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Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel

 


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Vorher noch anderweitig in musikalischen Gefilden unterwegs, eilte ich am Sonntag durch's verschneite Berlin zum Frannz. Ganz pünktlich, nämlich um 20:10 Uhr, betrat ich den Club und just in dem Moment erschien Stumpen in einem blauen gymnastikähnlichen Anzug (durch den seine Hautbemalungen für alle sichtbar waren) auf der Bühne. Er begrüßte die "vielen junggebliebenen alten dicken..." und bewarf seine Fans in alter Knorkator-Manier mit einigen Mitbringseln. Diese konnten sich über Poster aus einem Pappkarton erfreuen, später auch noch über T-Shirts. Sogleich machte er auf die erst kürzlich erfolgte Reunion seiner Band Knorkator aufmerksam. "Deutschlands meiste Band der Welt" (Rod Gonzàlez von Die Ärzte förderte Knorkator) hatte sich im Dezember 2008 aufgelöst... und dann kam doch alles anders als gedacht. Mit "Aufhören aufhören" will "Knorke", so oftmals liebevoll u.a. von "Fennklupp"-Mitgliedern genannt, erneut durchstarten.

Zur "Lesung" hatte Stumpen "eine Menge ungeplante Aspekte" und "Tüten und Werkzeuge" mitgebracht. Anlässlich der "Verkaufsveranstaltung, die eigentlich gar nicht stattfinden durfte", machte Stumpen auf die Tonträger "die man heute zufällig finden könnte" aufmerksam. Er verwies auf die CD vom Projekt "Jesang zur Jitarre und manchmal och Jeije". Passend hierzu begrüßte er mit den Fans und frenetischem Beifall unterstützt von "Buzz Dee"-Rufen die "Alte Frau". Weiterhin gesellte sich Kirk, dessen Namen wir Dank Stumpen inzwischen richtig aussprechen können, am Keyboard hinzu. Später wurde der Name des blonden Sonnenbrillenträgers hin und wieder in "Korken" umgewandelt. Ob das was mit den alkoholischen Getränken (Martini auf Eis, und auch Bier) auf der Bühne zu tun hatte?! Wohl doch nicht direkt, denn die Herren kennen sich bereits seit einigen Jahren. Kirk war jahrelang Gitarrist bei Knorke, er gehört zur Gründungsformation. Er bespielt seine Saiten auch bei der Band "Sub Dub Micromachine".

Mit "Lustig ist das Zigeunerleben" begann ein satirischer Abend mit wahnsinnig vielen absurden Ideen. Buzz Dee - "die Alte Frau von der Gruppe Käfer" - sang "I`m tramp". Und weil Buzz Dee die erste Strophe so gut gesungen hat übernahm Stumpen, der kein englisch kann, die zweite Strophe. Simon & Garfunkel`s "The Boxer" hieß plötzlich "The Panzer", und für einen Stevie Wonder Song wurde "DIE Anke aus dem Havelland" im Publikum ausgerufen. Anke Schenker (früher bei Datzu, Ines Paulke, Anett Kölpin) musste sich dann erst einmal umziehen (gewollte Situation). Die "Stevie Wonder InterpretERIN" schlüpfte hinter der Bühne vom Wollpullover ins klassische Schwarz, während die drei auf der Bühne verweilenden Musiker versuchten zu klären was ein "bisschen" ist. "Ein Adverb?" Nach der ersten "Superstition"-Strophe durfte Anke wählen: "Willste noch ne Strophe oder lieber Applaus?" fragte Stumpen. Für einen Künstler gibt es nichts Schöneres... also Applaus! An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass ein Ausspielen der jeweiligen Titel an diesem Abend fast nie erfolgte. Kitsch, Witz und reichlich Unfug hinzu ließen es nie langweilig werden. Ganz im Gegenteil, man freute sich über die Anhäufung von so viel Unsinn. Die Lachmuskeln wurden reichlich strapaziert. Viele könnten jetzt aber denken, dass wir es mit einer reinen Comedyshow zu tun hatten. Dem war nicht so, Comedy würde nerven. Auch wenn Stumpen gerne nervt, im "Ton" brillierte er. Seine klassische Gesangsausbildung war nicht zu überhören, hervorragender Gesang! Im (lt. Stumpen) "In-etwa-Programm" kam auch die "Ge(h) ma" zur Sprache, und Kirk sprach über "eine Probe, die wir fast gehabt hätten".

