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Bericht: Fred Heiduk
Fotos: Sebastian & Matthias Ziegert

 


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Es ist Vorweihnachtszeit in Leipzig. Der Weihnachtsmarkt ist wie an jedem Wochenende gut besucht. Einige Menschen zieht es an diesem Abend jedoch zur Moritzbastei, zu einem der letzten Konzerte Falkenbergs in diesem Jahr. Auch wenn keine weihnachtlichen Weisen zu erwarten waren, Besinnliches und damit irgendwie zur Adventszeit Passendes versprach das Konzert allemal.

Gegen 21:00 Uhr eröffnete Falkenberg in der dieses Mal bestuhlten Ratstonne der Moritzbastei das Konzert. Zunächst teilt er dem Publikum einige Gedanken zum neuen Album "Hautlos" mit und überzeugt dabei mit einigen tiefgründigen Gedanken wie z.B. "Eine unserer Stärken ist es, unsere Schwächen zu erkennen und zuzugeben". Für mich eher ungewohnte Töne aus Falkenbergs Mund, ist er doch sonst eher für seine flotten Sprüche bekannt. Die fehlten natürlich nicht, wurden aber - wie gesagt - von einigen ernsten Gedanken begleitet. Nach diesen Gedanken gab es das erste Mal Musik. Den Titelsong seines neuen Albums "Hautlos". Falkenberg am E-Piano und Michael Lehrmann an der Gitarre wussten sofort zu beeindrucken. Speziell das stake Klavier Falkenbergs, die präzise gesetzten einzelnen Töne die den Text unterstreichen, schafften sofort eine mitreißende Atmosphäre. Der tolle Text des Liedes, der unbedingtes Zuhören erfordert, das dezente Gitarrenspiel als "Zugabe"... Wenige Töne genügen um das Publikum auf eine Seelenreise mitzunehmen.

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Falkenbergs Programme sind mittlerweile alles, aber nicht beliebig. Man kann womöglich seine Musik nicht mögen, es mag geteilte Meinungen zu seiner Person geben. Wer sich aber die Mühe macht, ihm durch seine Titel zu folgen, der kann nicht anders als einzugestehen, dass Falkenberg musikalisch ein Großer ist, der etwas zu sagen hat und dies unmissverständlich tut. Für mich singt er leider oft in der Art, die ich nicht wirklich mag. Irgendwie sind Silben und Töne verschliffen. Das ist weit weniger präzise, als die Töne bei Klavier und Gitarre. Aber er kann auch ganz anders und dann ist Falkenberg ungemein überzeugend. Eine ehrliche, große Stimme, die mühelos die gewünschte Atmosphäre schafft und die Falkenbergs Fans so mögen. Ebenso mögen sie Falkenbergs Sprüche. Solche wie den im Bezug auf seinen 50. vor einigen Wochen, nachdem ihm am kommenden Morgen schlecht war, wie er sagt. Nicht der Zahl wegen, sondern wegen des reichlichen Alkohols, den es am Abend nach dem Konzert gab. Da ist viel Selbstironie im Spiel, wie sie nur jemand aufbringt, der mit sich im Reinen ist.

Im Programm ging es mit einem Wechsel zur Gitarre für den Titel "Wer ich bin" weiter. Dort beeindruckt vor allem das tolle Zusammenspiel mit Micha Lehrmann. Nach drei Takten kann man erahnen, was für ein Virtuose da an Falkenbergs Seite spielt. Der mehrfach wiederholte Akkord bei dem er nacheinander schnell fünf Saiten anreißt, kommt immer präzise und deutlich. Im Zusammenspiel mit Falkenbergs Gitarrenspiel, das sich an Lehrmanns Seite, so finde ich, auf hohem Niveau noch verbessert hat, bekommt das zweite Lied, etwas ungemein temperamentvolles, klingt spanisch oder feurig wie eine Melodie der Roma. Toll wie die Gitarren die Gesangsmelodien aufnehmen und fortsetzen, fast zu einem Wechselspiel mit Falkenbergs Gesang werden. Musikalisch und textlich ist es ein Ausnahmesong. Wie ihn die beiden live dargeboten haben war überaus hörens- und erwähnenswert. Ich vermeinte dabei ein Akkordeon im Hintergrund zu vernehmen, wobei sich die Frage stellen würde, kann man diese Klänge mit zwei Gitarren erzeugen, oder gab es vom Band zugespielte Instrumente. Auf jeden Fall würde eine Akkordeonstimme dem Titel, als Klangteppich unterlegt, dem Stück nicht schaden. Ob Falkenberg ein Perfektionist ist, weiß ich nicht. Seine Auftritte sind jedenfalls oft zumindest nahe der Perfektion. Dieser Abend in Leipzig war es auf jeden Fall.

