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Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel

 


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Seit längerer Zeit stand der Name COPPELIUS auf meiner Konzertliste. Seit 1997 existiert die Berliner Band, wurde aber erst ein paar Jahre später bekannter, auch wenn sie eigentlich aus einem anderen Jahrhundert stammen. Im Jahr 2007 erschien ihr Debutalbum "Time - Zeit", und zwei Jahre später das Album "Tumult". Vor zwei Monaten, am 29.10.2010, präsentierten sie ihr drittes Album "Zinnober". Zum Ende des Jahres war es nun soweit. Die COPPELIaner luden zum Winteranfang anlässlich ihrer "Konzertante Reisen zum Ruhm des Zinnober" in das Kesselhaus der kulturellen Brauerei ein. Die Hoflampe, es war Vollmond, erleuchtete die Schneemassen und somit den Weg zur Kulturbrauerei.

Namen der Vorbands lasse ich unerwähnt. Man will ja niemandem zu nahe treten, aber für mich persönlich handelte es sich beim ersten Support um akustischen Müll, und die folgende Tanzgruppe war auch nicht nach meinem Geschmack.

Um 21:30 Uhr ging erneut das Licht aus, endlich ging es los. Ein altes Röhrenradio spielte auf der Bühne, daneben stand ein Cembalo. Butler Bastille, der Ordnungshüter, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, bat um Ruhe im vollen Kesselhaus und läutete mit seiner Triangel den Konzertabend ein.

Der Kammer-Core des 19. Jahrhunderts (Bezeichnung lt. Band) spielte auf:
Max Coppella (Gesang, Klarinette)
Le Comte Caspar (Gesang, Klarinette)
Graf Lindorf (Cello, Gesang)
Sissy Voss (Kontrabass)
Nobusama (Schlagzeug)
Butler Bastille (Gesang, Moderation)

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Gleich zu Beginn war ich von der Musik, der Bühnenshow und allem drum herum fasziniert. Optisch wurde einiges geboten. In Frack (Butler Bastille) und Gehröcken (die fünf eleganten Herren) mit Zylinder und die Gesichter künstlerisch geschminkt brachten sie uns in die Vergangenheit, genauer gesagt ins Jahr 1815.
Wie sollte man ihre Musik beschreiben? Ich hörte viel, würde sie, wenn überhaupt in eine Kategorie, in Metal/Rock/Klassik/Theater einordnen. Akustischer Genuss umrahmt von humorvollen Beiträgen, weit von süßen Popmelodien entfernt. Im Vorhinein hatte ich Bedenken. Wie soll eine Band ohne Gitarre funktionieren? Cello und Kontrabass sorgten einerseits für Dramatik und härtere, dunkel dröhnende Töne, die beiden Klarinetten trugen andererseits ihren Teil zur Dynamik bei und der Schlagzeuger mit nötigem Rumms. Deutsche und auch englische Texte waren beim einzigartigen Spektakel zu hören. Ich erlebte eine hervorragende Live-Band. Sie spielten ältere Songs aber auch neue vom aktuellen Album "Zinnober". Wie sich das Ganze auf dem Album anhört weiß ich leider nicht - Ein Konzertbesuch lohnt sich jedenfalls. Musiker (oder sollte ich passender Musikus schreiben?) mit Gesangskünsten und ihre Instrumente beherrschende Akteure, sowie die künstlerische Darbietung machen das Konzert zu einem besonderen Erlebnis.

Die drei neuen Titel "Handschuh", "Risiko" und "Nachtwache" waren der ideale Einstieg. Butler Bastille rockte kniend vor Graf Lindorf, borgte sich zwischenzeitlich beim Publikum eine Sonnenbrille und machte gelegentlich neben der Ernsthaftigkeit auch "Schöne Augen" (vom Album "Tumult"). "Ein Automat", vom aktuellen Album, und "Olimpia" dürfen eigentlich auch nicht unerwähnt bleiben.
c 20130416 1246593740Das von Comte Caspar gesungene "Gumbagubanga", für mich ein Highlight, erzählt eine Geschichte über den großen Zauberer, der die Sonne in der Nacht scheinen lassen wollte, dem es aber erst am Morgen gelang. Butler Bastille stieg mit einem riesigen Schritt über den Fotograben direkt zu seinen Fans und der Techniker, der eigentlich nicht zur Band gehört, folgte ihm mit seinem Werkzeugkoffer. Leider verlor Butler Bastille bei dieser Aktion seine Stimmgabel. Aber das aufmerksame Publikum reichte ihm diese später auf die Bühne. Somit war er wieder in der Lage hin und wieder die Stimmung zu checken. Er war aber auch nicht nur für das Hochhalten der Kreidetafeln (Ruhe, Applaus, Solo) verantwortlich, er brillierte überwiegend mit Gesang.

