Stern Akustisch live in Trebitz am 25. Dezember 2009

 

Bericht: Kerstin & Frank Kühn
Fotos: Kerstin & Frank Kühn

 


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Der Konzert-Dezember war lange geplant. In der Woche vor Weihnachten warteten City und Dirk Michaelis in Erfurt und noch einmal Ostende (diesmal mit Gästen) in Berlin auf uns. Weihnachten würden wir bei Stern Akustisch verbringen. Da sollte es dann nicht Berlin sein, weil Trebitz in Sachsen-Anhalt näher liegt. Doch wie war das, erstens kommt es anders...
Leider vereitelte ein zehntägiger Krankenhausaufenthalt fast alle meine Pläne. Aber ich wäre nicht ich, wenn es nicht wenigstens noch eine Lösung gäbe. Am 23. wurde ich nach Hause entlassen, und ich musste mich entscheiden: Schonst du dich und verzichtest auf das letzte geplante Konzert, oder fährst du doch nach Trebitz? Ich konnte mich nur für Letzteres entscheiden. Wenn es nicht das traurige Ende einer kurzen, aber tollen musikalischen Idee wäre, hätten wir uns richtig darauf freuen können. Und so machten wir uns am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtsfeiertag, nachmittags auf die dreistündige Fahrt in die anhaltinische Pampa (Entschuldigung: die Dübener Heide). Dort angekommen, enttäuschte uns zunächst die Größe der Lokalität. Saal ist wohl ein wenig übertrieben für die "Puppenstube". Und die Bühne erst! Was schrie uns denn da förmlich von der Bühne her an? Das Motto des Abends? Wir wurden nachdenklich: "Trebitz sucht den Superstar." Na hallo! Die Superstars waren doch da, eingeladen vom Karnevalsverein. Sie sind die Sonne, das weiß jeder. Was soll man da noch suchen? Klar, dass dieses Plakat nicht unbedingt zum Abend gehörte. Aber irgendwie doch bezeichnend?! Die Musiker waren trotzdem froh gelaunt beim Soundcheck. Improvisation schien offensichtlich wieder einmal angeraten. Na, da ließen wir uns doch mal von den "Superstars" überraschen.
Der Saal füllte sich zunächst spärlich, mehr mit Mitorganisatoren und Dorfbewohnern als mit Leuten, denen man Vorfreude auf das Konzert ansah, oder die man vielleicht sogar kannte. Irgendwann begann die Vorband "Viertakt" mit Bass, Gitarre, Kachon und Akkordeon ihr musikalisches Repertoire zum Besten zu geben. Da war alles dabei, von internationalen Hits der Siebziger und Achtziger über Karat bis zur irischen Volksmusik; aber nicht schlecht gemacht. Dem Publikum gefiel es.
Gegen 21:30 Uhr ging es dann aber wirklich los. Inzwischen haben sich auch noch einige Gäste eingefunden, die wegen der Sterne gekommen waren. Nun also das vorletzte Stern Akustisch-Konzert: Wehmut beschlich mich. Und die Gedanken beim Auftakttitel "Der weite Weg" vermochten sie nicht zu beseitigen (Wo mag der weite Weg sie noch hinführen?). Auch bei "Lass mich hier nicht liegen", dem IC-Titel für Reinhard Fißler, wurde es nicht besser. Warum sind die Texte nur so philosophisch, so allgemeingültig, so zu meiner Stimmung passend?
IC führte wieder gekonnt in seiner unvergleichlichen Art durch's Programm. Ob geborgene Schätzchen aus 45 Jahren Stern Meißen wie "Du komm her" oder "Schnee und Erde" oder im zweiten Teil "Schönheit", oder die großen Stern-Hits "Die Sage", "Der Kampf um den Südpol", "Nächte", "Also was soll aus mir werden?", für alle Titel hatte er eine passende Geschichte parat. Mit der Übertragung der "Mundartlieder" ("Leben möchte ich" und "Mein Weg") ins Anhaltinische traf er natürlich ins Schwarze der Hallenser. Selbst der Dank an die ehemaligen Kollegen erschien gar nicht aufgesetzt, sondern