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Es folgen weitere Titel aus der aktuellen CD "hautlos". Dazu ist wenig zu sagen. Durchweg starke, überaus hörenswerte Stücke. Falkenberg ist sich musikalisch treu geblieben und hat tolle Lieder vorgelegt, die er gekonnt sicher live darbietet. Das was er dabei zeigte, bestärkt mich, ihn in höchsten Tönen zu loben. Er ist lange, lange seinen Jugendsünden entwachsen und zu einem überaus guten Musiker gereift. Ich behaupte sogar, dass ihm aktuell nur sehr wenige deutschsprachige Künstler das Wasser reichen können. Große Texte, tolle, eingängige Melodien, gekonnte Beherrschung der Instrumente, famoses Zusammenspiel, besonders Klavier / Gitarre - besser kann man deutsche Musik nicht machen. Und dazu kommen immer wieder Falkenbergs Gedanken. Was oft als lockere Moderation daherkommt, hat nicht selten einen sehr gedankenschweren Hintergrund. Falkenberg vermag es in seiner Art die Zuhörer zum einen auf die jeweils folgenden Titel einzustimmen und zugleich zum nachdenken anzuregen. Das ist nicht belehrend oder moralisierend, hinterlässt aber meist einen anhaltenden Nachhall im Gedächtnis der Zuhörer.

Nach einer Pause spielte Falkenberg einen zweiten Block aus seinem bekannten Repertoire. Der Teil startete mit einer von Falkenbergs berühmten Geschichten. Er philosophierte - andere würden sagen, er "blödelte" - vor sich hin. Heißt: Einen Gedanken zum Lied aufgreifen und daraus die herrlichsten, meist lustigen Geschichten entwickeln. Einfach köstlich. Besonders schön, dass Micha Lehrmann Falkenbergs Gedankenspiele oft schelmisch aufnimmt und mit seiner Gitarre wortlos weiterspinnt. So bei seinem Ständchen an Falkenberg, als er das Thema aus dem Film "Dr. Schiwago" auf dem Rücken spielt, was wiederum Falkenbergs Frotzelei zu anderen großen Gitarrenvorlagen herausfordert. Das hatte was ungemein Lustiges. Schön zu erleben, dass beide über sich selbst lachen können. Musikalisch beginnen sie den zweiten Teil mit "So nah am nächsten Meer".
Wie erwähnt war das der Einstieg zu etwas wie d 20130418 2031192656Falkenbergs oder IC's größte Hits. Da durften Titel wie "Für Krieger wie uns" oder "Piraten" nicht fehlen. Es gibt Leute, die behaupten, kein Falkenberg Konzert wäre vom Programm wie das vorige. Er baut immer wieder Raritäten, Titel die er lange nicht gespielt hat, in seine Programme ein. So gab es auch in Leipzig seltener Gehörtes neben seinen Standards. Zudem gab Falkenberg den Blueser und spiele bei einem Titel weder Klavier noch Gitarre, sondern Mundharmonika, bzw. wie er es nannte "Blues Harp". Wie gehabt durfte Micha Lehrmann auch an diesem Abend mit einem Solo brillieren. Ihm bei seinen Improvisationen zuzuhören, war wie immer ein besonderer Genuss.

Das Konzert sollte nach über zwei Stunden reiner Spielzeit mit den wohl unverzichtbaren "Eine Nacht" und "Dein Herz" enden. Doch daraus wurde nichts, da das Publikum vehement "Sonder"zugabe forderte. Die gewährte Falkenberg denn auch, wenngleich in etwas ungewöhnlicher Form. Denn anstelle eines weiteren an diesem Abend noch nicht gespielten Titels, spielte er noch einmal seinen aktuellen Favoriten "Wer ich bin". Damit ging das Konzert in Leipzig mit zwei bestens aufgelegten Musikern tatsächlich zu Ende. Wann es ein Wiedersehen mit Falkenberg gibt, und ob dann erneut Micha Lehrmann an seiner Seite spielen wird, ließ Falkenberg offen. Er kündigte lediglich an, dass er im kommenden Jahr nicht ganz so häufig auftreten will, wie in diesem Jahr. Lassen wir uns also überraschen.



 

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