strohfeuer" vom 96er Album "Bum Bum" los. Die weitere Reise durch die musikalischen Weiten des Zöllner-Universums wurde aber keineswegs eine lose Aneinanderreihung von Liedern, sondern der scherzhafte Name Duo Infernale ist durchaus Programm. Flotte Sprüche, Anekdoten und Situationskomik trugen einen gehörigen Teil dazu bei, dass der Abend ein besonderer Leckerbissen der Unterhaltung wurde. Scholles herzliche Art und seine Entertainerqualitäten, geparrt mit dem trockenen Humor von Gensi, sorgten sicher für die eine oder andere Lachträne. Köstlich war es zum Beispiel, Herrn Zöllner als Ballerina oder Herrn Gensicke als Mundtrompetenbläser zu erleben. Das Duo braucht keine groß aufgeblähte flackernde Bühnenbeleuchtung oder andere optische Mätzchen, denn sie sind die Show selbst. Das betrifft sowohl das rein musikalische Handwerk als auch das Transportieren desselben zum Publikum. Dirk Zöllners prägnante Gesangsstimme war dabei eines der Hauptinstrumente des Abends: Sein Gesangsspektrum reicht von der sanften, einschmeichelnden Stimme bis hin zur stimmgewaltigen Röhre. Es war mal wieder deutlich zu hören, dass Herr Zöllner die "schwärzeste" Stimme in hiesigen Breitengraden hat.

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Das zweite wichtige Instrument ist das Piano von Herrn Gensicke. Elegant glitten seine Finger über die weißen und schwarzen Tasten. Dabei kamen wunderbare Melodien zum Vorschein. Sanfte, zurückhaltende Töne wechselten mit verspielten, frechen Tonfolgen. Außerdem lieferte der neuerdings smart frisierte Tastenmann seinem Partner so manches Stichwort und auch den Backroundgesang. Es war zu spüren, dass beide Spaß an diesem Konzert hatten. Sie nahmen sich selbst gegenseitig auf die berühmte sprichwörtliche Schippe, und so mancher Kurzdialog hätte auch gut in ein Comedyprogramm gepasst. Das hatte auch Einfluss auf so manchen Songtext, zum Beispiel sang Herr Zöllner "Ich seh gut aus" und dichtete frei dazu "und Gensi sieht auch nicht schlecht aus". Bei "Allein" und "Heiligenschein" durfte das Publikum das charmante Duo gesanglich kräftig unterstützen, was die weiblichen Besucher wohl wesentlich besser als die männlichen Gäste taten.

Eine kurze Pause gab allen Gelegenheit zu verschnaufen und sich auch Nachschub an der Bar zu holen. Im zweiten Konzertteil ging es munter weiter mit "König der Verwöhner", "Heute biste dran", "Immer einer" und anderen Liedern aus der Zöllner'schen Fundgrube. "Viel zu weit" sollte dann den Schlusspunkt setzen. Daraus wurde natürlich nichts, denn das Publikum verlangte stürmisch nach mehr. Dirk kündigte zwei Titel als Zugabe an und Andrè legte einen dritten Song drauf. SO durften wir uns unter anderem noch an "Ans Licht" vom "Sieben Sünden"-Album und an dem von Peter Gabriel entliehenen Lied "Die Flut" erfreuen. Mein Kurzurlaub für die Seele endete mit ein paar gepflegten Gesprächen und einer sich anschließenden gemütlichen Heimfahrt.



 

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