grundehrlich gemeint, auch wenn eine verständliche Verbitterung nicht zu übersehen war. Das Programm überzeugte. Micha B., Micha L., Frank, der auf dieser kleinen Bühne etwas versteckt wirkte, Alex und IC passten und harmonierten wieder super zusammen. Sie sind nun eingespielt. Das Spielen bereitete ihnen riesige Freude, man spürte es in jeder Geste, jedem Akkord. Besonders der gemeinsame Gesang von IC und Micha zauberte immer wieder Gänsehaut auf Körper und Seele, und schon brachte der Gedanke an die Endlichkeit dieser Erlebnisse die Melancholie wieder mit herauf.
Trotzdem genossen wir unser fünftes Stern Akustisch-Konzert, das fünfte Mal Erinnerungen an tolle SCM-Zeiten, das fünfte Mal Melancholie und Hochachtung, das fünfte, und leider letzte Mal diese Gänsehaut. Irgendwie erschien mir dieses Konzert am 1. Weihnachtstag trotzdem noch etwas anders. Es hatte etwas von einem Clubkonzert. Besonders deutlich wurde mir das beim Betrachten der Videoaufzeichnungen des Konzertes am nächsten Morgen. Es hatte etwas Anheimelndes. Der Mitschnitt wird also auch im Nachhinein noch eine wunderschöne Erinnerung an ein besonderes Konzert sein, die man, wenn die Melancholie zu groß wird, herausholen und in den DVD-Player legen kann. Die obligatorische Raucher-Pause machte deutlich, dass es für die Künstler in dieser Lokalität keinerlei Rückzugsmöglichkeit für ein Durchschnaufen, Luftholen oder dergleichen gab. Selbst jetzt waren sie von Gästen mit Autogramm- und Gesprächswünschen umlagert, und sie erfüllten sie, ohne zu murren. So, wie sie es natürlich auch am Ende des Konzertes noch mit Geduld und Ruhe taten. Club-Atmosphäre?
Im zweiten Teil legten die Jungs sich dann noch einmal so richtig ins Zeug. Und bei der Gelegenheit wurde mit den alten Mythen von randalierenden Musikern, von verwüsteten Hotelzimmern, Fitflaschen in Springbrunnen und dergleichen mehr endlich aufgeräumt. Zurück zur Musik. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchem frischen Sound die alten Hits dargestellt werden und doch völlig neu erscheinen. Ja, die Frage, "Was soll aus mir werden?" muss nun jeder für sich beantworten, da höhere Interessen offensichtlich wichtiger sind. Nein, ich will nicht wieder in eine gewisse Polemik verfallen. Es ist, wie es ist. Es ist leider nicht mehr zu ändern (Warum eigentlich nicht?)! "Dieses Leben ist jetzt und sonst nie", und doch tut es irgendwo weh!
Natürlich lief in den drei Stunden Heimfahrt der MP3-Player im Auto. Mit wem wohl? Beim Ansehen des Videos erfasste mich heute doch das Gefühl: "Fahr noch zum letzten Konzert!" Aber der Verstand musste dann doch siegen: Dreihundert Kilometer bis Berlin reißt man nicht eben so mal aus einer Laune heraus runter, auch wenn Weihnachten ist nicht. Deshalb möchte ich hier auf diesem Wege noch etwas loswerden: Jungs, wir danken euch für eine tolle Idee und ihre mutige Umsetzung! Danke für euer Durchhaltevermögen und den Kampfgeist. Danke für fantastische Konzerte, für Stunden von Besinnlichkeit und erfrischender Musik aus dem Soundtrack unserer Jugend. Und danke für immer wieder tolle Bilder. Wir werden uns hoffentlich - wenn schon nicht in dieser Zusammensetzung, oder besser mit diesem Projekt, so doch auf andere Weise - immer wieder begegnen. Wir wünschen euch für die Zukunft und euren weiteren persönlichen und musikalischen Weg alles erdenklich Gute (Wie sagte es einer der Organisatoren: "Bleibt so, wie ihr seid!")
Liebe Grüße Frank und Kerstin.



 

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