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Bericht: Rüdiger Lübeck
Fotos: Rüdiger Lübeck

 


Was schreibt man nur über einen Polkaholix-Konzertbesuch? Dass es eine "Mords-Gaudi" war? Es würde wohl zu kurz greifen, wollte man es darauf reduzieren. Und wenn die Mannen um Andi Wieczorek auch für einen gewissen Hang zum Komödiantischen bekannt sind, hat sich das Musikalische dem mitnichten unterzuordnen. Schließlich gibt ja auch bereits der Bandname hinreichend Auskunft über den Stellenwert der Töne.

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Die Polkaholix sind tagesaktuell mit einem Weihnachtsprogramm unterwegs, das sich (glücklicherweise) nicht in dieser Thematik erschöpft. "Weihnachten, Weihnachten steht vor der Tür" - man kann es eigentlich nicht mehr hören. Nicht so an diesem Abend: die "polkeske" Adaption des Gassenhauers erweist sich mit einem Male als regelrechter Kracher, so dass kaum Zuschauerfüße (oder gar -beine) dabei stillstanden.

Aber zuvor introducte sich die Band zunächst einmal als die "VIPs", zugleich Opener des aktuellen Albums "Polkaface". Auf jenem finden sich im übrigen auch weitere Songs, die an diesem Abend im mehr als gut gefüllten Potsdamer Waschhaus zu Gehör gebracht wurden. Kennt z.B. noch jemand den Song "Anna"? Nein? Dem Namen nach sicher nicht sogleich, doch wenn die ersten Zeilen gesungen, erwachen sofort blasse Erinnerungen an ein kurioses Kapitel deutscher Musikgeschichte - die Neue Deutsche Welle und deren Vorreiter "Trio". Mit geringfügig mehr Ernsthaftigkeit wurde zudem Spliffs "Heut' Nacht" interpretiert, nach wie vor ein beeindruckendes Werk, auch und nicht zuletzt in der Polkaholix-Version. Wiezcorek und Gitarrist Ferraro waren bekanntlich seinerzeit (und wie man hört nun wieder) feste Bestandteile der Gundermannschen Seilschaft. Das Repertoire erinnert mit "Ich kann dich nicht mehr leiden" daran.

Überhaupt kennen sich die Musiker aus den verschiedensten Projekten. Dies gilt insbesondere auch für den neuen Drummer Jürgen Schötz, an diesem Abend übrigens Geburtstagskind und erst zum zweiten Mal gemeinsam mit den Polkaholix auf der Bühne (was selbstverständlich beim Publikum unbemerkt blieb). Und um den Kreis zu schließen: sowohl Schötz als auch Ferraro standen lange gemeinsam mit dem unvergessenen Cäsar als dessen Spieler auf der Bühne.

Ich glaube, ein Weihnachtsprogramm ist nicht die richtige Spielwiese für diese Truppe. Sie gehört auf eine Open-Air-Bühne in eine laue Sommernacht. Denn dort können sich nicht nur die Musiker besser austoben, sondern auch das Publikum. Was diesem Abend dennoch keinen Abbruch tat. Natürlich wurde getanzt und gefeiert, natürlich wurde mitgesungen und gejubelt. Aber der Frost steckt uns in den Gliedern, die Dunkelheit schlägt auf's Gemüt. Gut, dass es da Bands wie die Polkaholix gibt. Sie lässt einen diese Jahreszeit für einen Abend vergessen machen.



 

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