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Bericht:
Hanni Möller

Fotos:
Hanni Möller (Livebilder)
Pressefoto (Bild Überschrift)


„Wir waren Outlaws damals (1982) und sind es heute immer noch.“ So erzählte der Sänger Gert Lange im ersten Teil des Konzerts und wies damit darauf hin, daß es bald das 30-Jährige Bandjubiläum zu feiern gilt, was man seiner Meinung nach auch an dem ein oder anderen dicker werdenden Bauch erkennen könnte. Und er leitet damit einen Song ("Bad To The Bone") ein, den er dem langjährigen Mitglied und Gründer der Hamburg Blues Band widmet: Dick Heckstall-Smith (leider im Jahre 2004 zu früh verstorben & unvergessen sein „Woza Nasu“). Aber der Abend verlor durch das Gedenken nicht seine gute Laune, die vom ersten Fußabdruck zu Beginn da war (sowohl bei den Musikern wie im Publikum). Gert Lange betrat als Erster die Bühne - strahlend dabei nicht nur sein weißer Hut - und griff sofort spielfreudig ungeduldig in die Saiten. Darauf dann den vollen Bass... und es groovte sofort. Der Blues war von der ersten Sekunde an da und Gerts Stimme, die dann einsetzte, haute einen sofort wieder mal um. Alles perfekt, alles kraftvoll, alles dabei. Das zweite Stück folgte mühelos und ohne groß Atem zu holen. Erst danach gab es die herzliche Begrüßung durch den Sänger. Das Publikum brauchte er erst gar nicht mehr anzuheizen, aber er schaffte einen zusätzlich vertrauten fröhlichen Rahmen durch seine netten Worte.

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Beim dritten Song kam Clem Clempsons, der Gitarrist, besonders zur Geltung, der seine Gitarre nur so zum Jaulen brachte: wunderbar! Clempson stand beim darauf folgenden Song als Sänger erneut im Mittelpunkt. Und auch hier hörte man gerne zu. Gert Lange kündigte zwischen beiden Stücken derweil schon mal Chris Farlowe für den zweiten Teil des Konzerts als Sänger an, erwähnte aber auch noch so was wie „Hier darf man keine Witze über Schalke machen – er wäre ja im Ruhrgebiet...“ Und es folgte schnittfest einer dieser melancholischen Bluesstücke, bei denen man fast das Atmen vergißt: leise sanfte Gitarren. Gerts Stimme auch da einzigartig treffend, stark und sanft zugleich. Eine Ballade & pur: „...tears in my shoes, Blues in my pockets...” Das Publikum begann derweil ein wenig das Plaudern mit der Band, nutzte die Zwangspausen bei den immer wieder zu stimmenden Gitarren. Es rief „Hamburg“ und „Schiff ahoi“, worauf Gert nur konterte: „Weiß Deine Mutter, daß Du hier bist?!“. Zuvor fiel der Name Stoppok, worauf es aus dem Publikum „Verräter“ schallte (weil er nach Bayern gezogen ist). Einerseits entsteht durch das wörtliche Hineinrufen eine gewisse Stimmung, andererseits wundere ich mich schon, daß es soweit geht, jemanden zu beschimpfen, nur weil er sich ein ruhiges Plätzchen gesucht hat. Aber das berührte das Konzert nicht weiter.

Es folgte schlicht der nächste Song, und auch ein Stück von Peter Green dann als letztes vor der Pause, die dann doch mit über 30 Minuten recht lange währte. Kurz vor 22:00 Uhr kam die Band dann zum zweiten Teil direkt mit Chris Farlowe zurück, und viele im Publikum waren in ihrer Begeisterung nun gar nicht mehr zu halten. Für mich ging damit jedoch ein Teil des Zaubers der ersten Hälfte verloren, zumal die lange Pause nicht zum Innehalten oder Aufatmen hergehalten hatte, sondern eher den Wunsch produzierte, mit dieser einen Stunde Musik einfach glücklich nach Hause zu gehen. So blieb ich nur noch für wenige Songs mit Farlowe, der den Saal ordentlich einheizte und jeder dort in Bewegung geriet, bevor ich frühzeitig den Heimweg antrat.