Einige Stühle waren auf der Bühne noch unbesetzt. Nadin, die junge Dame mit den kurzen schwarzen Haaren, und Nussmusch (blond gelockt) aus Woltersdorf und Staffenhagen wurden singend auf die Bühne gebeten. Während der Umzugszeremonie der beiden Damen im Backstage wurde "Country Roads" nur kurz angespielt, denn Buzz Dee lehnt den Song genauso ab wie "Smoke on the water". Der Marlboro Man (auf's Rauchen bezogen), der immer seine Gitarre zur Hand hatte, bestand auf "Metal-Petri und Rock-Harpo". Zwischendurch waren auch die typischen analen Phasen vertreten. Stumpen beorderte einen "Nichtficker" auf die Bühne und fragte: "Was macht man mit dem? Stagediving oder Hosentausch?" Sein "Gast" blieb mit seiner Cordhose verschont. Gegen den Willen der "Alten Frau" erklang dann doch noch mit weiblicher Verstärkung "Landstraße" ("Country Roads"). Nebenbei zündete Nussmusch Teelichter an, keine Stumpenkerzen.

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Danach "beeste" die "Schneebesen-Anke" auf einem Improvisationsschlagzeug, Stumpen sang "Gigolo" und die beiden Piccolomädels (Nussmusch und Nadin) sangen als Zweitstimmen "Piccolo". Das muss man erst einmal können, mit schöner Stimme dieses eine Wort im schnellen Tempo hintereinander singen. Das war großartig Mädels! Gigolo-Piccolo sorgte für Furore im vollen Saal. Weiterhin noch im Programm: Doris Day`s "My blue heaven" (Buzz Dee singt), Andrew Sisters' "Bei mir bist du schön" als "Dich geschickt gefickt" (hier Anke mit Pfeiffe), und "Sunny" von Boney M als "Für Anna L". Tina Turner`s "Nutbush" benötigt eine etwas umfangreichere Erklärung. Nach diesem Cover wurde Nussmusch, die eigentlich Yvonne heißt, benannt, demzufolge auch der Titel "Nussmuschstadtgrenze". Buzz Dee gab dann ein "Tuckenlied" zum besten und Stumpen erörterte: "Wir spielen hier heute Musik die einfach da ist, die nie gehört wird. Später vielleicht noch Knorkatortitel". Er sang sein eingedeutschtes "Que sera sera" (Doris Day) wie folgt: "Als ich ein kleiner Stumpi war" (When I was just a little girl). Nadin schickte uns nach ausdrücklichem Pausenwunsch aus dem Publikum mit einer sehr schönen Interpretation (leider weiß ich den Titel nicht mehr, habe keine Setlist) in eine "sieben-minütige Pause".

Circa 15 Minuten später ging es weiter mit dem "In-etwa-Programm". Stumpen blätterte hin und wieder in seinem Regiebuch, besang beispielsweise mit "In the ghetto" seinen Stadtbezirk "Schöneweide". Die "Sieben Brücken" erklangen im mir bisher unbekanntem Stil, im Geplänkel einer Kaffeehaus-Atmosphäre. Michael Jackson wurde eingedeutscht, aus "Bad" wurde einfach "Schlecht".
Eine der drei Damen hatte bisher noch kein Solo singen dürfen. Nussmusch sang nun das "Ain`t no sunshine Tuckenlied". Stumpen bestand aber auf ein wiederholendes "I know", und das gleich 48 mal. Alle im Saal zählten fleißig mit. Eine herrliche Angelegenheit. Stumpen wollte dann doch tatsächlich die drei Damen verabschieden, die Dank des nicht wirklich geringen Applauses nicht entlassen wurden.
Im Saal hatte man die Wahl. Man entschied sich nicht für die Stones sondern für "Papa kühl" (Boney M). Darauf folgte das "Hundehund". Ein geniales Lied, in dem Stumpen einige Tiere besingt (gibt es den Text irgendwo?). Nach "Honig und Zucker" (im Original von The Archies) und dem französischen "Aux Champs Elysèes" verabschiedete Stumpen die drei Damen, auch wenn sich die "Alte Frau" Buzz Dee im Verlauf des Abends in der Frauengruppe rechts außen gut integriert hatte. Auch der Piano spielende Gitarrist Korken verließ für einen Moment die Bühne.