Zwei Iron Maiden Coverversionen haben die Herrschaften in ihrem Programm. Bei der Ouvertüre "Phantom of the Opera" stand plötzlich Comte Caspar im Graben und machte sich mit seinem Klarinettensolo auf den Weg durchs Kesselhaus.
Früher war es üblich einen Absinth zu trinken. Ein ausgesuchter langhaariger Fan durfte das Ritual auf der Bühne vollziehen, bevor er dann gemeinsam mit Butler Bastille Egdar Allan Poe`s bzw. Iron Maiden`s "Murders in the Rue Morgue" Headbangen durfte.

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Der Titelsong des neuen Albums "Klein Zaches" (auch Zinnober genannt, ein Mensch der unter einem geheimen Zauber steht) stammt aus einem Kunstmärchen von E.T.A. Hoffmann. Die COPPELIaner bedienen sich textlich des Öfteren bei Hoffmann. Hier will Butler Bastille ausbrechen, er dreht sich andauernd um die eigene Achse.
Danach trat Graf Lindorf in die Bühnenmitte an das Mikrofon und sang "Ich gehör zu dir" (der Erzähler wird zum Mörder). Butler Bastille hatte nur noch einen Schuh an und dann lief er auf Socken umher. Comte Caspar übernahm in "Habgier" den Gesang. Bastille fragte in den Saal, ob es denn an diesem Abend keine Kekse geben würde? Prompt wurde ihm am vorderen Bühnenrand eine Keksdose gereicht. Er aß einige Kekse und machte sich über deren Kitty-Motive lustig.

Die Fans zeigten sich textsicher. In "Time - Zeit" hallte ihr Gesang, neben freudigem Klatschen, durch das Kesselhaus und Nobusama absolvierte ein hervorragendes Schlagzeugsolo, während Bastille auf Zehenspitzen stehend, ohne Schuhe, eine Japan-Fahne auf dem Schlagzeugpodest schwang. Das Ende von "Time -Zeit" durfte ein Mädel aus dem Publikum mittels Triangel besiegeln. Zur Krönung des Ganzen sang (und trank aus einem Becher) Max Coppella "Coppelius hilft!". Gegen Ende wollte Bastille das Konzert so beenden wie es begonnen hatte, mit seiner Triangel. Aber das ließ das holde Publikum nicht zu. Als die Band hinter der Bühne verschwand wurden "Da capo"- Rufe laut.
e 20130416 1588606738Butler Bastille läutete mit seiner Triangel den Zugabenteil ein. Der "Kammer-Core" kam noch einmal auf die Bühne zurück. Aber Nobusama war mit dem Dauerklatschen der Fans nicht ganz zufrieden. "Tempo 110 bitte!" rief er den Fans entgegen. Gesagt, getan und für "Diner 5er Herren" stieg Comte Caspar mit seiner Klarinette auf die obere rechte Box und Bastille legte für Max Coppella am vorderen Bühnenrand ein Kissen bereit, damit er bequem kniend musizieren konnte. Die COPPELIaner verneigten sich vor ihrem jubelnden Publikum und verließen die Bühne. Butler Bastille kam zurück, bekam eine Rose gereicht und fragte: "Müsst ihr noch `ne Bahn schaffen?" Beim Motorhead-Klassiker "1916", den Graf Lindorf mit viel Leidenschaft sang, saß Comte Caspar am vorderen Bühnenrand. Das zweistündige Konzert war damit leider wirklich beendet. Butler Bastille dankte "Dirty Dietmar am Mischpult" und sagte: "Es war blendend Herr König Licht am Licht". Er schickte auch Grüße an Cornelia am Merchandisingstand, dankte den Vorbands, und verabschiedete sich nach dem zweistündigen Konzert von den Fans: "Frohe Weihnachten und guten Rutsch! Passen Sie auf, keine Finger weg sprengen... und ich will noch zwei Worte mit auf den Weg geben, wie immer: COPPELIUS hilft!"

Die Herren mischten sich anschließend noch unter's Volk (ihren Fans). Schön, dass man im Kesselhaus den Abend in Ruhe ausklingen lassen kann! Im April sind die Gentlemen mit ihrem Butler wieder auf Reisen. Sie werden in Jena, München und Stuttgart einkehren und spätestens zum Jahresende hoffentlich wieder in Berlin.
Es hat mich besonders gefreut die COPPELIaner aus der Nähe betrachten zu dürfen. Vielen Dank! COPPELIUS hilft garantiert!



 


   
   
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