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Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann

 


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Eigentlich standen die Vorzeichen für einen Konzertbesuch für mich denkbar ungünstig. Es war Sonntag und außerdem hatte der Wetterdienst mal wieder eine Unwetterwarnung für den Abend mit Schneefall und Verwehungen herausgegeben. Trotzdem setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Ottendorf-Okrilla ins "Alte Teichhaus". Nach einer turbulenten Arbeitswoche mit anstrengenden Fahrten hatte ich mir noch am Freitagabend geschworen, bei widrigen Straßenverhältnissen das ganze Wochenende auf Konzertbesuche zu verzichten und brav daheim zu bleiben. Zumindest zwei Abende hielt der Schwur. Es wäre natürlich viel vernünftiger gewesen, auch am Sonntag in den eigenen vier Wänden zu bleiben und zeitiger ins Bett zu gehen, um am Montag früh ausgeruht in die Arbeitswoche zu starten. Doch ich bin halt manchmal unvernünftig und vielleicht auch etwas willensschwach. Zu meiner Ehrenrettung möchte ich noch sagen, dass mich kein Geringerer als Hans Wintoch hinter dem heimischen Ofen hervorlockte. Der sympathische Musiker ist besser unter seinem Künstlernamen Hans die Geige bekannt und er zählt unbestritten zu den Pionieren der rockgeigenden Zunft hierzulande. Der angekündigte Schneefall setzte übrigens genau zu dem Zeitpunkt ein, als ich in Ottendorf-Okrilla eintraf.

Die Konzerte vom Rockgeiger bei Ecki im Landhotel "Altes Teichhaus" sind meiner Meinung nach ja immer etwas Besonderes. Das scheinen auch andere Leute so zu sehen, denn unter den Konzertbesuchern sieht man jedes Mal bekannte Gesichter und auch am 4. Adventssonntag des Jahres 2010 war das so.

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Die kleine Bühne war bereits vorbereitet und neben der üblichen Technik und dem Banner des Rockgeigers zierte diese noch ein Weihnachtsbaum. Während Dani und Hans noch letzte Probleme mit der Nebelmaschine behoben, gönnte ich mir jede Menge gesunde Kräuter in Form von Tee. Meine Bestellung wunderte den Herrn des Hauses sehr, aber ich trinke im Winter gerne Tee und außerdem war ich ja auch Kraftfahrer.

Gegen 20.50 Uhr wurde ein weihnachtliches Intro eingespielt und unter dem Beifall des Publikums enterte Hans die Geige die Bühne, schnappte sich seine Violine und die nächsten Stunden erfreute er uns mit seinem Können. Weihnachtlich ging es gleich mit dem Klassiker "Little Drummer Boy" zur Sache. Der arme kleine Trommler, der als Geschenk für den neugeborenen Jesus trommelt, erwachte zu neuem musikalischen Leben. Keiner geigt so gefühlvoll wie unser Lieblingsrockgeiger. Er legt praktisch seine Seele in das Spiel mit Violine und Bogen. Danach griff der Meister sofort wieder tief in die Trickkiste und zog mit "Bohemian Rhapsody" von Queen ein absolutes musikalisches Ass aus dem Ärmel.

Die Auftritte des Rockgeigers in Ecki's Teichhaus haben irgendwie den Charakter eines Heimspiels. Man spürte es ganz deutlich, dass der Geigenvirtuose diese Atmosphäre wieder genoss, denn er war bester Laune und ging bereitwillig auf das Publikum ein. Hans behauptete von sich mehrmals, dass er zu viel quatschte, aber das gehört genauso zu ihm wie seine Geige. Seine glaubhaft menschlichen Gedanken und auch seine Scherze sind doch irgendwie das Salz in der Suppe. Zeigen diese Ansagen doch, dass da ein selbst denkender Mensch aus Fleisch und Blut auf der Bühne steht. Casting-Marionetten gibt es schließlich schon mehr als genug auf der Welt.

b 20130416 1885698710Musikalisch ließ Hans auch nichts anbrennen. Er spielte natürlich nicht nur die reinen Instrumentalstücke wie sein "Kinderlied" oder "Irish Eyes", sondern er gab natürlich auch seine unverwechselbare Visitenkarte als Sänger ab. Die Ostrockhymne "Unsere Zeit" fehlte dabei ebenso wenig wie "Dust in the Wind" von Kansas und der Karussell-Klassiker "Als ich fort ging". Vorfestliche Gefühle kamen dann noch mal beim "Weihnachtskanon" von Johann Pachelbel und einem bisher namenlosen Weihnachtssong aus eigener Feder auf. Auch das Bach'sche "Ave Maria" passte gut in diese Adventsstimmung. Doch Hans wäre nicht DER Rockgeiger, wenn er nicht noch ein paar andere Pfeile in seinem musikalischen Köcher hätte, die da hießen "Up Where We Belong" aus dem Hause Joe Cocker und die Geigenversion vom Omega-Kracher "Gyöngyhaju Lany".

Nach rund zwei Stunden inklusive Zugaben verabschiedete sich Hans die Geige für dieses Mal von seinem Publikum. Da mein Wecker am anderen Morgen wieder sehr zeitig plärren würde, machte ich mich sofort nach dem Konzert durch das dichte Schneetreiben auf den Heimweg.



 

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