Um 22:45 Uhr empfing Stumpen den "Komponisten, Entertainer und `schlechten` Pianisten" Alf Ator. Der Badelatschenfreek Stumpen begrüßte seinen langjährigen Musikerkollegen (in den 80ern musizierten sie gemeinsam in der Band Funkreich), das Knorkator-Gründungsmitglied: "Schön, dass Alf den Weg von Friedrichshagen nach Schöneweide gefunden hat". Der Frannz befindet sich im Prenzlauer Berg. Stumpen fand hier erneut den Bezug zum Schöneweide-Lied... Alf sang "Der Tod und das Boot" aus seinem Soloprogramm "Das noch neuere Testament". Das Dreigespann hatte natürlich auch Knorkator Lieder im Repertoire. Vom 98er Album "The Schlechts of Knorkator" sangen sie "Es kotzt mich an". Stumpen hielt Alf zwischendurch ein Papier vor die Nase, somit wusste er welcher Song folgen würde. Da sich Alf bei keinem Lied wehren durfte bekam er vor jedem einen kurzen Schreikrampf. Nicht nur "High Mud Leader" wie "Mein Freund, der Hund", sondern auch das 2003er Lied "Ich hasse Musik" war im Frannz zu hören.
d 20130416 1650281177"Böse" sind die Drei nun wirklich nicht. Auch wenn Stumpen der Kita-Erzieherin seines Sprösslings, die sich wohl im Publikum befand, des Öfteren empfahl sich bei schmutzigen Äußerungen die Ohren zu zuhalten. Denn er sei sonst ein sehr fürsorglicher Vater. Eigentlich dachte ich in dem Moment, dass es weihnachtlich werden würde (ein paar Tage vor'm Fest). Aber zur dritten Strophe, in der es heißt: "Ich öffne gleich am 1. Dezember alle Türchen vom Weihnachtskalender", kam es nicht mehr, schade eigentlich. Ich glaube mich aber hier an eine Tangoversion zu erinnern.

Danach musizierten wieder alle Sieben gemeinsam auf der Bühne. "Es war ein sehr schöner Abend", betonte Stumpen, und im Zugabenteil erklang im Frannz "Highway to Hell" und Uriah Heep`s "Lady in Black" ("Die Dame in schwarz") mit einem sing-freudigen Publikum und rhythmischem Klatschen. Auch Buzz Dee brillierte nochmals, jetzt mit dem Beatles-Cover "Lady Madonna". "Die Farbe schwarz" ("Paint it black", Rolling Stones) durften alle Fans mit kräftigem russischen Summen verstärken. Das klappte hervorragend.
Kurz nach halb zwölf verließen alle Musiker die Bühne... nur Stumpen kam nochmals zurück: "Das Konzert ist beendet. Ihr könnt nach Hause gehen. Stumpen will nur noch ein Lied für sich singen". Er wollte nur das Lied "Der ultimative Mann" mit Alf und Buzz Dee "proben". Das war ein sehr schöner Abschluss eines wunderbaren akustischen Abends. Stumpen begeisterte im vollen Frannz (wohl mehr als 300 Leute) mit fantastischen Musikern an seiner Seite. Zum erschwinglichen Eintrittspreis (12 Euro!!!) konnte man mehr als drei Stunden erstklassige Musik erleben. Deutsche Mugge dankt für die Einladung!

Und nicht vergessen: Die Knorkator "77 Minuten Clubtour 2011" quer durch Gesamtdeutschland startet im April. Das Konzert am 21.04. im Berliner Club Lido war bereits nach wenigen Tagen ausverkauft. Die Berliner bekommen aber noch ein weiteres Heimspiel. Am 10-12-11 (die Zahlenkombination kann man sich gut merken) spielt Knorke in der C-Halle am Columbiadamm.



 

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