Ein wenig fehlte mir derweil auch Alex Conti, der früher bei der Band die Gitarrensaiten bewegte, einfach immer nur besonders leicht wirkend dastand und den genialen Ton mehr platzierte, auch wenn Clempons Spiel ganz nach oben zu stellen ist. Und dann war da natürlich Hans Wallbaum, weswegen ich die HH Blues Band denn auch das erste Mal besucht hatte, Ende der 90er. Hans Wallbaum, der mir bei den Live-Konzerten von Stoppok schon so ungewöhnlich aufgefallen war und der bei Interzone mit dem unvergessenen Heiner Pudelko getrommelt hatte. Er sitzt da einfach nur hinter seinem Instrument, und man glaubt beim Zusehen, daß er einfach im Himmel sei - vollkommen im Rhythmus versunken, kraftvoll, routiniert und völlig aufgelöst – und dabei trotzdem nicht abgehoben von Welt und Musikern drumherum. Für mich war es das siebte oder achte Konzert dieser Band, es war Vieles vertraut an diesem Abend. Die Erwartungen oder Vorstellungen (die man ja doch irgendwie hat) wurden erfüllt. Und die Spielfreude der Band war ihnen permanent anzusehen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß es seit einigen Jahren keine Weiterentwicklung gab. Vieles ist sehr routiniert, und es fehlt einfach eine Art Überraschung. Aber ihr Sound, ihr Können und ihre warmherzige Art sind nach wie vor klasse und jeder, der sie nicht kannte, wird an diesem Abend überzeugt worden sein. Aber das war wiederum kaum nötig, da ich schon vor Beginn des Konzerts überall „Collosseum“ in den Gesprächen unter dem vorwiegend älteren Publikum hörte. Und es wurde wie so oft ein annähernd gefüllter Saal, wo man merkte, daß hier die Fans der HH Blues Band und der alten Zeiten von Lake, Cream, Chuck Berry oder Atlantis vorort waren. Und sie waren voller Erwartung schon zu Beginn gruppendynamisch um ihre Biere verteilt und auch während der Musik ganz Ohr – während leider einer der Fotografen sich nicht dabei stören ließ, in den leisen Passagen oder Pausen hinein sein Dauergeklacke der Kamera in die Stille zu senden. Ansonsten war es lautstärkemäßig etwas grenzwertig für meine Ohren und in den Spitzen leicht verzerrt; sogar eine dbA-Anzeige konnte man ins Visier nehmen, wo immer wieder über die 100 in der Anzeige zu lesen war (siehe das vorletzte Foto in den Live-Impressionen, oben rechts)...

In Kürze kommt eine neue CD der Band raus, die sich alle gerne zulegen sollten, die handgemachten Blues in jeder Form lieben und dazu einer ganz besondere Stimme lauschen wollen. Also: greift zu! Und schaut bei einem der Konzerte mal vorbei, die oft auch mal von netten Gastmusikern bereichert werden. Gelegenheiten gibt es immer wieder...

Tourdaten Oktober:
Sa. 1.10.2011 Cloppenburg "Bebop" mit Arthur Brown & Clem Clempson
So. 2.10.2011 Ebersbach (Oberlausitz) "OKV" mit Chris Farlowe, Arthur Brown & Clem Clempson
Fr. 14.10.2011 Berlin "Quasimodo" mit Arthur Brown & Clem Clempson
Sa. 15.10.2011 Neukirchen "Sägewerk" mit Arthur Brown & Clem Clempson
Fr. 21.10.2011 Idstein/Wörsdorf "Scheuer" mit Arthur Brown & Clem Clempson
Sa. 22.10.2011 Winterbach "Lehenbachhalle" mit Arthur Brown & Clem Clempson
So. 30.10.2011 Finsterwalde "Atrium am Markt" mit Chris Farlowe & Clem Clempson
Mo. 31.10.2011 Aschaffenburg "Colos Saal" mit Chris Farlowe, Arthur Brown & Clem Clempson

Bitte beachtet auch:
- off. Homepage der Gruppe: www.hamburgbluesband.de
- off. Homepage von Chris Farlowe: www.simplyws.co.uk/chrisfarlowe/cfmain.html
- Homepage der Agentur "Handmade Concerts": www.handmadeconcerts.de
- Homepage des Bahnhof Langendreer: www.bahnhof-langendreer.de

 


 

Live-Impressionen:
 
 

   
   
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